MARIA PERSCHY

Leinwandsternchen und verkannte Stars im Blickpunkt
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Prisma
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MARIA PERSCHY

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MARIA PERSCHY

[* 23. September 1938 | † 03. Dezember 2004]

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Prisma hat geschrieben:
Maria Perschy wurde 1938 im österreichischen Burgenland geboren und bekam im Alter von siebzehn Jahren Schauspielunterricht am renommierten Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Bereits im ersten Ausbildungsjahr nahmen Beobachter von ihrem großen Talent Notiz, und sie erhielt den "Kunstförderungspreis für Darstellende Kunst der Stadt Wien". Am Seminar lernte sie etwa unter der bekannten Bühnenschauspielerin Susi Nicoletti, die ihr einen Vertrag mit der Bavaria Filmkunst und somit ihren schnellen Einstieg in die Filmwelt verschaffte. Nach Probeaufnahmen in Deutschland wurde die junge Darstellerin sofort engagiert und kehrte nicht wieder zur Schauspielschule zurück. Schnell avancierte sie zum gefragten Star und war in publikumswirksamen Produktionen zu sehen, sodass auch internationales Interesse nicht auf sich warten ließ. Bis heute zählt sie zu den wenigen Schauspielerinnen der Alpenrepublik, die es nach Hollywood geschafft haben, obwohl sie nach eigenen Angaben vor diesem Schritt gewarnt worden sei, jsich dort aber auch frei und unbelastet fühlte. Perschy war nahezu in jedem Genre tätig und sie blieb einer internationalen Linie treu. Bei Dreharbeiten erlitt sie 1971 einen verheerenden Brandunfall, der zu schweren Gesichtsverletzungen führte. Die Karriere musste unterbrochen werden. Maria Perschy stieg zu einem gefragten Star im spanischen Kino auf, lebte später in den USA, wo sie als Übersetzerin und Kunsthändlerin tätig war, kehrte allerdings immer wieder nach Wien zurück. Verlobt war Perschy sechs Jahre lang mit ihrem Schauspielkollegen Joachim Hansen, verheiratet mit dem Schriftsteller John Melson. 1967 wurde ihre Tochter geboren. Im Jahr 2004 verlor sie den langjährigen Kampf gegen ihre Krebserkrankung und verstarb im Alter von nur 66 Jahren.


Der Name Maria Perschy ist wohl gleichbedeutend mit einem der erfolgreichsten österreichischen Exporte für den internationalen Filmmarkt, und es ist wenig verwunderlich, dass die schöne Blonde mit den lebendigen blauen Augen seinerzeit eine Blitzkarriere hinlegen konnte. Die Filmindustrie wartete wie immer auf derartige Gesichter, die sich allerdings nur etablieren konnten, wenn im übertragenen Sinne auch Köpfchen vorhanden war, das heißt, wenn es nicht an Talent, Verve und Überzeugungskraft fehlte. Maria Perschy ist unter Filmkennern auch heute noch eine gängige Größe, nicht nur weil man sie als außergewöhnlich schöne Erscheinung in Erinnerung behalten hat, sondern weil sie vor allem in unterschiedlichsten Genres zu Hause war. Ob Drama, Komödie, Krimi, Action oder Horror - Maria Perschy prägte ihre Rollen so gut wie immer sehr glaubhaft und gestaltete diese Auftritte interessant genug, um sich nachhaltig etablieren zu können. Die Filmhistorie neigt in vielen Fällen dazu, Schauspielerinnen gerne an etlichen namhaften Partnern zu messen, und diese Referenz-Liste ist bei der Österreicherin ebenfalls lang genug um zu beeindrucken, allerdings braucht man ihre Kompetenzen nicht über eine derartige zu charakterisieren. Maria Perschy war selbst Star genug, um beispielsweise sogar in Rollen des eher schmückenden Beiwerks zu glänzen und den eigenständigen und modernen Frauentyp ihrer Zeit darzustellen, der immer aktiv variiert wurde. Glücklicherweise stand sie als besonderes Allround-Talent vor der Kamera, daher erscheinen ihre Rollen auch heute noch außergewöhnlich stark und individuell geprägt zu sein, und sie bekam dem Empfinden nach oftmals einen guten Twist zwischen eigentlicher Anforderung und zusätzlichen Finessen hin.

Insgesamt gestaltet sich die Charakterisierung der Maria Perschy nicht gerade als einfach, da sie allem Anschein nach viele Gegensätzlichkeiten in ihrem Wesen vereint. Berücksichtigt man lediglich optische Aspekte, so wirkt sie schnell wie einer der Prototypen der Frau, auf die das damalige Kino geradezu gewartet hatte. In vielen ihrer Rollen kommt es mit den beteiligten Personen zu einem immens hohen Aufbau von Distanz, der sich in eigenartiger Weise und manchmal sogar 1:1 auf den interessierten Zuschauer übertragen kann. Sie fordert nur indirekt auf, wirkt teilweise sogar spröde und wesentlich kultivierter als viele ihrer Kolleginnen. Ihre moderne Auffassung vom Leben führt zu Bewunderung aber auch einer merkwürdigen Unnahbarkeit, hin und wieder auch zu unsentimentalen Verhaltensweisen, kreiert jedoch ein insgesamt nahezu erhabenes Wesen. Gestik und Mimik lassen nur selten stichhaltige Schlüsse auf ihr Gefühlsleben zu, sodass man unterm Strich vielleicht sagen darf, dass sich die häufig nahezu vorsichtig agierende Maria Perschy stets gut in ihren Rollen im Griff zu haben scheint. Diese Wirkung kann sowohl dazu animieren, eingeladen oder im Gegenzug auch auf Sicherheitsabstand gehalten zu werden; ein Eindruck, der sich auch immer wieder in ihren Filmrollen und zu interpretierenden Charakteren gezeigt hat. So scheute man sich etwa nicht, die attraktive Interpretin in ambivalenten Rollen einzusetzen, oder in solchen, die eine nötige Tiefe als Voraussetzung hatten. Egal, wo man die Darstellerin schließlich sieht, es ist und bleibt offensichtlich stets die vornehmste Aufgabe des interessierten Auges der Kamera, dem Zuschauer einen Rundumschlag zwischen Persönlichkeit und Optik zu offerieren. Maria Perschy zählt somit definitiv zu den aufregendsten Geschöpfen des damaligen Kinos.

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● MARIA PERSCHY als ANN BARRY in
DER HENKER VON LONDON (D|1963)



Der Österreicher Edwin Zbonek inszenierte mit "Der Henker von London" einen atmosphärisch dichten Grusel-Krimi, in dem seine Landsfrau Maria Perschy die einzige relevante Frauenrolle übernehmen sollte. Obwohl in der Parallel-Handlung des Films ein Frauenmörder sein Unwesen treibt, sieht man von anderen Damen beinahe weit und breit keine Spur, es sei denn als Leichen oder in Auftritten, die höchstens einige Sekunden andauern. Dies hört sich schon einmal nach freier Bahn an, obendrein ohne vorhandene Konkurrenz für Maria Perschy, jedoch muss man sich ihren Weg hier nicht so einfach vorstellen, wie vielleicht angenommen. Dies liegt definitiv an der recht schwierigen Anlegung ihrer Rolle, bei der viel Präzision abgerufen werden muss. Was hinzu kommt, ist ein Aufgebot an teilweise großartig aufspielenden Stars, sodass die Anforderung sicherlich die doppelte Konzentration erforderlich machte. Solche Eindrücke entstehen schnell, wenn die vom Drehbuch günstiger beleuchteten Charaktere augenscheinlich einen Vorteil bekommen und diese bei sehr guten darstellerischen Kompetenzen andere in die zweite Reihe verdrängen. Maria Perschys Ann ist zumindest potentiell gesehen solch eine Aufgabe gewesen, da die Dramaturgie eine auffällige Beherrschung und Ruhe ihrerseits verlangt. Andere Darbietungen rücken somit in den Fokus und es entsteht sogar hin und wieder der Eindruck von regelrechten Selbstinszenierungen, hier allerdings im positiven Sinn. Die attraktive Schauspielerin konnte im Verlauf ihrer Karriere so gut wie immer unter Beweis stellen, dass sie sich jeder Anforderung flexibel beugen konnte, was ganz besonders auch auf ihren Umgang mit männlichen Partnern zutrifft. Beugen deswegen, da sie sich dem Empfinden nach häufiger unterordnen musste, als es vielleicht bei vielen ihrer Kolleginnen der Fall war. Häufig war neben ihr sogar eine ebenbürtige weibliche Konkurrenz ohne Probleme zu etablieren.

Diese Tatsache lässt schnell darauf schließen, dass sie über die Jahre gesehen viele unterschiedliche Charaktere zu interpretieren hatte, die jede Seite bedienten. Zieht man seine Schlüsse alleine aus dieser Tatsache, ist es mehr als bemerkenswert, dass Maria Perschy keine klassische Schauspielerin mit einem Abonnement für Schablonen und Schubladen gewesen ist, obwohl sie viele Genres unterstützte, die zeitbezogen gerade en vogue waren. So auch hier nicht, denn sie entspricht den damals gängigen Wallace- und Epigonen-Schönheiten nicht übereinstimmend, eher kann man mehrere Abweichungen herausfiltern, als dass sich Gemeinsamkeiten aufdrängen. Ann Barry entstammt einem sehr gut situierten, sicheren Umfeld, wenngleich sie die Gesichter von Gewalt und Verbrechen nur allzu gut kennt, immerhin war ihr Vater, Sir Francis, einst Richter. Hinzu kommt, dass sie mit Inspektor Hillier befreundet ist. Ann kommt also nicht wie üblich in die missliche Lage, die viele andere bedrohte Schönheiten auszuhalten hatten: Es schwebt beispielsweise keine potentielle Millionen-Erbschaft über dem Szenario, auch wird der Held der Geschichte nicht damit erpresst, dass seiner Herzensdame etwas zustoßen könnte, Ann bringt sich selbst in Gefahren, die es eigentlich nicht gegeben hätte, da sie sich als Lockvogel für den Frauenmörder anbietet, aber nicht etwa, weil sie die tödliche Gefahr dieser Operation unterschätzt, sondern weil sie mit ihren mentalen Kapazitäten am Ende zu sein scheint. Der Mann, den sie liebt, jagt nur noch einem Phantom hinterher, verliert dabei den Sinn für das Wesentliche, aber vor allem das wache Auge für sie. Dieser Schritt kann daher quasi als Ausdruck der eigenen Verzweiflung und Hilflosigkeit erkannt werden. Die Mischung aus Eigennutz und Intervention als Prävention ist sehr interessant, und liefert daher günstige Voraussetzungen, um die mit Tiefe angelegte Rolle genau mit einer solchen auszustatten.

Charakterisiert man Ann, so drängt sich ihre auffällig zurückhaltende Körpersprache auf. Maria Perschy zeichnet erneut eine überaus kultivierte Frau, die mit ihren gesellschaftlichen und privaten Aufgaben hinlänglich vertraut ist. Ihre Stärken heißen Unaufdringlichkeit und Diskretion, allerdings winden sich diese Eigenschaften auch durch die Zweisamkeit. Ihr behutsamer und nahezu vorsichtiger Umgang mit John, der in erster Linie als Ermittler in der Geschichte zurückbleiben wird, kann keine Berge mehr versetzen, also schlägt sich die junge Frau über den Beruf auf seine Seite und demonstriert eine bedingungslose Loyalität. Wie es tatsächlich in Ann aussieht, bleibt dem Publikum dank Maria Perschys subtilem Schauspiel weitgehend verborgen. In aller Seelenruhe gerät sie so in gefährliche, aber vor allem ausweglose Situationen, die eben nur das Schicksal schreiben und lösen kann. Generell sieht man mit Maria Perschys Art zu Interpretieren und den dazugehörigen Anlegungen ihrer Rollen ein mögliches Happy-End oder glatte Verläufe weitgehend gefährdet, was ihr allerdings auch einen leichten Touch von Unberechenbarkeit verleiht. Auch hier bleibt die beinahe emotionslos wirkende Frau dem Zuschauer mit voller Absicht fern, sodass es sich naturgemäß um eine Rolle handelt, die vielleicht gerne unterschätzt wird - sei es wegen der herkömmlichen Vergleiche zu anderen Kriminalfilmen, oder des unscheinbaren Verhaltens, das man in diesem Genre auch nicht gerade alltäglich nennen möchte. Im Sinn des Gesamtbildes oder der Konstruktion von "Der Henker von London", handelt es sich unterm Strich trotz des Bekanntheitsgrades von Maria Perschy um eine mutige Besetzung, die auch ebenso von ihr interpretiert wurde. So kann abschließend gesagt werden, dass man Ann Barry wirken lassen muss, damit die Wertschätzung auf den zweiten Blick auch eintreffen kann, was bei mir persönlich lange Zeit nicht der Fall war.

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● MARIA PERSCHY als MARGARET in
DIE PAGODE ZUM FÜNFTEN SCHRECKEN (D|GB|FL|1967)



Zur Entstehung des Films "Die Pagode zum fünften Schrecken" war Maria Perschy längst eine bekannte Größe in der Filmbranche. Bereits im Jahr 1967 konnte sie auf weit über 30 Arbeiten, hauptsächlich im Spielfilm-Bereich und einige TV-Auftritte zurückblicken, und dabei hat sie ihr Weg bereits durch unterschiedlichste Genres geführt. Interessant dabei ist, dass man sich nicht scheute, Maria Perschy oftmals auch eine Spur progressiver als viele ihrer Kolleginnen einzusetzen, und sich ihr Image dadurch immer auf einer Basis befand, bei der zahlreiche Bewegungsmöglichkeiten nicht ausgeschlossen waren. Die sehr interessante Rolle der Ingrid sorgt in Jeremy Summers' Film zunächst durch ihre atemberaubend schöne Erscheinung für Aufsehen. Man kann vielleicht sagen, dass Österreichs Hit-Export in dieser Beziehung eine ihrer bemerkenswertesten Rollen inne hat. In sommerlichen aber auch eleganten Outfits, lädt sie ihr Publikum zunächst zum Hinschauen ein, sie lächelt viel, wirkt unbeschwert und gibt leichtere sarkastische Kostproben zum Besten. Was der Zuschauer bei fortlaufender Zeit dann allerdings zu sehen bekommt, steht im vollkommenen Kontrast zu den ersten gesammelten Eindrücken. Ingrid hat offensichtlich etwas zu verbergen und sie lebt in Angst. Dies wird spätestens bei ihrem ersten Aufeinandertreffen mit Klaus Kinski deutlich, der sie in der Hand zu haben scheint, offenbar zur Kooperation zwingt, da man sich ansonsten einmal eindringlicher mit ihrer Filmschwester Maria Rohm beschäftigen würde. Perschy fasst das kleine ABC der notwendigen Emotionen sehr ansprechend zusammen, und erneut blickt man auf ihre präzise zugeschnittene Wandlungsfähigkeit, die durch den Charakter ihrer Rolle sehr gut transportiert wird. Diese Anlegung wirkt bezüglich vieler ihrer zuvor interpretierten Rollen letztlich auffällig von Unterschieden geprägt, was zu einem gelungenen Spannungsaufbau über ihre zwielichtige Person führt.

Wie es schließlich mit Ingrid weitergehen wird, ist gar nicht einmal die entscheidende Frage, sondern man denkt unausweichlich daran, wie es möglicherweise mit ihr enden könnte. Schon häufiger hat man von Maria Perschy Darbietungen erleben können, die gute Twists bezüglich der Zugehörigkeit zwischen Gut oder Böse zugelassen haben, doch die Frage, ob sie die komplette Spieldauer des Films überstehen wird, stand eigentlich seltener im Raum. Ingrid ist bis zu ihrer Beichte bei Bob Mitchell schwer einzuschätzen und sie bleibt sogar ein Stück weit unberechenbar. Stärke und Selbstbewusstsein gehen in diesem kurzen Verlauf kaskadenartig den Bach herunter, sodass sich Nervosität, Unruhe und Angst verbreiten. Dieser leichte Verfolgungswahn überträgt sich auf das Publikum, und man fiebert mit Maria Perschy mit, obwohl sie eigentlich einen halbseidenen Charakter offeriert. Insgesamt ist sicherlich nicht von einer Schlüsselrolle zu sprechen, denn dafür konnte aufgrund des Umfangs der Darbietung zu wenig an der Performance gefeilt werden. Maria Perschy kann jedoch von sich behaupten, dass sie Teil eines der größten Überraschungsmomente dieses bemüht spannenden Verlaufs geworden ist, und dass letztlich über sie für den möglicherweise größten Schock des Films gesorgt wird. Interessant ist die Tatsache, dass man in "Die Pagode zum fünften Schrecken" eine geballte Ladung an tatkräftigen und besonders attraktiven Schauspielerinnen geboten bekommt sozusagen eine Crème de la Crème. Neben Maria Perschy wird das Ganze weiterhin handfest von den zeitgenössischen Schönheiten Margaret Lee und Maria Rohm unterstützt, und trotz genauerer Betrachtung kann eigentlich nicht herausgefiltert werden, dass irgend eine der Rollen einer der anderen untergeordnet wäre. Insgesamt bleibt zu sagen, dass es sich hier um eine von Maria Perschys wohl produktivsten Rollen dieser Zeit handelt, bei der es Spaß macht, sie vor dieser beeindruckenden Kulisse begleiten zu können.

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● MARIA PERSCHY als JOAN SMITH in
KOMMISSAR X - JAGD AUF UNBEKANNT (D|I|1966)



Die langjährige "Kommissar X"- Reihe präsentierte den Zuschauern einige attraktive Damen aus der ersten oder auch zweiten Reihe, und mit Maria Perschy war nicht nur eine verlässliche Darstellerin für die weibliche Hauptrolle dieser Premiere gefunden, sondern auch gleichzeitig eines der interessantesten "Kommissar X"- Girls. Maria Perschy überrascht in "Jagd auf Unbekannt" zunächst mit einer auffälligen optischen Wandlungsfähigkeit. So sieht man die aparte Österreicherin sowohl in eleganten, bizarren, als auch in sexy Outfits, mit verschiedenfarbigen Perücken und dem Empfinden nach vollkommen wechselhaften Verhaltensweisen, die man immer wieder in Etappen angeboten bekommt und die in dieser hohen Konzentration eher unüblich für sie waren. Joan Smith personifiziert hier die buchstäbliche Verführung, gleichzeitig gefällt sie sich aber auch darin, Zweifel aufkommen zu lassen. Ist sie ein Ganovenliebchen, das nur auf die Hüter des Gesetzes angesetzt wurde, um diese unschädlich zu machen? Verfolgt sie persönliche Absichten und sucht dabei Opfer für ihr doppeltes Spiel, wird sie die eigens provozierten Gefahren unbeschadet überstehen können, oder verbirgt sie doch einen guten Kern? Dies sind die üblichen Fragen, die man sich bei vielen KX-Mädchen stellen durfte, und es bleibt abzuwarten, welche Launen des Schicksals den Film durchziehen werden. Trotz des zu dieser Zeit bereits vorhandenen Star-Bonus, wirkt Perschys Rolle mit eigentlich eher unauffälligem Umfang komplett untergeordnet. Die weibliche Hauptrolle dient schließlich als offizieller Hingucker, was im Sinne der Geschichte auch vollkommen beabsichtigt ist, und damit ausreicht. Naturgemäß fehlen dabei die Möglichkeiten, eine solche Rolle großartig auszubauen oder bedeutsam zu prägen, allerdings betrachtet man diese Strategie mit voller Nachsicht, da die Hauptpersonen andere Namen tragen und das uneingeschränkte Identifikationspotential mitbringen.

Maria Perschy ist deutlich anzusehen, dass sie ein Vollprofi war, denn sie geht in der Rolle sehr gut auf und passt sich den vorhandenen Rahmenbedingungen sehr flexibel und glaubhaft an. Die Kamera bietet zunächst immer wieder genügend Raum, um Maria Perschy als die außergewöhnlich schöne Erscheinung hervorzuheben und dabei kommt es zu einem angenehmen zur Schau stellen ihrer offensichtlichen Vorzüge. Maria Perschy wirkt hier dem Empfinden nach gelöster als sonst, was teilweise auch an der bestehenden Oberflächlichkeit des Verlaufs liegen mag, jedoch wirkt es hier wirklich originell, wie sie sich von nahezu allen Beteiligten dienstbar machen lässt. Auch Joan Smith wird also Teil eines sehr hohen Unterhaltungswertes und das hochinteressierte Publikum bekommt die Möglichkeit geboten, sie zu bewundern, an ihr zu zweifeln, mit ihr zu zittern und sie mit voller Begeisterung zu begleiten. In "Jagd auf Unbekannt" gibt Maria Perschy ihrem Auftritt eine im Grunde genommen vielleicht nicht gerade unbekannte, aber durchaus seltene Färbung mit auf den nicht ungefährlichen Weg. Es scheint, als sehe man hin und wieder etwas mehr Temperament als sonst, doch dies geschieht alles im Rahmen der sehr beeindruckenden Strukturierung ihrer Rollen. Auffällig dabei ist wieder einmal ihre übliche Gestik und Mimik, bei der Gesichtszüge wahrzunehmen sind, die eine Frau transparent machen, die sich stets im Griff zu haben scheint. Leichtere Kostproben von Impulsivität und Angriffslust lassen ein rundes Gesamtbild entstehen, sodass es bei dem Eindruck bleibt, dass Maria Perschy für weitere weibliche Rollen der Reihe eine Stilrichtung mitgeben konnte, daher als eines der überzeugendsten "Kommissar X"- Mädchen in die Historie dieser Serie eingeht. In diesem ersten Film gibt es allerdings auch weit und breit keine wirkliche weibliche Konkurrenz für sie, was eigentlich schade ist, denn ein paar Reibungsflächen in diese Richtung wären sicherlich gut angekommen.

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● MARIA PERSCHY als EILEEN in
SERGEANT BERRY | ... UND DIE MEXIKANISCHE NACHT (D|1974)



Maria Perschys Auftritt in dieser neunten Episode aus der Reihe "Sergeant Berry" stellt eine Art Ausreißmanöver aus den damaligen Drehgewohnheiten der beliebten Österreicherin dar, da sie längst auf dem internationalen Markt etabliert und zum gefragten Star in Spanien aufgestiegen war. So drehte sie in einem Zeitraum von etwa sieben Jahren beinahe 20 Filme unter spanischer Flagge, oder zumindest unter dieser Beteiligung, sodass ihr Ausflug in eine deutsche Vorabendserie fast schon exotisch wirkt. Es wurde hier allerdings aus Kostengründen auch überwiegend in Spanien gedreht. Zwischen Horror-Reißern wie "Die Stunde der grausamen Leichen" und "Das Geisterschiff der reitenden Leichen" entstand also "Die mexikanische Nacht", und man stellt sich tatsächlich die Frage, welcher dieser Beiträge im Endeffekt das größere Schreckensstückchen darstellt. Über die Qualität von Harald Philipps TV-Serie lässt sich möglicherweise aus Nostalgiegründen streiten und man kann ihr zugute halten, dass sie stets mit beliebten Darstellern ausstaffiert wurde, was viele Mängel weniger schwerwiegend aussehen lässt. Folge 9 stellt in Verbindung mit Maria Perschys Auftritt jedoch nur wenig Grund zur Freude dar, weil dieser Fall dramaturgisch und unterhaltungstechnisch vollkommen misslungen ist, und Perschy in einer Art und Weise ins offene Messer läuft, wie es vermutlich kaum ein zweites Mal der Fall war. Nicht nur, dass die Konstellation mit Klausjürgen Wussow in ihrer Unglaubwürdigkeit geradezu fatal wirkt, nein, sie hat im Rahmen der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten absolut keine Chance, zu retten was nicht mehr zu retten ist. So wird man gelangweilter Zeuge einer bis dato völlig unbekannten Ziellosigkeit, bei der die offensichtliche Unterforderung für den Eindruck sorgt, dass Maria Perschy erstaunlich lustlos agiert und völlig desinteressiert durch die Kulissen irrt.

Die Serie hat ohne jeden Zweifel bessere Episoden-Hauptrollen gesehen, daher wirkt der Einsatz von Perschy hier komplett verschenkt und letztlich auch falsch kalkuliert. Die Architektur der Figur Eileen geht in der ohnehin äußerst mageren Geschichte zu keinem Zeitpunkt auf, sie wirkt weder geheimnisvoll, noch bedrohlich. Dem Empfinden nach geht die gespielte Abneigung gegenüber Klausjürgen Wussow über den Willen des Drehbuchs hinaus, was zumindest für einige geistreiche Momente sorgen wird. Sicher ist es bei einer derartig locker-leichten Serie unangebracht, Unmögliches im Bereich der Charakterzeichnungen und Dramaturgie zu verlangen, aber der Sparmodus der Geschichte(n) wirkt episodenweise beinahe schon verärgernd. So bleibt es ein großes Rätsel, womit und mit wem man es hier eigentlich zu tun hat. Der Fall bekommt trotz anfänglicher Erklärungen nur schwammige und fadenscheinige Konturen und die Figur der Eileen bleibt unterm Strich belanglos. Dieser ohnehin ungünstige Eindruck wird durch eine unpassende Synchronstimme für Maria Perschy leider verschärft und man bekommt definitiv eine Geduldsprobe auferlegt. Wenigstens wirkt die zum damaligen Zeitpunkt Mitte 30jährige zumindest optisch wandlungsfähig genug, um für kleinere Momente zu sorgen, denn die Kamera zeigt sich nach wie vor interessiert an ihrer attraktiven Erscheinung und ihrem schönen Gesicht. Allerdings bleibt unterm Strich ein Auftritt, der sich hart an der Grenze des unteren Durchschnitts bewegt, weil hier zahlreiche ungünstige Voraussetzungen zuammengekommen sind, die Fans von Maria Perschy doch lieber zu interessanteren Alternativen greifen lassen sollten. Dem Vernehmen standen nur wenige Zuschauer diese "mexikanische Nacht" durch, weil sie einfach lange zuvor eingeschlafen waren. Im Maria Perschys Filmografie handelt es sich insgesamt um eine der schwächeren Leistungen und uninteressanteren Rollen der Schauspielerin.

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● MARIA PERSCHY als DR. INGRID KOCH in
DIE FOLTERKAMMER DES DR. FU MAN CHU (D|1969)



Die Tatsache, dass Dr. Fu Man Chu nach seinem vermeintlichen Ende jeweils wieder aus dem Nichts auftauchen konnte, garantierte dem interessierten Zuschauer stets ein baldiges Wiedersehen mit dem gefährlichen Superverbrecher und darüber hinaus weitere Auftritte beliebter Stars. In "Die Folterkammer des Dr. Fu Man Chu" kommt man unter der vergleichsweise unorthodoxen Inszenierung von Jess Franco in den Genuss mehrerer starker Frauenrollen, und in diesem erlesenen Kreis sieht man Maria Perschy zumindest einmal in der nominellen weiblichen Hauptrolle. Es bleibt gleich anzumerken, dass die Schauspielerin ganz offensichtlich nicht das von der Regie erwartete Potential mitgebracht hat, denn ihr Part wirkt im Vergleich zu denen von Tsai Chin und Rosalba Neri ausbaufähig. Ob Jess Franco die Österreicherin nicht richtig anzupacken, beziehungsweise zu inszenieren wusste, ob sie selbst für besondere Ideen des Spaniers nicht zur Verfügung stand, oder die Dramaturgie einfach nichts Wesentliches hergeben wollte, entscheidet sich im Auge des Betrachters. Fakt bleibt jedoch, dass das Zugpferd Maria Perschy dieses Rennen einfach nicht gewinnen kann, denn dafür bleibt ihr Auftritt zu unbedeutend und vergleichsweise zu stiefmütterlich ausbuchstabiert Die einfache Betrachtung dieser Rolle hinterlässt zunächst einen eher funktionellen Eindruck, denn sie ist großer Name, eye candy und Zahnrad für die Geschichte in einem. Auffallend schön und elegant gekleidet, bereichert sie das Geschehen, in welches sie erst ziemlich spät eingreift schon einmal ganz pauschal, aber wie erwähnt bleibt sie weit unter ihren natürlichen Möglichkeiten zurück. Der Film bietet nicht die großen Momente, die es in dieser Reihe schon in zahlreicher Form gegeben hat. Auch die Dialoge verhelfen dem Szenario in keine höheren Sphären, die Offiziere dieses Schachspiels fallen letztlich einer Heerschar von Bauern zum Opfer.

Die Publikumswirksamkeit, kurzweilige Phasen und nette Ideen bei der Inszenierung, lassen diesen Verlauf weniger durchschnittlich aussehen, als er eigentlich ist, doch für Maria Perschy gibt es hier zugunsten von Tsai Chin und insbesondere Rosalba Neri keine große Bühne. Da Großaufnahmen unter Jess Franco schon einmal eine Garantie darstellen, sieht man Ingrid immer wieder prominent im Vordergrund, auch wenn sich die Eindrücke auf ihre bloße Erscheinung reduzieren lassen. Maria Perschy zehrt von ihrer besonderen Präsenz und der Fähigkeit, viel aus eher widrigen Voraussetzungen herausschlagen zu können. Leider wird sie Teil der undankbaren Aufgabe, eine plumpe Liebesgeschichte kolportieren zu müssen, obendrein mit Partner Günther Stoll, der wie immer nicht gerade von Temperament strotzt und nicht recht zu ihr passen möchte. Diese weichspülenden Elemente sind und bleiben unglaubwürdig und für den Verlauf nicht gerade sehr förderlich. Perschy bereichert den Film mit Ausstrahlung und Attraktivität, zeigt aber bei Weitem keine Höchstleistungen. Interessant ist, dass man diese Rolle als eine der ersten Etappen ihrer spanisch beteiligten Schaffensperiode nennen kann, in der sie einige Jahre später zum Star avancieren sollte. Hier fristet sie lediglich ein Dasein in Grauzonen. Als Frau wirkt sie für das geschilderte Zeitfenster der Geschichte ungewöhnlich modern und bodenständig, im Rahmen des Produktionsjahres und im Wandel der Frauenrollen sieht man jedoch deutliche Rückschritte im Sinne des unbeholfen wirkenden, zu beschützenden Opfers, welches Anweisungen und Bevormundung gewöhnt zu sein scheint. Gerade dieser Komponenten wirken so konträr zu bestehenden Eindrücken von Maria Perschys Darbietungen, die selten auf einer solchen Basis aufgebaut wurden. Unterm Strich bleibt zu sagen, dass die Wiedersehensfreude wieder einmal groß ist, was man von der Anforderung unter Jess Franco allerdings nicht behaupten kann.

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● MARIA PERSCHY als URSULA in
FRAUEN, DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN (E|I|A|FL|1966)



Ein Siedlertreck ist auf der Reise in eine bessere Zukunft, die kurzen Vorstellungen der Personen verschiedener Nationalitäten schildern Hoffnung, Zuversicht und Aufbruchstimmung, bis dieser Eindruck von einem plötzlichen Überfall durch mordlustige Indianer überschattet wird. Hoffnungslos eingekreist von den Angreifern, stehen die Planwagen schnell wie in einem Pulverfass, sodass der Kampf ums Überleben für die meisten Beteiligten schnell aussichtslos wird. Eine von ihnen ist Ursula, geistreicherweise die Österreicherin unter ihnen, die mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn unterwegs ist. Die kurze Vorstellung durch Maria Perschy geschieht rasch und präzise, doch sie wird nur eine von sieben Frauen sein, die den Angriff überleben werden. Eine frühe Tragik macht sich bemerkbar, da das Gemetzel auch nicht vor Frauen und Kindern halt macht, was gleichzeitig bedeutet, dass Ursula alles verlieren wird. Es entstehen nahezu befremdliche Momente mit Maria Perschy, als sie ihr totes Kind im Arm und traumatisiert Zwiesprache mit ihm hält, nachdem einer der Soldaten den tödlichen Pfeil aus dem leblosen Körper hinaus gezogen hat und man in diesem Moment regelrecht mit ihr zusammenzuckt. Die zahlreichen Einsatzgebiete der Schauspielerin brachten folglich auch unterschiedlichste Anforderungen mit sich, und hier sieht man eine Leistung, die anfangs auf Sentimentalität und Tragik angelegt wurde, jedoch nicht richtig zünden mag, da Perschy die Rolle dem Empfinden nach zunächst nicht komplett annimmt und die Rahmenbedingungen, die der Film eigentlich transportiert, andere Richtungen einschlagen werden. Im späteren Verlauf relativiert sich dieser Eindruck und man sieht Temperament, einen starken Willen und Tatkraft, was jedoch auf alle der Frauen mehr oder weniger zutrifft. Soweit es neben dem Hauptaugenmerk Spektakel schließlich möglich ist, legt die Regie Wert auf das Aufzeigen charakterlicher Unterschiede, wenngleich hier Untertöne des Humors oftmals nicht förderlich wirken.

Im Rahmen der weiblichen Hauptrollen, beziehungsweise der Zugpferde dieser Produktion, teilt sich Maria Perschy eine Doppelspitze mit der Amerikanerin Anne Baxter, der eigentlichen Instanz, die hier die überlebenswichtigen Entscheidungen treffen muss. Im Sinne der schauspielerischen Darbietungen bewegen sich alle Frauen auf nahezu gleichem Niveau respektive auf Augenhöhe, und der Verlauf lässt es sich nicht nehmen, seine weiteren Schocks über die erschöpften Protagonistinnen zu setzen. Maria Perschys Ursula wird von Drehbuch und Kamera vergleichsweise nicht übermäßig hofiert, lediglich Anne Baxter bekommt einen sichtlichen Star-Bonus eingeräumt, was aber keineswegs störend wirkt, da genügend Raum für den Aufbau anderer Identifikationsfiguren gelassen wird. Bei Ursula handelt es sich unterm Strich um einen recht interessanten, weil greifbaren oder transparenten Charakter, da sie trotz großer Verzweiflung, Resignation und Traumatisierung weiter kämpft. Überhaupt entwickelt sich unter den Frauen eine sehr starke Solidarität und Dynamik, was den kompletten, von zahlreichen Reibungsflächen und Schockmomenten geprägten Verlauf angenehm färben wird. Hin und wieder lässt sich erahnen, in welchem Gemütszustand sich Ursula tatsächlich befindet, was anhand einiger ihrer doch eindeutigen Kommentare heraus zu hören ist, beispielsweise wenn sie am liebsten unerbittlich mit einem gefangen genommenen Indianer abrechnen würde. Im Gegenzug dazu sieht man jedoch auch die Vorsicht der Regie, den Bogen für den Zuschauer nicht komplett zu überspannen, indem weitere Schocks mit dem Holzhammer präsentiert werden. So bleiben es auch in dieser Ausnahmesituation die Tugenden, die Oberhand gewinnen werden und dem Film insgesamt einen seichten Beigeschmack mit auf den gefährlichen Weg geben werden. Was Maria Perschy angeht, so behält man jedenfalls eine ansprechende Rolle in Erinnerung, die einen guten Mittelweg zwischen Anforderung und feinen Nuancen offeriert.

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● MARIA PERSCHY als FRAU VON EHRENTAL in
DITES-LE AVEC DES FLEURS (F|E|1974)



Maria Perschy stellte seit gut einem Jahrzehnt definitiv keine Unbekannte mehr auf internationalem Parkett dar und war vor allem in den 70er Jahren längst fulminant auf dem spanischen Filmmarkt angekommen. Hier lassen sich neben ihren vielen Auftritten im Horrorfilm-Bereich auch andere sehr interessante Beteiligungen ausfindig machen, wie jene in der französisch-spanischen Produktion "Dites-le avec des fleurs" von Pierre Grimblat. Perschys Auftrittsdauer beschränkt sich hier auf sehr wenige Einstellungen, die ausschließlich in schwarzweißen Rückblenden angelegt sind. Sie und ihr Partner Frédéric Mitterrand machen dem Zuschauer den unmittelbaren Einstieg nicht gerade leicht, da man sich in einer dunklen Zeit wiederfindet und mit dem Schlimmsten zu rechnen hat. Nebenbei erwähnt, ist es immer wieder sehr erfreulich, dass man trotz intensiver Suche und Auseinandersetzung mit der Darstellerin Maria Perschy solche vollkommen in Vergessenheit geratenen Filme und ihre damit verbundenen Rollen finden kann, von denen man nicht einmal wusste, dass sie überhaupt existieren. Das anfängliche Setting wirkt bedrohlich, ein Vater erschießt vorsorglich seine Kinder, damit sie der Gestapo nicht in die Hände fallen. Plötzlich steht eine verzweifelte Mutter in persona von Maria Perschy neben ihm, fleht ihn an die Türe zu öffnen, doch trotz der Geschehnisse ist nicht davon auszugehen, dass er zu weiteren Maßnahmen greifen wird. Die Kamera tastet Perschy überaus interessiert ab und lässt sich auf eine Nähe ein, die den Schock nur noch größer machen wird. Ihre Hände schützen ihren Bauch, die hochschwangere Frau wirft ihrem Mann fassungslose Blicke zu, man hört kurze Dialoge auf Deutsch und plötzlich drückt er erneut ab.

Maria Perschy sinkt zu Boden und der Zuschauer geht nach diesen zwei Minuten davon aus, dass sich ihr Auftritt hiermit erledigt haben dürfte, doch erfreulicherweise kommt es zu weiteren Rückblenden. Irritierend bei diesen eindringlich gestalteten Szenen ist nicht alleine die Tatsache, dass man es mit purer Verzweiflung und kalter Kalkulation aus dem Nichts zu tun bekommt, sondern dass das Wahrscheinliche nicht eintritt. Ein Mann tötet seine Familie und lässt dabei keinen anderen Schluss zu, dass er sich anschließend ebenfalls umbringen wird, doch dazu kommt es nicht, da ihm schlicht und einfach der Mut fehlt. Seine Flucht beobachtet man daher recht fassungslos, vorbei laufend an seiner Frau, die tot am Boden liegt, bis der Film in der verwirrenden Gegenwart ankommt. Diese Szenen hallen nach und sind kaum zu vergessen, doch im weiteren Verlauf legt sich die Erinnerung und genau ab diesem Zeitpunkt wird sie durch die Regie mit neuen, einschießenden Rückblenden wieder wach gehalten. Es sind Momentaufnahmen mit Spuren erotischer Spannung, gezeigt wird eine Frau die begehrenswert und kultiviert ist und unter normalen Umständen sicherlich eine der schönsten Erinnerungen darstellen würde, aber zuvor hat man ihr Schicksal mit ansehen müssen. Maria Perschys Leistung in diesem hervorragenden Film als bemerkenswert einzuschätzen fällt nicht schwer, wenngleich sie aufgrund der wenigen Szenen nicht wirklich viel zu tun hat, aber es geht um Ausstrahlung, Wirkung, Aura und Präsenz, die man ihr zweifellos bescheinigen kann. Diese Gast-Rolle in "Dites-le avec des fleurs" ist jedenfalls eine der ganz besonderen Entdeckungen in ihrer Filmografie und es ist schön, dass immer wieder neue, ungeahnte Facetten auftauchen.

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