Richie hatte ja schon vor kurzem darauf hingewiesen, Claude Pinoteaus Film tödlcihe Angst lief gestern auf Arte und ist aktuell auch in der Mediathek verfügbar.
Inhalt:
Ventura (hier: Grimaldi) spielt in diesem Film einen Journalisten bzw. Autor, der ohne Grund eines Tages Opfer von Gewalt wird. Doch es bleibt hierbei nicht, immer wieder erhält er Drohanrufe und er gelangt in äußerst gefährliche Situationen. Grimaldi kann sich die Vorfälle nicht erklären, und auch die Polizei ist völlig ratlos. Es gibt keine Motive für die Taten.
Erst später stellt sich heraus, dass Grimaldi erpresst wird. In West-Berlin gelingt es ihm dann, den Erpresser zu stellen.
Kritik:
Tödliche Angst war der letzte große Film des großartigen Lino Venturas. Die Zusammenfassung des Inhalts ist etwas schwierig, weil der Film eine ganze Reihe verschiedener Erzählstränge bündelt. Immer mal wieder, entstehen bedrohliche Situationen für Grimaldi, dann werden diese aufgelockert durch diverse private menschliche Beziehungsthemen. So ist sein bester Freund ein alkoholkranker ehemaliger Soldat, dessen Frau wohl mal früher mit Ventura zusammen war. Der Polizist ist alleinerziehender Vater und bringt seine beiden kleinen Töchter zu Venturas Bewachung gleich mit. Es wird zwar darauf geachtet, dass das Paranoia Gefühl konstant vorhanden ist, jedoch ist die Fülle von Nebenschauplätzen auffällig. Versteht mich nicht falsch, der Film funktioniert und ist gut gemacht, der Film ist aber für die Sehgewohnheiten jüngerer Zuschauer, die nur Massenware gewöhnt sind, sicher zu ungewöhnlich. Der Erpresser wird von Robert Hoffmann gespielt, der seine Rolle gut macht. Hoffmann hatte ja damals große Probleme mit seinen Beinen (Nekrose) und wird daher nur im Stehen oder Sitzen gefilmt. Auf den ersten Blick könnte man ihn fast mit Delon verwechseln. Der Film war wohl ursprünglich anders geplant, so sollte Sophie Marceau die Tochter von Ventura spielen. Man wollte damals von ihrer Popularität profitieren, die sie durch den Film La Boom errungen hatte. Diese entschied sich letztlich gegen die Rolle. Aus diesem Grund wurde wohl die Rolle der Tochter im Drehbuch später deutlich reduziert, was im späteren Film sicherlich die seltsame Figurenkonstellation erklärt. Bei der Musik hatte man sich für Vladimir Cosma entschieden, der sicherlich damals von der Musik von Morricone stark beeinflusst war (Le professionel).
Die Wohnungseinrichtungen sind leider nicht so interessant, es gibt keine interessanten Möbelstücke oder Lampen.
Ich empfehle den Film uneingeschränkt für Freunde des französischen Kinos. Wer dieses Genre und die damaligen Akteure nicht kennt, für den ist der Film zum Einstieg in das Genre eher nicht zu empfehlen.
Mir hat der gut gemachte Film Spaß gemacht, obwohl er nicht zu den besten Werken seiner Zunft gehört.
TÖDLICHE ANGST - Claude Pinoteau
- Richie Pistilli
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Re: TÖDLICHE ANGST - Claude Pinoteau
Habe mir die Sichtung des Films bereits für das anstehende Wochenende vorgemerkt. 
Re: TÖDLICHE ANGST - Claude Pinoteau
Sehr gut Richie, ich freue mich jetzt schon auf deine Gedanken zu dem Film.
Achso, der Film hat noch eine kuriose Besonderheit, der Kumpel von Ventura ist Bauchredner. Ich fand die Szenen etwas befremdlich, aber anscheinend sind da wohl einige wichtige Gags im französichen mit verbunden.
Der Film hat wohl auch einige Anspielungen auf andere französische Filme der Zeit, die ich alle nicht verstanden habe. Vielleicht ist ja einer von euch da besser drin?
Achso, der Film hat noch eine kuriose Besonderheit, der Kumpel von Ventura ist Bauchredner. Ich fand die Szenen etwas befremdlich, aber anscheinend sind da wohl einige wichtige Gags im französichen mit verbunden.
Der Film hat wohl auch einige Anspielungen auf andere französische Filme der Zeit, die ich alle nicht verstanden habe. Vielleicht ist ja einer von euch da besser drin?
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Re: TÖDLICHE ANGST - Claude Pinoteau
Tödliche Angst (D)
La 7ème cible (F)
Il 7º bersaglio (IT)
La séptima víctima (ES)
Siódma ofiara (POL)
The Seventh Target
F 1984
R: Claude Pinoteau
D: Lino Ventura, Lea Massari, Robert Hoffmann, Jean Poiret, Roger Planchon, Élisabeth Bourgine, Béatrice Agenin, Jean-Pierre Bacri, Michael Morris, Erick Desmarestz, Karol Zuber, Lina Volonghi u.a.
Deutsche Erstaufführung: November 1988 (VHS-Premiere)
Synchronkartei
ARTE-Mediathek
Critic
Shot in Berlin
Score: Vladimir Cosma
IMCDb
OFDb
Der Schriftsteller und ehemalige Kriegsreporter Bastien Grimaldi (Lino Ventura) wird eines Abends anlasslos auf offener Straße von einer Männergruppe zusammengeschlagen. Zurück aus dem Krankenhaus versucht er, so gut wie möglich in seinen Alltag zurückzukehren. Doch der mysteriöse Vorfall lässt ihn nicht los, zumal merkwürdige Telefonanrufe, Erpressungsversuche und sogar ein Autobombenanschlag folgen. Bastien schaltet die Polizei ein. Als diese ihm nicht weiterhelfen kann, entschließt er sich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, und trifft dabei auf einen gewissen Sylvain Hagner (Robert Hoffmann). Der ist ein aktenkundiger Krimineller, der vor ihm schon sechs andere Opfer erpresst hat. Hagner fordert eine Milliarde Francs von Bastien. Eine beträchtliche Summe, die er nicht auftreiben kann – bis seine Ermittlungen ihn zu einem alten Familiengeheimnis führen. Seine Mutter (Lina Volonghi) hat ihm den Besitz von vier Gemälden der Maler Degas, Dufy, Renoir und Picasso verheimlicht. Wie hat Hagner von dem wertvollen Besitz erfahren? Es offenbart sich ein kriminelles Netzwerk, das bis ins geteilte Berlin führt, wo es zum Showdown kommt. [Quelle: ARTE]
Claude Pinoteaus schuf 1984 einen außergewöhnlicher Kriminalfilm in bester Hitchcock-Manier, dessen Spannungspotenzial weniger auf dem Handlungsplot beruht, sondern vielmehr auf der Frage "warum" und "wieso" sowie dem hilflosen Ausgeliefertsein des Hauptprotagonisten. Hinzu gesellt eine dichte Atmosphäre, die immer wieder für unheimliche Momente sorgt. Was den Handlungsverlauf anbelangt, so konnte mich dieser vom Anfang bis zum Ende fesseln. Die Rolle des Bastian Grimaldi stellte den letzten Schauspielauftritt Lino Ventura dar, der drei Jahre später an den Folgen eines Herzinfarktes verstarb. Seine Darbietung würde ich als äußerst souverän beschreiben, denn Ventura überzeugt den ganzen Film über. Als sein Gegenspieler wurde die österreichische Genrelegende Robert Hoffmann verpflichtet, der als fieser Möpp ebenfalls eine überzeugende Darbietung abgibt. Ebenfalls dabei: die italienische Schauspielerin Lea Massari, die die Ehefrau von Grimaldis bestem Freund Jean spielt, der wiederum von Jean Poiret verkörpert wird. Dann wäre da auch noch der von Jean-Pierre Bacri gespielte Kommissar Esperanza, dessen Darbietung mit besonders gut gefiel. Obwohl am Ende viele Fragen offen bleiben, gelingt es Grimaldi quasi im Alleingang, dem verantwortlichen Drahtzieher des erpresserischen Psychoterrors das Handwerk zu legen. Entgegen der oftmals verhaltenen Kritiken konnte mich der Film vollends begeistern. Ein toller Film mit einem gut aufgelegten Lino Ventura.
Score:
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Französischer Trailer:
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Trailer:
Re: TÖDLICHE ANGST - Claude Pinoteau
Hervorragend! Vielen Dank für deinen Bericht Richie!
Re: TÖDLICHE ANGST - Claude Pinoteau
@ Richie:
Kannst du mal was zu dem Kritikpunkt der Frauenrolle sagen? War dir die Rolle der Tochter zu gering?
Ich hatte ja oben schon geschrieben, dass die Frauen Rolle ja ursprünglich deutlich ausgeprägter hätte sein sollen.
Kannst du mal was zu dem Kritikpunkt der Frauenrolle sagen? War dir die Rolle der Tochter zu gering?
Ich hatte ja oben schon geschrieben, dass die Frauen Rolle ja ursprünglich deutlich ausgeprägter hätte sein sollen.
- Richie Pistilli
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Re: TÖDLICHE ANGST - Claude Pinoteau
Meinem Empfinden nach waren die Rollen voll ok. Die geringe Screentime der Tochter war meines Erachtens der inszenatorischen Dramaturgie geschuldet.
Béatrice Agenins Rolle als Geliebte fand ich ebenfalls rund. Und Lea Massari spielte sowieso nur eine Nebenrolle. Wären die Rollen ausgeprägter gewesen, dann hätte dies vermutlich den Plot verwässert, der schließlich das tragende Element des Films darstellt.
Béatrice Agenins Rolle als Geliebte fand ich ebenfalls rund. Und Lea Massari spielte sowieso nur eine Nebenrolle. Wären die Rollen ausgeprägter gewesen, dann hätte dies vermutlich den Plot verwässert, der schließlich das tragende Element des Films darstellt.