16 UHR 50 AB PADDINGTON - George Pollock

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Prisma
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16 UHR 50 AB PADDINGTON - George Pollock

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Margaret Rutherford   James Robertson Justice   Muriel Pavlow   in

16 UHR 50 AB PADDINGTON


● MURDER SHE SAID / 16 UHR 50 AB PADDINGTON (GB|1961)
mit Charles Tingwell, Stringer Davis, Thorley Walters, Ronnie Raymond, Joan Hickson, Gerald Cross, Conrad Phillips und Arthur Kennedy
eine Produktion der Metro-Goldwyn-Mayer | George H. Brown Productions | im Verleih der Metro-Goldwyn-Mayer
nach dem gleichnamigen Roman von Agatha Christie
ein Film von George Pollock

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»Seit wann kann eine Tote aussteigen?«


Während einer Zugfahrt beobachtet Mis Marple (Margaret Rutherford) einen Mord an einer Frau in einem überholenden Zug, doch weder im dort noch auf der Bahnstrecke wird eine Leiche gefunden. Bei der Polizei wurde die Aussage der Hobbydetektivin als Hirngespinst abgetan. Grund genug für Miss Marple, selbst die Initiative zu ergreifen. Da sie bei ihren Erhebungen an der Bahnstrecke Schleifspuren entdeckt hatte, die zum Anwesen der Familie Ackenthorp führt, lässt sie sich von einer Agentur dorthin als Hauswirtschafterin vermitteln. Das cholerische Familienoberhaupt Luther Ackenthorpe (James Robertson Justice) ist wenig begeistert von der Ankunft der Schnüfflerin, zumal sie auf dem Gelände die Leiche einer Frau findet...

Mit der im Jahr 1961 entstandenen Produktion "16 Uhr 50 ab Paddington" wurde der Grundstein für eine Reihe höchst unterhaltsamer Kriminalgeschichten rund um die quirlige Hauptfigur Miss Marple gelegt, die in der Bundesrepublik längst Kultstatus besitzen und bereits unzählige Male wiederholt wurden. Diese erste Verfilmung frei nach Agatha Christie stellt sicherlich eine der dichtesten Verfilmungen dar, wenngleich zu betonen wäre, dass innerhalb der vierteiligen Reihe keine wirklich schwachen Produktionen zu finden sind. Kurz nach Beginn geht alles Schlag auf Schlag, denn die Protagonistin wird unfreiwillige Zeugin eines brutalen Mordes, den sie zufällig in einem vorbeifahrenden Zug beobachten muss. Während der Schaffner es als wilden Traum einer alten Dame abtut, die über ihren spannenden Kriminalroman eingeschlafen ist, stößt die rüstige alte Dame bei der Polizei ebenfalls auf wenig Fürsprache. Der erste Mord im Nebenabteil des vorbeifahrenden Zuges bringt es zu einer sehr atmosphärischen Inszenierung, deren Fokus auf dem Todeskampf des attraktiven Mordopfers und der brutalen Vorgehensweise des Mörders liegt. Das Publikum ist hierbei viel mehr als nur Zeuge, nämlich Komplize der Beobachterin, die niemand ernst nimmt, und man sinnt schließlich nach Aufklärung und Gerechtigkeit. Umso besser, dass es sich bei Miss Marple um eine resolute Ermittlerin handelt, die die Angelegenheit gleich selbst in die Hand nimmt, immerhin blickt sie auf die Erfahrung unzähliger Kriminalromane zurück, kann außerdem auf ihre wache Auffassungsgabe und Furchtlosigkeit bauen. Immer wenn Marple von der Polizei brüskiert wird, läuft sie zu Höchstformen auf, sodass man sie schließlich bei der Arbeit beobachten kann, die eigentlich die Beamten übernehmen müssten. Mit ihrem treuen Freund Mister Stringer - der ein genaues Pendant zu Miss Marple darstellt - führt der Weg schnell zu einem Herrenhaus, in dem man die Hobbydetektivin wenig später als Hauswirtschafterin ausfindig machen kann. Ihrem Spursinn kann dabei keiner entkommen, nicht aber ohne ihre täglichen Pflichten im Auge zu behalten, für die sie sich dort schließlich hat unterbringen lassen.

Der über weite Strecken recht altmodisch wirkende Film, dem seine antiquierten Tendenzen hervorragend stehen, da er sie offen zur Schau trägt, verfügt über eine exzellente Besetzung, die von der Titelrolle angeführt wird. Margaret Rutherford - hier einmalig synchronisiert von Agnes Windeck - stellt jede weitere Miss Marple-Figur in den Schatten und geht als Prototyp in die Kriminalgeschichte ein. Das Schauspiel wird getragen von auffälliger Akzentuierung in den Bereichen Gestik und Mimik, bis es schließlich nicht schwerfällt, die alte Dame zu mögen und mit ihr mitzufiebern. Muriel Pavlow, als völlig passive, ihrem Vater gegenüber sogar verängstigte Akteurin, Arthur Kenedy, Stringer Davis oder Charles Tingwell erweisen sich als sehr gute und anpassungsfähige Interpreten, darüber hinaus noch bessere Stichwortgeber, doch die Leistung von James Robertson Justice als Choleriker vom Dienst sorgt für zusätzliche Besteindrücke und humorige Farbtupfer innerhalb des doch abgelegenen Szenarios. Es ist anzunehmen, dass er auch ohne deine chronischen Schmerzen so lospoltern würde, um jeden in seinem Umfeld wie einen Bediensteten zu behandeln. Der Mordfall wird von Miss Marple konsequent und professionell aufgerollt, bis es zu weiteren Verbrechen kommt, die sich innerhalb der Familie Achenthorpe abspielen. Ursächlich basierend auf überaus weltlichen Motiven, liegt man mit seinem Mörder-Tipp hier vielleicht relativ schnell richtig, obwohl sich zahlreiche Verdächtige geradezu anbieten, aber dennoch bleibt die Angelegenheit über die komplette Distanz spannend, geistreich und vor allem sehr unterhaltsam. Mit George Pollocks "16 Uhr 50 ab Paddington" bekommt man den perfekten Einstieg in die normalerweise gemütliche Welt der Miss Marple angeboten, falls sie nicht Mordfälle für andere aufzuklären hat. Margaret Rutherford wird dabei zum ultimativen Aushängeschild der mit Verbrechen aufgeheizten Geschichten und kann hier einen perfekten Einstand erzielen. Das Gute des Films ist schließlich, dass es für ihn keine Verjährungsfrist zu geben scheint, man sich ihn somit auch die nächsten drei Dutzend mal anschauen kann, ohne sich in irgendeiner Form zu langweilen.

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