CASANOVA & CO. - Franz Antel

Wuselige, flotte und schlüpfrige Attacken auf die Lachmuskeln.
Antworten
Benutzeravatar
Prisma
Beiträge: 4036
Registriert: Sa., 31.10.2020 18:11

CASANOVA & CO. - Franz Antel

Beitrag von Prisma »




Tony Curtis

CASANOVA & CO.


● CASANOVA & CO. / HILFE, ICH BIN EINE MÄNNLICHE JUNGFRAU / CASANOVA & COMPANY / TREIZE FEMMES POUR CASNOVA (A|I|F|1976)
mit Marisa Berenson, Marisa Mell, Sylva Koscina, Jean Lefebvre, Andréa Ferréol, Umberto Orsini, Werner Pochath und Hugh Griffith sowie Britt Ekland
eine Neue Delta Produktion | C.O.F.C.I. | Pantherfilms | im Verleih der Cinerama Filmgesellschaft
ein Film von Franz Antel

Casanova1.JPG
Casanova2.JPG
Casanova3.JPG
Casanova4.JPG
Casanova5.JPG
Casanova6.JPG
Casanova7.JPG
Casanova8.JPG
Casanova9.JPG

»Es mag sein, dass ich aussehe wie ein Zuhälter, aber ich bin keiner!«


Der beste Liebhaber der Welt, Giacomo Casanova (Tony Curtis), macht eine schwere Zeit durch. Nicht nur dass er von der venezianischen Polizei gejagt wird, ihn lässt zu allem Überfluss auch noch seine berühmt-berüchtigte Männlichkeit im Stich, sodass er um seinen Ruf bangen muss. Der Dieb und Falschspieler Giacomino, der dem echten Casanova zum Verwechseln ähnlich sieht, findet sich ebenfalls in einer Hetzjagd mit den Gesetzeshütern quer durch die Stadt wieder, doch ihm wird immer gerne Unterschlupf in den Betten der reizendsten Damen Venedigs gewährt und bestätigt so bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Ruf seines berühmten Doppelgängers. Als sich mit dem Kalifen von Shiraz (Hugh Griffith) und seiner Frau hoher politischer Staatsbesuch ankündigt, verlangt die liebeshungrige Kalifa (Marisa Berenson) eine Nacht mit dem berühmten Casanova zu verbringen. Somit stecken beide endgültig in der Klemme, doch wer der beiden Casanovas wird diese schwierige Aufgabe nun übernehmen..?

Bei "Casanova & Co." handelt es sich um eine Verwechslungskomödie und gleichzeitig einen Ausstattungsfilm, dem man deutlich ansieht, dass wohl ein sattes Produktionsbudget zur Verfügung gestanden haben wird. So gesehen kann man schon von einem beachtlichen Coup sprechen, da eine geballte Ladung an großen, neuen, aber auch Ex-Stars zur Verfügung steht, sodass zumindest in dieser Beziehung der Eindruck von großem Kino vermittelt wird, soweit das Auge eben reicht. Auf der anderen Seite steht allerdings der fertige Film, in dem das Star-Aufgebot zwar ordentlich Augenwischerei betreiben kann, man aber dennoch zu dem Schluss kommt, dass es sich nicht gerade um eine Sternstunde des einschlägig bekannten Genres der Komödie handelt. Regisseur und Erotik-Spezialist Franz Antel dürfte hier vollkommen in seinem Element gewesen sein, und seine Art zu inszenieren ist im Grunde genommen gar nicht einmal so uninteressant. Da jedoch bereits das Produktionsjahr 1976 zu Buche steht und es bereits Fließbänder von derartig angelegten Filmen gegeben hat, kommt es lediglich zu dem Eindruck von halbherzig abgespulten Kalauern und sich selbst überholenden Inhalten aus der angestaubten Antel'schen Sexklamauk-Mottenkiste. Begrüßenswert ist, dass eine gute Portion Eleganz und Schönheit vermittelt wird, wofür insbesondere die Garde der damaligen Kronjuwelen der weiblichen (B-)Stars die Verantwortung übernimmt. Trotzdem kommt keine richtige Freude auf, weil die teils affige Geschichte wenig überzeugt und der phasenweise aufdringliche Humor das Geschehen unterwandert. Tony Curtis schmeißt die gesamte Angelegenheit nicht nur in der Titelrolle, sondern man sieht ihn gleichzeitig auch noch eine eher plump angelegte Doppelrolle abspulen.

Von denjenigen, die ihre besten Zeiten bereits gesehen hatten, ist Curtis ohne jeden Zweifel einer der Anführer. Leider ist deutlich zu erkennen, dass sein offensiv gelangweiltes Herangehen eine dadurch kaum vorhandene Differenzierung der Rolle maßgeblich überlagert. Vermutlich angelockt von einer verhältnislos hohen Gage, konnte man schon mal einen Zwischenstopp im wunderschönen Venedig einlegen. Alles in allem ist bei Tony Curtis jedenfalls zu wenig Spiellaune oder wenig große Motivation zu sehen, nur wenn sich die schönsten Frauen der damaligen Zeit um ihn versammeln (und sich aufgrund der Dramaturgie um ihn reißen dürfen), sieht man eine gewisse Zufriedenheit in seinem Gesicht. Verständlich, denn bei den besagten Damen haben sich in diesem bunten Treiben richtig schwere Geschütze versammelt. Marisa Berenson verleiht ihrer Kalifin eine ganz bemerkenswerte Note. Nicht nur, dass man sie atemberaubend zurecht gemacht hat und sie in ihren Szenen in einer fast bizarren Schönheit strahlt, liefert sie im Rahmen dieser oftmals nur mäßigen Geschichte auch noch eine sehr ansprechende Leistung als unnahbar und hoheitsvoll wirkende Staatsfrau. Britt Ekland und die umwerfende Sylva Koscina haben genau wie Marisa Berenson im Verlauf genügend Möglichkeiten ihre Talente zur Schau zu stellen, was definitiv dazu beiträgt, dem Verlauf sehr aufmerksam zu folgen. Marisa Mell, als Herzogin von Cornaro, interpretiert eine obligatorische B-Hauptrolle. Seltsam erscheint, dass sie hier nur äußerst zugeknöpft zu sehen ist, was zu jener Zeit meistens anders war. Synchronisiert von der großartigen Ursula Heyer, kommt hin und wieder sogar etwas Freude auf, wenn sich die einfältigen Dialoge mit Marisa Mells überspitzten, zickigen und hochmütigen Gebärden vermischen.

Durch eine gute Portion Grandezza nimmt man ihr die Rolle schließlich mit Leichtigkeit ab, allerdings ist dies im Karriere-Kontext der Österreicherin wieder einmal ein Auftritt, der sie nur noch mehr in die Verlegenheit einseitiger Angebote drängte. Wer sich in diesem Zusammenhang eine wirklich gelungene Komödie mit Aura ansehen möchte, sollte unbedingt zu Mario Monicellis "Casanova '70" greifen, denn dabei handelt es sich um leichtfüßige Eindrücke, ebenfalls gespickt mit der Hochprominenz weiblicher Top-Stars und obendrein Marisa Mell in einer ihrer vielleicht schönsten Rollen. Insgesamt sagt das persönliche Bauchgefühl ohne Unterlass, dass von Franz Antels Film unterm Strich berechtigterweise wenig zu halten ist. Trotzdem ist aber auch wirklich zu betonen, dass an "Casanova & Co." kaum vorbeizukommen ist, wenn man sich für pralle Star-Aufgebote interessiert. Eine Besetzung, die anmutet wie der Olymp der Schönheit, kann einfach nicht links liegen gelassen werden. Insgesamt handelt es sich schließlich um einen Film, der mit dem Zahn der Zeit herumlaborieren muss, weil er so gut wie alle der beteiligten Darsteller bei ihrem Abstieg begleitet. Auch wenn das wieder einmal sehr kritisch klingt, Freunde des Genres werden hier sicherlich ihre Freude mit dieser gut ausstaffierten Produktion haben, da wie erwähnt beachtliche Akzente im Rahmen der Ausstattung und Schauplätze gesetzt werden. Auch was den Humor angeht, hat man sicherlich schon aufdringlichere Beiträge gesehen, und im Endeffekt wird "Casanova & Co." einem die Zeit problemlos vertreiben. Eine besondere Überraschung stellt übrigens noch die schöne Musik von Riz Ortolani dar, die als Echo zurück bleibt. Letztlich konnte das gut zurecht gemachte Star-Aufgebot über alle schwachen Phasen hinwegtrösten.

Antworten