MIO CARO ASSASSINO - Tonino Valerii

Schwarze Handschuhe, undurchsichtige Typen, verführerische Damen und stylische Kills.
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Percy Lister
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MIO CARO ASSASSINO - Tonino Valerii

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"Mio caro assassino" (My dear killer / Sumario sangriento de la pequena Stefania) (Italien / Spanien 1972)

mit: George Hilton, Salvo Randone, William Berger, Manolo Zarzo, Patty Shepard, Piero Lulli, Helga Liné, Tullio Valli, Dante Maggio, Dana Ghia, Monica Randall, Alfredo Mayo, Daniela Rachele Barnes, Corrado Gaipa, Marilú Tolo, Francesco di Federico, Elisa Mainardi, Enzo Fiermonte, Lola Gaos, Luigi Antonio Guerra u.a. | Drehbuch: Franco Bucceri, José G. Maesso, Roberto Leoni, Tonino Valerii | Regie: Tonino Valerii

Der ehemalige Versicherungsdetektiv Paradisi wird in einer Baugrube von einem Bagger geköpft. Anfangs geht die Firma von einem tragischen Unfall aus, doch der Fahrer wird kurz darauf ebenfalls ermordet. Inspektor Luca Peretti stellt bald einen Zusammenhang zwischen den zwei Morden und der Entführung der kleinen Stefania Moroni her, die in einem Bunker nahe der Baugrube tot aufgefunden wurde. Wer steckt hinter diesen Verbrechen? Was wissen die Angehörigen des Kindes? Und wie viele Zeugen werden noch beseitigt werden?

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Die prominente Besetzung der Inspektoren-Rolle verleiht dem Film Seriosität und verhindert eine gewisse Willkür, wie sie in anderen Vertretern des Genres oft zu sehen ist. Statt die Ermittlungen von einem Privatier anstoßen zu lassen, ist es diesmal die offizielle Polizei, die den Nachforschungen ihren Stempel aufdrückt. George Hilton meistert seinen Part als Repräsentant des Gesetzes mit stoischer Gelassenheit, was ihn umso glaubwürdiger macht, weil er trotz intensiven Engagements nicht der panischen Verzweiflung das Wort redet. Zeugen sterben und Beweismittel werden vernichtet, doch sein strukturiertes Vorgehen lässt sich davon nicht beirren. Er untermauert seine Rolle mit dem Tragen einer Lesebrille und arbeitet eng mit seinen Kollegen zusammen, was ebenfalls für die Ernsthaftigkeit des Stoffes spricht. Die Repräsentanten der Exekutive begegnen sich höflich und delegieren alle Aufgaben präzise, was unterstreicht, dass der Ermittlungserfolg immer ein Gemeinschaftsprodukt und selten das Ergebnis von Alleingängen ist. Trotz der drastischen Wahl der Mordmethoden spielt die Produktion nicht in der Liga der Sleaze- oder Splatterfilme, sondern erzählt die Geschichte der Entführung und Ermordung von Vater und Tochter Moroni, die aus ihrem paradiesischen Umfeld gerissen wurden und in einem abgelegenen Versteck ein trauriges Ende fanden. Das melancholische Musikthema von Ennio Morricone unterstreicht die Tiefe, welche der Stoff durch die Trauer über den Verlust der beiden Familienmitglieder erhält. Es liegt wie der Duft eines vertrauten Parfüms über der Szenerie und weckt wehmütige Erinnerungen an bessere Zeiten und intakte Verhältnisse. Andererseits weist das Kinderlied aber auch subtil auf die Fragilität von Sicherheit und Unversehrtheit hin, die gefährdeter sind als allgemein angenommen. Die sparsam eingesetzten Klänge erschüttern den Zuschauer dort, wo auf die Vergangenheit verwiesen und die Agonie eines langsam sterbenden Kindes spürbar gemacht werden soll. Um die aktuellen Morde aufklären zu können, muss Inspektor Luca Peretti zunächst die Spuren in die Vergangenheit verfolgen. Und wie immer, wenn trübes Wasser aufgewühlt wird, kommen auch unerfreuliche Tatsachen an die Oberfläche. Die Personen sehen sich gezwungen, sich unangenehmen Erinnerungen zu stellen und ihre Beziehungen werden auf eine starke Probe gestellt, weil Hass, Unzufriedenheit und Ansprüche lange zurückgestellt worden waren. Die Luft vibriert förmlich vor kompromittierenden Geheimnissen und schmutzigen Begierden kranker Gehirne.

Pädophile Neigungen scheinen greifbar, werden jedoch trotz eindeutiger Hinweise nicht bestätigt. Während die Männer in perversen Phantasien gefangen bleiben, flüchten sich ihre Frauen in Traumbilder einer heilen Welt oder zeigen offen ihr Missfallen über nicht erfüllte Erwartungen. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt und hütet die eigenen Neurosen wie einen furchtbaren Schatz, den es zu verteidigen gilt. Mitleid erwecken jene Szenen, die sich Rückblenden vom fröhlichen Glück der fünfjährigen Stefanie zeigen, aber auch die tapfere Verteidigung des entscheidenden Beweismitteln durch die Lebensgefährtin des Schrottsammlers. Plakative Szenen wie der Sprühregen aus Blut im Badezimmer oder die Auffindung der verwesten Leichen im Bunker sind kurz, aber nachhaltig und verleihen dem Film neben dem erwünschten Grusel auch Betroffenheit. Sie dominieren die Handlung jedoch nicht, was eine Verschiebung vom Giallo zum Kriminalfall nachvollziehbar macht und gerade in Hinblick auf die Auflösung sehr deutliche Parallelen zu klassischen Stoffen nach Vorlagen etablierter Schreiber wie beispielsweise Agatha Christie aufweist. Im vorliegenden Fall sind mehrere Autoren für das Drehbuch verantwortlich, was diesmal aber nicht zu einem unausgewogenen Tauziehen der Ideen führte, sondern zum Beleuchten mehrerer Aspekte. Die Kontraste zwischen der stilvollen Ästhetik im Anwesen der Familie und der spartanischen Unterkunft des Altmetallhändlers, sowie der Eleganz des Halstuchmordes im Gegensatz zur Vernichtung durch die Schleifmaschine, betonen die Widersprüche des Ambientes. Beunruhigende Hinweise auf weitere schwelende Glutherde unter der Oberfläche der konservativen Prosperität liefern das Auftauchen eines nackten Kindes und Hinweise auf alte Rechnungen, die innerhalb der Familie noch offen sind. Es zeigt sich wieder einmal, dass der schöne Schein und die weiß getünchten Fassaden oftmals Abgründe verdecken. Die Anzahl der Verdächtigen ist großzügig bemessen und spielt damit erneut dem "Whodunit" - Faktor in die Hände, der hier sehr traditionell erarbeitet wird und durch klassische Verhöre betont wird. Der Zuschauer baut dabei eine Distanz zu den Figuren auf, was die Sympathie für Inspektor Luca Peretti nur erhöht. Seine einfühlsame und unaufdringliche Präsenz federt die Gefühlsausbrüche der Befragten ab und kanalisiert die erhaltenen Informationen zu einem großen Ganzen. Wie ein Archäologe macht sich auch der Polizist erst dann ein Bild, wenn er die einzelnen Fragmente zusammengefügt und in ihrer Gesamtheit betrachtet hat.

George Hilton meistert seinen Part mit geradliniger Vehemenz und stellt unter Beweis, dass er nicht nur im Giallo-Fach weitaus mehr kann als nur den mit allen Wassern gewaschenen Lebemann und Liebhaber zu spielen. Seine angenehme Zurückhaltung dominiert die Handlung auch ohne Faustkämpfe oder brillante Intrigen. Der uruguayische Schauspieler vermag es, bei jedem seiner Auftritte nachhaltige Akzente zu setzen, was nicht allein an seiner Physiognomie liegt, sondern an seiner sympathischen Ausstrahlung. Patty Shepard als Lehrerin Paola Rossi darf einige der markantesten Szenen des Films begleiten: die unheimliche Ausleuchtung der Gassen auf ihrem Nachhauseweg, die subjektive Kamera bei der Bedrohung durch einen Eindringling und der Schrecken, den sie zuerst im Hausflur und dann auf ihrer Etage erlebt, sichern ihr den Status einer glaubwürdigen Repräsentantin der Mitte, die eine Schlüsselfigur zur Aufklärung des Falles Stefania Moroni bildet und die volle Wucht jener Aggression abbekommt, die den Täter umtreibt und ihn eine blutige Schneise durch das Umfeld des Entführungsopfers markieren lässt. Das Gros der männlichen Darsteller verkörpert harte, emotional fehlgeleitete Charaktere, die sich auf abgebrühte Weise in der Mitte ihres Lebens eingerichtet haben und deren Fähigkeit zur Empathie schon lange abgestumpft ist - falls sie je vorhanden war. Alfredo Mayo, Tullio Valli und Dante Maggio zeichnen Porträts von zweifelhaften Männern jenseits von Gut und Böse, deren Interesse sich nur mehr auf die Behauptung der eigenen Persönlichkeit konzentriert und die einen Grat überschritten haben, der sie zur unberechenbaren Komponente in dem klassischen Detektivpuzzle macht, das am Ende so meisterhaft zusammengefügt wird. Die Balance zwischen der Berücksichtigung aller relevanter Figuren spielt dem Rätselfaktor dabei überzeugend in die Hände. Regisseur Valerii orientiert sich vor allem im Finale am klassischen Aufbau traditioneller Kriminalgeschichten, wenn Inspektor Peretti die tragische Familiengeschichte rückblickend aufrollt. Die Spannung bleibt auf diese Weise bis zu den letzten Minuten erhalten und sorgt dafür, dass der Film auch bei einer Zweitsichtung zu unterhalten weiß, weil er von seinem klaren Aufbau und den beunruhigenden Untertönen lebt, die sich eben nicht aus dem abstrakten Wahnsinn eines Monsters speisen, sondern weitgehend unbehelligt in so manchem Zeitgenossen schlummern. Sehenswert nicht nur für George-Hilton-Freunde, sondern auch für jene, die gepflegten Nervenkitzel mit punktgenau platzierten Schockmomenten suchen.

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alan_cunningham
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Re: MIO CARO ASSASSINO - Tonino Valerii

Beitrag von alan_cunningham »

Immer noch relativ unterschätzter Giallo, der zu meinen absoluten Lieblingen zählt. Das Hercule-Poirot-mässige Finale ist exzellent und einfach atemberaubend spannend! :shock:

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Mater_Videorum
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Re: MIO CARO ASSASSINO - Tonino Valerii

Beitrag von Mater_Videorum »

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:D

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Kent
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Re: MIO CARO ASSASSINO - Tonino Valerii

Beitrag von Kent »

Aus meiner Sicht ein sehr schöner Film. Die Besprechungen weiter oben sind schon so gut, dass man nichts ergänzen kann.
Leider gab es keine ikonischen Möbel im Film. Relativ viele Möbel mit Kunstlederbezügen, ansonsten ein paar Fiat 124.

Der Film ist wunderbar und mir gefällt er sehr. Auch die Musik von Morricone ist toll.

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Prisma
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Re: MIO CARO ASSASSINO - Tonino Valerii

Beitrag von Prisma »



Hat Dana Ghia hier wie meistens üblich nur eine kleine Rolle?
Ich kann mich nämlich gar nicht mehr an ihren Auftritt erinnern. :shock:

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Kent
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Re: MIO CARO ASSASSINO - Tonino Valerii

Beitrag von Kent »

Die gute Dana war am Anfang kurz zu sehen. Sie hatte etwas mit dem Geköpften zu tun. Danach trat sie in dem Film nicht mehr in Erscheinung.

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Prisma
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Re: MIO CARO ASSASSINO - Tonino Valerii

Beitrag von Prisma »

Kent hat geschrieben:
Mo., 14.07.2025 15:29
Die gute Dana war am Anfang kurz zu sehen. Sie hatte etwas mit dem Geköpften zu tun. Danach trat sie in dem Film nicht mehr in Erscheinung.

Danke! Ja, dann kann sie wohl schon einmal durchgehen. :D
Ich werde mir den Film aber bald nochmal anschauen, da ich ihn erst ein Mal gesehen habe.

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Kent
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Re: MIO CARO ASSASSINO - Tonino Valerii

Beitrag von Kent »

Ergänzung, in der Bude von Marilu Tolo hat Thonet Stühle in ihrer hübschen Bude. Den Glastich konnte ich nicht erkennen. Ich fand auch ihre Chrom Regale hübsch, die hatten sehr schmale Profile.

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Richie Pistilli
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Re: MIO CARO ASSASSINO - Tonino Valerii

Beitrag von Richie Pistilli »

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My dear killer (D)
Time to Kill, Darling (D)
Mio caro assassino (IT)
Folie meurtrière (F)
La chatte de la voisine (F)
Mon cher assassin (F)
Sumario sangriento de la pequeña Estefania (ES)
O Carrasco da Mão Negra (BRA)
La Ronda De La Muerte (ARG)
My Dear Killer


IT / ES 1972

R: Tonino Valerii
D: George Hilton, Salvo Randone, William Berger, Marilù Tolo, Helga Liné, Patty Shepard, Piero Lulli, Alfredo Mayo, Corrado Gaipa, Mónica Randall, Lara Wendel, Dana Ghia, Andrea Scotti, Tullio Valli u.a.



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Deutsche Erstaufführung: 2005 (DVD-Premiere)

Synchronkartei

Italo-Cinema

Nischenkino

Score: Ennio Morricone

IMCDb

OFDb



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Inspektor Luca Peretti (George Hilton) ist ratlos. Ein Mann wird von einem Bagger geköpft, der Fahrer kurze Zeit später durch einen mutmaßlichen Selbstmord erhängt aufgefunden. Im Laufe der Ermittlungen müssen weitere Menschen auf teils grauenvolle Art sterben. Wer ist der Mörder? Was hat die Entführung eines jungen Mädchens aus einem alten Fall damit zu tun? Stück für Stück und unter großer Gefahr versucht Peretti das Puzzle zusammenzusetzen. [Quelle: X-Rated]



MIO CARO ASSASSINO stellt den einzigen Ausflug Tonino Valeriis in das Giallo-Metier dar, waswiederum angesichts des hervorragenden Resultats sehr schade ist, denn der Film zählt zweifelsfrei zu den Spitzenproduktionen des italienischen Thriller-Genres. Dabei unterscheidet sich MIO CARO ASSASSINO von den meisten seiner gelbfarbigen Mitstreiter, weil der Film einerseits einen klassischen Whodunit-Plot à la Agatha Christie aufweist, der am Ende feierlich die Auflösung zelebriert, und andererseits anstatt eines hergelaufenen Touristen einen besonnenen Ermittler ins Zentrum der Geschichte stellt, der beharrlich das Rätsel um den geheimnisvollen Mörder zu lösen versucht, was ihm letztendlich auch gelingt. Nebstdem strahlt die Inszenierung dieser klassischen Detektivgeschichte, deren Mordszenen lediglich in bester Giallo-Manier ausgeschmückt wurden, eine seriöse Ernsthaftigkeit aus. Wäre der Film mit einschlägigen, deutschen Schauspielern besetzt gewesen, dann würde er als ein astreiner Edgar-Wallace-Film durchgehen, der nahtlos zwischen DAS RÄTSEL DES SILBERNEN HALBMONDS und DAS GEHEIMNIS DER GRÜNEN STECKNADEL eingereiht werden könnte. Eröffnet wird MIO CARO ASSASSINO gleich mit einem Knall, denn in einer denkwürdigen Mordsequenz wird ein Privatdetektiv in ikonischer Art und Weise von einer Baggerschaufel schonungslos geköpft. Eine Szene, die die der Zuschauer genauso wenig vergisst, wie die drastische Mordszene an der jungen Lehrerin, bei der ein Trennschleifer von Black & Decker als Mordwerkzeug zum Einsatz kommt. Ansonsten lebt der Film von seiner gut durchdachten sowie komplexen Handlung, die obendrein sauspannend in Szene gesetzt wurde. Für die stimmungsvolle Bildgestaltung zeigt sich niemand Geringeres als der spanische Kameramann Manuel Rojas verantwortlich.


Ein weiteres Highlight stellt die hochkarätige Schauspielerriege dar, die allesamt überzeugende Darbietungen abgeben. Als Hauptdarsteller verpflichtete Tonino Valerii den aus Uruguay stammenden Schauspieler George Hilton, der seine Rolle als umsichtiger Ermittler mit Bravour erfüllt. Während in den meisten Giallo-Thrillern die Polizei nicht gut wegkommt, wird es George Hilton gegönnt, einen versierten sowie aufgeweckten Ermittler zu spielen, der den Handlungsverlauf maßgeblich steuert. Fernerhin ist er im Film mit der reizenden Marilù Tolo liiert, welche die Psychiaterin Dr. Anna Borgese verkörpert, wobei die Beziehung zwischen den Beiden sehr angespannt wirkt, da sie ihre jeweiligen Arbeitszeiten scheinbar schwer übereingestimmt bekommen: Entweder unterhält man sich mit dem Anrufbeantworter der Psychiaterin oder der Kommissar glänzt mal wieder mit chronischer Abwesenheit. In weiteren Rollen können solch namhaften Darsteller wie beispielsweise William Berger, Piero Lulli, Helga Liné, Patty Shepard, Corrado Gaipa, Alfredo Mayo, Salvo Randone, Mónica Randall oder auch Sofia Dionisio, die Schwester von Silvia Dionisio, bestaunt werden. Außerdem durfte die damals erst sechsjährige Lara Wendel in diesem vorzüglichen Giallo ihr Leinwanddebüt absolvieren. Abgerundet wird das Thriller-Spektakel mit einer bittersüß-verstörenden Filmmusik von Maestro Morricone, die einem so schnell nicht mehr aus dem Ohr geht. Hierzulande wurde dem Film erst recht spät eine Veröffentlichung zugesprochen, denn er erschien erstmals im Jahr 2005 auf DVD. Während die Erstauflage den Film in einer englischer Sprachfassung mit deutschen Untertiteln enthielt, folgte kurz darauf eine Neuauflage mit deutscher Synchronfassung, die vom Label eigens für den Film angefertigt wurde. Dabei handelt es sich um qualititativ hochwertige Synchro, bei der die ursprüngliche Geräuschkulisse im Hintergrund neu vertont wurde. Zwischenzeitlich wurde MIO CARO ASSASSINO hierzulande auch als BD veröffentlicht.



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Filmplakate:
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Titelvorspann:
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Trailer:
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Score:

Zuletzt geändert von Richie Pistilli am So., 18.01.2026 17:32, insgesamt 1-mal geändert.

ephedrino
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Re: MIO CARO ASSASSINO - Tonino Valerii

Beitrag von ephedrino »

Richie Pistilli hat geschrieben:
Sa., 17.01.2026 16:25
... den aus Uruguay stammenden Schauspieler George Clinton, der seine Rolle als umsichtiger Ermittler mit Bravour erfüllt. Während in den meisten Giallo-Thrillern die Polizei nicht gut wegkommt, wird es George Clinton gegönnt, einen versierten sowie aufgeweckten Ermittler zu spielen, ...
Na, na, na, war es nicht vielleicht doch Bootsy Collins in der Rolle des Ermittlers? ;-)

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Richie Pistilli
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Re: MIO CARO ASSASSINO - Tonino Valerii

Beitrag von Richie Pistilli »

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ephedrino hat geschrieben:
So., 18.01.2026 14:27
Na, na, na, war es nicht vielleicht doch Bootsy Collins in der Rolle des Ermittlers? ;-)


Oops! :oops:

Keine Ahnung, wie mir dieser Fehler unterlaufen konnte. Habe es gleich mal korrigiert.
Ein Giallo mit Bootsy Collins und George Clinton wäre bestimmt mächtig "funky" geworden. ;)





Bildvergleich zwischen der alten DVD und der neuen DVD von X-Rated:


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Kent
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Re: MIO CARO ASSASSINO - Tonino Valerii

Beitrag von Kent »

Der Film ist wunderbar. Man kann den locker jedes Jahr schauen, er hat ganz viele Qualitäten. 8-)

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Prisma
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Re: MIO CARO ASSASSINO - Tonino Valerii

Beitrag von Prisma »



Ich habe mir "My dear Killer" gestern auch angesehen und muss auch sagen, dass er wirklich packend inszeniert ist. Angefangen mit einer Art Baumaschinen-Ästhetik und einem schnellen Wechsel zu Brutalität und Schock, kommt die gut konstruierte Geschichte schnell in Gang, bis man sich auch schon beim Aufrollen der Vergangenheit und in einem Wettlauf mit der Realität wiederfindet, die von dem hier gut im Bild festgehaltenen Killer geschaffen wird. Zahlreiche Morde, deren Blutrünstigkeit sich eher im Off abspielt, lassen eine spannende Geschichte erkennen. Mit George Hilton als aufmerksamem Ermittler ist man hier sehr gut bedient, seine Arbeit ist geprägt von angenehmem Pragmatismus, der immer wieder Anflügen des eigenen unbändigen Temperaments standzuhalten hat. Kindesentführung mit anschließender Ermordung ist ein stets schwer zu ertragendes Thema, und beim Blick auf die lebenden Toten aus der Vergangenheit wird man genügend Verdächtige finden, die für die Geschehnisse infrage kommen. Die Bebilderung ist hier wirklich hervorragend, auch Schauplätze, Kulissen und Charaktere machen einem ordentlichen Giallo alle Ehre, sodass man sich gerne gespannt zurücklehnt und dem Mörderraten anschließt. Persönliche schauspielerische Highlights stellen neben George Hilton noch Helga Liné, William Berger, Dana Ghia und vor allem Patty Shepard dar, aber der Film ist durch die Bank spektakulär besetzt. Im Finale bekommt man eine interessante Auflösungsrunde à la Hercule Poirot geboten und ich kann mich den positiven Bewertungen von hier nur anschließen. Tonino Valeriis Beitrag hat insgesamt einen bleibenden Eindruck hinterlassen können.

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Richie Pistilli
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Re: MIO CARO ASSASSINO - Tonino Valerii

Beitrag von Richie Pistilli »

Könntest Du Dir vorstellen, dass der Film mit einer entsprechenden Besetzung auch in die Edgar-Wallace-Reihe gepasst hätte?
Das kam mir bei der letzten Sichtung immer wieder in den Sinn.

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Prisma
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Re: MIO CARO ASSASSINO - Tonino Valerii

Beitrag von Prisma »

Richie Pistilli hat geschrieben:
Mo., 19.01.2026 12:20
Könntest Du Dir vorstellen, dass der Film mit einer entsprechenden Besetzung auch in die Edgar-Wallace-Reihe gepasst hätte?

Ja, auf jeden Fall! Verorte ich den gegen Ende der Reihe und bleibe im gleichen Produktionsjahr, bräuchte es als italienisch-deutsche Co-Produktion gar nicht so viele Modifikationen bei der Besetzung. Der Plot wäre für einen Spät-Wallace durchaus angemessen gewesen und ich bin mir sicher, wenn die Rialto weitergemacht hätte, wären noch einige dieser Filme unter dem Wallace-Banner vermarktet worden. Das mögen viele jetzt nicht als besonders interessant oder erstrebenswert einstufen, aber ich hätte die Reihe noch gerne nach "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" weiter laufen gesehen. Ich mache mir mal ein paar Gedanken zur Umbesetzungscouch, da würde ich gar nicht so viele Schauspieler austauschen. Da braucht es ja nur 3 bis 5 deutsche Akteure. Aber wirklich eine interessante Fragestellung!

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Richie Pistilli
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Re: MIO CARO ASSASSINO - Tonino Valerii

Beitrag von Richie Pistilli »

Prisma hat geschrieben:
Mo., 19.01.2026 13:16
Der Plot wäre für einen Spät-Wallace durchaus angemessen gewesen und ich bin mir sicher, wenn die Rialto weitergemacht hätte, wären noch einige dieser Filme unter dem Wallace-Banner vermarktet worden. Das mögen viele jetzt nicht als besonders interessant oder erstrebenswert einstufen, aber ich hätte die Reihe noch gerne nach "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" weiter laufen gesehen.

Genau das meinte ich. Musste während der Sichtung mehrfach an STECKNADEL und HALBMOND denken.
Schade, dass sich Rialto nicht mehr italienische Krimis unter den Nagel gerissen hat, um mit diesen die E.W.-Reihe fortzuführen.

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Re: MIO CARO ASSASSINO - Tonino Valerii

Beitrag von Prisma »

Richie Pistilli hat geschrieben:
Mo., 19.01.2026 14:12
Genau das meinte ich. Musste während der Sichtung mehrfach an STECKNADEL und HALBMOND denken.
Schade, dass sich Rialto nicht mehr italienische Krimis unter den Nagel gerissen hat, um mit diesen die E.W.-Reihe fortzuführen.

Ich glaube, man wollte nach 32 Filmen in 12 Jahren einfach andere Wege gehen. Die Besucherzahlen waren rückläufig, wobei man auch erwähnen muss, dass die Kosten sich aufgrund der italienischen Produktionspartner bestimmt in Grenzen hielten. Ich schätze, dass man bei Rialto immer noch von einem annehmbaren Geschäft sprechen konnte. Vielleicht war die rein italienische Konkurrenz aber auch einfach zu stramm geworden. Die Rialto hätte eigentlich auch locker als Co-Financier bei italienischen Giallo ohne die Marke Wallace fungieren können, da wären bestimmt interessante Besetzungslisten bei herausgekommen.

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Prisma
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Re: MIO CARO ASSASSINO - Tonino Valerii

Beitrag von Prisma »



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● DANA GHIA als ELEONORA MORONI in
MY DEAR KILLER (I|E|1972)



»Es tut mir leid, Mrs. Moroni, aber ich muss Ihnen einige Fragen über Stefania stellen …« Die elegant wirkende Frau reagiert kaum auf die Bemerkung Inspektor Perettis, zumindest nicht so, wie er und das Publikum es erwarten würden, denn es handelt sich um unbequeme Fragen über ihre ermordete Tochter. Man merkt, dass sie sich bedrängt fühlt, unterbricht das Stricken eines Pullovers für ihr totes Kind jedoch nicht. An der Reaktion des Polizeimannes lässt sich erkennen, dass er umgehend über die psychische Konstitution seiner Zeugin im Bilde zu sein scheint und er geht weiterhin ungewohnt subtil vor. Es ergeben sich keine neuen Erkenntnisse, denn dafür ist Eleonora Moroni zu sehr gefangen in der Vergangenheit. Es ist, als ob eine unüberwindbare Mauer zur Realität, zum Hier und Jetzt gezogen wäre, deren Überwindung die Frau im besten Alter nicht verkraften würde, vielleicht sogar nicht überleben. Dana Ghia ist in Tonino Valeriis atmosphärischem Giallo, wie für ihre Karriere meist üblich, in kürzeren Intervallen zu sehen, die sich hier erfreulicherweise über den kompletten Film verteilen. Antworten wird man bei dieser in sich gekehrten und offenbar schwer traumatisierten Frau nicht mehr finden können, denn sie hat alles verloren. Wenig später übernimmt ihre resolute Schwägerin das Wort und hierbei wird jedem schnellstens klar, dass es in ihrem besonderen Interesse liegt, die Frau mit der Finanzstärke systematisch von der Außenwelt abzuschirmen. Die Befragung durch die Polizei missfällt ihr offenbar sehr, aber nicht um ihrer Schwägerin willen, sondern aus Angst, dass ihre Konstruktion in Stücke zerfällt. Dana Ghia wirkt der Anforderung ihres Parts entsprechend abwesend, gefangen in sich selbst und verhalten in ihren spärlichen Antworten. Sie strickt einen Pullover für ihr Kind, welches ihn niemals tragen wird. Mit Stolz präsentiert sie dem Inspektor das Foto ihrer seinerzeit fünfjährigen Tochter, der ihr versichert, wie hübsch sie sei und Ähnlichkeit mit der Mutter habe. Eine gute Strategie, seine Zeugin auf für sie sicheres Terrain zu führen, bis die besagte Schwägerin das Wort und Regiment übernimmt. Eleonora bleibt unbeachtet auf ihrem wohl bevorzugten Platz, bis sie schließlich durch die feudale Villa geistern wird, um rufend nach ihrer Tochter zu suchen. Offenbar ist sie dazu verurteilt, dieses Szenario immer und immer wieder durchzuspielen, denn ihr Dasein scheint wie eingefroren, ihre Gedanken abgekapselt zu sein und dies ab dem Zeitpunkt der Todesnachricht.

Ihr Leben spielt sie wiederkehrend wie in Endlosschleife bis zu diesem Schicksalsschlag durch, ohne jemals weiterkommen zu können, da die Türe zur Realität verschlossen ist, ohne den passenden Schlüssel wieder finden zu können. Vor dieser Szene und anschließend bekommt das Publikum die Mutter in Rückblenden präsentiert. Ängstlich läuft sie suchend und rufend durch den Park des Hauses, ihre Panik ist vom Publikum beinahe zum Greifen nah und spürbar, ebenso als sie den erpresserischen Anruf erhält. Eleonora hört nur zu, wie gelähmt, unfähig auch nur ein Wort zu sagen. Die Summe von 500.000 Dollar ist eine Randnotiz, die keine Relevanz für sie zu haben scheint, vor allem weil der Tod in Aussicht gestellt wurde. Als sie den Hörer aufhängt, sieht man Mrs. Moroni in diesem Verlauf das einzige Mal gedanklich völlig klar. Ihr Gesichtsausdruck spricht dabei Bände, als sie ins Leere starrt und dabei vermutlich Bilder in Vorahnung sieht, die sich wenig später leider bestätigen würden. Dana Ghia provoziert durch ihr subtiles und beinahe minimalistisches Angebot Mitgefühl, sodass es umso überraschender wirkt, dass sie vom Skript nicht als eine der Verdächtigen für die anschließende Mordserie ausgeschlossen wird, immerhin wurde die Frau als Gefangene ihrer niemals aufhörenden Gedanken präsentiert. Was Ghia betrifft, so hat man mit ihrer Platzierung erneut den richtigen Coup gelandet. Elegante, nicht selten etwas oberflächlich anmutende Damen der gehobenen Gesellschaft waren ihre leichteste Fingerübung und dennoch ein wichtiges Fragment. Oftmals interpretierte sie Schlüsselrollen, wenn sie denn von der Geschichte genügend aufgerollt wurden. Hier bleibt sie gewollt in der Leere des Szenarios zurück, aus der sie nicht ausbrechen kann, dabei nicht greifbar für den Zuschauer und die Polizei ist, außerdem unantastbar aus Rücksichtnahme auf ihren angeschlagenen Geisteszustand. Ist Eleonora Moroni also der klassische Typ des innocent bystander, gefangen in ihrer eigenen Realität, oder besitzt sie die Kapazitäten, das Geschehen aktiv zu prägen? Diese interessante Frage wird von Dana Ghia geschickt verschleiert, bis es gegen Ende zu einem unnachgiebigen Blick in einen Spiegel kommt, der jedem Beteiligten die Gewissheit über ihre Zukunft aufzeigen wird. Ja, Auftritte der Italienerin dieser Art sind immer hochinteressant und gerne gesehen, sollten aufgrund ihrer empfundenen Marginalität jedoch keineswegs unterschätzt werden, da sie wie hier oftmals ein wichtiges Bindeglied zwischen Unkenntnis und Erkenntnis darstellt.



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