LIEBE IST WIE EIN STURM - Romolo Guerrieri

Schwarze Handschuhe, undurchsichtige Typen, verführerische Damen und stylische Kills.
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Richie Pistilli
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LIEBE IST WIE EIN STURM - Romolo Guerrieri

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Liebe wie ein Sturm (D)
Love Inferno (D - VHS)
La controfigura (IT)
La contrafigura (ES)
Asesinato por motivos inconfesables (MEX)
The Double


IT 1971

R: Romolo Guerrieri
D: Jean Sorel, Ewa Aulin, Lucia Bosé, Silvano Tranquilli, Marilù Tolo, Sergio Doria, Giacomo Rossi Stuart, Antonio Pierfederici, Bruno Boschetti, Pupo De Luca, Romano Milani, Bruno Alias u.a.



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Deutsche VHS-Premiere: 1988

Score: Armando Trovajoli

Ewa Aulin: Magazincover-Collection

OFDb



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"Oh komm, was soll das ganze Geschwätz von den Linken, den Rechten, den Rebellen, der Opposition? Blöde Begriffe! Was sollen die eigentlich? Und was bist Du denn?"


Während der tagträumerische Architekt Frank (Jean Sorel) in einer marokkanischen Tiefgarage von einem unbekannten Mann erschossen wird, schießen diesem zahlreiche Erinnerungen durch den Kopf, die schließlich zur der ausweglosen Misere führten, in der er sich gerade befindet. Neben einigen Erinnerungsfetzen, bei denen er einen toten Mann auffand, kommen ihm hauptsächlich Erinnerungen an sein komplexes Beziehungsgeflecht in den Sinn, in dem er sich kurz vor seinem unerwarteten Tod verfing. Da wäre zum einen seine junge Frau Lucia (Ewa Aulin), die er nicht nur kurz zuvor ehelichte, sondern auch ständig bevormunden wollte, denn Frank war ein sowohl krankhaft eifersüchtiger als auch zugleich besitzergreifender Mann, der in der Beziehung mit allen Mitteln versuchte, das Zepter fest in der Hand zu halten. Als sich Lucia eines schönen Tages am Strand mit einem Hippie namens Eddie Kennan (Sergio Doria) anfreundete, übermannte Frank ein dermaßen starkes Eifersuchtsgefühl, infolgedessen er gegenüber seiner Frau immer inakzeptabler werdende Verhaltensweisen an den Tag legte. Kurz darauf trat seine verlockend schöne Schwiegermutter Nora Tosatti (Lucia Bosè) auf den Plan, die ihm dann auch sogleich den Kopf verdrehte. Dumm nur, dass sich Nora offensichtlich in Eddie verliebte, mit dem sie fortan den Großteil ihrer Zeit verbrachte. Kommen wir zurück zu dem losgelösten Erinnerungsfetzen mit dem toten Mann, bei dem es sich nämlich um Eddie handelte. War seine Schwiegermutter Nora für dessen Tod verantwortlich? Oder vielleicht doch seine Ehefrau Lucia? Oder war er es am Ende selbst? Fragen über Fragen, die aber allesamt im restlichen Handlungsverlauf genauso aufgeklärt werden, wie auch der ausschlaggebende Grund für seinen überraschenden Tod.





Ein bildschönes Verwirrspiel, welches Romolo Guerrieri im Jahr 1971 auf die Leinwand brachte. Obwohl es sich bei LIEBE IST WIE EIN STURM vordergründig um einen Erotik-Thriller handelt, ähnelt der Film zugleich den Lounge-Gialli von Umberto Lenzi als auch seiner vorausgegangen Regiearbeit, dem ganz hervorragenden Intrigen-Giallo DER SCHÖNE KÖRPER DER DEBORAH. Einzig seine verschachtelte Erzählweise unterscheidet den Film von seinen liniear inszenierten Filmgenossen, die Guerrieri letztlich in Form von ständig wechselnden Rückblenden realisierte. Kurz gesagt besteht eigentlich der komplette Filmverlauf aus zeitversetzten Rückblenden, die dem sterbenden Hauptprotagonisten Frank während seines Todeskampfes durch den Kopf jagen. Und genau diese Rückblenden zeigen am Ende dann auch auf, wie schließlich der Mord in der Eröffnungsszene zustandekam, dem der von Jean Sorel gespielte Architekt Frank gleich zu Beginn zum Opfer fällt. Trotz der irritierenden Erzählweise fehlt es LIEBE IST WIE EIN STURM in keinster Weise an Spannung, wobei der Handlungsverlauf auch ruhigere Passagen aufweist, die aber immer wieder durch Spannungsmomente unterbrochen werden. Was die zahlreichen Nacktszenen anbelangt, so wurden diese von Romolo Guerrieri stets sehr ästhetisch in Szene gesetzt. Gedreht in der exotischen Kulisse von Marokko wandelt sich eine nicht gerade glücklich wirkende Zweierbeziehung allmählich in eine Vierecksbeziehung, die letztendlich zwei Mitglieder nicht überleben. Jean Sorel spielt dabei einen faulenzenden Architekt, der sich von seinem vermögenden Vater aushalten lässt. Nebenbei offenbart er sich als ein besitzergreifender Ehemann, der recht schnell von einem Eifersuchtsgefühl übermannt wird, wenn es sich um seine quirlige Ehefrau dreht. Diese wird wiederum von der reizenden Schwedin Ewa Aulin verkörpert, die einem angesichts ihres miesepetrigen Ehegatten, der auch vor Gewaltausbrüchen und sexuellen Übergriffen gegenüber ihr nicht zurückschreckt, die meiste Zeit nur leid tun kann. Gleiches gilt für die von Lucia Bosè gespielte Schwiegermutter, die ebenfalls einen sexuellen Übergriff ihres argwöhnischen Schwiegersohns über sich ergehen lassen muss. Leider weisen diese Szene einen zeitbedingten Beigeschmack auf, denn das anfängliche 'Nein', das die beiden Frauen ihrem Peiniger gegenüber äußern, wandelt sich während des Übergriffs grundlos in ein illusorisches 'Ja'.


Was die deutsche Synchronfassung betrifft, so entpuppt sich diese an manchen Stellen als äußerst deftig, ohne dabei aber unpassend zu wirken. Lediglich Marilù Tolo und Silvano Tranquilli wirken aufgrund ihres französischen Akzents ein wenig abenteuerlich. Als wahre Kuriosität entpuppte sich die deutsche 35mm-Kopie, die zur damaligen Zeit zwar nie offiziell im Kino gezeigt wurde (zumindest gibt es keinen Hinweis auf einen offiziellen Kinostart) und in der vergangenen Woche auf dem TERZA-VISIONE-Festival zum Einsatz kam. Neben einigen italienischen Sätzen, die seltsamerweise nicht synchronisiert wurden, wies die Kopie auch bei jeden Aktwechsel kurzzeitig das Standbild einer grinsenden Frau auf, die sich offensichtlich bei der damaligen Herstellung einen kleinen Spaß erlaubt hat. Zu allem Überfluss wurden auch noch die letzten beiden Akte vertauscht, was aber angesichts der sich ständig wechselnden Rückblenden weniger schwer ins Gewicht fiel.


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samgardner
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Re: LIEBE IST WIE EIN STURM - Romolo Guerrieri

Beitrag von samgardner »

Richie Pistilli hat geschrieben:
Do., 27.07.2023 22:40
Was die deutsche Synchronfassung betrifft, so entpuppt sich diese an manchen Stellen als äußerst deftig, ohne dabei aber unpassend zu wirken. Lediglich Marilù Tolo und Silvano Tranquilli wirken aufgrund ihres französischen Akzents ein wenig abenteuerlich. Als wahre Kuriosität entpuppte sich die deutsche 35mm-Kopie, die zur damaligen Zeit zwar nie offiziell im Kino gezeigt wurde (zumindest gibt es keinen Hinweis auf einen offiziellen Kinostart) und in der vergangenen Woche auf dem TERZA-VISIONE-Festival zum Einsatz kam. Neben einigen italienischen Sätzen, die seltsamerweise nicht synchronisiert wurden, wies die Kopie auch bei jeden Aktwechsel kurzzeitig das Standbild einer grinsenden Frau auf, die sich offensichtlich bei der damaligen Herstellung einen kleinen Spaß erlaubt hat. Zu allem Überfluss wurden auch noch die letzten beiden Akte vertauscht, was aber angesichts der sich ständig wechselnden Rückblenden weniger schwer ins Gewicht fiel.
Sehr interessant. Welcher Titel erschien denn in dieser Fassung am Anfang? Gab's evtl. einen Hinweis auf einen deutschen Verleih am Anfang? Und Kannst du noch irgendwas zu deutschen Synchro sagen: zeitliche Einordnung? irgendeine bekannte Stimme dabei? Falls die Synchro für einen Kinoeinsatz hergestellt wurde, dann wohl in den 1970ern...

Es ist 100 Jahre her, dass ich die deutsche VHS mal gesehen hab, aber ich bilde mir ein, dass da eine Synchro aus den 1980er drauf war. Dann würde es zu diesem Film gar 2 Synchros geben.

Da mit der "grinsenden Frau" klingt eher nach einer "Leader Lady": https://www.sensesofcinema.com/2020/fea ... ader-lady/

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Richie Pistilli
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Re: LIEBE IST WIE EIN STURM - Romolo Guerrieri

Beitrag von Richie Pistilli »

samgardner hat geschrieben:
Fr., 28.07.2023 11:36
Richie Pistilli hat geschrieben:
Do., 27.07.2023 22:40
Was die deutsche Synchronfassung betrifft, so entpuppt sich diese an manchen Stellen als äußerst deftig, ohne dabei aber unpassend zu wirken. Lediglich Marilù Tolo und Silvano Tranquilli wirken aufgrund ihres französischen Akzents ein wenig abenteuerlich. Als wahre Kuriosität entpuppte sich die deutsche 35mm-Kopie, die zur damaligen Zeit zwar nie offiziell im Kino gezeigt wurde (zumindest gibt es keinen Hinweis auf einen offiziellen Kinostart) und in der vergangenen Woche auf dem TERZA-VISIONE-Festival zum Einsatz kam. Neben einigen italienischen Sätzen, die seltsamerweise nicht synchronisiert wurden, wies die Kopie auch bei jeden Aktwechsel kurzzeitig das Standbild einer grinsenden Frau auf, die sich offensichtlich bei der damaligen Herstellung einen kleinen Spaß erlaubt hat. Zu allem Überfluss wurden auch noch die letzten beiden Akte vertauscht, was aber angesichts der sich ständig wechselnden Rückblenden weniger schwer ins Gewicht fiel.
Sehr interessant. Welcher Titel erschien denn in dieser Fassung am Anfang? Gab's evtl. einen Hinweis auf einen deutschen Verleih am Anfang? Und Kannst du noch irgendwas zu deutschen Synchro sagen: zeitliche Einordnung? irgendeine bekannte Stimme dabei? Falls die Synchro für einen Kinoeinsatz hergestellt wurde, dann wohl in den 1970ern...

Es ist 100 Jahre her, dass ich die deutsche VHS mal gesehen hab, aber ich bilde mir ein, dass da eine Synchro aus den 1980er drauf war. Dann würde es zu diesem Film gar 2 Synchros geben.

Wenn ich mich recht entsinne, dann lautete der Titel der 35mm-Fassung 'LIEBE WIE STURM' (also ohne das 'EIN'). Was die Synchro betrifft, so ist diese identisch mit der von der VHS-Fassung. Konkrete Sprecher könnte ich Dir jetzt zwar nicht nennen (mir fehlt das gewisse Ohr für so etwas), aber laut den Angaben im Titelvorspann, die für die VHS-Fassung massiv zusammengestutzt wurden (diese weist nur den Titel LOVE INFERNO sowie die Verantwortlichen der deutschen Bearbeitung auf), zeichnete sich die Reginafilm aus München für die deutsche Bearbeitung verantwortlich. Buch und Dialogregie stammten von Theo Maria Werner.


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Somit kann mit ziemlich hoher Sicherheit davon ausgegangen werden, dass die deutsche Synchronfassung bereits Anfang der 70er erstellt wurde. Was weiterhin unklar blieb, war die Frage nach einem damaligen Kinoeinsatz, denn Angaben für einen offiziellen Start ließen sich leider nicht auffinden. Zumindest diente die gezeigte 35mm-Kopie als Vorlage für die spätere VHS-Fassung, denn diese weist die gleichen Stellen auf, die auch auf der Filmkopie in italienischer Sprache belassen wurden. Ob die Filmkopie damals im Rahmen eines Festivals zum Einsatz kam, konnte leider auch nicht belegt werden. Zumindest schien die deutsche Synchronfassung für einen ursprünglich angedachten Kinostart erstellt worden zu sein.


samgardner hat geschrieben:
Fr., 28.07.2023 11:36
Da mit der "grinsenden Frau" klingt eher nach einer "Leader Lady": https://www.sensesofcinema.com/2020/fea ... ader-lady/

Diese „versteckten“ Bilder dienten ursprünglich dazu, die Farbpalette des Films zu kennzeichnen. Es handelt sich um indexikalische Darstellungen der Technologien und Materialien der Zelluloidfilmproduktion. Bei diesen Einzelbildern handelt es sich um stumme, unbewegte Kommunikationen vom Filmlabor zur Vorführkabine, ein körperloses Zeichen der ursprünglichen Farbpalette. Diese besonderen vier Bilder stellen Variationen der Praxis dar, eine einheitliche Farbdichte, Zeiteinteilung und Abstufung sicherzustellen, Prozesse, die bei der Herstellung von Zelluloidfilmen eine lange Geschichte haben. Sie zeigen auch, wie Filmverarbeitungspraktiken Bilder von Frauen als lebendige, aber stille und stille Testmuster verwendeten. Da der Fokus eindeutig auf dem Gesicht liegt, identifizieren diese allgemeineren Rahmen auch den gewünschten Hautton für diesen und andere Filme. Dieser Artikel widmet sich der erneuten Untersuchung dieser verborgenen Bilder als kulturell bedeutsam, historisch vernachlässigte Phänomene. Dazu wird das Erscheinen, Verschwinden und Verwandeln dieser Bilder in einer Reihe von Medienmaterialien verfolgt. Zunächst werden einige frühe Beispiele auf Schwarzweißfilmmaterial untersucht und anschließend die Transformation dieses Bildes durch eine Reihe fotografischer Technologien untersucht. [...] Ein materieller Aspekt des Films, der beim Übergang vom Zelluloid- zum digitalen Kino sowohl verloren geht als auch transformiert wird, ist das Bild der „Leader Lady“. Diese Bilder begannen als vier oder fünf Bilder, die in die Countdown-Sequenz einer Schwarz-Weiß-Filmrolle eingefügt wurden. Die Rahmen zeigten das Bild einer Frau neben abstrahierten schwarzen bis weißen Farbblöcken. Diese Schwarz-Weiß-Bilder dienten als Indexmarkierungen für die Intensität der Beleuchtung und des Kontrasts. Peter Monaghan schreibt: „In der Schwarz-Weiß-Ära kombinierten sich die menschlichen Figuren mit Tönen von Weiß bis Schwarz, um es den Technikern zu ermöglichen, eine konsistente „Schwarz-Weiß-Dichte“ zu erzeugen – das … hängt mit der Undurchsichtigkeit der Silbersalze zusammen und.“ Sensibilisierungsfarbstoffe, die aus dem Filmentwickler austreten.“ 1Monaghans Zitat veranschaulicht die spezifischen Materialien, die das Bild der Leader Lady prägen, aber auch diejenigen, die sie sowohl repräsentiert als auch kontrolliert. Dieser Rahmen (und alle anderen) bestehen aus lichtempfindlicher Zelluloidemulsion, Silbersalzen, Chemikalien und Licht, den Grundelementen des Films. Bei Farbfilmen wird dies noch verstärkt, da bestimmte Farbtöne und Dichte über alle Aufnahmen und Sequenzen hinweg stimmig sein müssen. Sie kündigen den Film an und sorgen für Konsistenz in Dichte, Kontrast und Timing. Die Rahmen von Leader Lady fungieren als Synekdoche für das Kino selbst, chemisch, materiell, technisch, ästhetisch, aber auch kulturell.


Vielen Dank für den Link. :hut:

Laut dem Beitrag könnte es sich bei der 'grinsenden Frau' tatsächlich um eine 'Leader Lady' gehandelt haben, denn anders lässt sich deren Anwesenheit an den jeweiligen Aktenden nicht erklären - es sei denn, es handelt sich dabei um das Selbstbild der Cutterin, die mit der vorliegenden Fassung einen Aprilscherz in die Welt setzen wollte ;)
Zumindest weiß ich jetzt, was die Aufgabe einer 'Leader Lady' darstellt.

samgardner
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Re: LIEBE IST WIE EIN STURM - Romolo Guerrieri

Beitrag von samgardner »

Richie Pistilli hat geschrieben:
Fr., 28.07.2023 17:54
Wenn ich mich recht entsinne, dann lautete der Titel der 35mm-Fassung 'LIEBE WIE STURM' (also ohne das 'EIN'). Was die Synchro betrifft, so ist diese identisch mit der von der VHS-Fassung. Konkrete Sprecher könnte ich Dir jetzt zwar nicht nennen (mir fehlt das gewisse Ohr für so etwas), aber laut den Angaben im Titelvorspann, die für die VHS-Fassung massiv zusammengestutzt wurden (diese weist nur den Titel LOVE INFERNO sowie die Verantwortlichen der deutschen Bearbeitung auf), zeichnete sich die Reginafilm aus München für die deutsche Bearbeitung verantwortlich. Buch und Dialogregie stammten von Theo Maria Werner.



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Somit kann mit ziemlich hoher Sicherheit davon ausgegangen werden, dass die deutsche Synchronfassung bereits Anfang der 70er erstellt wurde. Was weiterhin unklar blieb, war die Frage nach einem damaligen Kinoeinsatz, denn Angaben für einen offiziellen Start ließen sich leider nicht auffinden. Zumindest diente die gezeigte 35mm-Kopie als Vorlage für die spätere VHS-Fassung, denn diese weist die gleichen Stellen auf, die auch auf der Filmkopie in italienischer Sprache belassen wurden. Ob die Filmkopie damals im Rahmen eines Festivals zum Einsatz kam, konnte leider auch nicht belegt werden. Zumindest schien die deutsche Synchronfassung für einen ursprünglich angedachten Kinostart erstellt worden zu sein.
Danke! Das sind ja mehr Infos als ich gehofft habe. :hut: Toll, dass dir auch die VHS vorliegt.

Theo Maria Werner war u.a. auch Produzent und Filmhändler. In dem Zusammenhang hat er auch Synchros zu Filmen erstellt, die er dann an Verleiher oder auch ans Fernsehen "weiterverkaufte". Da würde ich jetzt davon ausgehen, dass er auch diesen Film für eine deutsche Auswertung erworben und die Synchro dazu erstellt hatte, um den Film dann an einen Verleih zu "verkaufen". Ende der 1960er/Anfang der 1970er gingen ja eine Menge kleiner Verleihfirmen pleite (z.B. Nora, Alpha, Ceres), vermutlich war da auch die Firma betroffen, die "Liebe ist wie ein Sturm" rausbringen sollte. So ist er dann wohl erstmal drauf sitzen geblieben und hat den Film dann erst Jahre später für eine VideoVÖ verkaufen können.

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Re: LIEBE IST WIE EIN STURM - Romolo Guerrieri

Beitrag von Richie Pistilli »

samgardner hat geschrieben:
Fr., 28.07.2023 18:48
Theo Maria Werner war u.a. auch Produzent und Filmhändler. In dem Zusammenhang hat er auch Synchros zu Filmen erstellt, die er dann an Verleiher oder auch ans Fernsehen "weiterverkaufte". Da würde ich jetzt davon ausgehen, dass er auch diesen Film für eine deutsche Auswertung erworben und die Synchro dazu erstellt hatte, um den Film dann an einen Verleih zu "verkaufen". Ende der 1960er/Anfang der 1970er gingen ja eine Menge kleiner Verleihfirmen pleite (z.B. Nora, Alpha, Ceres), vermutlich war da auch die Firma betroffen, die "Liebe ist wie ein Sturm" rausbringen sollte. So ist er dann wohl erstmal drauf sitzen geblieben und hat den Film dann erst Jahre später für eine VideoVÖ verkaufen können.

Klingt zumindest nach einer Möglichkeit, die nachvollziehbar wäre.
Die gezeigte Filmkopie stammte übrigens aus dem Archiv der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung (Wiesbaden).



Wenn ich mich recht entsinne, dann lautete der Titel der 35mm-Fassung 'LIEBE WIE STURM' (also ohne das 'EIN').

Kleine Korrektur am Rande: Entweder lautete der Title-Credit LIEBE IST WIE STURM oder LIEBE WIE EIN STURM. Weiß nur noch, dass ich beim Anblick der Titeleiblendung wegen einem fehlenden Wort irritiert war - entweder fehlte EIN oder IST. Oder ich war am dritten Festivaltag bereits völlig hinüber :D



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Der Hexer
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Re: LIEBE IST WIE EIN STURM - Romolo Guerrieri

Beitrag von Der Hexer »

Einer der wenigen Gialli, den ich noch nicht gesehen habe. Ich hoffe, ein (gutes) Label bringt eine Heimvideo-VÖ.

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Richie Pistilli
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Re: LIEBE IST WIE EIN STURM - Romolo Guerrieri

Beitrag von Richie Pistilli »

Der Hexer hat geschrieben:
So., 30.07.2023 11:44
Ich hoffe, ein (gutes) Label bringt eine Heimvideo-VÖ.

Das wäre durchaus wünschenswert.
Eine farbenprächtige 35mm-Kopie würde zumindest schon mal existieren...

samgardner
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Re: LIEBE IST WIE EIN STURM - Romolo Guerrieri

Beitrag von samgardner »

Richie Pistilli hat geschrieben:
Do., 27.07.2023 22:40
Während der tagträumerische Architekt Frank (Jean Sorel) in einer marokkanischen Tiefgarage von einem unbekannten Mann erschossen wird, schießen diesem zahlreiche Erinnerungen durch den Kopf, die schließlich zur der ausweglosen Misere führten, in der er sich gerade befindet.
Ich glaube das Parkhaus befindet sich in Rom - dorthin sind ja alle nach dem Marokko-Trip wieder zurückgekehrt. Aber die Handlungsstruktur macht es einem wirklich schwer den Überblick zu behalten. Da stehen Erinnerungen von Frank neben Wunschvorstellungen und Befürchtungen, die sich zunächst alle vor unseren Augen abspielen, als wären sie wirklich passiert. Erst gegen offenbart sich, dass Frank die Dinge und Personen oft ganz falsch eingeschätzt hat und falsche Schlüsse gezogen hat.

Die erste Hälfte erinnerte mich an "Die Hölle" von Claude Chabrol (1994) sowie das Fragment "Die Hölle von Henri-Georges Clouzot" (1964/2009), in denen sich die männliche Hauptfigur in einen Eifersuchts-Wahn hineinsteigert. Aber in der zweiten Hälfte kamen dann doch die Giallo-Elemente des Films zum Vorschein. Hat mir insgesamt gut gefallen, wozu natürlich auch die gute Besetzung beitrug. Eine BD oder wenigstens eine gute DVD-VÖ würde ich auch sehr begrüßen.

Zur interessanten Synchro hab ich hier was gepostet: http://215072.homepagemodules.de/t53211 ... DF-ca.html

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Re: LIEBE IST WIE EIN STURM - Romolo Guerrieri

Beitrag von Richie Pistilli »

samgardner hat geschrieben:
So., 27.08.2023 14:58
Ich glaube das Parkhaus befindet sich in Rom - dorthin sind ja alle nach dem Marokko-Trip wieder zurückgekehrt. Aber die Handlungsstruktur macht es einem wirklich schwer den Überblick zu behalten. Da stehen Erinnerungen von Frank neben Wunschvorstellungen und Befürchtungen, die sich zunächst alle vor unseren Augen abspielen, als wären sie wirklich passiert. Erst gegen offenbart sich, dass Frank die Dinge und Personen oft ganz falsch eingeschätzt hat und falsche Schlüsse gezogen hat.

Gut auf den Punkt gebracht!




samgardner hat geschrieben:
So., 27.08.2023 14:58
Zur interessanten Synchro hab ich hier was gepostet: http://215072.homepagemodules.de/t53211 ... DF-ca.html

Vielen Dank :hut:

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Sid Vicious
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Re: LIEBE IST WIE EIN STURM - Romolo Guerrieri

Beitrag von Sid Vicious »

Richie Pistilli hat geschrieben:
Do., 27.07.2023 22:40
Zu allem Überfluss wurden auch noch die letzten beiden Akte vertauscht, was aber angesichts der sich ständig wechselnden Rückblenden weniger schwer ins Gewicht fiel.
Das spielt wohl keine große Rolle bei diesem auf mich total unkoordiniert wirkenden Film. Phasenweise bin ich eingenickt, sodass ich u.a. deshalb nicht wirklich weiß, was man schlussendlich von mir wollte.
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Re: LIEBE IST WIE EIN STURM - Romolo Guerrieri

Beitrag von Richie Pistilli »

Sid Vicious hat geschrieben:
Mi., 20.03.2024 12:04
Das spielt wohl keine große Rolle bei diesem auf mich total unkoordiniert wirkenden Film. Phasenweise bin ich eingenickt, sodass ich u.a. deshalb nicht wirklich weiß, was man schlussendlich von mir wollte.

Bei diesem Film sollte man schon hellwach sein, um den verwirrenden Plot nachvollziehen zu können.
Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal. ;)

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