DER SIEBTE GESCHWORENE - Georges Lautner

Türkploitation, isländische Kannibalenfilme und alles andere aus Europa
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Richie Pistilli
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DER SIEBTE GESCHWORENE - Georges Lautner

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Der siebte Geschworene (D)
Il 7° giurato (IT)
Le 7ème juré (F)
Le septième juré (F)
Voto decisivo (ES)
O Sétimo Jurado (BRA)
Soy mi verdugo (ARG)
The Seventh Juror


F 1962

R: Georges Lautner
D: Bernard Blier, Maurice Biraud, Francis Blanche, Danièle Delorme, Jacques Riberolles, Yves Barsacq, Françoise Giret, Catherine Le Couey, Robert Dalban, Anne Doat, Madeleine Geoffroy u.a.



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Deutsche Erstveröffentlichung: 13.09.1962

Synchronkartei

Score: Jean Yatove

Infoblatt der evangelischen Filmgilde

OFDb





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"Ich habe nichts getan. Ich ging vorüber und sie war da. Oh mein Gott, warum war sie nur da? Ich hatte zuviel gegessen, zuviel getrunken. Was kann man sonst am Sonntag tun? Ist es ein Verbrechen? Ja, aber das Verbrechen eines Betrunkenen, das Verbrechen eines Wahnsinnigen. Nein, das Verbrechen eines Feiglings. Und außerdem hatte ich Angst vor ihnen, Angst, dass ich sie ankommen sehe, dass sie mich mit diesem Mädchen erwischen. Sie sind schuld, sie sind für alles verantwortlich. Sie, die mich auf Schritt und Tritt verfolgen, die mich beobachten, die mich bewachen. Meine kleine Frau und ihre großen Kinder. Diese Menschenfresser-Familie."


Es ist ein folgenschwerer Spaziergang für den Apotheker Grégoire Duval (Bernard Blier): Als er am Wasser badend eine schöne junge Frau (Françoise Giret) entdeckt, packt ihn die Lust und er will sie küssen. Es kommt zu einem Handgemenge, in dessen Folge der Mann die Frau tötet. Er flüchtet vom Tatort und verhält sich so, als ob nichts geschehen wäre. Der Verdacht fällt auf den Freund der Ermordeten (Jacques Riberolles). Als es zum Prozess kommt, wird Duval als Geschworener berufen. Er versucht daraufhin, die Unschuld des Angeklagten auf eigene Faust zu beweisen, ohne sich selbst zu stellen ... (Quelle: Pidax)


"Aber warum versuche ich eigentlich mir selbst etwas vorzumachen? Ich bin nicht mehr derselbe Grégoire der ich gestern war, der die Kirchenglocken nicht einmal mehr hörte. Diese große Leere, diese Einsamkeit, das soll das Glück gewesen sein? Ja, das erschreckende Glück des Alltags mit dem Suppentopf der Zufriedenen. Abend für Abend dieselbe Suppe. "



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Ein ganz hervorragender Kriminalfilm, den Georges Lautner im Jahr 1962 auf die Beine stellte. Egal ob Bildgestaltung, Schauspieler oder Drehbuch - bei DER SIEBTE GESCHWORENE stimmt so ziemlich alles. Basierend auf einem gleichnamigen Buch des Schriftstellers Francis Didelot erzählt der Film die Geschichte des Apothekers Grégoire, der in der Einöde provinzieller Enge sein unzufriedenes Dasein fristet. Als er an einem sonnigen Sommertag während eines Spaziergangs eine hübsche Frau erspäht, die einsam und verlassen an einem abgelegenen Seeufer ein Sonnenbad oben ohne genießt, verliert er plötzlich die Kontrolle über seine Triebe und macht sich wie ein Tier über die hilflose Frau her. Am Ende bleibt eine tote Frau zurück, die von Grégoire im Handgemenge affektiv erwürgt wurde. Geschockt über seine Tat, versucht der Apotheker zunächst die grausame Tat im dauerhaften Monolog mit sich selbst vor sich zu rechtfertigen. Zwischenzeitlich wurde von Seiten der Justiz der unschuldige Freund der Ermordeten angeklagt und Grégoire als siebter Geschworener im Strafprozess gegen diesen berufen. Nachdem er erfolglos versucht hatte, einen Priester als Fürsprecher für den zu Unrecht angeklagten Sylvain zu gewinnen, versucht er fortan im Rahmen seines Geschworenenamts die Unschuld des Angeklagten im Rahmen des Strafprozesses zu beweisen. Dabei entpuppt er sich als ein erstklassiger Opferanwalt, der die willkürliche Anklage gegen Sylvain nach und nach zerpflückt, denn anstatt auf Beweisen, fußt der Prozess ausschließlich auf der Mutmaßung alter, weißer Männer, für die in ihrer verkorksten Weltansicht das Urteil gegen den Angeklagten bereits von vorne herein feststand.


Georges Lautners Streifen stellt sich nicht nur als ein mitreissender Kriminafilm heraus, sondern beleuchtet auch das Treiben provinzieller Kleinstädtler, das stellenweise vor Niedertracht und Doppelmoralismus nur so strotzt. Obwohl Grégoire ein erbärmlicher Triebtäter ist, der seine Tat zunächst unter allen Umständen vertuschen will, stehen ihm viele andere aus der Dorfgemeinschaft in Sachen Niedertracht in nicht viel nach, denn je weiter sich der Film seinem überraschenden Ende nähert, desto mehr findet von seinem Rückgrat wieder, das ihm im Laufe seines tristen Lebens abhanden gekommen war. Ein beeindruckender Film, der erstmals und ungeschnitten von PIDAX auf DVD veröffentlicht wurde. Was die deutsche Synchronfassung betrifft, so entpuppt sich diese als aller erste Sahne. Was die deutsche Schnittfassung anbelangt, so schreibt Schnittberichte.de:

"Die deutsche FSK 18-Kinopremiere im September 1962 war um ca. 10 Minuten gekürzt. Ob die Free-TV-Ausstrahlungen 1967 in der BRD oder auch 1985 in der DDR zensiert wurden oder sogar jeweils vollständig waren, kann leider nicht belegt werden."


Das Lexikon des internationalen Films merkt obendrein treffend an: „Der unerkannte Mörder eines Mädchens, Apotheker in einer französischen Kleinstadt, wird als Geschworener im Prozeß gegen den Mordverdächtigen eingesetzt. Mit Mühe erreicht er einen Freispruch, es gelingt ihm jedoch nur unvollkommen, die eigene Schuld zu sühnen. Zwar reichlich konstruierter, aber spannender Kriminalfilm, der ein kritisches Bild provinzieller Enge entwirft und die Doppelmoral seines Helden als Produkt einer maroden Gesellschaft auszugeben versucht.“


Fazit "Othello wurde auch missverstanden"


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