Da kann ich auch nicht vom Cash from Chaos reden, da kann ich nur noch sagen, das es durch und durch shice ist. Der zutätowierte Clown ist einfach nur widerlich, dito widerlich wie das Arschloch Steve Jones. Das Gesamte tönt nach Karaoke im Stile deppenhafter Privatsender mit Namen RTL oder PRO7. Klar, dem stark übergewichtigen Lydon wäre die Nummer bestimmt zu anstrengend, aber die restlichen drei PISTOLS hatten sich ja schon mal Billy Idol (war von Anfang an im Londoner Punk-Geschehen, war mit Vicious befreundet) ins Boot geholt, was ja recht gut funktionierte. Dieser Wichser Frank Carter geht gar nicht. Das hätten mindestens 1.000 Sänger deutlich besser hinbekommen, als diese Witzfigur.
Hm... für mich ist das Sex Pistols Kunstprojekt unter den Fittichen von Malcolm McLaren schon seit Jahrzehnten tot. Das ging schon mit der Entfernung von Glen Matlock los. Laut Wiki, irgendeine Biografie habe ich bis dato nie gelesen, war er immerhin für 10 der 12 Songs ihres einzigen Albums "Never Mind the Bollocks" verantwortlich. Des weiteren mag ich überhaupt nicht deren Entstehungsgeschichte als Band, welche voll in Richtung Casting Group geht. Diesbezüglich waren mir authentische Bands wie die "Ramones" oder "Dead Kennedys" schon immer wesentlich lieber. Aber das einzige Studioalbum der Sex Pistols lebt weiter!
Hm... für mich ist das Sex Pistols Kunstprojekt unter den Fittichen von Malcolm McLaren schon seit Jahrzehnten tot. Das ging schon mit der Entfernung von Glen Matlock los. Laut Wiki, irgendeine Biografie habe ich bis dato nie gelesen, war er immerhin für 10 der 12 Songs ihres einzigen Albums "Never Mind the Bollocks" verantwortlich. Des weiteren mag ich überhaupt nicht deren Entstehungsgeschichte als Band, welche voll in Richtung Casting Group geht. Diesbezüglich waren mir authentische Bands wie die "Ramones" oder "Dead Kennedys" schon immer wesentlich lieber. Aber das einzige Studioalbum der Sex Pistols lebt weiter!
Stimmt schon, dass die gecastet wurden. Als John weg war, holte man sich zig Leute zum Vorsingen, einige kamen auch direkt von der Kings Road. Und einige dieser Vorsänger kann man zu Beginn von "The great Rock´n´Roll Swindle" erleben.
"Never mind the Bollocks", ein Album dass ich immer noch zu meinen Top 5 zähle, würde ohne Johns Gesang ziemlich belanglos klingen. Johns Stimme ist einzigartig. Er hat sowas (Post-PISTOLS) nie mehr auf die Reihe bekommen.
Jones und Cook waren austauschbar. Jones hat sich jede Bühnenbewegung von Johnny Thunders aufgeguckt.
Einen Tipp gibt es aber trotzdem von mir:
ABBATH´s Auftritt vom Hellfest 2025. Vorne sind keine Kopfschüttler, denn es gibt tatsächlich Pogo.
Johns Gesang ist schon einzigartig, sein späteres Projekt PIL hat auch etwas, zunindest in meinen Ohren. PIL ist zwar weniger rau, wild und roh als die Sex Pistols, aber vor allem die beiden Songs "Rise" und "This is not a Love Song" mag ich sehr. Beide sind schon recht melodiös und gehen in Richtung New Wave und Postpunk, aber trotzdem gut. Und das Studioalbum der Sex Pistols gehört auch für mich in die Top 5 der besten Punk/Punkrock Alben aller Zeiten. Das wird immer so bleiben wie auch die beiden Alben "Fresh Fruit for Rotting Vegetables" und "Plastic Surgery Desaster" der Dead Kennedys.
Der Film ist absolut klasse. Des Weiteren empfehle ich von Dassin noch...
- Stadt ohne Maske
- Topkapi
- Gefahr in Frisco
- Die Ratte von Soho
- Zelle R 17
Aber vor allem ist der von dir gepostete "Rififi" zu empfehlen, welcher sein bekanntester Film ist. Ein französischer Heist Film vom Feinsten des amerikanischen Regisseurs, der als Meilenstein des Genres gilt.
Dassin wurde während der McCarthy Ära aufgrund seiner politischen Überzeugungen und angeblicher kommunistischer Verbindungen von Hollywood ausgeschlossen, sodass er in den 50er Jahren nach Europa auswanderte, wo er weiterhin erfolgreiche Filme drehte. So entstand sein Werk "Rififi" in Frankreich. Der Film brachte Dassin 1955 bei den Filmfestspielen von Cannes den Preis für die beste Regie ein. In meinen Augen sein bester Film. Sein Spätwerk "Topkapi" aus Mitte der 60er Jahre ebenfalls klasse.
Hm... für mich ist das Sex Pistols Kunstprojekt unter den Fittichen von Malcolm McLaren schon seit Jahrzehnten tot. Das ging schon mit der Entfernung von Glen Matlock los. Laut Wiki, irgendeine Biografie habe ich bis dato nie gelesen, war er immerhin für 10 der 12 Songs ihres einzigen Albums "Never Mind the Bollocks" verantwortlich. Des weiteren mag ich überhaupt nicht deren Entstehungsgeschichte als Band, welche voll in Richtung Casting Group geht.
Stimmt schon, dass die gecastet wurden. Als John weg war, holte man sich zig Leute zum Vorsingen, einige kamen auch direkt von der Kings Road. Und einige dieser Vorsänger kann man zu Beginn von "The great Rock´n´Roll Swindle" erleben.
Die Band war nicht "unauthentischer" als andere auch, da sollte man nicht McLarens Selbstinszenierung im Film THE GREAT R'N'R SWINDLE auf den Leim gehen, wo er sich ja zum großen Strippenzieher/Puppenspieler schlechthin stilisiert. Der Kern der Combo existierte schon seit einigen Jahren unter anderen Namen, schon mit Jones, Cook und Matlock, als es den Namen Sex Pistols noch gar nicht gab. Von Wally Nightingale (später nicht mehr dabei) soll die Musik zu "Did you no wrong" stammen und im Jahr 1974 entstanden sein. Das Vorsingen von Rotten war auch nichts Besonderes, das sich McLaren als besonderen Casting-Stunt auf die Fahnen hätte schreiben können.
Als eine Art Anti-Manager hat er die Band auf ungewöhnliche Weise mit groß gemacht, das stimmt schon. Er hat sie aber relativ bald auch wieder mit zerstört, weil er zu vieles laufen ließ. Einfach mal hinterfragen, warum man eine US-Tour auf die Weise bucht, wie er das getan hatte. Ein "echter" Manager hätte die Band in dieser Phase zusammenzuhalten versucht, bei McLaren war es ein Jonglieren mit merkwürdigen Entscheidungen (US-Tour an teils entlegenen Orten, dann der Brasilien-Trip zu Ronnie Biggs bereits ohne Rotten und Vicious, dazu der chaotische Film zur Selbstverherrlichung).
Jones und Cook waren austauschbar. Jones hat sich jede Bühnenbewegung von Johnny Thunders aufgeguckt.
Da muss ich widersprechen. Es gibt ja eine Art Making-of-DVD zur "Never mind the Bollocks", bei der Soundtechniker und Produzenten im Studio nachvollziehbar erläutern, wer das Schiff musikalisch/handwerklich auf Kurs hielt. Der grundsolide Cook-Drumbeat war das Fundament, Steve Jones zeichnete für die Gitarren und den Bass verantwortlich, im Bonusmaterial spielt er die Gitarrenriffs und -soli durch. Wie ein "Arschloch" kommt er zumindest dabei nicht rüber, aber das kann man ja auch anders sehen.
Und was Herrn Rotten/Lydon angeht, finde ich ihn teilweise schon sehr anstrengend, auch was seine merkwürdige Sicht auf Trump betrifft: "I’ll never like him. I’ll vote for him, but that’s about it." (Quelle: https://www.nme.com/news/music/john-lyd ... it-3839343) Ob die Pistols mit ihm heute noch wirklich gut funktionieren würden, werden wir wohl nie mehr erfahren.
Die aktuelle Inkarnation der Pistols betrachte ich eher als eine Art Coverband, aber Hassgefühle weckt das nicht in mir, dafür ist es zu unbedeutend.
Pures Gold ist der Mitschnitt beim Soundcheck für das Winterland-Konzert: Die Implosion der Band steht kurz bevor, die gereizte Stimmung ist greifbar. Aber als historisches Dokument ist die Aufnahme (zumindest für mich) von großem Wert.
Hm... für mich ist das Sex Pistols Kunstprojekt unter den Fittichen von Malcolm McLaren schon seit Jahrzehnten tot. Das ging schon mit der Entfernung von Glen Matlock los. Laut Wiki, irgendeine Biografie habe ich bis dato nie gelesen, war er immerhin für 10 der 12 Songs ihres einzigen Albums "John Simon Ritchie" verantwortlich. Des weiteren mag ich überhaupt nicht deren Entstehungsgeschichte als Band, welche voll in Richtung Casting Group geht.
Stimmt schon, dass die gecastet wurden. Als John weg war, holte man sich zig Leute zum Vorsingen, einige kamen auch direkt von der Kings Road. Und einige dieser Vorsänger kann man zu Beginn von "The great Rock´n´Roll Swindle" erleben.
Die Band war nicht "unauthentischer" als andere auch, da sollte man nicht McLarens Selbstinszenierung im Film THE GREAT R'N'R SWINDLE auf den Leim gehen, wo er sich ja zum großen Strippenzieher/Puppenspieler schlechthin stilisiert. Der Kern der Combo existierte schon seit einigen Jahren unter anderen Namen, schon mit Jones, Cook und Matlock, als es den Namen Sex Pistols noch gar nicht gab. Von Wally Nightingale (später nicht mehr dabei) soll die Musik zu "Did you no wrong" stammen und im Jahr 1974 entstanden sein. Das Vorsingen von Rotten war auch nichts Besonderes, das sich McLaren als besonderen Casting-Stunt auf die Fahnen hätte schreiben können.
Das stimmt doch zum größten Teil nicht. Die Band wurde in der Tat gecastet und das hat nichts mit dem späteren Film "The Great Rock ’n’ Roll Swindle" zu tun. Nicht der Kern der Kombo hat entschieden, wer ihr Leadsänger wird, sondern Malcom McLaren. Er hat Jones, Cook und Matlock den damals jungen Johnny Rotten vor die Nase gesetzt bzw. die Band zusammgefügt und nach seinem Willen gestaltet und später umgestaltet als er John Simon Ritchie mit ins Boot geholt hat. Das auch nur wegen seinem perfekten Punk Image. Er konnte nichtmals richtig einen Bass spielen. Motörhead Frontman Lemmy Kilmister hat sogar versucht ihm das Bass Spielen beizubringen. Vergeblich. Dass Matlock aufgrund von Streitigkeiten und Unstimmigkeiten gehen musste bzw. entfernt wurde, war der größte Fehler im Bestehen der Truppe, das sagte selbst Jones mal in einem Interview. Jones behauptete in späteren Jahren sogar, dass sie mit Matlock mehr Studioalben realisiert hätten können. Die Sex Pistols haben lediglich ein einziges Studioalbum auf die Reihe gekriegt. Davon war Matlocks Anteil groß. Und noch mehr zum Thema Authentizität, die Bandmitglieder durften nichtmals ihren eigenen Bandnamen aussuchen. Der Name der Band wurde ihnen ebenfalls von Kunstprojektleiter Malcolm McLaren aufgezwungen. Wahrscheinlich aus Kalkül mit Anlehnung an den Sex Shop oder besser ihrer Sex Boutique, die Malcolm McLaren und Vivienne Westwood damals in London führten. Das sind alles Fakten, die man nicht einfach mal unter den Teppich fegen kann. Die Entstehungsgeschichte der Sex Pistols unterscheidet sich drastisch von anderen Punk oder Punkrock Bands wie als Beispiel den Ramones oder Dead Kennedys.
Jones und Cook waren austauschbar. Jones hat sich jede Bühnenbewegung von Johnny Thunders aufgeguckt.
Da muss ich widersprechen. Es gibt ja eine Art Making-of-DVD zur "Never mind the Bollocks", bei der Soundtechniker und Produzenten im Studio nachvollziehbar erläutern, wer das Schiff musikalisch/handwerklich auf Kurs hielt. Der grundsolide Cook-Drumbeat war das Fundament, Steve Jones zeichnete für die Gitarren und den Bass verantwortlich, im Bonusmaterial spielt er die Gitarrenriffs und -soli durch. Wie ein "Arschloch" kommt er zumindest dabei nicht rüber, aber das kann man ja auch anders sehen.
Matlock war erster Bassist der Sex Pistols. Jones und Cook sicherlich gute Musiker. Matlock hat nach seiner kurzen Karriere bei den Sex Pistols bzw. nach der Entfernung aus der Band später unzählige andere Bands gegründet. Er tourte sogar mit Punk Ikone Iggy Pop von den Stooges und spielte zeitweise, soweit mir bekannt, sogar mal für Iggy Pops Band den Bass. Trotz der bizarren Entstehungsgeschichte der Sex Pistols hat zumindest ihr einziges Studioalbum "Never Mind the Bollocks" nichts an seiner Faszination verloren. Es lebt weiter! Trotz der fürchterlichen Coverbands.
Das stimmt doch zum größten Teil nicht. Die Band wurde in der Tat gecastet und das hat nichts mit dem späteren Film "The Great Rock ’n’ Roll Swindle" zu tun. Nicht der Kern der Kombo hat entschieden, wer ihr Leadsänger wird, sondern Malcom McLaren. Er hat Jones, Cook und Matlock den damals jungen Johnny Rotten vor die Nase gesetzt bzw. die Band zusammgefügt und nach seinem Willen gestaltet und später umgestaltet als er John Simon Ritchie mit ins Boot geholt hat. Das auch nur wegen seinem perfekten Punk Image. Er konnte nichtmals richtig einen Bass spielen. Motörhead Frontman Lemmy Kilmister hat sogar versucht ihm das Bass Spielen beizubringen. Vergeblich. Dass Matlock aufgrund von Streitigkeiten und Unstimmigkeiten gehen musste bzw. entfernt wurde, war der größte Fehler im Bestehen der Truppe, das sagte selbst Jones mal in einem Interview. Jones behauptete in späteren Jahren sogar, dass sie mit Matlock mehr Studioalben realisiert hätten können. Die Sex Pistols haben lediglich ein einziges Studioalbum auf die Reihe gekriegt. Davon war Matlocks Anteil groß. Und noch mehr zum Thema Authentizität, die Bandmitglieder durften nichtmals ihren eigenen Bandnamen aussuchen. Der Name der Band wurde ihnen ebenfalls von Kunstprojektleiter Malcolm McLaren aufgezwungen. Wahrscheinlich aus Kalkül mit Anlehnung an den Sex Shop oder besser ihrer Sex Boutique, die Malcolm McLaren und Vivienne Westwood damals in London führten. Das sind alles Fakten, die man nicht einfach mal unter den Teppich fegen kann. Die Entstehungsgeschichte der Sex Pistols unterscheidet sich drastisch von anderen Punk oder Punkrock Bands wie als Beispiel den Ramones oder Dead Kennedys.
Eine Band mit späterem Namen SEX PISTOLS gab es in verschiedenen Besetzungen seit den frühen Siebzigern als THE STRAND oder THE SWANKERS. Da haben sich, wie in diversen Rock- und Metalszenen weltweit üblich, diverse Leute ausprobiert, bis sich ein festes Line-up gebildet hatte. Teilweise gab es kurz auch zwei Gitarristen: zum einen Nick Kent (der Journalist, der dann bei einem Gig im Publikum von Sid Vicious angegriffen wurde) und Steve New (aka Stella Nova, der später bei GENERATION X oder John Lydons PIL spielte, neben etlichen anderen Jobs, unter anderem auch mit Glen Matlock).
Dass in solchen frühen Stadien einer Band diverse Kumpels, Kurzzeitmitglieder oder Jamsession-Teilnehmer kommen und gehen, ist völlig normal. Im Übrigen wurde McLaren erst nach seiner Rückkkehr aus den USA (Management der NEW YORK DOLLS) von Steve Jones angesprochen, ob er die Band nicht managen möchte. Auch Bernie Rhodes (später Manager von den CLASH) war in dieser Zeit involviert. Es ist nach Angaben von Zeitzeugen noch nicht mal völlig gesichert, wer genau (Rhodes oder McLaren) Lydon zum entscheidenden Vorsingen einlud. Lydon meinte, dass Rhodes überhaupt erst auf ihn aufmerksam wurde. Anzeigen in Musikzeitschriften ("Gitarrist und Sänger gesucht") oder Einladungen zu Auditions sind Alltag, das machten Bands oder Managements permanent (wie auch in diesem Fall).
Diese Entwicklungsphase einer Band, wie sie zigtausendfach abläuft, ist doch kein Casting und die Pistols waren auch keine komplett "gecastete" Band, der quasi alles vom Line-up bis zur Musik vorgeschrieben wurde. Am eigenem Material konnte man die Fortschritte anhand der Dave-Goodman-Sessions und der von Chris Spedding produzierten Demos gut mitverfolgen. Die Band hatte Förderer, die musikalisch von ihr überzeugt waren. Auch das ist normal, wenn sich eine Formation stabilisiert und mehr als nur Talent erkennbar ist. Ein "Casting" macht man dann, wenn die Industrie auf ein bestehendes Geschäftsmodell zugreifen kann, siehe Pop-Boygroups, und deshalb eine Art Marionetten-Combo zusammenstellt, die personell und musikalisch wie ferngesteuert funktionieren soll.
Einen Markt für Punk gab's aber doch 1975 in GB noch gar nicht, das ist dann erst sehr kurzfristig, aber eben heftig explodiert und dann im Fall der Pistols wieder in sich zusammengefallen. McLaren hat clever den Ball aufgenommen, Skandälchen produziert, Plattenfirmen gegeneinander ausgespielt ... in dieser Hinsicht war er sehr kreativ. Als klassischen Bandmanager wie im Rockbusiness üblich sah er sich dagegen ja selbst nicht, das gab er in Interviews später offen zu.
Woher der Name SEX PISTOLS kam, ist auch Gegenstand unterschiedlicher Erinnerungen: Seitens Matlock hieß es, die Band hätte sich dafür entschieden, als McLaren in den USA war, noch bevor Rottens Einstieg. In dieser Zeit wurde es dann ernster, mehr eigenes Material entstand und Ende '75 kam dann der erste Gig (aber das ist ja eh alles bekannt). Natürlich hat McLaren eine Menge Ideen produziert, aber seine Rolle für die Bandidentität schon auch selbst gerne übertrieben dargestellt, weil er sich in dieser Position gefiel.
Man sollte auch keinesfalls unterschätzen, welche eigene Kreativität die jungen Musiker in dieser Londoner Szene einbrachten. Das war dann schon sehr bald ihr eigenes Werk und nicht das Resultat eines "Casting-Projekts", das ein umtriebiges Pärchen (McLaren/Westwood) konstruiert hätte. Natürlich gab es bei McLaren und Jamie Reid (Pistols-Grafiker) Einflüsse seitens der Situationistischen Internationale (Frankreich, Sechzigerjahre), aber bei genauerem Hinsehen sieht man gerade in den frühen Bandjahren bei den Pistols auch die normale Entwicklung einer Rockband, die dann durch die Punk-Explosion zu etwas Besonderem wurde.
Aber wir schweifen hier völlig ab, sehe ich gerade. Vielleicht sollten wir im Offtopic weitermachen ...
Dass in solchen frühen Stadien einer Band diverse Kumpels, Kurzzeitmitglieder oder Jamsession-Teilnehmer kommen und gehen, ist völlig normal. Im Übrigen wurde McLaren erst nach seiner Rückkkehr aus den USA (Management der NEW YORK DOLLS) von Steve Jones angesprochen, ob er die Band nicht managen möchte. Auch Bernie Rhodes (später Manager von den CLASH) war in dieser Zeit involviert. Es ist nach Angaben von Zeitzeugen noch nicht mal völlig gesichert, wer genau (Rhodes oder McLaren) Lydon zum entscheidenden Vorsingen einlud. Lydon meinte, dass Rhodes überhaupt erst auf ihn aufmerksam wurde. Anzeigen in Musikzeitschriften ("Gitarrist und Sänger gesucht") oder Einladungen zu Auditions sind Alltag, das machten Bands oder Managements permanent (wie auch in diesem Fall).
Alles sehr komplex und kompliziert bei den Sex Pistols. Eine reine Casting Band sind sie ja nie gewesen, das reine Gegenteil davon aber auch nicht. Die Sex Pistols liegen da irgendwo in der Mitte, in einer einer Art von Grauzone. Und das ist nicht auf meinen Mist gewachsen, sondern basiert auf Tatsachen, zumimndest auf einen Teil davon, die ans Licht gekommen sind.
Diese Entwicklungsphase einer Band, wie sie zigtausendfach abläuft, ist doch kein Casting und die Pistols waren auch keine komplett "gecastete" Band, der quasi alles vom Line-up bis zur Musik vorgeschrieben wurde. Am eigenem Material konnte man die Fortschritte anhand der Dave-Goodman-Sessions und der von Chris Spedding produzierten Demos gut mitverfolgen. Die Band hatte Förderer, die musikalisch von ihr überzeugt waren. Auch das ist normal, wenn sich eine Formation stabilisiert und mehr als nur Talent erkennbar ist. Ein "Casting" macht man dann, wenn die Industrie auf ein bestehendes Geschäftsmodell zugreifen kann, siehe Pop-Boygroups, und deshalb eine Art Marionetten-Combo zusammenstellt, die personell und musikalisch wie ferngesteuert funktionieren soll.
Das sehe ich nahezu komplett anders. Die Entwicklungsphase bzw. Entstehungsprozess einer Band läuft sicherlich nicht zigtausendfach so ab wie bei den Sex Pistols. Schon gar nicht bei Punkrock oder Hardrock Bands. Die Sex Pistols wie auch The Clash (bei The Clash aber wesentlich reduzierter), sind da eher bizarre Ausnahmen in denen sich irgendwelche Managertuppese von außen viel zu starken Einfluss auf die Band an sich genommen haben. ich vermute mal, dass Jones, Cook und Matlock nur sehr wenig Einfluss auf die Wahl von Rotten als Leadsänger hatten. Normalerweise wäre das ihr Job bzw. ein normaler Vorgang innerhalb einer normalen Band gewesen. Aber der Entstehungsprozess der Sex Pistols war alles andere als normal. McLaren hatte die Fäden in der Hand, das sah man auch ganz deutlich als Matlock durch Vicious ersetzt wurde.
Einen Markt für Punk gab's aber doch 1975 in GB noch gar nicht, das ist dann erst sehr kurzfristig, aber eben heftig explodiert und dann im Fall der Pistols wieder in sich zusammengefallen. McLaren hat clever den Ball aufgenommen, Skandälchen produziert, Plattenfirmen gegeneinander ausgespielt ... in dieser Hinsicht war er sehr kreativ. Als klassischen Bandmanager wie im Rockbusiness üblich sah er sich dagegen ja selbst nicht, das gab er in Interviews später offen zu.
Punkrock ist in den USA entstanden. Als Vorreiter des Punkrock sind definitiv The Stooges, MC5 und einige wenige andere Bands zu betrachten. In meinen Ohren ist Punkrock durch die Ramones in Reinform entstanden. Die Ramones sind trotz ihrer 3 Akkorde wie eine Bombe in den USA eingeschlagen, aber nur in der Underground Szene insbesondere im CBGB. Die Ramones haben aber keine Bewegung ausgelöst, die kam erst später in England mit den Sex Pistols. Die Punkbewegung breitete sich dann relativ schnell von England weiter nach Europa aus, insbesondere auch nach Deutschland. England war für diese Musik geradezu prädestiniert, zu jener Zeit war die Armut in den unteren sozialen Schichten recht hoch. Auch besaß England eine stark ausgeprägte Arbeiterklasse an sich. Die Zukunftsperspektiven junger Menschen waren zur jener Zeit auch eher suboptimal zu betrachten. England war geprägt von wirtschaftlichen Schwierigkeiten, sozialen Unruhen und kulturellen Umbrüchen. Die Sex Pistols trafen mit ihrer Musik genau den Nerv der Zeit. Ausufernde Live Gigs, ihr punkiges Image, an vorderster Front insbesondere Rotten und Vicious, schlugen bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein wie eine Atombombe. Relativ kurze Zeit später schwappte die neue Punkrock/Punk Bewegung dann auch nach Europa rüber, insbesondere Deutschland. Punkrock/Punk wurde auch immer härter und schneller. Siehe als Beispiel Dead Kennedys, The Exploited oder Slime.
Man sollte auch keinesfalls unterschätzen, welche eigene Kreativität die jungen Musiker in dieser Londoner Szene einbrachten. Das war dann schon sehr bald ihr eigenes Werk und nicht das Resultat eines "Casting-Projekts", das ein umtriebiges Pärchen (McLaren/Westwood) konstruiert hätte. Natürlich gab es bei McLaren und Jamie Reid (Pistols-Grafiker) Einflüsse seitens der Situationistischen Internationale (Frankreich, Sechzigerjahre), aber bei genauerem Hinsehen sieht man gerade in den frühen Bandjahren bei den Pistols auch die normale Entwicklung einer Rockband, die dann durch die Punk-Explosion zu etwas Besonderem wurde.
Die Sex Pistols waren schon auf einer gewissen Ebene konstruiert, haben sich aber später auch weiterentwickelt bzw. eine Menge Substanz und Eigenenergie in die Band als solches investiert. Das ist schon richtig . McLaren hat sich wahrscheinlich auch nicht zu sehr in die musikalischen Angelegenheiten der Band (Songtexte, Komposition, etc.) eingemischt, vermute ich mal, er hielt sich in dem Punkt wohl eher im Hintergrund. Bei der Vermarktung und Image Pflege dagegen stand er allerdings ganz weit vorne. Ebenso bei personellen Entscheidungen der Band. Jedenfalls bin ich froh darüber, dass die Sex Pistols überhaupt entstanden sind, mal ganz egal wie die Band Zustande gekommen ist. Wäre dem nicht so, dann gäbe es auch das geniales Album "Never Mind The Bollocks" nicht, das die Nachwelt begeistert und unzählige andere Bands inspirierte und heute noch inspiriert. Es ist in der Tat eines der besten Punk/Punkrock Alben aller Zeiten.
Eine reine Casting Band sind sie ja nie gewesen, das reine Gegenteil davon aber auch nicht.
Ja was denn jetzt?
Der Begriff Casting ist ja schon seit der Zeit vor den Pistols (siehe MONKEES) nun wirklich anders definiert, später kamen über die Jahrzehnte sehr bekannte und erfolgreiche Formationen dazu (NEW KIDS ON THE BLOCK, BONEY M., NO ANGELS). Bei BONEY M. sang nicht nur Bobby Farrell nicht selbst, Studiomusiker wie Kurt SUPERMAX Hauenstein wurden hinzugezogen, es gab schon einen Tonträger auf dem Markt ohne Coverfoto und die "Band" wurde erst danach über eine Agentur zusammengestellt. Bei den NO ANGELS erfolgte die Auswahl im Rahmen einer TV-Show, die genau zu diesem Zweck konzipiert worden war. Das sind Casting-Projekte, zweifellos.
Davon kann bei den Pistols nicht die Rede sein. Sie spielen wie andere Bands über Jahre zusammen, Namen ändern sich, Kurzzeit-Besetzungen wechseln, manche Mitglieder haben keine Zeit mehr, weil sie irgendwann mal regulär arbeiten müssen, es gibt noch keine Live-Konzerte oder bestenfalls im Rahmen einer privaten Party, vieles ist noch im Fluss. Jones ist zunächst Frontmann, will dann aber zur Gitarre wechseln, weil er sich dort wohler fühlt und sie zusehends besser beherrscht.
Die Pistols schreiben ihr eigenes Material, arbeiten fleißig daran (siehe Goodman/Spedding-Demosessions) und sie spielen die Songs im Studio selbst ein. Handwerklich übrigens äußerst solide, wenn man die Statements von Produzent Chris Thomas und Engineer Bill Price (O-Ton Lydon: "A bit of a genious") als Quelle heranzieht.
Das ist der Werdegang, den ich in Bezug auf Tausende anderer Bands meinte, wo es genauso oder sehr ähnlich lief/läuft. Wir sprechen nicht von der Explosion des Punk in GB mit den Pistols und McLaren mittendrin, wir sprechen nicht von den Pistols als nationalem Skandalthema nach der Grundy-Sendung, wir sprechen nicht vom Queen-Skandal, als die die Pistols-Single in den Charts buchstäblich ausradiert wurde (leere Zeile in der Auflistung) und Rod Stewart auf Platz 1 landete. Das war in der Tat einzigartig.
Die sonstigen Abläufe in der frühen Phase sind allerdings, gerade vor dem Hintergrund der "Kunstprojekt"-Behauptung in Bezug auf McLaren, auffallend konventionell. Haufenweise andere Bands haben sehr ähnliche Erfahrungen gemacht, auch im Metalbereich beispielsweise, der für sich ja gerne im Gegensatz zum Pop seine "Authentizität" betont. Auch dort wechseln Besetzungen, weil sich junge Musiker unterschiedlich schnell entwickeln und mit bestimmten Belastungen überfordert sind (siehe ehemals singende Bassisten bei Morgoth oder Blind Guardian, die bald nur noch Live-Sänger waren). Da werden den Bands auch schon mal unabgesprochen Cover aufs Auge gedrückt, die sie gar nicht wollten (siehe "Emperor's Return" bei Celtic Frost).
Selbstredend sind Managements auch fordernd, aber sie können eben auch sinnvolle Entscheidungen treffen. Hätte Lydon beim Vorsingen und den ersten Rehearsals zusammen mit der Band nicht funktioniert, wäre es das vielleicht schon wieder gewesen. So aber entstand erst in dieser Konstellation eine besondere Mischung, die man vielleicht als Randbeobachter manchmal sogar besser oder früher erahnen kann als wenn man selbst in der Band spielt.
Die personelle Entwicklung in der Band (Matlock > Vicious) hatte ja auch interne Gründe. Ich würde gerade Rotten/Lydon in jungen Jahren für einen sehr guten Texter und Performer halten, aber auch für eine schwierige und sehr launische Persönlichkeit (Diva). Eine Band mit solchen Figuren zusammenzuhalten ist sicher schwierig. Vicious war der Klischee-Punk als Image, das er offenbar zusehends selbst glaubte. Tragisch für ihn, aber völlig unbegabt wäre er gar nicht mal gewesen. Es gibt Bootleg-Mitschnitte, bei denen er sich hörbar bemühte, aber das ließ später nach, vor allem im zunehmenden Drogensumpf.
Beim letzten Konzert hat er einige Momente, die Grundfähigkeiten am Bass zeigen. Bei "Bodies" fällt kurz Jones' Gitarre aus, Sid muss die Lücke füllen. Wenn man die Umstände bedenkt (desaströse US-Tour, Band erschöpft, Stimmung am Nullpunkt, letzter Gig), ist dieser Moment durchaus brauchbar. Die meisten von uns wären in diesem Zustand (ein Junkie am Bass, wohlgemerkt!) wohl kaum auf die Bühne gekommen bzw. nach zwei, drei Nummern wieder runtergefallen.
Ältere Livemitschnitte zeigen, dass er bei nicht zu schnellen Stücken in einfacher Form der Gitarren-/Songstruktur folgen konnte. Das wäre mit mehr Üben und ohne Heroinsucht in begrenztem Maße ausbaufähig gewesen, aber dazu kam es halt bekanntermaßen nicht mehr. Aber bei einer Nummer wie "Belsen" (ebenfalls vom Winterland-Gig) funktioniert die Sache doch halbwegs ... dabei immer vor dem Hintergrund betrachtet, dass hier eine Band aus Frust und Erschöpfung in sich zusammenfällt.
Zum Abschluss eine Punk-/Vicious-Rarität: die Aufnahme des ersten spontanen Gigs von SIOUXSIE AND THE BANSHEES. Im September 1976 hatte McLaren ein Festival im Londoner 100 Club organisiert, bei dem sehr kurzfristig ein Slot verfügbar war. Quasi ungeprobt springen ein: Siouxsie und Steve Severin, an der Gitarre Marco Perroni (später ADAM AND THE ANTS) und am Schlagzeug ... Sid Vicious! Man möchte es ja kaum glauben, aber es gibt einen Fotobeweis und Augen-/Ohrenzeugen. Das Resultat ... nun denn, musikalisch war es interessant, aber mehr nicht. Die Bootlegs davon (in 50er-Auflage erschienen) muss man bei dieser Soundqualität wohl nicht haben, die Aufnahme hat halt historischen Wert.
Wenn die Band so eigenständig gewesen ist wie du behauptest, warum hat der übrig gebliebene Kern der Band, also Jones und Cook, Rotten sekundär, die für die musikalischen Kompositionen der Songs verantwortlich gewesen sind, nach der Entfernung von Matlock, jemanden in die Band geholt, der überhaupt nicht richtig Bass spielen konnte?!! Das ist doch völlig suspekt, oder nicht?!! Nimm mal die rosa Brille ab...
Wenn die Band so eigenständig gewesen ist wie du behauptest, warum hat der übrig gebliebene Kern der Band, also Jones und Cook, Rotten sekundär, die für die musikalischen Kompositionen der Songs verantwortlich gewesen sind, nach der Entfernung von Matlock, jemanden in die Band geholt, der überhaupt nicht richtig Bass spielen konnte?!! Das ist doch völlig suspekt, oder nicht?!! Nimm mal die rosa Brille ab...
Lesen und Verstehen ist schon ein gewisses Problem, oder? Wenn du nach eigenen Angaben noch nie eine Biographie über die Band gelesen hast und dich vermutlich auch nicht durch einen Berg zeitgenössischer Dokumente (Konzerte, Interviews, TV-Reportagen etc.) gearbeitet hast, ist die Informationslage natürlich diffuser als ohnehin schon.
Die Fronten eines fast 50 Jahre zurückliegenden "Konflikts" sind nicht so ganz eindeutig, wie sie jede der verschiedenen Parteien damals und im Nachhinein so darstellte. Eine Band und ein Land in Aufruhr nach dem Grundy-Desaster, mit Auftrittsverboten, Messerangriffen seitens erboster Queen-Anhänger (damit ist nicht die Band gemeint) und internen Spannungen als Sahnehäubchen obendrauf. Dazu der katastrophale Abgang mit einem einerseits fantastischen Album, aber auch einer schlimmen US-Tour, Sids Tod und einem Film, der das Geld der Band vernichtete, gefolgt von jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen um Tantiemen, Rechte und persönliche Eitelkeiten.
In einem solchen Chaos werden natürlich ohne große Überraschung oftmals unvernünftige Entscheidungen ohne musikalischen und geschäftlichen Weitblick getroffen. Man muss ja bedenken, wie jung und unbedarft die Musiker waren. Dazu ein McLaren, der zu allem Überfluss gerade auf seinem "The great manipulator"-Trip war, sich im "Swindle"-Film fast größenwahnsinnig und wohl nur teilweise ironisch als großer Strippenzieher darstellte. Da nimmt man dann halt Rottens Freund Sid, der ohnehin ein Hardcore-Fan der Band ist und im Stil einer Cartoon-Figur als lebendes Punk-Klischee als wie geschaffen dafür erscheint.
Tatsächlich hatte er sich ja anfangs musikalisch bemüht und wenn man sich durch stundenlange Live-Mitschnitte hört, waren Basis-Fähigkeiten vorhanden. Selbst auf der US-Tour, wo er als Junkie mit dem in die Brust geritztem Hilferuf "Gimme a Fix" in Erscheinung tritt, gab es lichte Momente. Beim Soundcheck des letzten Gigs spielt er für sich Ramones-Bassriffs an und zu Beginn von "God save the Queen" (als Jones' Gitarre ausfällt) folgt er klar hörbar dem Riff des Songs. Andere Beispiele hatte ich ja verlinkt (mal angehört?). Aber das waren halt nur mehr schwach strahlende Leuchttürme im Sumpf aus Nancy- und Heroin-Abhängigkeit.
Ich denke, dass bei diesem Thema die Legendenbildung seitens Medien, Fans und auch seitens mancher Beteiligter riesig und entsprechend manipulativ ist. Da wird alles und nichts geglaubt, es werden Fakten ignoriert und düstere Spekulationen in die Welt gesetzt (speziell dafür waren Sids und Nancys Tod natürlich das ideale Futter). Ich zitiere mal aus dem OX-Interview mit Glen Matlock vom Frühjahr 2001:
"In "The Great Rock´n´Roll Swindle" versuchte Malcom McLaren meiner Ansicht nach die SEX PISTOLS als seine ureigene Kreation darzustellen, die von ihm dominiert und gelenkt wurde. Wart ihr wirklich so?
Nein. Ohne McLaren hätte es die Pistols sicherlich nicht gegeben. Allerdings wäre McLaren ohne uns auch nicht zu dem geworden, was er damals war. Der Film war schon eine ziemliche Zumutung. Zu keiner Zeit waren wir seine Marionetten. So stellte er aber die Dinge da und so gab er sich auch als Person. Das war auch einer der Gründe, warum ich die Band damals verließ."
Das ist meines Erachtens zumindest im Kern korrekt so. Die Pistols als reines Medienphänomen und inszenierter Skandal-Spielball ab 1977 hat sicher McLaren zu verantworten, mit den absehbaren Folgen. Die Musik dagegen und auch die Band selbst vor 1977 steht auch ohne ihn auf sicherem Grund. Diese Substanz kann man nicht künstlich als aufgeblasenen Hype erschaffen. Wer die Platte auflegt, weiß ab dem ersten Gitarrenriff von "Holidays in the Sun", dass diese musikalische Bombe ohne McLarens Zündschnur hochgeht. Diese Musik brauchte das nicht, sondern nur die Band (ob mit Matlock oder nicht), Chris Thomas, Bill Price und Richard Branson von Virgin, der nach EMI und A&M die Eier hatte, das Ding auf den Markt zu bringen. Dieses Album nimmt der Band niemand mehr weg.
Weiter im Matlock-Interview:
"In seiner Autobiografie behauptet Johnny Rotten, er hätte hätte dich rausgeschmissen, weil du dich angeblich nicht mit seinem Text zu "God save the Queen" identifizieren konntest und auch deine Mutter gegen den Song gewesen sei.
Rotten ist ein Lügner. Ich fand den Song und auch den Text klasse. Schließlich stammte die Musik ja von mir. Ich bin damals auch nicht rausgeschmissen worden. Wir haben uns vielmehr im gegenseitigen Einverständnis getrennt. Die Spannungen innerhalb der Band waren einfach zu groß und existierten bereits, als wir noch bei der EMI unter Vertrag waren. Die EMI-Leute bemerkten das sehr wohl und boten mir als dem Hauptsongschreiber heimlich einen sehr lukrativen Vertrag an. Als ich dann irgendwann genug hatte, fiel es mir natürlich leicht, die Pistols zu verlassen und mit den RICH KIDS meine eigene Band zu gründen. Aber um auf Rotten zurückzukommen: John hatte halt immer schon ein Ego-Problem."
Und hier sind wir an dem Punkt, warum der altbekannte Slogan "The Swindle continues" so treffend ist. Es treffen hier verschiedene "Wahrheiten" aufeinander und die sind weit von dem entfernt, was bei Wikipedia steht. Da geht es (wie überaus rockmusik-typisch und konventionell wieder einmal) um Eitelkeiten, persönliche Animositäten, Einfluss innerhalb der Band, Strahlkraft nach außen und ja, natürlich auch um das liebe Geld. Die eine große alleinige "Wahrheit" kann da gar nicht mehr etabliert werden. Wäre eh schwierig bis unmöglich, da wir nicht dabei waren, Erinnerungen verblassen und du selbst bei scheinbar ehrlichsten Gesprächen mit allen Beteiligten und Weggefährten im besten Falle ein Bild aus verschiedenen Eindrücken und Deutungen erhältst.
Im Übrigen kann bedeutende Kunst mit ihrer Wirkung nach außen und innen vielleicht auch erst dann entstehen, wenn bestimmte Konstellationen vorhanden sind. Matlocks Soloscheibe aus dem Jahr der Pistols-Reunion 1996 beispielsweise ist nichts Bedeutsames, sondern bestenfalls nett und war nur erwähnenswert, weil's halt DER Glen Matlock war (wenn wir mal ehrlich sind). Im Pistols-Kontext hatte es einige Zeit funktioniert. Ob sie es allerdings damals Mitte der Neunziger, 20 Jahre nach ihrer großen Zeit, überhaupt auf die Reihe bekommen hätten, es miteinander auszuhalten, um ein zweites Album zu schreiben? Ich glaube das nicht. Die mediale Aufmerksamkeit damals war groß, aber die Zeit, als funktionierende "normale" Band wieder regulär zu arbeiten, war auch da schon lange vorbei. Man muss sich ja nur mal die Pressekonferenzen und Interviews von damals ansehen. Lydon redet und monologisiert die meiste Zeit, der Rest ist halt auch anwesend. Kein produktives Umfeld für neue Songs, so schien es zumindest (und so kam es ja dann auch).
Die Gelehrten sind sich nicht zu 100% einig, aber nach Angaben von Zeitzeugen bekam exakt heute vor 50 Jahren am 22. August 1975 John "Rotten" Lydon das OK als Sänger der Pistols, für die er vor einer Jukebox zu den Klängen von Alice Coopers "I'm eighteeen" vorgesungen hatte.
Ende August '75 fand dann die erste Bandprobe statt, der öffentliche Auftritt am 6. November 1975 in der St Martin's School of Art in London. The rest is history ...
Zu dem Streitpunkt, dass Vicious am Bass angeblich gar nichts konnte, vielleicht als Abschluss der Debatte zwei Hörproben des gleichen Songs. Einmal vom September 1976 noch mit Glen Matlock, dann in einer Aufnahme vom Juli 1977 mit Sid, der gerade mal vier Monate in der Band und kompletter Anfänger war. "Problems" ist ein einfacher Song, zu dem er doch ganz passabel mitspielt (den Umständen entsprechend). Natürlich war Matlock der mit Abstand talentiertere Bassist, er spielt ja auch hörbar flüssiger und hatte sehr viel mehr Routine. Aber ohne Heroin und mit mehr Disziplin hätte es mit Sid vielleicht was werden können.
Übrigens gibt es Bands, die z. B. einen Bassisten haben, der über Jahre hinweg auf den Platten gar nicht mitwirkte. Paulo Xisto von den Brasilianern SEPULTURA war erstmals auf "Chaos A.D." von 1993 selbst zu hören, obwohl er seit 1984 Teil der Band ist. Den Bass auf den Platten zuvor spielten seine Gitarristenkollegen ein.
Richtig, Jones gründete Anfang der 70er Jahre zusammen mit Cook und Nightingale "The Strand", die schon kleinere Konzerte in London spielten, später nannten sie sich "The Swankers".
Witzig ist Mitte der 70er ging Cook oder Jones auf McLaren zu und wollte das McLaren das Management der Band übernimmt. McLaren willigte ein und das erste was er machte ist: Er feuert den Gitarristen Nightingale!
Jones wurde nun vom eigentlichen Leadsänger zum Gitarristen. Auch hier sieht man den Einfluss von McLaren ganz deutlich, das alles war vor der eigentlichen Gründung der Sex Pistols geschehen. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte McLaren die Fäden in der Hand. Er wußte ganz genau was er tat, sah vorhandenes Potenzial und liebäugelte schon zu dem Zeitpunkt mit einer zukünftigen Punk Band die ihresgleichen sucht. Schließlich hat McLaren es später auch geschafft Rotten als Leadsänger in die neue Band Sex Pistols zu holen und später formte McLaren die Sex Pistols weiter um mit der Aufnahme von Vicious als neuen Bassisten und zur Förderung des Punk Image seiner Band.
Unterschätze McLaren nicht, der war ein ganz cleveres und skrupelloses Kerlchen.