EWA STRÖMBERG

Leinwandsternchen und verkannte Stars im Blickpunkt
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Prisma
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EWA STRÖMBERG

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EWA STRÖMBERG

[*13. Januar.1940 | † 24 Januar 2013]

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Wikipedia hat geschrieben:
Strömberg drehte einige schwedische Filme vor ihrer internationalen Karriere. In drei Edgar-Wallace-Filmen übernahm sie kleinere Rollen. 1969 wurde sie in Deutschland durch ihre Rolle in Die Hochzeitsreise als Verführerin von Dieter Hallervorden bekannt. Danach spielte sie hauptsächlich Rollen in den Filmen des spanischen Regisseurs Jesus Franco, darunter Vampyros Lesbos – Erbin des Dracula (1971). Wenige Jahre nach diesem Film zog sich Ewa Strömberg aus der Filmindustrie zurück.


Über die schwedische Schauspielerin Ewa Strömberg ist bis heute leider nur wenig bekannt, obwohl sie etwa 15 Jahre lang im Business aktiv war. Ihren Einstand ins Filmgeschäft hatte Strömberg 1959 in einer schwedischen Produktion, in der sie nur in einer sehr kleinen Rolle zu sehen war. In ihrem Heimatland sollten schnell weitere Filmauftritte folgen, allerdings wird die ausdrucksstarke Interpretin vor allem mit dem deutschen Film verbunden, welcher ihr den Weg in europäische Produktionen ebnen konnte. Mit vier Auftritten in der Edgar-Wallace-Reihe ist sie fast zum Stamm-Personal zu zählen, wenngleich ihre Parts überwiegend klein ausgefallen sind, aber es reichte, um es bei einem größeren Publikum zu einer gewissen Bekanntheit zu bringen, was ihre folgenden Filme untermauern sollten. Zum deutschen Film kam sie durch einen Berliner Fotografen, und wahrscheinlich wurde damals ihr Talent erkannt, sicherlich aber ihr optisches Potenzial, denn nach derartig attraktiven Gesichtern ist schließlich immer Ausschau gehalten worden. Ewa Strömberg wurde auf dem hiesigen Markt schnell wie eine Schablone zugeschnitten, und sie hatte fortan die Schwedin, das bedrohte Opfer oder die freizügige Verführerin zu spielen, was vielleicht weniger mit ihrem Typ und der entsprechenden Bereitschaft, derartige Rollen zu spielen, zu tun hat, sondern mit der gerade gängigen Struktur des Kino-Markts und dessen Bedürfnissen. So bleiben unterm Strich nur wenige Rollen der Schauspielerin, die man im klassischen Sinn und im internen Vergleich als bedeutend bezeichnen könnte, wie beispielsweise ihre zwei beachtlichen Auftritte in Robert Siodmaks Großproduktion "Kampf um Rom". Bekanntlich avancierte sie recht schnell zur Stammbesetzung des spanischen Regisseurs Jess Franco, der die Schwedin gleichzeitig als Pendant zu anderen Damen seiner Besetzungslisten und charakterlich stereotyp einzusetzen pflegte. Ihre denkwürdigsten Rollen interpretierte rückblickend möglicherweise sogar unter Franco, der es verstand, die Schauspielerin exponierter erscheinen zu lassen. In diesem Zusammenhang sind etwa ihre Auftritte in "Vampyros Lesbos", "Sie tötete in Ekstase" und "Der Teufel kam aus Akasava" zu nennen, in denen die Screentime wesentlich ausgiebiger war, als in anderen Produktionen.

Nach rund 15 Jahren in der Filmbranche endet die mit erotischen Darbietungen durchzogene Karriere der Schwedin abrupt und ihre Spur verlor sich komplett. Unter Betrachtung der Marke Ewa Stroemberg verkörpert sie die klassische Schönheit und von ihrer Erscheinung her bestätigt sie möglicherweise sogar das gängige Klischee der typischen Skandinavierin, wie man sie sich aus dem Bilderbuch vorstellt. Es ist offensichtlich, dass genügend schauspielerische Kapazitäten vorhanden gewesen sind, doch diese wurden bei ihren zu interpretierenden Rollen leider zu selten abgerufen, waren auf die Zeit und Produktionen bezogen schlicht und einfach oftmals nicht gefragt. Bei einer Schauspielerin wie ihr, die es schafft, eine besondere Art der Faszination aufzubauen, hat die Betrachtung der Tatsachen allerdings nur Sekundärcharakter, da sie auf anderen Ebenen anzusprechen weiß. Ewa Strömberg konnte im Rahmen gängiger Definitionen oder Erwartungshaltungen vielleicht nicht immer Konstruktives oder Erinnerungswürdiges für den Film leisten, aber sicherlich auf eine treue Fangemeinde blicken. Sie lediglich auf ihre schöne Hülle zu reduzieren, erscheint zwar naheliegend aber insgesamt zu wenig und auch ungerechtfertigt zu sein, da Karrieren meistens sogar ausschließlich nach den oft unerbittlichen Gesetzen des Geschäfts verlaufen. Imponierend wirkt vor allem ihr anscheinend heiteres Wesen, das trotz dramaturgischer Gegenentwürfe oft ungebrochen erscheint. Mit ihrem fröhlichen und ansprechendem Lächeln wirkt Ewa Strömberg vorwiegend sympathisch, und wenn die Kamera den Fokus auf ihre eisblauen Augen legt, lässt sich in unbestimmter Weise etwas Tiefgründiges herauslesen. Trotz Anforderungen, die manchmal weniger mit Anspruch zu tun haben, ist eine gewisse Dynamik bei ihren Interpretationen zu beobachten, außerdem bietet sie eine besonders ansprechende Spiellaune an, die in Erinnerung bleibt. Die Frage, ob man sich glücklich schätzen kann, dass sie dieses Geschäft so ausgiebig, wenn auch nur temporär bedient hat, oder ob es Schade ist, wie sie oft verheizt wurde, kann nur individuell beantwortet werden. Ewa Strömberg bleibt eine von vielen Schauspielerinnen, die nach ihrer kurzen Karriere den Weg in die Vergessenheit suchten und gerade aus diesem Grund stets etwas Geheimnisvolles zurückbehalten haben.

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Dschallogucker
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Re: EWA STRÖMBERG

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Danke. Ihr Name sagte mir nicht viel, ich stellte aber fest, dass ich doch einige ihrer Filme auf DVD habe.
Wenn dir ihre Filmkarriere zu kurz war, kannst du dich mit einer anderen Schwedin beschäftigen, die 1934 in einem Film debütierte und ihre Karriere erst 1993 beendete.
Da sind fast 60 Jahre dazwischen ;)

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Prisma
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Re: EWA STRÖMBERG

Beitrag von Prisma »

Dschallogucker hat geschrieben:
Mo., 15.02.2021 23:00
Ihr Name sagte mir nicht viel, ich stellte aber fest, dass ich doch einige ihrer Filme auf DVD habe.

Das sind doch schon einmal sehr gute Voraussetzungen, um Ewa Strömberg etwas näher kennenzulernen. Ich mochte sie ja von Anfang an, und daher sage ich auch ohne zu zögern, dass sich die nähere Auseinandersetzung mit ihr wirklich lohnt, zumal ihre Auftritte in recht unterschiedlichen Produktionen zu finden sind. Bei Wallace, wo ich sie erstmals gesehen hatte, bekommt man aufgrund der Kürze der Rollen nicht besonders viel von ihr mit, es sei denn, man greift zu "Der Teufel kam aus Akasava", aber das restliche Angebot ist tatsächlich ziemlich bunt. Glücklicherweise sind relativ viele Filme mit ihr erhältlich. Ich habe mir aber auch schon einige Strömberg-Sachen zur Wieder-Begutachtung herausgelegt.


Dschallogucker hat geschrieben:
Mo., 15.02.2021 23:00
Wenn dir ihre Filmkarriere zu kurz war, kannst du dich mit einer anderen Schwedin beschäftigen

Hier müsste mir tatsächlich ein bisschen auf die Sprünge geholfen werden, denn ich weiß trotz intensiver Überlegungen leider nicht, wer gemeint ist. :oops: :D

Dschallogucker
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Re: EWA STRÖMBERG

Beitrag von Dschallogucker »

Gut, sie passt hier vielleicht nicht wirklich rein, keine Erotikdarstellerin, es ist Kristina Söderbaum. Vor einiger Zeit erschienen Immensee und Opfergang, wobei mir besonders Opfergang sehr gefallen hat, obwohl ich sonst kaum Filme von vor 1945 schaue. Letzter Film war mit Hugh Grant! "Night train to Venice", da war sie 80.

Zur der anderen Sache: Ich hab in den letzten Wochen fleißig B. Skay und H. Bohlen geschaut, da brauche ich erstmal 'ne Pause um mich dann vielleicht auf Ewa Strömberg zu konzentrieren ;)

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Prisma
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Re: EWA STRÖMBERG

Beitrag von Prisma »



Erstaunlich, welche Parallelen sich hier ergeben. "Night Train to Venice" hatte ich vor sechs Jahren im alten Forum mal besprochen und die Tage wieder Screenshots gemacht, um den wieder hier zu platzieren. Den hatte ich mir damals wegen Evelyn Opela angesehen und es ist kaum zu fassen, was man dort geboten bekommt. Kristina Söderbaums Schwanengesang ist in diesem Film kaum zu begreifen, aber sie ist bei mir auch ein eher unbeschriebenes Blatt, da ihre Filme überwiegend aus einer Zeit stammen, die nicht so in mein Ressort fallen.

Die nächsten Parallelen stellen Brigitte Skay un Heidy Bohlen dar. Da habe ich auch in einige Sachen reingeschaut, oder bin dabei, mir Filme zu besorgen. Zu Heidy Bohlen soll auch noch ein Porträt folgen, aber da lassen sich leider so gut wie keine Daten finden, ähnlich wie bei Ewa Strömberg, von der es aber wenigstens mehr Filme gibt. Das mit der Pause kann ich verstehen, vor allem, wenn die Filme hauptsächlich in eine bestimmte Richtung gehen. Bei Ewa Strömberg will ich mir zum Beispiel noch einmal "Kampf um Rom" anschauen. Den "Zum zweiten Frühstück heiße Liebe" hab ich vorerst mal zurück gestellt. :mrgreen:

Dschallogucker
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Re: EWA STRÖMBERG

Beitrag von Dschallogucker »

Zu Charley's Onkel (auf deine Anregung hin gekauft) steht im Booklet der Filmjuwelen auch nichts weiter über H. Bohlen als die Aufzählung von 4 Filmen. Kein Geburtsjahr bekannt?
Manche Schauspielerinnen wollen dann ja irgendwann nicht mehr an ihre Vergangenheit erinnert werden, wenn sie später mal was ganz anderes machen um ihre Brötchen zu verdienen

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Re: EWA STRÖMBERG

Beitrag von Prisma »

Dschallogucker hat geschrieben:
Di., 16.02.2021 21:50
Manche Schauspielerinnen wollen dann ja irgendwann nicht mehr an ihre Vergangenheit erinnert werden

Genau das habe ich auch schon sehr oft gedacht, auch in Heidy Bohlens oder Ewa Strömbergs Fall. Klar denkt man primär, warum die Karriere abgebrochen wurde, die man eigentlich stets mit Vorteilen assoziiert, es persönlich auch sehr schade findet, das nicht noch mehr gekommen ist. Aber ist es im Endeffekt auch wirklich so? Bleibt man alleine bei diesen beiden Schauspielerinnen, so wurden sie, wenn man es nüchtern betrachtet, in erster Linie und eintöniger Art und Weise verheizt. Vielleicht geht es gar nicht anders, dass man dann irgendwann das Interesse verliert. Vielleicht war auch einfach das Privatleben irgendwann wichtiger, aber das weiß man alles nicht, weil es den Fan gerade nach einem abrupten Abtritt nichts mehr anzugehen hat. Natürlich geht e einen auch sonst nichts an, aber dieser Anspruch wird bei Personen, die in der Öffentlichkeit stehen ja gerne erhoben. Wenn vornehmlich der Erotik-Sektor bedient wurde, dann denke ich schon, dass viele Interpretinnen einfach vergessen wollten, weil die Kosten im Endeffekt höher waren, als der Nutzen.

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Re: EWA STRÖMBERG

Beitrag von Prisma »



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● EWA STRÖMBERG als LIL in
HAMBURG TRANSIT | DER 7. KANAL (D|1974)



Ewa Strömbergs Filmkarriere erstreckte sich über einen Zeitraum von gut 15 Jahren und endete leider recht abrupt im Jahr 1974 mit einer Episoden-Hauptrolle in der Serie "Hamburg Transit". Die attraktive Schwedin war dem deutschen Kinopublikum nicht unbedingt eine Unbekannte, immerhin war sie in damals populären Formaten wie zum Beispiel der Edgar-Wallace-Reihe mit von der Partie, jedoch fällt der Blick auf eine insgesamt isoliert wirkende Filmografie zurück, in der die ganz großen Würfe ausgeblieben sind. In "Der 7. Kanal" bekommt Ewa Strömberg die Möglichkeit, die Szenerie im überdurchschnittlichen Maß zu prägen, da es so gut wie keine signifikanten Charaktere neben ihr gibt. Retrospektiv gesehen wurde ihr dieser Luxus nur von dem spanischen Regisseur Jess Franco hin und wieder zugebilligt. Beim Blick auf die Besetzungsliste sollte natürlich auch erwähnt bleiben, dass Strömberg hier der einzige prominente Name bleibt, was den Eindruck verstärkt, dass es zu einer empfundenen Dominanz kommt, wenngleich sie tatsächlich die dramaturgisch wichtigste Rolle inne hat. Als Lil taucht sie in ihrem VW Käfer Cabriolet aus dem Nichts auf, und es wird sehr schnell geklärt, was die Dame vor hat. Eine interessante Mischung aus Misstrauen und Sympathie wertet diese Rolle nicht nur ungemein auf, sondern stellt klar, dass man es unabhängig von ihrer Nationalität mit einer idealen Besetzung zu tun hat. Lil ist an Geld interessiert - daraus macht sie nach kürzester Zeit keinen Hehl mehr. Dennoch geht es nicht so weit, dass sie eine Bereitschaft zeigt, bis zum Äußersten gehen zu wollen, auch wenn sie es ihrem jungen, unter voller Begeisterung stehenden Verehrer in Aussicht stellt.

Seine Unerfahrenheit erfordert keine raffinierte Hinhaltetaktik der schönen Unbekannten, sodass er geduldig auf seinen Lohn in Form von Zuneigung und mehr wartet. Strömberg agiert in diesen Beziehungen wie man sie kennt: Ihre absolut heitere, beinahe zutrauliche Art steht oft konträr zu den Geschehnissen, und trotz nachgesagter nordischer Kühle – die aber sicherlich nur ein willkommenes Klischee darstellt, da dieser Mythos im Film oft bemüht wurde - transportiert sie außerdem ein spürbares Temperament. Ewa Strömberg kaschiert ihre eigentliche Film-Identität wie so häufig mit einem strahlenden Lächeln und einer Ausstrahlung, die einladend und gewinnbringend wirkt. Ihre vertrauenswürdig erscheinende Art ist daher wie geschaffen für derartige Personen, die sich stilsicher jenseits bestehender Gesetze bewegen, ohne dabei gleich aufzufliegen. Im Hintergrund agiert jedoch ein Drahtzieher, oder wenigstens ein Geschäftspartner, dem sie verpflichtet ist - in welcher Art und Weise auch immer. Als eines der Geschäfte platzt, da sie als vermeintlicher Profi von Hobbydetektiven ausgebootet wird, entsteht eine Szene, die in Erinnerung bleiben wird. Mit dem Wissen, dass es sich um Ewa Strömbergs letzte Arbeit für Film und Fernsehen handelt, verlässt sie die Szenerie genauso unscheinbar und abrupt, wie die Filmbranche selbst. Um Schlimmeres zu verhindern, dreht sie mit ihrem Cabrio schnell ab und fährt davon. Zwar hält man sie in überaus positiver Erinnerung, doch dieses offene Ende steht sinnbildlich für das Ende ihrer Laufbahn, da niemand erfahren wird, wie es mit der attraktiven Blonden weiterging. Insgesamt handelt es sich schließlich um eine sehr schöne Rolle, bei der vor allem das zweifache Adieu nachhallt.

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Re: EWA STRÖMBERG

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● EWA STRÖMBERG als PIA in
DER SCHLAFWAGENMÖRDER (S|1967)



»Los! Probier mal mein Geschenk an...« Wenig liebevoll bekommt die attraktive Passagierin ein Paket auf den Schoß geworfen, in dem sich entsprechende Textilien befinden, die einem bestimmten Metier zugeordnet werden und die den edlen Spender in Wallung versetzen sollen, der bereits ungeduldig wartet. Da er sich ganz offensichtlich zur besseren Gesellschaft zählt und bereit ist, für besondere Dienste und Diskretion tief in die Tasche zu greifen, hat sich die skeptisch drein blickende Blondine seinen exklusiven Wünschen zu beugen. Ewa Strömberg verkörpert in Arne Mattssons sehenswertem Beitrag quasi ihren eigenen Prototypen und wird für eine Art Geschäft herhalten, dass sich vielleicht gut mit Prostitution im Fahrplan inbegriffen charakterisieren lassen könnte, wenn da nicht eine plötzlich auftauchende rote Linie wäre, die schon nach wenigen Einstellungen zum Vorschein kommt. Nach anfänglichem aber lediglich vorgespieltem Interesse, das mit eindeutigen und verführerischen Blicken untermalt war, fängt Pia an, sich gegen die Extrawünsche ihres Freiers zu sträuben und wehrt sich gegen die Schläge und den immer mehr Gestalt annehmenden Fetisch dieses Herrn, der später noch um Vertuschung bemüht sein wird. Immerhin handle es sich bei ihm um eine Person des öffentlichen Dienstes, was wohl so viel heißt, wie eine Person des öffentlichen Interesses. Zumindest falls es zu einem handfesten Skandal käme. Ewa Strömberg überrascht in all ihren Szenen mit einem Temperament, das andernorts nicht immer zur Debatte stand und dementsprechend nicht oft abgerufen werden musste. Die frühe Karriere der Schwedin spielte sich ausschließlich in ihrem Heimatland ab und "Der Schlafwagenmörder" markiert bereits das Ende dieser Phase ihrer eigentlich kurzen Karriere, da sich ihr Schaffen anschließend in die Bundesrepublik verlagern sollte.

Wie so häufig ist Ewa Strömberg auch hier nackt zu sehen und präsentiert einen gerne in Anspruch genommenen Erotik-Faktor, der wie eine Weichenstellung für die zukünftige Karriere wirkt. Ihrem Freier und Peiniger soll sie sich willenlos beugen; schließlich will er dafür die Scheine auf den Bordtisch legen, auch wenn es erst in einer viel späteren Situation dazu kommt. Pia soll sich in Lack und Leder kleiden, was als eine nette Anspielung zum umher geisternden Mörder wahrzunehmen ist, immerhin trägt dieser ebenfalls einen schwarzen Lackmantel. Pia verliert allerdings die Nerven und während der Fahrt kommt es zu einer peinlichen Szene, die mehrere Fahrgäste aufhorchen lässt. »Ich lass mich doch nicht totschlagen von diesem gemeinen Sadisten!« Eindeutiger kann sie ihren Ex-Begleiter nicht an den Pranger stellen, doch der Schaffner ist darum bemüht, die erforderliche Ruhe im Schlafwagen wieder herzustellen und weist der aufgebrachten Frau einen außerplanmäßigen Sitz im Salonwagen zu. Fortan wird man Ewa Strömberg nur noch mit finsterer Miene, irritiert und tief gekränkt wahrnehmen, doch es kann zunächst nicht genau benannt werden, ob es sich um gekränkte Eitelkeit und den Ärger über ein Verlustgeschäft handelt, oder um einen Hauch von erfahrenem Trauma. Auch im weiteren Verlauf werden sich diese Fragen nicht klären, zumal man ihren Kunden im Kreis der Verdächtigen beibehalten will. Ewa Strömberg bleibt für die weitere Fahrt nur noch ein schönes Gesicht für die Totale, bis sie gegen Ende noch ein paar wirksame Szenen zum Besten zu geben hat. Im Gros handelt es sich um einen sehr gut strukturierten und im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten intensiv gespielten Auftritt der gerne gesehenen Schwedin, der hier zwar etwas größer ausgefallen ist, als in vielen ihrer deutschen Filme, sie im Rahmen der Produktion jedoch nicht zu den Haupt-Akteuren zählt, die hier andere Namen tragen.

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Re: EWA STRÖMBERG

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● EWA STRÖMBERG als DR. CRAWFORD in
SIE TÖTETE IN EKSTASE (D|E|1971)



Nach einer Reihe von Rollen, die Ewa Strömberg in Filmen des spanischen Regisseurs Jess Franco übernommen hatte, sieht man sie in "Sie tötete in Ekstase" in einer ihrer vielleicht schönsten Rollen, was sich in erster Linie auf das Inszenieren der Schwedin bezieht. Gerade in dieser Produktion ist die weibliche Konkurrenz durch die Titelrolle von Susann Korda denkbar stark ausgefallen, doch beide kommen sich weniger ins Gehege, da die Rollen klar aufgeteilt, beziehungsweise strikt voneinander getrennt sind. Die unterschiedlichen Anlegungen sehen vor, dass es beinahe unmöglich wird, Strömberg als Sympathieträgerin zu identifizieren, wenngleich es eigentlich gegen jegliche Logik stattfindet. Vom Aufbau her ist es Susann Korda, die als negative Heldin zu strahlen vermag und den Zuschauer vereinnahmen wird. Da es nur zwei signifikante weibliche Rollen im Geschehen zu finden gibt, heißt das Credo hinter vorgehaltener Hand beinahe »gleiches Recht für alle«, und das Publikum darf sich am großen Interesse der Kamera erfreuen, denn sie hebt die Darstellerin exponiert in den Fokus. Franco legt offenbar mehr wert auf Dr. Crawfords Wandlungsfähigkeit, die sich hier vornehmlich im optischen Bereich abspielen wird, aber man bekommt auch kleinere charakterliche Finessen geboten, die mehr als wohlwollend aufgenommen werden. Dr. Crawford wird trotz ihres bezaubernden Äußeren als analytisch denkende Medizinerin vorgestellt, die harte Allüren und Schuldzuweisungen an den Tag zu legen weiß. Sachlichkeit und eine seltsame Art der Unerbittlichkeit wirken als Kopplung zurückstoßend, ihre Attraktivität und die beeindruckende Aura allerdings gleichermaßen wie ein Magnet.

Diese Voraussetzungen sind sicherlich dem Faible der Regie zu verdanken, die sich das Servieren der Damen auf einem Silbertablett zur vornehmsten Aufgabe macht. Für die Geschichte ist Dr. Crawfords angebahnte Präsentation vollkommen irrelevant, da die Voraussetzungen nicht genutzt, beziehungsweise wenig später komplett fallen gelassen werden, weil sie es ist, die der Titelrolle mit Haut und Haaren zu verfallen hat. Die Szenen vor der Küste und im strahlenden Sonnenschein sind mitunter die schönsten Einstellungen, die man überhaupt von der aparten Schwedin in Filmen finden kann, auch der anfängliche harte Eindruck zu ihrer Person ist plötzlich wie weggewischt. Sie lächelt, sie strahlt, wirkt gelöst und unbefangen. Ihre abschließenden Szenen mit einer ekstatischen Mrs. Johnson strotzen nur so von Ästhetik und sind vollkommen erotisch aufgeladen, bis das Publikum buchstäblich Nadelstiche verspürt. Im Großen und Ganzen handelt es sich zweifellos um eine von Ewa Strömbergs aufregendsten Rollen und in "Sie tötete in Ekstase" ist die mittlerweile zu Francos Stammpersonal zählende Darstellerin obendrein in der Blüte ihrer Schönheit zu sehen. Leider sollten nach dieser Produktion schon keine Handvoll Filme mehr mit ihr entstehen, mit dem Spanier drehte sie anschließend nur noch "Dr. M schlägt zu". Ewa Strömbergs Dr. Crawford bleibt also als eine ihrer sicherlich spektakulärsten Darbietungen in Erinnerung und rangiert ganz hoch oben in der persönlichen Bestenliste, da hier Leichtfüßigkeit, Spiellaune, Leidenschaft, eine interessante Architektur der Rolle und die alles überstrahlende Präsenz zusammen kommen; Eigenschaften, die je nach Präferenz sogar Susann Korda in die zweite Reihe verweisen können.

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Re: EWA STRÖMBERG

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● EWA STROEMBERG als PAM WALSBURY in
DER MÖNCH MIT DER PEITSCHE (D|1967)



In "Der Mönch mit der Peitsche" war Ewa Strömberg in ihrem vierten deutschen, und dem bereits zehnten Film ihrer Karriere zu sehen. Für die publikumswirksame Edgar-Wallace-Reihe wurde sie zwischen den Jahren 1967 bis 1971 gleich für vier Auftritte verpflichtet, denen von ihrem Umfang her peu à peu mehr Screentime zugedacht wurde. Produzent Horst Wendlandt setzte innerhalb der Reihe immer wieder gerne auf eine Mischung aus guten alten Bekannten und neuen Gesichtern, zu denen auch die Schwedin gehören sollte. Ihre Rolle der Pam Walsbury ist sehr kurz und kommt kaum über eine Spieldauer von einer Minute hinaus, allerdings bleibt das erste der ermordeten Schulmädchen nachhaltig im Gedächtnis, nicht zuletzt, weil von ihr immer wieder die Rede ist. Strömberg ist hier noch in keiner Sprechrolle zu sehen, überhaupt gibt es aufgrund der Übersichtlichkeit des Auftritts keine Möglichkeit der Entfaltung, allerdings wird sie ganz resolut als Blickfang eingesetzt. Eine eigenartige Mischung aus Attraktivität und eigentümlicher Maskerade zieht die Blicke des Zuschauers an. Die schöne Blonde mit dem sympathischen Gesicht und der auffallend unpassenden Brille wird zugleich Zeugin und Opfer eines tödlichen Experiments, was aufgrund der ausgefallenen Methode und der eindringlichen Inszenierung einen richtigen Schockmoment herbeiführt. Ein Mädchen stirbt aus unerfindlichen Gründen, der dabei betriebene Aufwand lässt einen teuflischen Plan vermuten, doch die Hintergründe bleiben dank der routinierten Regie von Alfred Vohrer für lange Zeit im Dunkeln. Auch nach dem Tod von Pam Walsbury fällt ihr Name immer wieder und es ergeben sich Hintergründe über die Person und ihren Lebenswandel.

In diesem Zusammenhang hätten sich vielleicht ein, zwei Rückblenden mit Ewa Strömberg ganz gut gemacht, die zum weiteren Verständnis und Kennenlernen der Darstellerin beigetragen hätten, und damit sich der Zuschauer außerdem nicht einfach nur auf das Hörensagen verlassen muss. Nicht nur im Film, sondern auch im Kreise der Mädchen aus dem Internat hat die Schwedin eine naturgemäß untergeordnete Rolle, obwohl ihre Charakterisierung durch Zweite und Dritte in den Fokus gerückt wird. Neben Uschi Glas, Grit Boettcher oder Suzanne Roquette findet sie sich in namhafter und vor allem attraktiver Gesellschaft, was die logische Voraussetzung für die nächtlichen Orgien mit Lehrern darstellt. Wie erwähnt, handelt es sich um einen Kurzauftritt, dem man allerdings zugute halten darf, dass es sich bestimmt um eine der originellsten Ermordungsszenen der gesamten Reihe gehandelt hat und der Weg für weitere Rollen somit geebnet wurde, ab sofort jedoch ohne bedauerliche Todesfälle. Hier sieht man einen Mord mit Giftgas auf Basis von Cyanwasserstoff. Wo man eben noch einen verhaltenen aber interessierten Blick und ein Lächeln in Richtung ihres potentiellen Mörders sah, wird Pam gleich in der nächsten Szene die Luft durch einen neu entwickelten Mechanismus abgeschnürt, der zynischerweise in einer Bibel angebracht ist und sie sinkt tot zu Boden. Für Ewa Strömberg war es das dann auch schon in diesen zweiten Wallace des Produktionsjahres 1967, aber sie bleibt wie bereits erwähnt dennoch in Erinnerung. Das nächste Wiedersehen mit der Schwedin sollte bereits zwei Filme später erneut unter Regisseur Vohrer kommen, und es ist insgesamt wirklich schön, dass man Ewa Strömberg bei ihren ökonomischen Einsätzen bei Wallace sehen kann.

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