EVA RENZI

Leinwandsternchen und verkannte Stars im Blickpunkt
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Prisma
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EVA RENZI

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EVA RENZI

[* 03 November 1944 | † 16. August 2005]


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Was fällt einem spontan ein, wenn man über die Schauspielerin Eva Renzi nachdenkt? Kommt einem ihre außergewöhnliche Schönheit in den Sinn, ihr nahezu erhaben wirkendes Wesen, die eigenwillige Art zu interpretieren, oder hat man die berüchtigte Revoluzzerin vor Augen, die oftmals mehr mit privaten Schlagzeilen für Aufsehen sorgte, als dass sie es mit ihrem filmischen Schaffen vermochte? Lässt man ihre Karriere Revue passieren, die sie selbst so kritisch, manchmal sogar zynisch beurteilte, oder schaut man etwas wehmütig auf eine Karriere, aus der eigentlich hätte mehr werden müssen? Eva Renzi wirft so oder so Fragen auf und fasziniert mich persönlich seit jeher immer und immer wieder aufs Neue. In Berlin wurde sie als Evelyn Hildegard Renziehausen geboren, ihr Vater war ein dänischer Mayonnaise-Fabrikant, die Mutter Französin. Die Scheidung der Eltern erfolgte als das Kind drei Jahre alt war, was zur Folge hatte, dass sie in Internaten und Klosterschulen aufwachsen musste. Ihren filmischen Werdegang ebnete sie mit Arbeiten als Telefonistin, Hostess, Platzanweiserin und Model, bis sie schließlich parallel Schauspielunterricht bei Else Bongers nahm und später zu ihrem ersten Theater-Engagement an der Freien Volksbühne in Berlin kam, damals im Alter von zwanzig Jahren. Für den Film wurde sie 1965 von Will Tremper entdeckt, der auch den Künstlernamen Eva Renzi erfunden haben soll, und sie wurde passgenau mit der Hauptrolle in dessen Film "Playgirl - Berlin ist eine Sünde wert" besetzt, der ihr Image wie kein anderer Beitrag prägte und nach welchem sie fortan als »Mischung aus Julie Christie und Ingrid Bergman« gefeiert wurde. Von nun an nahm Eva Renzis Karriere schlagartig an Fahrt auf, sodass sie schnell den Sprung in internationale Produktionen schaffte, bis sie nahtlos an Hollywood anknüpfen konnte. Der große Durchbruch blieb global gesehen allerdings leider aus.

Im Jahr 1967 heiratete sie ihren 27 Jahre älteren Schweizer Schauspiel-Kollegen Paul Hubschmid, der Eva Renzis 1964 geborene Tochter Anouschka adoptierte, die ebenfalls Schauspielerin ist. Die Ehe mit Hubschmid wurde im Jahr 1980 wieder geschieden. Von Beginn an erfuhr die Interpretin ein immenses Medieninteresse, welches sie oft suchte und schlussendlich auch bediente. 1973 absolvierte sie beispielsweise eine einjährige Indienreise, und als sie ihre Erfahrungsberichte bei der Bhagwan-Sekte Ende der 70er-Jahre veröffentlichte, dabei schwere Vorwürfe und Anschuldigungen erhob, sich anschließend sogar weitgehend aus dem Beruf zurückzog, sorgte sie für großes Aufsehen. Bei den Bad Hersfelder Festspielen im Jahr 1983 provozierte sie einen Eklat, als sie den Schirmherren und damaligen Bundespräsidenten Carstens öffentlich beleidigt haben soll. In Interviews kristallisierte sich nicht selten heraus, dass sich Renzi selbst als Medienopfer angesehen hat, was vermutlich auch ihre unbändige Gegenwehr und unangepasste Reaktionen provozierte. Dies alles hört sich im Endeffekt nach einer sehr turbulenten Karriere an, die es allem Anschein nach auch gewesen sein muss, doch leider sind ihre Auftritte in Film und Fernsehen vergleichsweise rar gesät, da dem Anschein nach andere Prioritäten gesetzt wurden. Betrachtet man Eva Renzis Wesen, so sollte vielleicht nicht voreilig davon gesprochen werden, dass ziemlich viel in diesem filmischen Werdegang verschenkt wurde. Eher sollte reflektiert werden, dass die Rahmenbedingungen meistens nicht gestimmt haben und sie definitiv ihren eigenen Lebensplan hatte, der oft nicht mit (gesellschaftlichen) Konventionen unter einen Hut zu bringen war. Ein Angebot bei "James Bond" schlug sie dem Vernehmen nach ohne groß zu zögern aus, und auch über tatsächliche Partizipationen gab es von ihr selbst äußerst kritische, teils abwertende Stimmen. Es bleiben glücklicherweise ihre Auftritte in Film- und Fernsehproduktionen, an die man sich gerne erinnert, da Eva Renzis Kompetenzen stets beeindruckend und erfrischend sind.

Das erste bewusste Wahrnehmen von Eva Renzi erfolgte bei mir in Dario Argentos "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe", eine Kreation, die gleich im ersten Moment eine kleine Sensation darstellte. Dies ist nicht nur auf den Aufbau dieser packenden Schlüsselrolle bezogen, sondern vor allem auf das überaus faszinierende Gesamtbild und die damit verbundene, beinahe magischen Aura. Die hochgewachsene, oftmals zaghaft agierende und nahezu traurig wirkende Berlinerin hat sich dem Empfinden nach stets dagegen aufgelehnt, in Rollen-Schubladen zu verschwinden, wenngleich diese Tendenz doch zu Beginn ihres Schaffens geebnet wurde. Gefragt auf internationalem Parkett und manchmal berüchtigt auf nationaler Ebene, scheute sie sich im letzten Drittel ihrer Karriere nicht, zurück zu den Wurzeln zu kehren. Starke, moderne, unkonventionelle und selbstbewusste Frauen sollten ihre Domäne werden und es lassen sich häufig etwas oppositionelle Tendenzen in ihrer Art herausfiltern. Die Sprache ihrer tiefen Augen kann als inoffizielles Markenzeichen empfunden werden, genau wie die Färbung ihrer unverwechselbaren, sanften und immer reifer werdenden Stimme. Es sollten noch einige Filme und TV-Auftritte mit ihr folgen, und grundsätzlich lässt sich sagen, dass Eva Renzi immer auf gleich hohem Niveau interpretieren konnte, egal ob die jeweilige Produktion hochwertig oder belanglos war. So blickt man auf eine Frau mit Verve, die sich nie nur auf ihrer Schönheit ausruhen wollte, sondern das Publikum auf anderen, vielleicht sogar höheren Ebenen erreichen wollte. Eva Renzi wirkt als Schauspielerin und als Frau unberechenbar, manchmal vielleicht sogar bestimmend. Ihr Temperament fand oft einen ambivalenten Einsatz, um in vermeintlich sicheren oder unscheinbaren Momenten hochzukochen. Eva Renzi ist und bleibt eine der Ausnahmeerscheinungen und Lichtgestalten des internationalen und nationalen Kinos und behauptet ihren festen Platz im persönlichen Olymp der aufregendsten Schauspielerinnen, die mit spontanem Darbietungsstil und Intuition stets eine perfekte Mischung offeriert hat.

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Count Yorga
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Re: EVA RENZI

Beitrag von Count Yorga »

Mein erstes bewusstes Wahrnehmen von Eva Renzi stammt aus dem Jahr 1981, als im ZDF-Nachtprogramm der britische Krimi "Taste of Excitement" (1969) in der Reihe "Thriller" als "Die Zielscheibe" ausgestrahlt wurde.

Man kann nun nicht behaupten, dass der Film besonders spannend gewesen sei, doch hinterließ er doch genug Eindruck, um Eva Renzi mit diesem Streifen in Verbindung zu bringen.

Eine deutsche VÖ gibt es meines Wissens nicht, empfehlenswert ist dieser kleine Thriller allemal.

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:hut:

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Jokerfive
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Re: EVA RENZI

Beitrag von Jokerfive »

Da ich schon ein älteres Semester bin: meine erste Begegnung mit Eva Renzi fand 1971 statt. In dem Jahr wurde der Durbridge-Mehrteiler „Das Messer“ ausgestrahlt, wo sie eine Journalistin spielte. Ich kann mich auch noch wage erinnern, daß das Schauspielerpaar Renzi/Hubschmid zu der Zeit auch gelegentlich in der Klatschpresse bzw. in den gelben Society-Blättern zu sehen war.

Wirklich bewußt wahrgenommen habe ich sie aber erst, als ich Filme wie „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ oder „Playgirl“ gesehen hatte.
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Prisma
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Re: EVA RENZI

Beitrag von Prisma »

Interessant, dass ihr euch auch noch daran erinnern könnt. Bei mir ist es so, dass ich in dieser Beziehung tatsächlich ein kleines Elefantengedächtnis habe, sodass selbst die Tage der Sichtungen und manche Eindrücke wie ein Foto abgespeichert sind, das ich mir immer wieder anschauen kann, auch wenn die Farben mit den Jahren verblassen. Im Anfangstext hatte ich extra über das bewusste Wahrnehmen gesprochen, da ich Eva Renzi Ende der 80er Jahre schon in "Das Erbe der Guldenburgs" gesehen hatte, doch da erinnerte ich mich nur noch an eine gesonderte Namensnennung im Abspann und vage an die wenig publikumsfreundliche Anlegung der Rolle. "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" müsste ich Mitte der 90er zu ersten Mal gesehen haben. Tagestrip nach Köln, die Toppic-VHS gekauft und ihn am gleichen Abend gierig verschlungen. Ich war nicht nur von dem Film schwer begeistert, sondern auch von Eva Renzis Darbietung, obwohl diese recht kurz ausgefallen ist, aber dennoch sehr intensiv wirkt. Dann folgte das, was ich auch heute noch mache: alles Verfügbare mit der jeweiligen Person besorgen, anschauen und den Grundstein legen, um an ein Gesamtbild zu kommen. Damals war es natürlich noch ein bisschen schwieriger, an geeignetes Material zu kommen, aber es waren mal gut 5-6 Filme, von denen aber nicht jeder besonders war.

Count Yorga hat geschrieben:
Sa., 28.11.2020 15:54
Mein erstes bewusstes Wahrnehmen von Eva Renzi stammt aus dem Jahr 1981, als im ZDF-Nachtprogramm der britische Krimi "Taste of Excitement" (1969) in der Reihe "Thriller" als "Die Zielscheibe" ausgestrahlt wurde.

Der Film hatte ja keinen Kinostart in Deutschland und kam auch nicht auf VHS raus. So viel ich weiß, hat das ZDF eine Synchronisation anfertigen lassen. Ich mag "Taste of Excitement" sehr gerne, auch wenn er sich wie Du schon sagst in einem ruhigerem Fahrwasser befindet, aber natürlich würde ich ihn einmal gerne als "Die Zielscheibe" sehen. Ich gehe nämlich einfach davon aus, dass die Synchro ganz gelungen ist, wie es zu dieser Zeit ja oft der Fall war. Insgesamt verfügt der Film über eine sehr schöne Bildgestaltung und imposante Sets, rasante Strecken und undurchsichtige Charaktere. Ja, und Eva Renzi sieht in der Hauptrolle wirklich umwerfend aus!

Jokerfive hat geschrieben:
Sa., 28.11.2020 16:17
In dem Jahr wurde der Durbridge-Mehrteiler „Das Messer“ ausgestrahlt

Ich sehe ja die meisten Durbridge-Verfilmungen ziemlich gerne und zwischendurch immer mal wieder, doch bei "Das Messer" handelt es sich definitiv um meinen Lieblingsbeitrag, was sicherlich auch ohne Eva Renzi so wäre, obwohl ich den auch nicht häufiger sehe als beispielsweise "Das Halstuch" oder "Wie ein Blitz". Rolf von Sydow hat den Stoff rasant und zeitgemäßer inszeniert, au0erdem ist der Dreiteiler hervorragend besetzt. Ich finde Eva Renzi und Hardy Krüger passen auch ganz gut zusammen. "Playgirl" habe ich vergleichsweise leider erst spät gesehen, finde ihn vor allem beim Thema (Selbst-)Inszenierung von Eva Renzi wirklich beeindruckend, obwohl die Geschichte ihre paar Aussetzer hat, insbesondere zum Ende hin.

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Prisma
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Re: EVA RENZI

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● EVA RENZI als PATRICIA in
● DIE ZEIT DER KIRSCHEN IST VORBEI (D|F|1967)



In "Die Zeit der Kirschen ist vorbei" kann Eva Renzi in ihrem erst dritten Kinofilm bestaunt werden, und erneut ist ihre auffällig strahlende Schönheit und unverwechselbare Ausstrahlung zu nennen, die in jeder erdenklichen Hinsicht instrumentalisiert wird. Eine notwendige Grundvoraussetzung für das Funktionieren dieser intelligenten Konstruktion. Wieder sieht man die Berlinerin nicht nur in ihrem Element, sondern vor allem als personifizierten Prototypen der Frau. Sie stellt alles en detail dar, was das Thema Vereinnahmung herzugeben weiß. Im Grunde genommen wird man euphorischer Zeuge einer Neuauflage ihrer Rolle aus dem ein Jahr zuvor entstandenen Film "Playgirl", da sich etliche Parallelen zeigen. Erstaunlicherweise darf aber auch gesagt werden, dass sie ihre eigene Leistung aus diesem ultimativen Renzi-Film nicht nur Aufsehen erregend verfeinert, sondern ihn darüber hinaus spektakulär in die Tasche steckt. Zum ersten Aufeinandertreffen mit dem Fotomodell Pat kommt es in einer gut besuchten Diskothek. Sie tanzt auf der Spitze eines Vulkans, ist in tiefrotes Licht getaucht, was die ohnehin attraktive Frau nur noch mehr zum Epizentrum der Versuchung werden lässt. Die Augen des männlichen Protagonisten Alain verschmelzen in dieser Strecke verführerischer Bilder mit denen eines jeden Zuschauers. Wie gebannt schaut man auf dieses makellose Geschöpf, für das man sofort gerne 100 neue Komplimente erfinden möchte. Um sie herum entsteht eine Weite, da sie alles andere zur Nebensächlichkeit abqualifiziert, ganz resolut und selbstverständlich. Pat ist sich ihrer Wirkung bewusst, denn sie ist die Blicke, die Anfragen und das Rampenlicht gewöhnt. Ein immerwährendes Spiel verlangt seine hohen Einsätze, denn trotz empfundener Leichtfertigkeit und einer so auffallend unkomplizierten Attitüde, scheint der Gewinn prinzipiell in weiter Ferne zu sein. Zumindest für die meisten, da eine solche Frau das Selbstbewusstsein und Urteilsvermögen eines jeden Mannes naturgemäß erschüttern kann. Was bleibt, ist eine Performance, die Superlativen gleich kommt.

Oft konnte insbesondere bei Schauspielerinnen gesagt werden, das sie ihren Zenit mit einer ganz bestimmten Rolle überschritten hatten. Das gleiche kann im Fall Eva Renzi sicherlich auch gesagt werden, doch es ist der Zeitpunkt, der dabei eine ungewöhnliche, aber entscheidende Rolle spielt. Meistens lokalisiert an späteren Karriere-Zeitpunkten, lässt sich bei Eva Renzi sagen, dass es sich bereits zu Beginn ihres Schaffens abspielte, wofür Rollen wie die aus "Playgirl" und "Die Zeit der Kirschen ist vorbei" verantwortlich sind. Nach Pierre Granier-Deferres Film schaut man daher beinahe ungläubig auf eine Performance, die ohne jeden Zweifel als Ausnahme-Erscheinung klassifiziert werden darf. Recht herkömmliche Voraussetzungen umgeben diesen Auftritt, denn dem Empfinden nach hat man Frauen jener Einstellung und gleichen Agierens schon dutzendfach gesehen. Was macht diese Rolle aber im Endeffekt so außergewöhnlich? Es ist die alles durchdringende Aura, die kein Drehbuch erfinden kann. Zusätzlich ist es die betörende Ausstrahlung, die kein Regisseur kreieren kann, und in diesem Zusammenhang ist es selbstverständlich auch die auffällige Schönheit, die es zwar so oft gegeben hat, aber hier dennoch unter dem Nimbus eines Sonderfalls strahlt. Die ersten Szenen mit Eva Renzi sind einfach nur als atemberaubend zu bezeichnen und man nimmt sie mit vollem Genuss wahr. Eigenartigerweise ist gleichzeitig nicht um den immer wiederkehrenden Gedanken herumzukommen, was eigentlich passiert sein muss, dass diese Schauspielerin bei derartigen Voraussetzungen nicht zu einem der größten internationalen Stars aufgestiegen ist - natürlich auf mehrere Jahrzehnte gerechnet, was ihre eigene Aussage - entstanden während der Dreharbeiten zu diesem Film - untermauert: »Ich glaube an mich und daran, dass ich es schaffe. Ich will ein Star werden, der so berühmt ist, dass er sich seine Rollen aussuchen kann.« Eva Renzi wirkt nicht nur generell, sondern vor allem in dieser herrlichen Produktion wie ein Phänomen.

»Sie ist schon äußerlich ein ganz moderner, völlig internationaler Typ. Und da sie obendrein noch begabt ist, wird sie sehr gut ankommen!« So lautet die Einschätzung von Michel Cousin, des französischen Produzenten von "Die Zeit der Kirschen ist vorbei", die beinahe schon zu nüchtern klingt, um das zu beschreiben, was sich hier von Anfang bis Ende abspielt. Vielleicht könnte man von einer hypnotisierenden Performance sprechen, wenn man Pat auf der Tanzfläche sieht und sie alles um sich herum zu vergessen scheint. Die Vorstellung dieser Figur geschieht also nicht nur ganz klassisch, sondern in erster Linie schnell und präzise durch sie selbst, wenn sie dabei zu beobachten ist, wie sie sich mit Aktivitäten beschäftigt, die offensichtlich ihr Elixier darstellen. Vor einem Spiegel, der nebenbei erwähnt ihr ständiger Begleiter zu sein scheint, mustert sie sich kritisch aber auch vollkommen zufrieden, bearbeitet sich beispielsweise mit einer Wimpernzange, zupft permanent hier und da an sich herum, stellt rhetorische Fragen über ihr makelloses Aussehen, und trägt ihre ausgeprägte Eitelkeit ganz offen zur Schau; lässt es sich auch nicht nehmen ganz ungeniert mit ihrer Oberflächlichkeit zu kokettieren. So gesehen spielt die junge, lebenshungrige Frau mit vollkommen offenen Karten und wird sich ihre Hände, die - wie sie hier selbst erwähnt - doch immer so kalt seien, in Unschuld waschen. Pat steckt voller Impulsivität und Temperament. An ihrer Seite ist es schwer, diesem vorgelegten Tempo nachzukommen. Die ohnehin so aufmerksame Kamera kümmert sich dem Empfinden nach ganz exklusiv um Eva Renzi. Kein Detail darf verloren gehen, jede Einzelheit muss dokumentiert werden. Einfach nur wunderbar! Diese Rolle bringt zwei absolute Gewissheiten in Form eines zweischneidigen Schwertes zusammen: Einerseits ist klar, dass man global gesehen Zeuge ihrer vielleicht überragendsten Rollen überhaupt werden durfte, aber andererseits etabliert sich auf Eva Renzi bezogen vor allem die Gewissheit, dass danach ganz einfach nichts Besseres mehr kommen kann. Vielleicht sollte nach dieser traumhaften Vorstellung daher nur noch Rhett Butler zitiert werden: »Was für eine Frau!«

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Prisma
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Re: EVA RENZI

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● EVA RENZI als BEATE PETZOLD in
PETER STROHM | FREUNDE ZAHLEN NIE | Teil I (D|1991)



In ihrer Karriere bediente Eva Renzi den italienischen Film leider nur sporadisch in einer kurzen Phase ihres frühen Schaffens, wie etwa in "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" oder "Das Grauen kam aus dem Nebel", doch bietet diese Folge der Serie "Peter Strohm" zumindest ein italienisches Flair, wenn auch nur auf deutschem Boden. Mafiöse Schutzgelderpressungen und Drogenhandel führen den Ermittler schließlich in ein Etablissement namens "Désirée" und der erwartungsvolle Zuschauer staunt nicht schlecht, als er die Berlinerin erstmals zu Gesicht bekommt. Vieles läuft hier unter vollkommen konträren Voraussetzungen zu ihren bekannten Auftritten ab, denn Beate Petzold wirkt wie die halbseidene Chefin eines dubiosen Amüsierbetriebs und scheint ein alter Hase in der Branche zu sein. Obwohl ihre Erscheinung immer noch sehr ansehnlich ist, schimmert eine durch und durch ordinär gefärbte Aura durch, die Eva Renzi beim Zuschauer zwischen Sympathie und Sicherheitsabstand positioniert. Bemerkenswert ist zunächst vor allem der optische Auftritt; eine Veränderung, die man mit kritischem Auge wohl eher als Aufmachung identifizieren möchte, denn so hat man Eva Renzi in Film und Fernsehen bislang nie präsentiert bekommen. Umhüllt von Leder oder aufreizenden Ensembles, schreckt ihre blonde Kurzhaarperücke für einen kurzen Moment ab, bis man ihre bekannte, so familiär und reif gewordene Stimme vernimmt. Mit Strohm ist sie offensichtlich nicht nur per du, sondern auch häufiger intim gewesen, sodass sie das klassische Abziehbild einer jener Lebedamen darstellt, bei der sich die um Diskretion bemühte Kundschaft auch einmal hemmungslos ausheulen kann. Dass bei diesen Gelegenheiten auch Mitschnitte von Gesprächen angefertigt wurden und Tonbänder mit pikanter Konversation kursieren, wirkt ein wenig "Nitribitt"-like, doch Beate stellt in der einschlägig bekannten Szene lediglich einen kleinen Fisch dar. Dies zu ändern, scheint ihr immer wiederkehrender Plan zu sein, was zwangsläufig dazu führen muss, dass sie sich mit den falschen Leuten anlegt.

Beachtenswert ist, dass in Eva Renzis gesamter Karriere keine Rolle mit vergleichbarem Aufbau und Ende zu finden ist, zudem bediente sie vornehmlich die Rollen der aufbegehrenden Denkerinnen oder Persönlichkeiten mit doppeltem Boden. Auch wenn sie hier auf sich allein gestellt ist, da ihr Mann und Geschäftspartner bereits das Zeitliche gesegnet hat, sieht man sie dennoch in Abhängigkeitsverhältnissen, denn sie ist nicht nur auf Hilfe und Gunst angewiesen, sondern auch darauf, dass sie eine Art Daseinsberechtigung von einigen Personen im Hintergrund zugebilligt bekommt. Eva Renzi übernimmt in diesem ersten Teil der Doppelfolge einen überaus interessanten Part als Bindeglied für gewisse Handlungsstränge und darf innerhalb ihres bekannten Repertoires ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellen. Trotz der wirklich außergewöhnlichen und mutigen Darbietung kommt man generell nicht an dem mit Eva Renzi so tief verwurzelten Eindruck vorbei, dass sie zeitlebens gegen derartige (Rollen-)Schablonen rebellierte und ihnen demnach kaum zur Verfügung stand. Doch Film und TV kommen nicht ohne pragmatische Gesetzmäßigkeiten aus, was letztlich auch deutliche Vorteile mit sich bringt, wie beispielsweise hier zu sehen ist. Eva Renzi stellt erneut ihr breit gefächertes Repertoire unter Beweis und versetzt sich im besonderen Maß in jede erdenkliche Rolle. Das Zeichnen von Beate Petzold ist in einer Phase immer spärlicher gewordener Angebote somit vielleicht als einziger Ausflug auf gemiedenes Terrain zu bewerten, der der Berlinerin im Rahmen ihrer hohen Überzeugungskraft besonders gut stehen möchte. Hinzu kommt allerdings, dass dieser Eindruck nicht die größte Überraschung der Geschichte bleiben wird. Beate Petzold wird nicht nur in darstellerischer Hinsicht sehr gut ausformuliert, sondern ebenso durch Fremd-Charakterisierungen. Aufgrund der alten Verbindung zu Peter Strohm erfährt der Zuschauer, dass sie sich eigentlich etwas anderes vom Leben erwartet hatte.

Als junge Frau habe sie angefangen, Jura zu studieren, und es handelt sich hierbei um eine Ironie des Schicksals, dass sie zum bitteren Ende auf der entgegengesetzten Seite wiederzufinden war. Weitere Stationen der Vita erzählen von erfolgreichen Tätigkeiten als Fotomodell, bis sie schließlich ihren Mann kennenlernte, der sie in ein bestimmtes Milieu einbetonierte. Zwar wirkt Beate Petzold gebildet und sehr gut situiert, wovon nicht zuletzt ihre Ensembles außerhalb der halbseidenen Bar oder ihr luxuriöser Mercedes-Sportwagen erzählen, allerdings muss ihr jedoch attestiert werden, dass sie insgesamt unter ihren Möglichkeiten geblieben ist. Die ersten Eindrücke im Lokal "Désirée" zeigen sie auf sicherem Terrain; allein ihre Körpersprache spricht Bände davon. Sicher und selbstbewusst schwebt sie durch die Räume und klassifiziert alte Kunden als gute Freunde. Im weiteren Verlauf zeigen sich aber auch seelische Abgründe, die Ziellosigkeit und Zerrüttung offenlegen. Als Zuschauer ahnt man daher ziemlich schnell, dass das Selbstbewusstsein, mit welchem Beate zu kokettieren pflegt, nur eine gut montierte Fassade ist, die irgendwann bröckeln muss, zumal sie sich mit Leuten außerhalb ihrer Kragenweite anlegt. Eva Renzis Spiellaune bereichert diese Episode der beliebten Serie enorm, und das nicht nur, weil sie in eine für sie ungewohnte Rolle schlüpfte. Die gelungensten Momente entstehen vor allem im Zusammenspiel mit Klaus Löwitsch, die wie Hund und Katze wirken, aber gezwungenermaßen eine Zusammenarbeit eingehen müssen. Auf Eva Renzi sollten nach "Freunde zahlen nie" nicht mehr allzu viele Rollen zukommen, was angesichts der lückenlosen Zeichnungen ihrer Charaktere sehr schade ist, denn insbesondere im Sektor diverser Serien wäre sie sicherlich als tatkräftiger Gast eine Bereicherung gewesen. Diese Rolle in "Peter Strohm" ist zudem vollkommen in Vergessenheit geraten, denn bisher listen viele Datenbanken ihre Mitarbeit erst gar nicht auf. Umso schöner ist es, Eva Renzi einmal von einer komplett anderen Seite erleben zu dürfen.

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Prisma
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● EVA RENZI als IRMGARD REISCH in
WALDHAUS - NUR DAS BESTE FÜR ANGELIKA (D|1987)



Im Rahmen der sporadischen Auftritte der 80er Jahre kann diese Episoden-Hauptrolle Eva Renzis als Startschuss für ein erfolgreiches TV-Comeback angesehen werden, insbesondere was gut frequentierte deutsche Serien betrifft. In diesem Zusammenhang zeigt sich erneut die erstaunliche Wandlungsfähigkeit der Interpretin, die in der vierten Folge der Serie "Waldhaus" für Furore innerhalb der eigentlich bestehenden Idylle sorgt. Engagiert als Nachhilfelehrerin für die Titelrolle der Episode, sieht man Eva Renzi wieder einmal von ihrer oppositionellen Seite, hier eindeutig entgegengesetzt zu bestehenden gesellschaftlichen Konventionen und dem vielleicht immer noch amtierenden Frauenbild. Ihre erste Szene kann bezeichnend für den weiteren Verlauf angesehen werden, denn sie beherrscht das Szenario nach Belieben durch ihre immer noch vereinnahmende Präsenz. Vor dem Hotel fährt sie auf einem Motorrad vor, kleidet und verhält sich kaum damenhaft, doch es stellt sich schnell heraus, dass die durchaus gebildete Frau eine Freundin des Hauses, beziehungsweise der Besitzerin ist. Ihr Leben gestaltet sich von der Hand in den Mund, lediglich wenn Ebbe im Portemonnaie herrscht, ist solide Arbeit angesagt. Ihre Abschürfungen, Prellungen und der Gips an der Hand charakterisieren ihre Risikofreudigkeit. Hinzu kommt eine ihrem Wesen entsprechende Freizügigkeit und ein vollkommen unkomplizierter Umgang mit Menschen ihres Umfeldes, dem sie sich sofort als gute Vertraute und verlässliche Zuhörerin anbietet, bei Männern mitunter sogar als Affäre.

Doch kann sie den Problemfall Angelika mit ihrer Art einfach so knacken? Für die Beobachter erscheint es zumindest sehr fraglich, denn schließlich gleicht ihr Laissez-faire-Stil dem der Schülerin, die absolut keine Lust mehr auf Schule verspürt und sich dementsprechend renitent präsentiert. Die Nachhilfelehrerin für Mathematik, Irmgard Reisch, kann sich nur allzu gut in diese Lage versetzen, denn schließlich muss sie einst selbst Aussteigerin gewesen sein. Im Umgang mit Angelika und ihrer Mutter versucht sie zweigleisig zu fahren und jeder der Frauen zu entsprechen. Doch wie das Leben so spielt kann sie es nicht jedem recht machen. Eva Renzi umweht eine naturgemäße Cleverness, stellt dabei aber nicht das dar, was man landläufig als kultiviert identifizieren würde. Bereits nach einem Tag beschweren sich einige Hotelgäste über das Auftreten der unkonventionellen Dame, da sie es vorzieht, nackt am Badestrand in Erscheinung zu treten. Auch bei Tisch benutzt sie vorzugsweise die Hände als natürlich gegebenes Besteck und trinkt ihr Bier dabei genüsslich aus der Flasche. Als Gesprächspartnerin zeigt sie sich von ihrer unbändigen Seite und wird dabei nicht müde, Seitenhiebe in alle Himmelsrichtungen zu verteilen. Irmgard ist bis in die letzte Faser überzeugt von sich und teilt es ihrem jeweiligen Umfeld unverblümt, manchmal ungefragt mit, auch wenn als Ergebnis schon einmal Tränen fließen. Vor allem ihre Freundin Ilse, die mit der Führung des Hotels und ihrer schwierigen Tochter schon genug zu tun hat, bekommt ihre wenig diplomatische Gesprächsführung zu spüren.

Die mittlerweile völlig frustrierte Hotelchefin ist jedoch in der Lage zurückzufeuern und das in bissiger Art und Weise, falls sich Ventile öffnen: »...glaubst auf mich herab schauen zu können, weil du dich für frei und emanzipiert hältst?« Dabei handelt es sich um eine Aussage, die Eva Renzi möglicherweise auch persönlich getroffen hätte, schließlich wird ein vorgehaltener Spiegel mit Sprung präsentiert und Worte richten sich aggressiv gegen tiefste Überzeugungen, Lebenseinstellungen und spielen auf eine gewisse Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen Lebenseinstellungen an. Aufs Tableau kommen selbstverständlich noch weitere Vorwürfe bezüglich des losen Umgangs mit Männern und ihrer allgemeinen Aufmachung, sodass die Stimmung beinahe den Gefrierpunkt erreicht. Eva Renzi agiert hier erneut so, wie man sie hinlänglich kennt. Sie schlüpft in eine beliebige Rolle und lacht über die gesellschaftlichen Korsetts der anderen, dem Empfinden nach nicht ohne ihre ganz persönliche Einstellung kundzutun. Dementsprechend kann wieder einmal von einer dankbaren Rolle für die Berlinerin gesprochen werden, allerdings nicht in dem Sinn, dass es auf den präzisen Zuschnitt ankommt, sondern eher das Vereinen von Darstellerin und Person. Betrachtet man das letzte Drittel von Eva Renzis Karriere, bleibt nur zu betonen, dass sie eine ungemeine Bereicherungen für das Fernsehen darstellt, da sie ihre Rollen mit einer ganz selten vorkommenden Tatkraft ausstatten konnte, die über jedes Skript hinausgeht. Auch hier präsentiert sie sich als waschechte Querdenkerin und es ist eine Freude sie begleiten zu dürfen, da sie den frischen Wind repräsentiert, der viel häufiger in deutschen TV-Serien hätte wehen müssen.

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Re: EVA RENZI

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● PORTRAIT VON EVA RENZI AUS DER PRESSE-MAPPE DER CONSTANTIN-FILM
"EIN UNGEWÖHNLICHES MÄDCHEN" - DIE ZEIT DER KIRSCHEN IST VORBEI (D|F|1967)

»Mein Erfolg beruht darauf, dass ich nichts mache!«


Eva Renzi spielt jetzt in "Die Zeit der Kirschen ist vorbei". Sie ist ein ungewöhnliches Mädchen mit einer ungewöhnlichen Karriere: Als Eva Renzi, deren Namen vorher kein Mensch gehört hatte, von Will Tremper entdeckt wurde, erklärte sie mit verblüffendem Selbstbewusstsein: »Ich glaube an mich und daran, dass ich es schaffe. Ich will ein Star werden, der so berühmt ist, dass er sich seine Rollen aussuchen kann.« Im ersten Jahr schaffte sie davon bereits eine ganze Menge: "Playgirl" genügte ihr, um sich ins internationale Filmgeschäft zu katapultieren. Nachdem ihr James-Bond-Produzent Harry Saltzman (»Sie hat die moderne Originalität einer Julie Christie, dazu die klassische Schönheit und den inneren Glanz einer Ingrid Bergman«) eine Hauptrolle in "Finale in Berlin" sowie einen Fünfjahres-Vertrag geboten hatte, dreht sie jetzt ihren ersten Film in Frankreich, der in Coproduktion mit Horst Wendlandts Berliner Rialto-Film entstand: "Die Zeit der Kirschen ist vorbei". Pierre Granier-Deferre ("Paris im Monat August") inszenierte den Film nach dem französischen Bestseller "Le grand Dadais" von Bertrand Poirot-Delpech, der in Deutschland unter dem Titel des Films erscheint. Die Hauptrollen spielen Jacques Perrin ("Mord im Fahrpreis inbegriffen"), Eva Renzi, Harald Leipnitz, Danièle Gaubert und Yves Rénier. Es ist die bittersüße Geschichte des 20-jährigen Alain, der nicht fähig ist, mit den Entwicklungsproblemen fertig zu werden, die auf ihn zukommen. An der Seite des Fotomodells Patricia (Eva Renzi) genießt er zum ersten Mal das Glück körperlicher Liebe und verliert dafür den Kopf, seine Verlobte und am Ende sogar die Freiheit. »Ich glaube, dass mein Erfolg nur darauf beruht, dass ich nichts mache«, sagt Eva Renzi. »Wenn mein Typ und meine Art im Leben ankommen, müsste es auf der Leinwand genau so sein. Wenn man von mir verlangen würde, mich zu ändern, würde ich wohl meine ganze Ausstrahlung verlieren. Außerdem hätte ich überhaupt keinen Spaß mehr an der Arbeit.«

Michel Cousin, der französische Produzent des Films, sieht Eva so: »Sie ist schon äußerlich ein ganz moderner, völlig internationaler Typ. Und da sie obendrein noch begabt ist, wird sie sehr gut ankommen!« Obwohl man Eva in Frankreich noch gar nicht kennt, hatte sie ständig einen Schwarm Fotografen um sich. Sie weiß um den Wert solcher Publicity und macht bereitwillig mit. »Jeder hat schon mal irgendwo, irgendwie etwas von mir gehört. Und das macht sich überall bemerkbar.« Sie spürt es nicht zuletzt an den Angeboten. Man ist aufmerksam geworden auf die blonde Deutsche, in Amerika genauso wie in Europa. Aber sie sagt: »Schmarren, egal wo sie gedreht werden sollen, kommen für mich nicht in Frage. Ich filme nicht wegen des Geldes. Bei einem Mann ist das vielleicht etwas anderes. Ich tue es, weil es mir Spaß macht, um glücklich zu sein. Die meisten denken doch: Hauptsache, man ist drin im Geschäft. Natürlich – ich möchte auch drin bleiben. Aber ich mache keinen Mist dafür!« Eva Renzi betreibt diesen Beruf, für den sie sich entschieden hat, mit allen Idealen und Konsequenzen. Um dieser Ideale willen leistet sie es sich zum Beispiel auch, abzulehnen, wer und was ihr nicht passt. Weil sie keine »Bond-Mieze« sein wollte, sagte sie 'no', als sie mit Sean Connery "Man lebt nur zweimal" drehen sollte. Als Eva zwei neue Angebote aus Paris bekam, lehnte sie ab, weil ihr die Geschichten »zu simpel und zu blöd« erschienen. »Eigentlich war es schon eine Beleidigung, mir so etwas anzubieten«, meint sie und fügt lächelnd hinzu: »Ich bin halt im allgemeinen von mir, von meiner Wirkung sehr überzeugt.« Verkaufen will sich die 22-jährige Eva für diesen Job jedenfalls nicht. »Meine Unterhaltskosten für mich, meine kleine Tochter und das Kindermädchen kann ich jederzeit anders leicht verdienen. Als Hostess oder als Fotomodell - ich habe das ja lange genug getan. Deshalb werde ich die Dinge nie forcieren oder ihnen nachlaufen. Wenn ich morgen nicht mehr dieses viele schöne Geld verdienen würde, würde ich mein Leben trotzdem irgendwie glücklich hinzaubern. Dann würde ich mein Geltungsbedürfnis eben auf etwas anderes übertragen.«

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Re: EVA RENZI

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● EVA RENZI als JANE KERRELL in
DIE ZIELSCHEIBE (GB|US|1969)



Betrachtet man Eva Renzis kurzen Werdegang im Film, lässt sich bis zu "Die Zielscheibe ein sehr eindeutiges Rollenprofil erkennen, das nicht nur zielstrebig erkannt, sondern auch effektiv und vor allem international genutzt wurde. Die Interpretation ihrer Jane Kerrell stellt auf den ersten Blick jedoch eine neue Anforderung für sie und das Publikum dar, schließlich zieht man Vergleiche zu vorhergegangenen Produktionen, in denen sie abgesehen von ihren zwei Gastrollen starke, provokante, relevante und selbstbewusste Frauenfiguren darzustellen hatte, die von Anfang an ihre eigene Person und entsprechende Rollencharaktere angepasst waren und welche sie ineinander übergehen lassen konnte. Zumindest dem Empfinden nach, denn so wenig Geheimnis umweht Eva Renzi ja gerade auch wieder nicht. Janes Integration in den schnell auf Touren kommenden und richtungsweisenden Verlauf zeigt die Interpretin deutlich verändert, sowohl angesichts der Körpersprache als auch im optischen Bereich. Eindrücke eines unbeschwerten Urlaubsaufenthalts an der französischen Riviera werden schnell durch einen Mordanschlag zerstreut und in diesem Zusammenhang liefert die Deutsche relativ unbekannte Konturen, da sie ihre Angstzustände und Hektik offen zur Schau stellt, was schnell in Tendenzen einer Art Verfolgungswahn umschlägt. Optisch verändert und daher eher konservativ wirkend, sieht man zunächst eine Frau, deren Gebärdenspiel verhalten und nervös wirkt. Obwohl der Zuschauer unmittelbar miterleben musste, wie sie genötigt und bedroht wurde, ist es nicht immer ganz klar, in welcher mentalen Konstitution sie sich eigentlich befindet. Handelt es sich um einen ohnehin labilen Charakter oder ist es tatsächlich so, dass die Ereignisse sie vollkommen zerrütten? Im weiteren Verlauf werden sich Fragen um ihre Person klären, denn Jane ist ein Basisbestandteil der Story.

Wenn sich die Ereignisse überschlagen haben und Jane ihren neuen Wegbegleiter Paul kennengelernt hat, darf sich der Zuseher auf eine äußere Metamorphose einstellen, die auch plötzlich die Charakterzüge aufweist, die man bislang so gut wie immer von Eva Renzi gewöhnt war. Dies zeigt auf, dass vor allem der Film ungern auf weit verbreitete und bewährte Markenzeichen verzichtet. Trotz dieser Veränderungen bleibt Eva Renzi im Grunde genommen immer das Opfer der Geschichte, wenngleich sie auch damit beginnt, sich aktiv gegen die im Hintergrund agierenden Personen zu stellen. Im Sinne von geteiltem Leid, das tatsächlich in halbes Leid umschlagen wird, kann eine Art Detektivspiel für Beginner anfangen, das den Zuschauer eng umschließt. Als Jane Kerrell ihre optische Wandlung abgeschlossen hat und dabei ihre Attraktivität offensiv in den Mittelpunkt stellt, wird die bislang eher unscheinbar wirkende Dame sogar von ihrem Freund Paul übersehen. Was folgt, sind wahrhafte Strecken der Zuneigung bezüglich der Kamera, die ihre Affinität für diese schöne Frau beinahe hemmungslos dokumentiert. Interessant ist die Tatsache, dass Jane von vorne herein als eine Person integriert wird, die es eigentlich gewöhnt war, ihren Weg alleine zu gehen. Dementsprechend sind weit und breit keine anderen Interessenten für ihre Person zu sichten, zumindest nicht im amourösen Sinn. Wer Miss Kerrell kennenlernen möchte, muss sie sozusagen beinahe überfahren, damit sich ihre Aufmerksamkeit auf einen richtet. Diese Szene, in der sie hektisch über die Straße läuft, sich dabei völlig in einem Tunnel der Angst befindet und vor Pauls Wagen landet, ist gleichzusetzen mit ihrer Handhabe Männern gegenüber. Sie legt Wert auf einen deutlichen Sicherheitsabstand, der nur aufgeweicht werden kann, wenn zahlreiche Tugenden sie überzeugen können, oder einfach entscheidende Dinge passieren, die sich vom Herkömmlichen unterscheiden.

Jane sieht sich somit nicht als simple Beute an, die kapituliert oder leicht erlegt werden könnte, noch weniger als Zeitvertreib für Männer, denn sie hat offensichtlich einen anderen Lebensplan im Kopf. Ihre Silhouette wirkt zunächst unauffällig - daher beinahe auffällig zurückweisend - vor allem vor dieser herrlichen Filmkulisse, wo so gut wie jeder gar nicht zu wenig an haben kann. Es ist interessant und vollkommen logisch zugleich, dass sich Don Sharp Eva Renzis Wandlungsfähigkeit zunutze macht, zumal dem Empfinden nach insbesondere in ihren frühen Filmen immer ein Quäntchen an Potential liegen gelassen wurde. Es ist nicht nur die optische Komponente und die Kehrtwendung der agierenden Filmfigur, sondern vor allem die Tatsache, dass man Eva Renzi in "Taste of Excitement" in vollkommen gelenkten Bahnen sieht, ohne dass der Eindruck entsteht, als wäre sie an die Kette gelegt oder dass sie sich unwohl fühle. Da die immer bedrohlicher werdenden Ereignisse Jane nicht töten, machen sie sie hart. Dies ist natürlich im Sinn einer neu gewonnenen Stärke zu interpretieren, die die attraktive Frau selbstbewusster erscheinen und zielstrebiger agieren lässt. Der weitere Einsatz vernachlässigt nicht Renzis Funktion als Blickfang, hier selbstverständlich unter Berücksichtigung des Aufzeigens ihres anspruchsvollen Charakters. Wenn sich die Zusammenhänge erschließen und auch dem Zuschauer klar wird, warum jemand ein so nettes Mädchen von nebenan umbringen will, verfällt Jane nicht mehr in alte Muster - im Sinne eines Appells an den geweckten Schutzmechanismus des Mannes. Zwar wird es noch sehr brenzlig werden, doch eine neue Gefahr lauert im Hintergrund, vor allem für diejenigen, die Jane Kerrell maßlos unterschätzt haben. Im Ganzen handelt es sich also um eine von Eva Renzis schönsten Rollen des ersten und sehr produktiven Karrieredrittels, die den Facettenreichtum der Schauspielerin nicht nur andeutet, sondern ihn prominent präsentiert.

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