WETTLAUF GEGEN DEN TOD - Corrado Farina

Nebelige Schlösser, mystisches Gewirre und blutiges Gekröse.
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Richie Pistilli
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WETTLAUF GEGEN DEN TOD - Corrado Farina

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Wettlauf gegen den Tod (D - VHS)
...hanno cambiato faccia (IT)
Han cambiado de cara (ES)
They Have Changed Their Face

IT 1971

R: Corrado Farina
D: Adolfo Celi, Geraldine Hooper, Giuliano Disperati, Amedeo Tommasi, Rosalba Bongiovanni, Corrado Farina u.a.


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Score: Amedeo Tommasi

Italo-Cinema.de

OFDb


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Wie an jedem Morgen eröffnet der pflichtbewusste Angestellte Dr. Alberto Valle (Giuliano Esperati) seinen Dienstbeginn auch an diesem Arbeitstag mit einem Plastikbecher voll frischaufgebrühten Automatenkaffee, den er dann während der Vorbereitung seiner zu erledigenden Arbeitsaufträge genüsslich zu sich nimmt. Doch eines schönen Tages scheint plötzlich alles anders zu sein, denn Dr. Valle wird inmitten seiner allmorgendlichen Vorbereitungszeit völlig überraschend vom Vize-Präsidenten seiner Firma, der A.A.M. (Auto Avio Motors), in den zwanzigsten Stock einbestellt, obwohl er erst gerade die Hälfte seines leckeren Automatenheißgetränks ausgetrunken bekam. Etwas irritiert über den ungewöhnlichen Appell eilt Valle in Windeseile in das Büro des Vize-Präsidenten, um von diesem schließlich den Auftrag zu erhalten, sich schleunigst in der abgelegenen Villa des Besitzers der A.A.M., einem gewissen Giovanni Nosferatu (Adolfo Celi), einzufinden. Der beschwerliche Weg zum Anwesen Nosferatus führt Valle daraufhin nicht nur über nebelverhangene Passstrassen, sondern auch durch gespenstige Bergdörfer, die wie ausgestorben wirken. Zwischendrin macht er auch noch Bekanntschaft mit einer recht freizügigen Anhalterin namens Laura (Francesca Modigliani), die er dann bis zum Ziel seiner Reise als Beifahrerin auch anstandslos mitnimmt. Und kaum am Anwesen des ominösen Fabrikbesitzers angelangt, erwartet Valle bereits die motorisierte Leibgarde Nosferatus, die ihn daraufhin in ihren weißen Fiat Cinquecentos sitzend den langen Weg vom Tor bis zur Villa geleitet. Was von da an folgt, hätte sich der verantwortungsvolle Angestellte nicht einmal in seinen kühnsten Träumen ausmalen können, denn Valles Zukunft war bereits von seiner Geburt an von fremder Hand bestimmt. Wo ist Alberto Valle hier bloß hinein geraten? Und wie kann es sein, dass sein Gastgeber bereits seit dem Jahr 1801 quietschfidel auf Gottes Erden wandelt?



"Mythen sterben nicht aus, sondern wandeln sich nur" (Giovanni Nosferatu)


So lautet dann auch das Motto des Regiedebüts von Corrado Farina, einem Fachmann aus der Werbebranche der irgendwann dazu überging, Filme zu machen. Leider war die Freude nur von kurzer Dauer, da unsympathische Produzenten Farina bereits bei seiner zweiten Regiearbeit (BABA YAGA - Foltergarten der Sinnlichkeit 2) dazu brachten, die Flinte ganz rasch wieder ins Korn zu werfen - was er dann auch tat, als die dreisten Geldgeber einfach ungefragt eine von ihm unautorisierte Fassung des Films veröffentlichten.


In seinem vorliegenden WETTLAUF MIT DEM TOD wandelt er den gängigen Vampirmythos dahingehend ab, dass sein kapitalistischer 'Blutsauger' -Giovanni Nosferatu (Adolfo Celi)- seine geladenen Gäste in keinster Weise zum direkten Aderlass bittet, sondern diesen nur 'sprichwörtlich' das Blut aussaugt, indem er ihnen durch seine perfiden Werbespots eine vorgegaukelte Traumwelt implementiert und sie somit zum Kauf seiner Waren anstiftet. Sein wichtigstes Instrument zur Ausweitung seiner Macht stellt aber die Werbung dar, womit er dann zugleich jegliche Räume seiner noblen Villa flutet, wodurch ihm diese wiederum als privater Testmarkt für seine geladenen Gäste zur Verfügung steht. Darüber hinaus widmete Corrado Farina bereits zu Beginn der 70er brisanten Themen, die gerade heutzutage aktueller denn je sind: personifizierte Werbung, ungebändigte Datensammelwut, die totale Vergläserung des Menschen und ständige Verstöße gegen Datenschutzbestimmungen durch Staat und Wirtschaftsunternehmen.


Und angesichts des Gefühls, sich aufgrund der ständig ertönenden Slogans in einer Dauerwerbesendung zu befinden, führt die deutsche Synchronfassung zu einer enormen Aufwertung des Films, da die erklingenden Werbebotschaften von den Sprechern her tatsächlich wie damalige Kinowerbung klingt. Hoffentlich spendiert irgendwann mal ein Label diesem filmischen Glanzstück ein würdiges Release.



Eine ausführliche Filmbesprechung steht übrigens seit heute auch auf Italo-Cinema.de zur Verfügung


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Fazit: "... und auf vielerlei Weise erkennen wir, dass der Kapitalismus alles kontrolliert, dass es weder eine Trennung von Kirche und Staat, noch von Legalität und Illegalität gibt. Und in vielerlei Hinsicht ist dies ein wirklich nachdenklich machender Film, der einem seine eigene Beziehung zum Konsum in Frage stellen lässt. Was ich besonders interessant finde, ist die Tatsache, dass es ein Horrorfilm ist, denn bei Horror dreht es sich unter anderem um Grenzüberschreitung, Blutiges, Illegales, Unartiges, Perverses - aber der Film zeigt, dass dies alles in Ordnung geht, solange es vermarktbar ist." (Corrado Farina).




Ein paar (audio-)visuelle Eindrücke:





Gerade bei diesem Film möchte ich angesichts der ständigen Werbeslogans die deutsche Synchro unter keinen Umständen missen, obwohl diese wiederum im Allgemeinen (Sprecher + Sounds) nur recht solide klingt. Inhaltlich wurde sich ziemlich an das Original gehalten. Und daher 'sollte' mein Traumrelease sowohl den it. Ton als auch die dt. Synchro mit an Bord haben.

Glücklicherweise wurde die deutsche Filmfassung von jeglichen Kürzungen verschont, dafür aber auf der dt. Synchrontonspur zwei Musikstücke des eigentlich sehr nett klingenden Soundtracks ausgetauscht. Der erste Fall ist absolut nicht nachvollziehbar, denn als Dr. Valle das Büro des Vize-Präsidenten im zwanzigsten Stock der Firmenzentrale betritt, ertönt in der dt. Sprachfassung anstatt des opulenten und prog-rocklastigen Hauptthemas eine schwülstig klingende 'gute Laune-Melodie', die keinesfalls zur restlichen Filmmusik passt. Ganz anders sieht es im zweiten Fall aus, bei dem das prog-rocklastige Titelthema im Rahmen des abendlichen Spaziergangs zwar erneut weichen musste, dafür aber mit einer erstklassig nachkomponierten Rocknummer ersetzt wurde, die dieses Mal sogar recht gut in den eigentlichen Soundtrack integriert wirkt. (und diese möchte ich eigentlich auch nicht mehr missen)

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