Obwohl ich schon länger ausgewiesener Siciliano-Fan bin* hatte ich mir die SCHWEINEHUNDE für einen besonderen Moment aufgehoben - einen Moment wie jetzt gerade, wenn ich mal wieder richtig im Italowestern-Fieber bin und meine Lust aufs Genre maximal groß ist, und das hat sich auch gelohnt. Vom Fleck weg in meine Italowestern Top 25 gerutscht. Schwere Kost natürlich, aber es muss eben auch einige jener Filme geben, in denen Geisteskrankheit und Rachsucht keinen Spaß machen sondern einfach nur ekelhaft sind. Garko ist mega als Bryan, der impulsive, unberechenbare Psychopath steht ihm eigentlich fast besser als der Typus, den er als (Anti-)Held sonst oft gibt, ich war beeindruckt (aber man sieht auch, dass es ihm Spaß macht, ekelhaft zu sein), und Rassimov als Gegenpart ist super besetzt, da man ihm das Kippen in den gleichen Wahn, der auch Bryan treibt, leicht abnimmt.
Definitiv einer dieser Filme, in denen es gefühlt keinen Lichtstrahl gibt, aber er ergeht sich nicht in einfachem Fatalismus sondern betrauert aufrichtig die Entmenschlichung seiner Figuren. I VIGLIACCHI NON PREGANO ist - wie die besten Western eigentlich eh immer - auch ein Melodram, bei dem immer klar ist, dass sich alles auch ganz anders hätte entwickeln können. Mein guter Freund Sano Cestnik hält Siciliano auch für einen Melodramatiker, in dessen Melodramen aber "mehr Kugeln als Tränen fließen", wie er in seiner unvergesslichen Einführung zu ROLF (dessen Regisseur man hier ebenfalls schon erkennen kann) beim 4. Terza Visione 2017 in Frankfurt sagte. Ich stimme ihm zu und würde ergänzen, dass Siciliano für mich sich oft ein bisschen wie ein italienischer Geistesverwandter von Sam Peckinpah anfühlt und ich mir oft vorstelle, wie toll es gewesen wäre, wenn er mal einen Italowestern mit Warren Oates, James Coburn und Kris Kristofferson gedreht hätte. An solche Leute wäre Sicliano wahrscheinlich nie rangekommen, aber hier zeigt er in vielen Szenen eindrucksvoll, wie ausdrucksstark, aber auch wie subtil er sein konnte. Dass der Film so reinhaut, verdankt sich nicht zuletzt auch dieser pointierten Inszenierung. Ich musste manchmal auch an Raoul Walsh denken, und das ist natürlich eines der größten Komplimente, die man einem Regisseur machen kann. 9/10
PS: Die deutsche Synchro klang beim Antesten ziemlich gut, aber die inhaltlichen Diskrepanzen zum Originaltext haben mich dann doch sehr schnell zur italienischen Fassung zurückgetrieben (wobei ich Italowestern aber tatsächlich generell nur auf deutsch gucke, wenn es gar nicht anders geht, ich sie nur so auf 35mm sehen kann oder ich nostalgische Gefühle für eine Synchro habe.)
PPS: Würde ich MEGA gerne mal auf 35mm im Kino sehen, aber ich glaube, die Kopien sind alle rot.
* Mein Siciliano-Ranking so far - ich mochte alles, die ersten vier sind für mich alle absolute Burner:
1. ROLF "Der Tag des Söldners" (1984)
2. I VIGLIACCHI NON PREGANO "Schweinehunde beten nicht (1968)
3. QUEL POMERIGGIO MALEDETTO "Stacco" (1977)
4. ORGASMO ESOTICO (mit Joe D'Amato, 1982)
5. I SETTE DI MARSA MATRUH "Sieben vor Marsa Matruh" (1970)
6. MALOCCHIO "Blutige Magie" (1975)
7. PORNO LUI EROTICA LEI "Bettgeknister - Sexgeflüster" (1981)
8. SCORTICATELI VIVI "Häutet sie lebend" (1978)