SO EIN WINDHUND - Luciano Salce

Wuselige, flotte und schlüpfrige Attacken auf die Lachmuskeln.
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Richie Pistilli
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SO EIN WINDHUND - Luciano Salce

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So ein Windhund (D)
Das Geheimnis am Nil (D)
Slalom (IT)
El octavo hombre (ES)
Snow Job


IT / F / EGY 1965

R: Luciano Salce
D: Vittorio Gassman, Adolfo Celi, Daniela Bianchi, Beba Loncar, Lobna Abdel Aziz, Emma Danieli, Corrado Olmi, Bob Oliver, Nagwa Fouad, Isabella Biagini u.a.



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Deutsche Erstaufführung: 19.02.1970

deutsche Synchronsprecher

Score: Ennio Morricone

Italo-Cinema.de

OFDb



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"Muss eben mal kurz die Welt retten..."


Eigentlich hätten sich die beiden befreundeten Bonvivants Lucio Ridolfi (Vittorio Gassman) und Riccardo (Adolfo Celi) in ihrem Skiurlaub in Sestriere liebend gerne ohne ihre Gemahlinnen Hilde (Emma Danieli) und Simonetta (Isabella Biagini) amüsiert, was sich aber infolge ihrer eingegangenen Eheverträge als äußerst schwierig herausstellte. Um aber dennoch ungehindert mit jüngeren Frauen flirten zu können, versuchen die beiden ihre Gattinnen gleich nach der Ankunft im hochwinterlichen Urlaubsdomizil mit List und Tücke vorübergehend loszuwerden, was ihnen aufgrund der Erfahrungen ihrer vielen Ehejahre auch problemlos gelingt. Und kaum sind die beiden Damen außer Sichtweite, stürzen sich Lucio und Riccardo ins Abenteuer, indem sie die Jagd nach den heißesten Skihasen als eröffnen. Doch als Lucio kurz darauf auf die bezaubernde Helen (Beba Loncar) trifft, mit der er sich bereits auf der Hinfahrt im Zug angeregt zu unterhalten versucht hat, trennen sich vorübergehend die Wege der beiden Pistenlöwen. Was jetzt folgt, hätte sich Lucio in den kühnsten Träumen nicht vorstellen können, denn anstatt eines erhofften Dates mit Helen, hinterlässt diese ihm in einer abgelegenen Skihütte die Leiche ihres Bekannten George (Robert Oliver), mit dem sie tags zuvor gemeinsam anreiste. Und als wäre das alles noch nicht genug, trachten plötzlich grimmig dreinschauende Typen nach seinem Leben, bevor er schließlich von je zwei Weihnachtsmännern und -frauen frei von der Skipiste weg gekidnappt und nach Kairo verschleppt wird, wo er wiederum an der Seite seiner augenscheinlich neuen Ehefrau Nadia (Daniale Bianchi) als Super-Spion Charles Irving wieder zu sich kommt, auf den ein dringlicher Auftrag zur zeitnahen Rettung der Welt wartet.



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Normalerweise mache ich um (italienische) Filmkomödien eher einen weiten Bogen, da die Mehrheit der mir bis dato bekannten Vertretern vorwiegend aus Klamauk und Albernheiten bestanden - was wiederum ein absoluter Graus für mich darstellt. Dies war dann auch einer der Gründe, warum ich 'Slalom' so lange vor mir hergeschoben habe, was sich im Nachhinein aber als glasklarer Fehler herausstellte.


Luciano Salce gelang mit SO EIN WINDHUND eine äußerst beeindruckende Komödie, die obendrein auch noch im Gewand einer ansehnlichen Eurospy-Klamotte daherkommt, nachdem sie zunächst einmal als winterhafte Urlaubskomödie, die in dem piemontesischen Wintersportgebiet 'Sestriere' spielt, beginnt. Vittorio Gassman und Adolfo Celi verkörpern dabei zwei schuftige Ehemänner, die so ziemlich jedem weiblichen Skihasen hinterherjagen, der ihnen gerade vor die Flinte kommt. Dumm nur, dass auch ihre beiden Ehefrauen mit von der Partie sind, was Vittorio und Adolfo aber nicht davon abhält, ihre selbstauferlegte Mission mit Nachdruck zu betreiben. Das Zusammenspiel der beiden Hauptprotagonisten ist absolut hervorragend, wobei Celis überzeugende Performance gerne auch etwas länger hätte ausfallen können. Im Mittelpunkt des bunten Treibens steht einmal mehr Vittorio Gassmann, der nicht nur in seiner Rolle als Schürzenjäger Lucio Ridolfi über den gesamten Handlungsverlauf über glänzt, sondern von seiner Gattin Hilde auch durchaus zutreffend als 'Migräne-Maus' betitelt wird. Wirkt Lucio Ridolfi zunächst aufgrund seiner ständigen Kopfschmerzen etwas gebrechlich, quengelig, widerspenstig und unbesonnen, so verändert er sich einhergehend mit dem plötzlichen Genrewechsel allmählich zu einer souveränenen und scharfsinnigen Persönlichkeit, die es fortan mit den gefährlichsten Gangstersyndikaten dieser Welt aufnimmt. Die drei weiblichen Nebendarstellerinnen Daniela Bianchi, Beba Loncar und Lobna Abdel Aziz legen ebenfalls tadellose Leistungen an den Tag und in ihren jeweiligen Rollen durchweg überzeugen.


Als weitere Highlights entpuppen sich die prächtigen Kamerabilder von Alfio Contini sowie die ausgezeichnete Filmmusik von Ennio Morricone. Im Vergleich zur deutschen Synchronfassung wirkt die Humornote in der italienischen Originalfassung zwar ein wenig vielschichtiger als auch etwas feinsinniger (gerade bei Vittorio Gassman), aber dennoch bereitet der Film auch in der eingedeutschten Sprachfassung ordentlich Laune. Obwohl diese sprachlich etwas ungehobelter ausfällt, glänzt sie durchweg mit einem ganz eigenen Charme. Die beteiligten Sprecher klingen obendrein nicht nur hervorragend, sondern verzichten auch weitestgehend auf überzogene Kalauer und schnöde Albernheiten. Einziger Wermutstropfen bei der deutschen Fassung: Diese weist erhebliche Kürzungen auf. Keine Ahnung, warum der deutsche Verleiher mal wieder ordentlich mit der Schere zulangte (vermutlich zur Kostenersparnis), denn nachzuvollziehen sind die entfernten Szenen in keinster Weise. Die erste Kürzung betrifft beispielsweise den köstlichen Strandkorb-Dialog zwischen Gassmann und Celi, bei dem die beiden chronischen Schwerenöter mit einem Fernglas bewaffnet adrette Skihasen ausspähen.


Fazit: Alles in Allem eine sehr gelungene Komödie -und zwar egal ob in der italienischen Original- oder in der deutschen Synchronfassung-, die liebend gerne auch als digitale Kaufvariante veröffentlicht werden darf.



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Titelvorspann:





Score: (inkl. einiger fehlender Szenen aus der deutschen Schnittfassung)
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