MARIA ROHM

Leinwandsternchen und verkannte Stars im Blickpunkt
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Prisma
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MARIA ROHM

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MARIA ROHM

[* 25. Februar 1943 | † 18. Juni 2018]


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Wikipedia hat geschrieben:
Rohm wurde bereits mit fünf Jahren Mitglied des Wiener Burgtheaters, wo sie zunächst ein achtjähriges Engagement für Kinderrollen erhielt und später auch als Erwachsene auftrat. Von dem Produzenten Harry Alan Towers wurde sie für den Film entdeckt und debütierte in den Thrillern Blonde Fracht für Sansibar und In Beirut sind die Nächte lang als Tänzerin und Gangsterbraut. Einen kurzen Auftritt hatte sie schon 1963 in dem Aufklärungsfilm Teufel im Fleisch [...] In den 1960er Jahren war Maria Rohm in vielen internationalen Produktionen zu sehen, vor allem unter der Regie von Jess Franco. In diesen immer actionreichen und oft mit Sex und Gewalt angereicherten Abenteuerfilmen war sie meist das Opfer von Bösewichten, besonders Draculas und Dr. Fu Manchus, jeweils dargestellt von Christopher Lee. Seit den späten 1960ern war sie vornehmlich in Literaturverfilmungen zu sehen: als Juliette, die durchtriebene Schwester von Justine in Marquis de Sades Justine, als Mutter von Jim Hawkins in Robert Louis Stevensons Die Schatzinsel oder als arrogant-naive Mercedes in der Verfilmung von Jack Londons Ruf der Wildnis. Mitte der siebziger Jahre zog sich Maria Rohm von der Leinwand zurück und war nur noch hinter der Kamera tätig – zunächst in kleineren Jobs und ab den 1980er Jahren als Produktionsleiterin bei Harry Alan Towers, mit dem sie seit dem 28. Februar 1964 bis zu seinem Tode verheiratet war.


Maria Rohm wurde am 13. August 1945 als Helga Grohmann in Wien geboren. Die Ableitung zu ihrem Künstlernamen lässt sich interessanterweise zur Hälfte aus ihrem Realnamen herleiten, aber gerade europäische Namen wurden seinerzeit ja gerne an den internationalen Markt angepasst, um einen besseren Wiedererkennungswert zu gewährleisten. Nach eigenen Berichten kam sie als kleines Kind in psychologische Behandlung, da es Interaktionsprobleme mit Gleichaltrigen gegeben haben soll. Der Rat, das Mädchen auf eine Schauspielschule zu schicken wurde beherzigt, was man trotz der unfreiwilligen Basis und schwierigen Zeit für das Kind rückwirkend als großes Glück bezeichnen darf. Der Weg zur Schauspielerin wurde ihr dadurch geebnet. Maria Rohm ist natürlich insbesondere den Genre-Fans ein Begriff, vor allem ihre schöpferische Phase unter dem spanischen Regisseur Jess Franco war eine der ergiebigsten ihrer Karriere. Auf dem Papier sieht diese zwar relativ kurz aus, aber sie erstreckt sich über einen wesentlich längeren Zeitrahmen als angenommen. Die Österreicherin wurde bereits im zarten Alter von nur fünf Jahren Mitglied des renommierten Wiener Burgtheaters, wo sie ein achtjähriges Engagement für Kinderrollen bekam und spielte neben bekannten Bühnen- und Kinostars wie beispielsweise Paula Wessely oder Paul Hörbiger. Erste Auftritte in Kinofilmen erlangte sie ab 1963, allerdings waren diese Rollen zunächst sehr klein, bis sie schließlich den Produzenten Harry Alan Towers kennen lernte, der später ihr Ehemann wurde. Zum größten Teil spielte Rohm in den Produktionen ihres Mannes mit, die ihr zwar ein breites Einsatzgebiet bescherten, jedoch gleichzeitig auch eine vollkommene Festlegung auf gewisse Parts mit sich brachten. Oftmals konnte sie ihr außergewöhnliches schauspielerisches Talent, das gleich zu Beginn ihrer Karriere lobend erwähnt wurde, nicht abrufen. Maria Rohm war in dieser produktiven Zeit Partnerin von mehreren weltbekannten Kollegen, wie zum Beispiel Christopher Lee, Maria Schell oder Charlton Heston - um nur wenige zu nennen. In mehreren Filmen übernahm sie die weibliche Hauptrolle, wurde aber in der Regel für erinnerungswürdige kleinere Parts eingesetzt. Mitte der Siebziger Jahre zog sich Maria Rohm von der Schauspielerei zurück, blieb jedoch beim Film, allerdings hinter der Kamera. So trat sie als Produktionsleiterin bei Towers und als Co-Produzentin in Erscheinung.

Beim sporadischen Überfliegen von Maria Rohms Filmografie zeigen sich innerhalb ihrer 26 Produktionen in der knappen Distanz von etwa 12 Jahren einige wirkliche Hingucker, die sie zunächst durch ihre Präsenz und ihre Attraktivität zu bereichern wusste. Bei gezielteren Blicken lassen sich allerdings nicht die großen Würfe im Sinne von Charakterdarstellungen ausfindig machen, was jedoch in den Genres, die sie ausgiebig bediente, erst gar nicht gefragt war. Erst zum Ende ihrer aktiven Laufbahn zeigen sich bezüglich der Art der Filme einige Ausreißer aus dem vornehmlich körperbetonten Fach, und sie wusste durchaus, ihre bislang verborgenen Akzente zu setzen. Wie kann man Maria Rohm am besten beschreiben oder ihr gerecht werden, ohne sie schnell auf eine bestimmte Schublade zu reduzieren? Effektiv ist es, wenn man von der Grundvoraussetzung einer klassischen Bereicherung ausgeht. Maria Rohm war dem Empfinden nach eine fleißige Arbeiterin, die augenscheinlich immer einen Schritt weiter gehen konnte als viele ihrer Kolleginnen. So scheint es ein eindeutiges Indiz dafür zu sein, dass ihr das Auge der Kamera Sicherheit zu vermitteln wusste, die auch nur unter der Voraussetzung der Kompetenz entstehen kann. Daher kann gesagt werden, dass Rohm stets wusste, was sie zu tun hatte und sie stattete das von ihr Verlangte mit grundeigenen Facetten aus. Maria Rohms Stilmittel Nummer eins waren ihre haselnussbraunen Augen, in denen man Stimmungen, Temperament, Tragik und Emotion ablesen konnte. Konträr zu dieser Eigenschaft steht ihre häufig viel zu verhaltene Körpersprache. Oftmals wirkt sie zaghaft und so, als ob sie sich an sich selbst festhalten wolle, was den Eindruck von Fragilität mit sich bringt. Genau diese Voraussetzung machten sich die Verantwortlichen ihrer Filme gerne zunutze und sie war in nicht unerheblichem Maß als beschützenswertes Opfer der männlichen Fraktion zu sehen. Konträr zu diesem Eindruck stehen allerdings auch einige Rollen, die Dominanz, Tatkraft, Schlagfertigkeit und Kalkül erfordern. Insgesamt ist und bleibt Maria Rohm ein stets gern gesehener Gast in unterschiedlichen Genres. Ihre Erscheinung und das damit verknüpfte Image waren wie geschaffen für den zeitgenössischen Markt und sie zählt definitiv zum erlesenen Kreis der erinnerungswürdigeren Erscheinungen des damaligen Kinos.

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Prisma
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● MARIA ROHM als ALICE CAMPBELL in
● DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY (D|I|GB|1970)



Maria Rohm kann zahlreiche Einsätze in Filmen verbuchen, die von ihrem Ehemann Harry Alan Towers produziert wurden, mit dem sie ab 1964 bis zu seinem Tod im Jahr 2009 verheiratet war. Interessant ist, dass ihre Nennung im jeweiligen Vorspann oftmals nichts über die tatsächliche Auftrittsdauer in entsprechenden Produktionen aussagt, denn auch hier liest man ihren Namen relativ weit vorne in den Titelcredits, jedoch kommt dieser Auftritt nicht über eine kleine Nebenrolle hinaus, die nur wenige Drehtage erfordert haben dürfte. Für den Verlauf ist ihre Alice Campbell im Grunde genommen wenig relevant und man bekommt Maria Rohm auch erst nach langer Spielzeit zu sehen. Diese Rolle wirkt wie so oft vollkommen instrumentalisiert und vermittelt lediglich stark den Eindruck von schmückendem Beiwerk, wie man so schön zu sagen pflegt. Natürlich können auch derartig übersichtliche Auftritte ihren Reiz haben, vor allem, wenn man auf eine bestimmte Person im Szenario wartet, die man aus unterschiedlichsten Gründen gerne sieht. In "Das Bildnis des Dorian Gray" ist Rohm schätzungsweise höchstens kurze zwei Minuten zu sehen, sodass sich die natürlichen Entfaltungsmöglichkeiten unter diesen Voraussetzungen naturgemäß deutlich in Grenzen halten, aber es darf ruhig anerkannt werden, dass die Rolle durch ihren streng eingegrenzten Aufbau ihre volle Wirkung erzielen kann. In auffällig biederer Aufmachung wirkt sie neben einem strahlenden Helmut Berger wie ein uninteressanter Fremdkörper, ihre wenigen Dialoge demonstrieren allerdings, dass man es mit einer kultivierten Frau zu tun hat, die sich normalerweise nicht durch Worthülsen beeindrucken oder blenden lässt.

Aber neben Dorian Gray scheinen schließlich alle der vorgestellten Personen irgendwie schwach zu werden und wenig später steht die hübsche Interpretin auch schon nackt im Set; eine Aufgabe, mit der Maria Rohm durchaus vertraut war. Bevor sie allerdings wacklige Knie bekommt, legt Helmut Berger offensiv vor, und die offensichtlich stark kurzsichtige Alice Campbell setzt ihre Brille und gleichzeitig ein schockiertes Gesicht auf, sodass die Redewendung sehr greifbare Züge bekommt, dass hier jemand offensichtlich seinen Augen nicht trauen will. Ihre kurze echauffierte Anwandlung und ihr betont abweisendes Gehabe können die bevorstehende sexuelle Kollision allerdings nicht mehr verhindern, bis die Kamera sich in eindeutigen Zweideutigkeiten verliert. Im Endeffekt kann auch bei dieser sehr kurzen Rolle gesagt werden, dass Maria Rohm erneut sehr effektiv, man möchte beinahe sagen funktionell eingesetzt wurde. Gerade derartige Auftritte tragen schließlich zum Rollenprofil der attraktiven Österreicherin bei und bereichern die jeweiligen Filme unbedingt. Für den Verlauf bleibt dieser, auf den ersten Blick unscheinbare Auftritt fester Bestandteil einer gut aufgebauten Kettenreaktion: Alice Campbell wird zu einer Etappe des unausweichlichen Abstiegs der Titelfigur. Fans von Maria Rohm können auch hier auf ihre Kosten kommen, weil man mit ihr sicherlich irgendwie immer auf seine Kosten kommen kann, allerdings hätten ihr einige weitere Szenen sicherlich gut gestanden, dem Film übrigens auch. Nach diesem Auftritt sollte darstellerisch übrigens nicht mehr viel für Maria Rohm kommen, um genau zu sein brachte sie es nur noch auf ein halbes Dutzend Filme, die eben genau solchen Kurzauftritten gleichen sollten.

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