WEEKEND MURDERS - SOLO-KONZERT FÜR EINE PISTOLE - Michele Lupo

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andeh
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KONZERT FÜR EINE PISTOLE - Michele Lupo

Beitrag von andeh »

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Konzert für eine Pistole
(Concerto per pistola solista)

IT, 1970



Regie: Michele Lupo
Musik: Francesco De Masi
Darsteller: Anna Moffo, Ida Galli, Gastone Moschin, Peter Baldwin, Lance Percival, Giacomo Rossi Stuart, Chris Chittell, u.v.m.


Inhalt: Eine britische Familiensippe, adlig und aus gutem Hause, trifft sich zur Testamentsverkündung des verstorbenen Familienoberhauptes in dessen prunkvollen Wohnsitz. Der Butler ist entgegen jeder Erwartungen dieses Mal das erste Opfer. Scotland Yard ermittelt, und mit der Unterstützung des leicht infantilen Ortspolizisten Thorpe (Gastone Moschin) liegt die Lösung des Rätsels bald in greifbarer Nähe.


Kurzkritik: "Konzert für eine Pistole" (Concerto per pistola solista, 1970) ist eine ganz wunderbar krude Mischung aus Giallo, Krimi und Komödie. Anders als bei Sergio Corbuccis "Leichen muss man feiern, wie sie fallen" (Giallo Napoletano, 1979) baut man hier aber nicht auf italienischen, sondern auf klassischen britischen Humor. Regie führt Michele Lupo, welcher für seine handwerklich sehr gut gemachten Filme bekannt ist und diese auch immer mit einer Portion Comedy gewürzt hat.

Was die darstellenden Künstler angeht muss man hier ganz klar an erster Stelle von Gastone Moschin berichten, ein großartiger Schauspieler, der sich mit seiner Rolle des Sergeanten Thorpe einmal mehr übertrifft. Des Weiteren sehen wir im Giallo-Kino sehr erfahrene Darsteller wie Ida Galli aka Evelyn Stewart und Giacomo Rossi-Stuart. Ebenfalls den meisten bekannt sein wird der Western-Darsteller Claudio Undari. Angereichert wird das Süppchen dann noch mit einer Reihe britischer Darsteller um Lance Percival als Inspektor, Chris Chittell und Peter Baldwin.

Ohne jetzt nochmal auf Gaston Moschins ganz hervorragende darstellerische Leistung einzugehen, der hier wirklich auf dem Punkt ist, ist Lupos Film ganz ausgezeichnet von Guglielmo Mancori fotografiert worden. Ein erfahrener Kameramann, der neben Lupo auch sehr oft mit Umberto Lenzi zusammengearbeitet hat, für den er u.a. die Gialli "Spasmo", "Orgasmo" und "Paranoia" filmte. Die wundervolle Musik zum Film stammt von Maestro Francesco De Masi, der hier kräftig Pyotr Ilyich Tchaikovskys Piano Concerto No. 1 zum Einsatz bringt. Am Drehbuch beteiligt war Sergio Donati, der in seiner umfassenden Vita als Drehbuchautor an unzähligen Filmen mitgewirkt hat, u.a. auch an Sergio Leones Meisterwerk "Spiel mit das Lied vom Tod". Die Story ist ein klassischer Whodunit Giallo-Plot, welcher einen bis zur Auflösung im Dunkeln tappen lässt und sehr gerne auf falsche Fährten lockt. Ein absolutes Highlight ist noch die englische Synchronisation, die passend zum Humor, der keinesfalls übertrieben eingesetzt wird, very british daher kommt.


Fazit: Für eingefleischte Genre-Fans eine sehr angenehme Abwechslung, schön gefilmt, musikalisch perfekt untermalt, mit einer ganzen Reihe von guten Darstellern. Prädikat: besonders wertvoll!
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alan_cunningham
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Re: KONZERT FÜR EINE PISTOLE - Michele Lupo

Beitrag von alan_cunningham »

Diesen Film suche ich schon sehr lange :shock: DVD und Blu-ray sind leider sehr schwer zu bekommen. Ich bin sicher, dass ich ihn vor sehr langer Zeit mal irgendwo gesehen habe. Auf jeden Fall gefiel er mir sehr gut. Tolle Mischung aus Agatha-Christie-Krimi und Giallo!

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Maulwurf
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WEEKEND MURDERS - SOLO-KONZERT FÜR EINE PISTOLE - Michele Lupo

Beitrag von Maulwurf »

The weekend murders (Michele Lupo, 1972) 7/10

Nach dem Tod des alten Sir Henry kommt die Familie auf dem Stammschloss zusammen, das Erbe anzutreten. Es geht um Grundbesitz und jede Menge Geld. Doch weit gefehlt: Der Polizist des nahegelegenen Dorfes, Sergeant Aloisius Thorpe, bekommt 200 Pflanzen, und die Nichte Barbara den gesamten Rest – Alle anderen Erben gehen leer aus! Allerdings gäbe es da noch die Möglichkeit, dass, wenn der Haupterbe ausfällt, beispielsweise durch plötzlichen Tod, das Vermögen auf die anderen Erben aufgeteilt wird. Eine unheimliche Mordserie beginnt auf Schloss Carter.

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Dieser Film ist von Grund auf britisch. Er ist so dermaßen britisch, dass diese Besprechung zu lesen ist mit der Stimme und Betonung von Chris Howland, damit es klingt etwa wie Vetter Teefax in ASTERIX BEI DEN BRITEN.

Denn prinzipiell THE WEEKEND MURDERS ist ein Film, der scheint so urenglisch wie ein Butler auf einem ländlichen Herrensitz. Oder schwarzer Humor. Oder Agatha Christie. Und gerade die letztere ist gewesen eindeutig Pate für diesen Film, denn neben einigen sehr aristokratischen Morden hier haben wir ein herrschaftliches Anwesen, eine große Familie die sich kann leidenschaftlich lieben und hassen, einen sehr würdevollen Butler, und vor allem wir haben eine stattliche Menge sehr britischen Humors. Abgesehen vom letzten Zutaten also, die vorkamen bei Agatha Christie durchaus des Öfteren, und die heute gelten als Charakteristika typisch britischer Krimis von traditioneller Machart.

Aber ernsthaft, eigentlich die Story um das große Aufräumen unter den Nicht-Erben ist nebensächlich. Die einzelnen Charaktere sind unterscheidbar durchaus, aber viel zu wenig differenziert um wirklich zu wecken Interesse. Dafür zuständig nämlich, und das ist es was ausmacht WEEKEND MURDERS, ist das unglaubliche und großartige Team Gastone Moschin und Lance Percival spielen Sergeant Thorpe und Superintendent Grey. Wie kriminalistische Laurel & Hardy, wie Jane Marple und Mr. Stringer, die beiden versuchen, den Fall zu lösen mit- und gegeneinander. Dabei der Superintendent natürlich ist im Vorteil, ist er doch von Scotland Yard! Was bedeutet er ist klug. Er ist erfahren. Und unglaublich hochnäsig … Hingegen Thorpe zwar noch nie ist in einem Auto mitgefahren das hat Polizeifunk, dafür er aber hat den Riecher eines Sherlock Holmes, wenn es darum geht aufzudecken ungeahnte Zusammenhänge. Allerdings er auch hat den Blick eines leicht alkoholisierten Dackels, weswegen er schwerstens unterschätzt wird von allen Anwesenden. Und wer kennt Gastone Moschin als harten Gangster (MILANO KALIBER 9) in erster Linie kann staunen, was für ein hochgradig komisches Talent dieser Mann hatte.

Unbedingte Empfehlung für alle Liebhaber von Großbritannien, Krimis und Gastone Moschin!

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Richie Pistilli
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Re: WEEKEND MURDERS - SOLO-KONZERT FÜR EINE PISTOLE - Michele Lupo

Beitrag von Richie Pistilli »

Moin Maulwurf,

ich freue mich dich endlich wieder hier zu sehen. Willkommen zurück! :hut:


Übrigens: viewtopic.php?f=5&t=521 ;)

ephedrino
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Re: WEEKEND MURDERS - SOLO-KONZERT FÜR EINE PISTOLE - Michele Lupo

Beitrag von ephedrino »

Maulwurf hat geschrieben:
Fr., 20.11.2020 05:55
wer kennt Gastone Moschin als harten Gangster (MILANO KALIBER 9) in erster Linie kann staunen, was für ein hochgradig komisches Talent dieser Mann hatte
Dieses Talent er übrigens auch beweist ganz eindrucksvoll in ITALIAN SECRET SERVICE.

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Maulwurf
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Re: WEEKEND MURDERS - SOLO-KONZERT FÜR EINE PISTOLE - Michele Lupo

Beitrag von Maulwurf »

Richie Pistilli hat geschrieben:
Fr., 20.11.2020 06:01
Moin Maulwurf,

ich freue mich dich endlich wieder hier zu sehen. Willkommen zurück! :hut:
Nach all den Jahren käme ich mir schäbig vor, DP mal eben so einfach den Rücken zu kehren. Ich tanze zukünftig halt auf mehreren Hochzeiten, aber da bin ich ja nicht der einzige. Vielen lieben Dank für Dein Feedback, Freund!!
Richie Pistilli hat geschrieben:
Fr., 20.11.2020 06:01
Übrigens: viewtopic.php?f=5&t=521 ;)
Na ist doch schön, dass alles wieder beim alten ist: Wäre ein Admin so nett die Threads bitte zusammenzulegen? :lol:

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Richie Pistilli
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Re: KONZERT FÜR EINE PISTOLE - Michele Lupo

Beitrag von Richie Pistilli »

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Konzert für eine Pistole (D)
Solo-Konzert für eine Pistole (D)
Konzert für eine Solopistole (DDR)
Concerto per pistola solista (IT)
Le week-end des assassins (F)
Concierto para pistola solista (ES)
Concerto para Uma Pistola Solista /POR)
O Testamento Fatal (BRA)
El juego de la muerte (ARG)
En domingo no matarás (MEX)
The Weekend Murders
Story of a Crime


IT 1970

R: Michele Lupo
D: Anna Moffo, Ida Galli, Gastone Moschin, Lance Percival, Giacomo Rossi Stuart, Peter Baldwin, Orchidea de Santis, Beryl Cunningham, Chris Chittell, Marisa Fabbri, Quinto Parmeggiani u.a.



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Deutsche Erstveröffentlichung: 26. Oktober 1972

Synchronkartei

Italo-Cinema

Nischenkino

Locationvergleich

Score: Francesco De Masi

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OFDb



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Nach dem Tod des englischen Herzogs Henry Carter strömen zahlreiche Verwandte in dessen nobles Landhaus, um gespannt der Testamentseröffnung beizuwohnen, von der sich ein jeder einen finanziellen Vorteil für sich erhofft. Umso bitterer ist die Enttäuschung , als der Notar den Anwesenden verkündet, dass Carters junge Nichte Barbara (Anna Moffo) die alleinige Erbe des hinterlassenen Vermögens sei. Was folgt, sind Wutausbrüche unter den Enterbten, bis am nächsten Morgen plötzlich der Butler ermordet im Landhaus vorgefunden wird. Während Inspektor Grey (Lance Percival) von Scotland Yard und der Dorfpolizist Sergeant Aloisius Thorpe (Gastone Moschin) die Ermittlungen an dem Mordfall aufnehmen, enthüllen die restlichen Erbgeprellten untereinander ihr wahres Gesicht. Kurz darauf folgen weitere Todesfälle.



Michele Lupos Werk stellt quasi eine Agatha-Christie-Variante des italienischen Giallo-Thrillers dar, die konsequenterweise auch in Großbritannien gedreht wurde. Während der Kern des Films durch und durch englisch ist, schwingt in der inszenatorischen Ummantelung eine ganze Menge an italienischem Kino-Flair mit, wobei das Ganze wiederum mit feinstem englischen Humor durchsetzt wurde, der wirklich lustig ist und in keinster Weise albern wirkt. Hinzu gesellt sich eine Mordserie in Form eines gelungenen Whodunit-Plots, bei der einige der Anwesenden unerwartet das Jenseits begrüßen. Die Inszenierung gestaltet sich äußerst dynamisch und offenbart einen flotten Schnitt. Verantwortlich für die durchweg glänzende Bildgestaltung sind die beiden Kameramänner Guglielmo Mancori und Aristide Massaccesi. Was die Darstellerriege betrifft, so ist diese hervorragend besetzt: Gastone Moschin verkörpert einen leicht vertrottelt wirkenden Dorfpolizist, dessen versteckter Scharfsinn erst auf den zweiten Blick zum Vorschein kommt. Gemeinsam mit Lance Percival, der den vorgesetzten Inspektor Grey spielt, sorgen die beiden für zahlreiche humorvolle Momente. Ida Galli spielt wiederum die Tochter des verstorbenen Patriachs, deren bisheriger Lebensweg weniger humorvoll verlief. Neben Anna Moffo, der die eigentliche weibliche Hauptrolle zugesprochen wurde, mischen auch Orchidea De Santis und Beryl Cunningham munter bei dem mordsmäßigen Treiben mit. In weiteren Rollen gibt es noch Giacomo Rossi Stuart als Playboy Ted Collins und Robert Hundar in der Rolle eines blondgeschopften Hausangestellten zu bewundern. Abgerundet wird der humorige Kriminalfilm mit einer erstklassigen Filmmusik von Francesco De Masi. Obwohl der Film hierzulande einen Kinostart verzeichnete und im DDR-Fernsehen ausgestrahlt wurde, ist mir bis dato weder die deutsche Synchronfassung in irgendwelchen dunklen Gassen unter die Augen gekommen, noch wurde diese jemals von einem deutschen Filmlabel veröffentlicht. Bleibt zu hoffen, dass die deutsche Tonspur nicht für alle Ewigkeiten verschollen bleibt.


Fazit: Ein humorvoller Giallo, der very britisch daherkommt. Köstlich!


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