Hans Albers
● VOR SONNENUNTERGANG (D|1956)
mit Annemarie Düringer, Martin Held, Maria Becker, Hannelore Schroth, Claus Biederstaedt, Kurt Vespermann,
Erich Schellow, Inge Langen, Wolfgang Preiss, Johanna Hofer, Reinhold Pasch, Franz Weber sowie Hans Nielsen
eine Produktion der cCc Filmkunst | im Schorcht Filmverleih
nach dem gleichnamigen Schauspiel von Gerhart Hauptmann
ein Film von Gottfried Reinhardt
VOR SONNENUNTERGANG
● VOR SONNENUNTERGANG (D|1956)
mit Annemarie Düringer, Martin Held, Maria Becker, Hannelore Schroth, Claus Biederstaedt, Kurt Vespermann,
Erich Schellow, Inge Langen, Wolfgang Preiss, Johanna Hofer, Reinhold Pasch, Franz Weber sowie Hans Nielsen
eine Produktion der cCc Filmkunst | im Schorcht Filmverleih
nach dem gleichnamigen Schauspiel von Gerhart Hauptmann
ein Film von Gottfried Reinhardt
»Wollt ihr denn das vierte Gebot umstülpen und entehren?«
Matthias Clausen (Hans Albers), Chef eines großen Chemiekonzerns, hat nach dem Tod seiner Frau die Lust am Leben verloren. Seine Kinder lauern wie Hyänen auf ein üppiges Erbe, sein Schwiegersohn Erich Klamroth (Martin Held) hat ihm in einer Auseinandersetzung vor Augen geführt, dass seine Tatkraft am Ende sei. Schwermütig mietet er sich in einem Hotel ein und verlangt nach der Hotelsekretärin Inken Peters (Annemarie Düringer), die ein Diktat aufnehmen soll. Je mehr er zu Protokoll gibt, desto klarer wird der jungen Frau, dass sie einen Abschiedsbrief diktiert bekommt. Nachdem sie ihm den Kopf wieder zurechtgerückt hat, entwickelt sich eine besondere Verbindung zwischen beiden. Clausen stellt sie als Sekretärin ein und will sie heiraten, seine Familie gerät wiederum in Alarmbereitschaft und ist zum Äußersten bereit …
Große Bühnenstücke können Fluch und Segen im Rahmen der Grundvoraussetzungen für eine filmische Bearbeitung sein, da ein Leitfaden, der zum Erfolg führen soll, bereits diktiert ist, jedoch genauso an zu großen Erwartungen scheitern kann. Regisseur Gottfried Reinhardt, bekannt für das Inszenieren großer Stoffe mit theatralischer Tendenz, hat insgesamt enorm günstige Grundvoraussetzungen in Händen gehabt. So wurde der Film seinerzeit mit dem Publikumspreis "Goldener Bär" auf der Berlinale ausgezeichnet und er konnte 1957 sogar den Golden Globe gewinnen. Hauptdarsteller Hans Albers wurde für dessen schauspielerische Leistung für den "Silbernen Bären" nominiert, ebenso wie Claus Biederstaedt und die Bühnenkapazität Annemarie Düringer. Die Schweizerin soll dem Vernehmen nach von der Regie selbst durchgesetzt worden sein, obwohl namhafte Konkurrentinnen im Gespräch gewesen sein sollen, wie etwa Marianne Koch, Ruth Niehaus, Ulla Jacobsen oder Maria Schell. Besetzungstechnisch wird das Szenario immer wieder von Interpreten dominiert, die den Eindruck einer Bühnen-Performance vermitteln, was insbesondere für die wie immer bestechende Maria Becker gilt. Auch die Regie sorgt mitunter für eine Architektur in den feudalen Räumen der Villa Clausen sowie bei der Anordnung und den Gebärden der Personen, die klassisch an Theater erinnern. Diese Strategie ist alles andere als uninteressant, wird doch genauso die Theatralik der Geschichte in den Vordergrund gestellt. Zentrum und Fixpunkt des Geschehens bleibt allerdings Hans Albers, der die Möglichkeiten geboten bekommt, das Szenario beinahe zu einer Alleinherrschaft auszubauen. Hochklassige Kollegen wirken dieser manchmal erdrückend wirkenden Tendenz jedoch mit Ausstrahlung, Tatkraft und handwerklicher Finesse entgegen, sodass man durch die Bank von einem exzellenten Schauspielerfilm sprechen kann. Die Dramatik der Geschichte wird sehr schnell von Reinhardt in die Waagschale geworfen, sodass man sich unmittelbar im Geschehen wiederfindet. Ein Mann ist offenbar lebensmüde geworden, obwohl er alles Materielle besitzt, was man sich nur erträumen kann. Mit dem Tod seiner Frau hat er jedoch den Fixpunkt des Daseins verloren, die lebenden Relikte seiner Familie setzen ihm schwer zu.
Ein Schwiegersohn, der ihm die unerträgliche Schwere des Seins anhand des fortgeschrittenen Alters vor Augen hält, versetzt ihm den entscheidenden Tiefschlag, wenngleich es völlig auf der Hand liegt, dass dieser nur nach der uneingeschränkten Kontrolle über den Konzern greift. Seine Frau, also eines von Clausens vier Kindern, gibt ihm Rückendeckung, weil sie sich aus der Verantwortung zieht, indem sie diskret keine öffentliche Position bezieht. Hier agieren Martin Held und Hannelore Schroth in perfekter darstellerischer Symbiose und bilden die ersten beiden der vier Sargnägel für den alten Clausen. Hinzu kommen sein Sohn Wolfgang und dessen Frau Paula, die es mit weiteren Nadelstichen versuchen. Hier zeigen Erich Schellow und Inge Langen teils besonders angriffslustige und scharfzüngige Noten. Seine Tochter Bettina scheint mit dem Tod ihrer Mutter ebenfalls Witwe geworden zu sein, obwohl sie ledig ist, da sich ihr Vater aus ihrem Radius der Kontrolle entfernt. So spielt sie sich hauptsächlich fast schon wie die Mutter, aber mindestens einmal die Frau des Alten auf. Maria Becker liefert in diesem Zusammenhang eine der denkwürdigsten Leistungen des gesamten Szenarios, die ihre Bühnenerfahrung gekonnt ausspielt. Claus Biederstaedt als Egbert Clausen scheint entartet zu sein, denn man findet menschliche Züge bei ihm, Fingerspitzengefühl und Anteilnahme. Nachdem Matthias Clausen ein neues Lebenselixier gefunden hat, positionieren sich seine Kinder und deren Anhänge wie Giftschlangen und Hyänen um ihn herum. Man sieht Neid, Missgunst und unterschwelligen Hass. Als Pendant zu so viel Niederträchtigkeit fungiert Annemarie Düringer als offizieller Stein des Anstoßes, deren Performance temperamentvoll, pointiert und berührend wirkt. In wichtigen Nebenrollen ist der Film übrigens ebenfalls überzeugend mit Hans Nielsen oder Wolfgang Preiss besetzt. "Vor Sonnenuntergang" deutet bereits von seiner Titelgebung her an, dass man auf eine Katastrophe zusteuert, wenngleich es fraglich bleibt, für wen diese eintreffen wird. Gottfried Reinhardt inszeniert unbeirrbar und scheut sich nicht, Theatralik zu etablieren, die ansonsten vielleicht als unpassend angesehen werden kann. So wird der Film zu einem Kabinettstückchen für Freunde ausdrucksstarker Schauspielkunst und schicksalhafter Verstrickungen. Sehenswert.
Große Bühnenstücke können Fluch und Segen im Rahmen der Grundvoraussetzungen für eine filmische Bearbeitung sein, da ein Leitfaden, der zum Erfolg führen soll, bereits diktiert ist, jedoch genauso an zu großen Erwartungen scheitern kann. Regisseur Gottfried Reinhardt, bekannt für das Inszenieren großer Stoffe mit theatralischer Tendenz, hat insgesamt enorm günstige Grundvoraussetzungen in Händen gehabt. So wurde der Film seinerzeit mit dem Publikumspreis "Goldener Bär" auf der Berlinale ausgezeichnet und er konnte 1957 sogar den Golden Globe gewinnen. Hauptdarsteller Hans Albers wurde für dessen schauspielerische Leistung für den "Silbernen Bären" nominiert, ebenso wie Claus Biederstaedt und die Bühnenkapazität Annemarie Düringer. Die Schweizerin soll dem Vernehmen nach von der Regie selbst durchgesetzt worden sein, obwohl namhafte Konkurrentinnen im Gespräch gewesen sein sollen, wie etwa Marianne Koch, Ruth Niehaus, Ulla Jacobsen oder Maria Schell. Besetzungstechnisch wird das Szenario immer wieder von Interpreten dominiert, die den Eindruck einer Bühnen-Performance vermitteln, was insbesondere für die wie immer bestechende Maria Becker gilt. Auch die Regie sorgt mitunter für eine Architektur in den feudalen Räumen der Villa Clausen sowie bei der Anordnung und den Gebärden der Personen, die klassisch an Theater erinnern. Diese Strategie ist alles andere als uninteressant, wird doch genauso die Theatralik der Geschichte in den Vordergrund gestellt. Zentrum und Fixpunkt des Geschehens bleibt allerdings Hans Albers, der die Möglichkeiten geboten bekommt, das Szenario beinahe zu einer Alleinherrschaft auszubauen. Hochklassige Kollegen wirken dieser manchmal erdrückend wirkenden Tendenz jedoch mit Ausstrahlung, Tatkraft und handwerklicher Finesse entgegen, sodass man durch die Bank von einem exzellenten Schauspielerfilm sprechen kann. Die Dramatik der Geschichte wird sehr schnell von Reinhardt in die Waagschale geworfen, sodass man sich unmittelbar im Geschehen wiederfindet. Ein Mann ist offenbar lebensmüde geworden, obwohl er alles Materielle besitzt, was man sich nur erträumen kann. Mit dem Tod seiner Frau hat er jedoch den Fixpunkt des Daseins verloren, die lebenden Relikte seiner Familie setzen ihm schwer zu.
Ein Schwiegersohn, der ihm die unerträgliche Schwere des Seins anhand des fortgeschrittenen Alters vor Augen hält, versetzt ihm den entscheidenden Tiefschlag, wenngleich es völlig auf der Hand liegt, dass dieser nur nach der uneingeschränkten Kontrolle über den Konzern greift. Seine Frau, also eines von Clausens vier Kindern, gibt ihm Rückendeckung, weil sie sich aus der Verantwortung zieht, indem sie diskret keine öffentliche Position bezieht. Hier agieren Martin Held und Hannelore Schroth in perfekter darstellerischer Symbiose und bilden die ersten beiden der vier Sargnägel für den alten Clausen. Hinzu kommen sein Sohn Wolfgang und dessen Frau Paula, die es mit weiteren Nadelstichen versuchen. Hier zeigen Erich Schellow und Inge Langen teils besonders angriffslustige und scharfzüngige Noten. Seine Tochter Bettina scheint mit dem Tod ihrer Mutter ebenfalls Witwe geworden zu sein, obwohl sie ledig ist, da sich ihr Vater aus ihrem Radius der Kontrolle entfernt. So spielt sie sich hauptsächlich fast schon wie die Mutter, aber mindestens einmal die Frau des Alten auf. Maria Becker liefert in diesem Zusammenhang eine der denkwürdigsten Leistungen des gesamten Szenarios, die ihre Bühnenerfahrung gekonnt ausspielt. Claus Biederstaedt als Egbert Clausen scheint entartet zu sein, denn man findet menschliche Züge bei ihm, Fingerspitzengefühl und Anteilnahme. Nachdem Matthias Clausen ein neues Lebenselixier gefunden hat, positionieren sich seine Kinder und deren Anhänge wie Giftschlangen und Hyänen um ihn herum. Man sieht Neid, Missgunst und unterschwelligen Hass. Als Pendant zu so viel Niederträchtigkeit fungiert Annemarie Düringer als offizieller Stein des Anstoßes, deren Performance temperamentvoll, pointiert und berührend wirkt. In wichtigen Nebenrollen ist der Film übrigens ebenfalls überzeugend mit Hans Nielsen oder Wolfgang Preiss besetzt. "Vor Sonnenuntergang" deutet bereits von seiner Titelgebung her an, dass man auf eine Katastrophe zusteuert, wenngleich es fraglich bleibt, für wen diese eintreffen wird. Gottfried Reinhardt inszeniert unbeirrbar und scheut sich nicht, Theatralik zu etablieren, die ansonsten vielleicht als unpassend angesehen werden kann. So wird der Film zu einem Kabinettstückchen für Freunde ausdrucksstarker Schauspielkunst und schicksalhafter Verstrickungen. Sehenswert.