7 DRECKIGE TEUFEL - Mario Siciliano

Peitschenhiebe, laute Explosionen, wilde Abenteuer und anderer Filmstoff aus Italien.
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Prisma
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7 DRECKIGE TEUFEL - Mario Siciliano

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Ivan Rassimov

7 DRECKIGE TEUFEL


SETTE BASCHI ROSSI / 7 DRECKIGE TEUFEL / STURM DER FEUERVÖGEL (I|D|1968)
mit Angelica Ott, Sieghardt Rupp, Arthur Brauss, Wilbert Gurley, Pamela Tudor, Kirk Morris, Dale Cummings, Serge Nubert und Carla Calò
ein Metheus Film | Lisa Film | im Gloria Verleih
ein Film von Mario Siciliano

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»Ich scheiß auf dich und deine Freunde!«


Nach einem Überfall erbeuten Rebellen streng geheime Kriegsdokumente, die dem Feind schlussendlich nur übergeben wurden, um die eigene Haut zu retten. Diese sollen mithilfe eines Söldnerkommandos wieder zurück beschafft werden, welches von Captain Lauderwood (Wilbert Gurley) angeführt wird. Schnell kommt es zu schwerwiegenden Spannungen innerhalb der Truppe, da Sergeant Kimber (Arthur Brauss) und Sergeant Vlasky (Sieghardt Rupp) etwas gegen die Hautfarbe ihres neuen Kommandanten haben. Als wäre die Aufgabe nicht schon schwer genug, müssen ab sofort auch Angriffe aus dem Inneren der Gruppe abgefedert werden, sodass das Gelingen dieser heiklen Mission in Gefahr gerät...

Durch die breite Aufstellung der Münchner Lisa Film kam es immer hin und wieder zu Produktionen für das weitläufige Exploitation-Genre, wie beispielsweise "Sieben dreckige Teufel" oder den sehr gelungenen "Spezialkommando Wildgänse", die man unter deren Beteiligung nicht unbedingt erwartet hätte. Unter der Regie des italienischen Produzenten, Drehbuchautors und Regisseurs Mario Siciliano, der Jahre zuvor auch die hier beteiligte Produktionsfirma Metheus gegründet hatte, kommt es in seinem Regie-Debüt zu unmissverständlichen Seh- und Hör-Eindrücken, da erst gar nicht der Eindruck entstehen soll, dass er irgendwelche Gefangenen machen möchte. Der Kriegsschauplatz und die federführenden Charaktere empfehlen sich somit in überaus eindeutiger Manier, sodass für genügend Spektakel und Verwunderung gesorgt wird. Überzogen mit einer gnadenlosen Hudrauf-Synchronisation und dementsprechendem Gossen-Vokabular, das hiebweise mit rassistischen Unter- und Übertönen verletzen soll, kann das Szenario zu sämtlichen anvisierten Überholmanövern ansetzen. Der Krieg hat - wie derartige Filme vielleicht auch - seine eigenen Gesetze, sodass die Humanität ausgehebelt wirkt, noch bevor man vielleicht Anflüge davon hat ausfindig machen könnte. Regisseur Siciliano setzt unverblümt auf Action, Brutalität, wilde Schusswechsel und Erniedrigung, damit sich das eigentlich recht stumpfsinnige Drehbuch nicht alleine am Pranger langweilt. Wer sich in solche Filme verirrt oder sich sie gezielt aussucht, dürfte allerdings ohnehin auf das zu Erwartende gefasst sein und sich am Ende womöglich wünschen, dass es ruhig hätte noch etwas schäbiger zugegen dürfen, selbstverständlich hinter vorgehaltener Hand. Die Crew gibt ihr Bestes, um unangenehm in dieser Vorstufe zur Hölle aufzufallen. Allen voran ist Ivan Rassimov zu erwähnen, der seine Rollen stets flexibel anzunehmen wusste. Hier identifiziert man ihn eher als vom Leben gezeichneten Zyniker mit destruktiven Tendenzen, und nicht als größten Abschaum der Veranstaltung, immerhin ist Arthur Brauss mit von der Partie, der in hemmungsloser Weise aufdrehen darf.

Bereits in seiner ersten Szene stellt er sich und sein tiefstes Inneres selbst vor, denn es handelt sich schlicht und einfach um einen widerwärtigen Sadisten, dem es höllischen Spaß bereitet, andere zu quälen und möglicherweise noch qualvoller ins Jenseits zu befördern. Als er eine angebundene Wildkatze mit einem Flammenwerfer aufmischen will, kommt ihm ein Schwarzer Soldat in die Quere, bis es nicht mehr lange dauert, dass der menschliche Vandale ein Fließband verletzender Äußerungen ablässt. Sieghardt Rupp zeichnet ebenfalls einen der primitiven Aggressionsherde sehr eindeutig und daher überzeugend. Unterm Strich definiert sich das Szenario auf wenige Charaktere, sucht aber auch nach Lösungen zwischen Gut und Böse. Es kommt zu zahlreichen Kostproben, zu was Menschen in Extremsituationen fähig sind, aber man bleibt geflissentlich an der Oberfläche, ohne nach Erklärungen oder Intentionen der einzelnen Personen zu suchen. Zwischen den vielen atemlosen Sequenzen zeigt sich zwischendurch immer wieder, dass die Inszenierung auf soliden Füßen steht und etliche schön fotografierte Einstellungen zustande bringt, die vornehmlich auf den Schauplätzen basieren. Im letzten Drittel des Films kommt es zu Phasen, die sich alleine durch die Bebilderung in die Länge zu ziehen scheinen, da ein Fußmarsch durch die mit tödlichen Gefahren gespickte Einöde skizziert wird, die in Verbindung mit den ausgemergelten und zusehends kraftloser werdenden Körpern und Seelen der Truppe das nahende Ende markiert, wie es auch immer aussehen will. Ein heimliches Augenmerk wird schließlich auf die beteiligten Frauen und Kinder gelegt, die als schwächste Glieder der Kette ausgemacht werden. Angelica Ott oder Pamela Tudor haben allerdings keinerlei Möglichkeiten, sich in irgend einer Weise zu profilieren. Alles in allem bleibt "7 dreckige Teufel" ein schmackhaftes Unterfangen für ein sensationslustigeres und unerschrockenes Publikum, verweist aufgrund vieler, dem Empfinden nach identischer Szenen jedoch auf Konkurrenten, die noch einiges mehr an Härte und Unmenschlichkeit im ätzenden Repertoire haben, somit auch präsenter in der Erinnerung zurückbleiben.

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Richie Pistilli
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Re: 7 DRECKIGE TEUFEL - Mario Siciliano

Beitrag von Richie Pistilli »

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Sieben dreckige Teufel (D)
Sturm der Feuervögel (D - VHS)
Sette baschi rossi (IT)
Les sept bérets rouges (F)
Siete boinas rojas (ES)
The Seven Red Berets

IT / D 1969

R: Mario Siciliano
D: Ivan Rassimov, Arthur Brauss, Sieghardt Rupp, Kirk Morris, Angelica Ott, Priscilla Drake, Robert Cummings Jr., Serge Nubret, Wilbert Gurley, Ugo Adinolfi, Gino Marturano



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Deutsche Erstaufführung: 20.03.1970

Synchronkartei

Score: Gianni Marchetti

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"Sieh es Dir an, weißer Mann: das ist Afrika!
Betrachte es und bete für Deine Seele - auch wenn vielleicht nicht einmal die Barmherzigkeit Gottes groß genug sein wird, Dir eine eine so große Sünde zu verzeihen, für welche Du nicht genug Reue gezeigt hast.
"


Mario Sicilianos 7 DRECKIGE TEUFEL (DER STURM DER FEUERVÖGEL) entpuppt sich letzten Endes als eine Kriegsfilmkost der oberfiesen Art, die obendrein auch noch Pate für den neun Jahre später inszenierten HÄUTET SIE LEBEND - UNTERNEHMEN WILDGÄNSE gestanden zu haben scheint: Nicht nur, dass in beiden Filme stets eine ähnlich beklemmende Atmosphäre vorherrscht, sondern die WILDGANS beinhaltet sogar auch noch etwas Filmmaterial aus dem FEUERVOGEL. Hinzu gesellt sich eine überschaubare Story, die folgendermaßen zusammengefasst werden kann: Nachdem eine Soldatentruppe samt einem Stoß an streng geheimen Papieren in die Gefangenschaft afrikanischer Freiheitskämpfer geraten ist, soll diese wiederum von einem bunt zusammengewürfelten Söldnerhaufen aus den Klauen ihrer Peiniger befreit und die verloren gegangenen Papiere zurück erobert werden. Dumm nur, dass der auserkorene Haufen überwiegend aus rassistischen und menschenhassenden Schuften besteht, denen fast allesamt das letzte Fünkchen an Menschlichkeit abhanden kam. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sich der Trupp auf seinem beschwerlichen Weg durch den afrikanischen Dschungel den Ärger der einheimischen Freiheitskämpfer auf sich zieht, denn wer alle Nase lang abscheuliche Kriegsverbrechen an ihren Landsmännern verübt, der dürfte es von da an schwer haben, den Wirren des Kongo-Krieges wieder heilen Fußes zu entkommen...


Obwohl dieser beklemmende Film abscheuliche Grausamkeiten am laufenden Band zelebriert und auch ansonsten mit rassistischen und menschenverachtenden Kommentaren nicht geizt, beinhaltet er dennoch gewisse Qualitäten, die ihn wiederum sehenswert machen. Neben der soliden Machart sind es vor allem die Darbietungen der beteiligten Darsteller, die diesem höchst pessimistischen Film die besagte Qualität verleiht. Die verblüffendste Darbietung stammt hierbei von dem deutschen Schauspielerurgestein Arthur Brauss, der in der Rolle des Sergants Kimber einen zynischen, menschenverachtenden, rassistischen und sadistischen Dreckskerl darstellt, der obendrein auch noch gerne Tiere quält. Die wohl asozialste Performance in der Filmkarriere von Herrn Brauss, welche er zudem sehr überzeugend über die Bühne bringt. Ähnlich gefühlskalt präsentiert sich Ivan Rassimov, der als franzmännischer Reiseführer Alain Carrès den ruchlosen Söldnertrupp sicher durch die afrikanische Kongoregion lotst. Zu Frauen ist er dabei überhaupt nicht nett, wie Pamela Tudor in der Rolle einer abgestumpften Sanitäterin bestens zu berichten weiß. Angelica Ott ergeht es übrigens in ihrer Rolle als französische Journalisten auch nicht viel besser, wobei diese das grausame Martyrium einer Kriegsgefangenen über sich ergehen lassen muss. Kommen wir zum nächsten Unsympath, Segant Vlasky: Dieser wird gekonnt von Sieghardt Rupp verkörpert, wobei seine schäbige Filmfigur ebenfalls abgrundtief böse agiert. Aber auch die restlichen Teilnehmer des eklatanten Himmelfahrtskommandos stehen den Vorgenannten in puncto Verwerflichkeit in nichts nach. Kein Wunder, denn am Drehbuch war kein geringerer als der talentierte Schmierfink Piero Regnoli beteiligt gewesen...

So asozial einem die deutsche Synchronfassung stellenweise auch erscheinen mag, den Vogel schießt sie schließlich erst gegen Ende des Films ab, denn der Schlussdialog zwischen Ivan Rassimov und Pamela Tudor im Zugwaggon entpuppt sich einfach nur als gnadenlos.


Ein entsprechendes Fazit erspare ich mir dieses mal, da Prisma dieses in seinem vorausgegangenen Beitrag bereits exakt auf den Punkt gebracht hat.


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Trailer:



"2022 zum ersten Mal auf Blu-ray." (Subkultur-Entertainment)




Im Vergleich zur italienischen Schnittfassung zeigt die deutsche DVD-Fassung (MCP) bereits gleich zu Beginn erhebliche Schnitte auf, denn die gezeigten, an einen Pfahl gefesselten Kriegsgefangenen werden in der Originalfassung nicht nur ordentlich von den afrikanischen Freiheitskämpfern angeschmort, sondern einer von ihnen wird auch noch mit einem überdimensionierten Edelstahlpickser grausam gepfählt. Weitere gravierende Unterschiede konnte ich jetzt aber auf die Schnelle nicht feststellen...


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Umso kurioser finde ich die Tatsache, dass der geschnittene Szenenblock aus 7 DRECKIGE TEUFEL in Sicilianos HÄUTET SIE LEBEND - UNTERNEHMEN WILDGÄNSE größtenteils wiederverwertet wurde.







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