OMICRON - HERR DOKTOR, DIE LEICHE LEBT - Ugo Gregoretti

Wuselige, flotte und schlüpfrige Attacken auf die Lachmuskeln.
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Richie Pistilli
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OMICRON - HERR DOKTOR, DIE LEICHE LEBT - Ugo Gregoretti

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Herr Doktor, die Leiche lebt (D)
Omicron (IT)
Fogosa criatura del planeta Ultra (ARG)
Omicron, O Agente do Espaço (BRA)
Inget lätt liv (SWE)


IT 1963

R: Ugo Gregoretti
D: Renato Salvatori, Rosemary Dexter, Gaetano Quartararo, Mara Carisi, Ida Serasini, Calisto Calisti, Dante Di Pinto u.a.



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Deutsche Erstaufführung: 25.06.1965

Synchronkartei

Italo-Cinema.de

Score: Piero Umiliani

OFDb



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"Angelo Trabucco, geboren am 15.03.1929 in Ivrea. Er arbeitet bei der SMS. Finde seine Familie oder jemand der ihn vielleicht wiedererkennt."


Nichts Böses ahnend schlendern eine Mutter und ihr Kind am helllichten Tag gemütlich über ein Fabrikgelände, als sie plötzlich die Leiche eines Mannes in einem der zahlreichen Stahlrohren entdecken, die zuhauf auf dem Werkshof lagern. Nachdem der ermittelnde Kommissar (Dante Di Pinto) die Identität des Toten feststellen konnte, wird der Leichnam zur Obduktion in ein nahegelegenes Krankenhaus am Rande der Stadt gebracht, wo die behandelnden Ärzte eine böse Überraschung erwartet. Trotz des Fehlens jeglicher Lebenszeichen beginnt Angelo Trabucco (Renato Salvatori), so der Name des verstorbenen Fabrikarbeiters, plötzlich seine Arme und Beine zu bewegen, bevor er mit seinem Gebiss zu klappern beginnt. Völlig fassungslos müssen sich die Ärzte daraufhin eingestehen, dass Angelo augenscheinlich wieder von den Toten auferstanden ist. Doch der Schein trügt, denn der wahre Angelo Trabucco ist tatsächlich tot. Was keiner der Anwesenden ahnt: Ein Abgesandter einer außerirdischen Lebensform namens Omicron wurde von seinen intergalaktischen Befehlshabern damit beauftragt, eine Invasion auf der Erde vorzubereiten. Dazu ermächtigte er sich des toten Körpers von Angelo, der bereits kurz vor seinem Tod etwas Schreckliches zu erahnen schien. Was für Omicron nun folgt, ist das schrittweise Erlernen des Menschseins, wobei der entsprechende Lernprozess aber nicht immer unbedingt reibungslos verläuft. Bleibt letztlich die Frage, ob es Omicron gelingen wird, das Geheimnis der Erdbevölkerung zu lüften? Die außerirdischen Invasoren stehen zumindest schon für die Übernahme des blauen Planeten in ihren Startlöchern bereit.



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Ein intergalaktischer Spaß für Groß und Klein, den der Regisseur, Drehbuchautor und Dokumentarfilmer Ugo Gregoretti ohne jegliche Vorwarnung im Jahr 1963 auf die Menschheit losgelassen hat. Obendrein entpuppte sich HERR DOKTOR, DIE LEICHE LEBT als einer der Publikumslieblinge des diesjährigen 'Terza Visione', wobei der Film für mich persönlich sogar das filmische Highlight des fünftägigen Filmfestes darstellte, denn ähnlich wie bei Lucio Fulcis MIT DAMENBEDIENUNG, der bereits 2018 auf dem Festival gezeigt wurde, entfachte auch Ugo Gregorettis Werk gerade in der hochkarätigen Synchronfassung eine ausgelassene Stimmung beim filmbegeisterten Publikum.

Letztendlich erzählt der Film die Geschichte eines verstorbenen Fabrikarbeiters, dessen Leichnam nach dem Tod von einer außerirdischen Lebensform mit dem Ziel besiedelt wird, die Natur des Menschen auszuspionieren, um im Anschluss eine zielgerichtete sowie erfolgsversprechende Invasion auf der Erde starten zu können. Doch zunächst muss Omikron, so der Name des abgesandten Außerirdischen, erst einmal die Funktionsweisen seines infiltrierten Körpers erlernen, wozu in der ersten Lerneinheit neben der lebensnotwendigen Atmung zunächst das reflexartige Bewegen der Extremitäten auf dem Stundenplan steht. Dies wiederum führt bei den behandelnden Ärzten zur völligen Fassungslosigkeit, denn die Wiederauferstehung eines Toten kommt in deren Metier auch nicht gerade alle Tage vor. Was folgt sind zahlreiche Experimente, die den Grund des unvorstellbaren Wunders erkunden sollen. Während die Bemühungen der Ärzte und Wissenschaftler schließlich erfolglos bleiben, nutzt Omikron die Untersuchungen und Versuche, um mit der eingehenden Erkundung des menschlichen Wesens fortzufahren. Nachdem er erfolgreich die Nutzung seiner Sinnesorgane sowie motorischer Fähigkeiten erlernen konnte, folgt der Erwerb der Kulturtechniken, bevor er diese wiederum dazu nutz, sich dass gesamte Wissen der Menschheit per TV-Konsum und Lesen von Büchern anzueignen. Hierzu stiehlt er unverfroren einem verdutzten Händler den kompletten Buchbestand samt Verkaufsstand vor der Nase weg, um sich diesem zuhause in aller Ruhe im Turboverfahren zu widmen. Dummerweise befand sich unter den Büchern auch eine Ausgabe von 'Mein Kampf', was im vorliegenden Fall aber glücklicherweise folgenlos blieb. Diese prägnante Szene offenbart neben einigen anderen ungefiltert den ungewöhnlichen Humor des Films, wobei dieser nicht unbedingt einfach zu beschreiben ist.

Neben ironisch bösen Anleihen, die gerade in der deutschen Synchronfassung noch ein wenig trockener anmuten, geben sich beispielsweise seichte Albernheiten als auch etwas Klamauk fortwährend die Klinke in die Hand, ohne dabei aber die Grenze des Unzumutbaren auch nur ansatzweise zu tangieren. Dementsprechend reicht das Humorspektrum des Films von charmantem Grobsinn bis hin zu gepfeffertem Feinsinn, was zugleich auch der vielschichtigen Inszenierungsweise des Films entspricht, denn HERR DOKTOR, DIE LEICHE LEBT entpuppt sich letztendlich als ein filmisches Unikat, das seines Gleichen sucht. Egal ob Situationskomik, die brillante Gesichtsmimik des grandiosen Hauptdarstellers Renato Salvatori oder auch einfach nur vergnügliche Dialoge, das Humorspektrum in Ugo Gregoretti intergalaktischem Unfug scheint unerschöpflich zu sein. Neben der prägnanten Bücher-Szene sticht auch noch der Moment des unverfrorenen Journalisten heraus, der Omicron am Krankenbett allerhand Blödsinn lernt, sowie das Erwachen im Körper des toten Angelos. Ansonsten unterlaufen Omicron, bei dem sich übrigens auch eine Turbolunge entwickelt hat, des öfteren mal kleinere Fehlinterpretationen beim Transfer des Erlernten, was wiederum zu ausgelassener Heiterkeit führt. Wer natürlich auch nicht unerwähnt bleiben darf, ist die reizende Rosemary Dexter, die in HERR DOKTOR, DIE LEICHE LEBT ihr Schauspieldebüt feiert. Dabei spielt sie die Betriebskantinenmitarbeiterin Lucia, auf die es Omicron im letzten Drittel des Films abgesehen hat.

Leider erlangte Gregoretti Sci-Fi-Groteske, die übrigens auch am Wettbewerb der 24. Internationalen Filmfestspiele von Venedig teilnahm, im Frühjahr 2022 auch einen unrühmlichen Bekanntheitsgrad, denn der Film geriet aufgrund seines markanten Titels ins Visier von Mitgliedern der globalen Verschwörungsszene. Diese nutzten wiederum den unschuldigen Film dazu, um ihre wahnsinnigen Verschwörungskonstrukte zu untermauern. Angeblich handelte es sich bei dem Werk um eine abenteuerliche Prophezeiung, die im Rahmen des außerirdischen Mitwirkens das Ende der Welt voraussagt. Wtf!
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Fazit: Ein einmaliges Filmerlebnis, das gleichfalls wie Fulcis MIT DAMENBEDIENUNG dringend als deutsche Synchronfassung veröffentlicht gehört.


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