Verbotene Zärtlichkeiten (D)
Io Cristiana studentessa degli scandali (IT)
La provocation sexuelle (F)
Cristina, adolescente pervertida
School of Erotic Enjoyment
Scandals Story
Cristiana
IT 1971
R: Sergio Bergonzelli
D: Glenn Saxson, Malisa Longo, Patricia Reed, Rossano Attolico, Barbara Betti, Gregorio Gandolfo, Antonella Murgia, Gianni Pulone u.a.
Deutsche Erstaufführung: 24. Oktober 1975
Score: Carlo Savina
OFDb
"Solche Spiele sind sehr beliebt in Dänemark und Schweden, aber hier sollte man solchen Schwachsinn wirklich unterlassen."
Davide Andrei (Glenn Saxson), ein verheirateter Professor, tritt an einer von rebellischen Studenten heiß umkämpften Universität seinen neuen Job als Dozent an. Nach einigen hitzigen Diskussionen mit denn revoltierenden Studenten entschließen sich diese dazu, die Autorität des von ihnen als zu konservativ angesehenen Professors zu untergraben. Während der Wortführer der Studentengruppe, Massimo (Rossano Attolico), Davides Ehefrau Simona (Patricia Reed) umgarnt, verführt die adrette Studentin Cristiana (Malisa Longo) den Professor. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass Simona echte Gefühle für Davide entwickelt, was wiederum sowohl zu Spannungen zwischen dem Professor und seiner Frau als auch für Unmut in der aufgebrachten Studentschaft führt, die ihre Kommilitonin von da an als Verräterin brandmarken und dementsprechend ausgrenzen. Aus einst freigeistigen Studierenden werden plötzlich autoritäre Reaktionäre, an deren Hände am Ende das Blut Unschuldiger klebt.
Ein Jahr bevor Sergio Bergonzelli seinen Filmknüller CRISTIANA, DIE BESESSENE drehte, veröffentlichte er mit VERBOTENE ZÄRTLICHKEITEN bereits einen ähnlich gelagerten Streifen über rebellische Studenten, die an ihrer Uni den Klassenkampf, das Recht auf Mitbestimmung und Pressefreiheit sowie die freie Liebe propagieren. Während die Studentenschaft beispielsweise die Grenzenlosigkeit der freien Liebe bewirbt, gelten für ihren neuen Professor ein wenig enger gefasste moralische Standards, was wiederum für einige der Studierenden ein nicht hinnehmbarer Dorn im Auge darstellt. Um den Professor zu kompromittieren, entwickeln die rebellischen Freigeister einen perfiden Plan, der letztendlich aber mächtig in die Hose geht.
"Ein Märchen ist zur müden Romanze geworden, das soll aber vielen so gehen."
Eröffnet wird der Film mit einem geschichtlichen Exkurs zum Thema "Sexualität in der Kunstgeschichte", der in Form eines Dokumentarfilms in einer studentischen Kommune aufgeführt wird. Während Massimo, der Wortführer der Studententruppe, den Film kommentiert, schwadroniert die aufreizende Cristiana davon, sich zur Königin der Skandale zu machen. Als sie kurz darauf den perfiden Plan beschließen, ihren neuen Professor zu kompromittieren, bietet sich für Cristiana die Gelegenheit, ihre Absicht in die Tat umzusetzen. Mit viel nackter Haut versucht sie von da an ihren verheirateten Dozenten zu verführen, wobei sie schnell feststellen muss, dass sie sich bereits nach kürzester Zeit in diesen verliebt hat. Da auch der Professor den Verführungskünsten Cristianas nur für eine kurze Zeitspanne widerstehen kann, kommt es bald zu einer wilden Romanze zwischen den beiden. Zur gleichen Zeit umgarnt Massimo die Ehefrau des Professors, die sich bereits zuvor hinter dem Rücken ihres Mannes mit einer anderen Frau amüsierte. Was folgt, sind kompromittierende Nacktfotos von Christina und dem Professor, die die Studenten in ihrer Studentenzeitung veröffentlichen und somit das endgültige Ende der sowieso schon angeknacksten Ehe einläuten. Als Cristiana sich jedoch zur Liebe gegenüber des Professors bekennt, schlägt plötzlich die freigeistige Stimmung innerhalb der aufmüpfigen Studentenschaft in eine autoritär-reaktionäre Haltung um, die letztlich ins Verderben führt.
Entgegen der meisten Rezensionen im Netz, die VERBOTENE ZÄRTLICHKEITEN überwiegend zerreißen, finde ich Bergonzellis Werk, gerade wegen seiner gesellschaftlichen Quintessenz, durchaus gelungen. Hinzu gesellen sich knallbunte Bilder, eine lebendige Kameraführung und ganz viel nackte Haut. Zwar enthält der Film auch jede Menge Kitsch, wobei dieser aber eher von der angenehmeren Sorte zuzuordnen ist. Die Darstellerriege macht ebenso einen guten Job. Was die deutsche Synchronfassung betrifft, so würde ich diese ebenfalls als gelungen bezeichnen. Umso ärgerlicher, dass diese gegenüber der italienischen Originalfassung um ganze zwölf Minuten kürzer ausfällt. Was absolut gar nicht geht, ist der Wegfall des kompletten Endes, denn während die Deutsche Kinofassung ein offenes Happy-End suggeriert, geht die italienische Fassung an dieser Stelle gerade erst in die Vollen. Weder die gewaltsame Misshandlung, noch die ausgeübte Gewalt gegen den Professor sind in der deutschen Kinofassung enthalten, was wiederum die eigentliche Handlung konterkariert. Die deutsche Kinofassung wurde auch dementsprechend als reiner Erotik-Film beworben. Ein konkreterer Bild- und Schnittvergleich zwischen den verschiedenen Filmfassungen folgt in den nächsten Tagen.
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