MANIA - Renato Polselli

Schwarze Handschuhe, undurchsichtige Typen, verführerische Damen und stylische Kills.
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Richie Pistilli
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MANIA - Renato Polselli

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Mania (IT)

IT 1974

R: Renato Polselli
D: Isarco Ravaioli, Eva Spadaro, Brad Euston, Mirella Rossi, Ivana Giordan und Max Dorian

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Italienische Kinopremiere: 25.08.1974

Italienische Wiederaufführung: 02.05.2007

(im Rahmen einer Renato Polselli Retrospektive)

Score: Umberto Cannone

Interview mit Renato Polselli

Italo-Cinema.de

OFDb


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"Wenn die dunklen Schatten der Nacht unsere Vision der Welt verdecken, erst dann wird der geheimnisvolle Abgrund des Unterbewusstseins die unkontrollierbaren Kräfte des Unbewussten entfesseln und niemand wird wissen, wo die Realität endet."


Nach dem Tod ihres Ehemannes Professor Dr. Brecht (Brad Euston) wird die junge Witwe Lisa (Eva Spadaro) immer häufiger von heftigen Wahnvorstellungen heimgesucht, da sie sich die alleinige Schuld am Tod des eigentümlichen Wissenschaftlers zuschreibt. Der ausschlaggebende Grund für das verfrühte Ableben Brechts war im lotterhaften Lebenswandel Lisas verhaftet, da diese den Professor mit dessen Bruder Germano (Brad Euston) eiskalt hinterging. Was folgte war ein brüderlicher Zwist, infolgedessen Professor Dr. Brecht in seinem privaten Kellerlabor tödlich verunglückte. Und als Lisa dann auch noch eines schönen Tages Opfer eines unausweichlichen Nervenzusammenbruchs wird, kehrt sie gemeinsam mit ihrer treuen Haushälterin Katia (Ivana Giordan) an den Ort des grausamen Geschehens zurück, um auf Anraten ihres Psychiaters Dr. Lous (Max Dorian) eine gnadenlose Konfrontationstherapie in der Villa ihres verstorbenen Mannes durchzuführen, in welcher aber auch weiterhin der mittlerweile im Rollstuhl sitzende Germano mit seiner Lustsklavin Erina (Mirella Rossi) residiert. Und bereits nach kürzester Zeit sieht und hört die geistesverwirrte Lisa in jeder Ecke des Hauses den Geist ihres verstorbenen Ehemanns, der ihr augenscheinlich aus dem Jenseits heraus nach dem Leben trachten möchte. Arme Lisa, denn mit fortschreitender Aufenthaltsdauer in der unheilvollen Villa scheint sie immer tiefer in den Wahnsinn abzudriften...




Bei MANIA handelt es sich um einen sagenumwobenen Horror-Giallo des wahnwitzigen Regiekünstlers Renato Polselli, der seit seiner Urauführung im August 1974 für mehr als dreißig Jahre lang als verschollen galt, denn erst im Jahre 2007 konnte in den weitläufigen Kellerarchiven der Cineteca Nazionale erstmals eine vorzeigbare 35mm Fassung wiederaufgefunden werden. Leider war es zu diesem Zeitpunkt für Polselli schon viel zu spät, da er bereits im Herbst des Vorjahres verstarb. Verschiedenen Interviews zufolge war der leidenschaftliche Filmemacher niemals in den Genuss seiner exzessiven Inszenierung gekommen, da MANIA im Jahre 1974 nicht nur zensurbedingt begrenzt in Umlauf gebracht wurde, sondern sich danach auch im Besitz des Hauptdarstellers Brad Euston befunden haben soll, welcher das gute Stück dann einfach nicht mehr herausrückte. Diversen Berichten zufolge soll sich Euston nicht nur seine Schauspielrolle(n) eingekauft, sondern damit einhergehend auch noch den Großteil der Produktionskosten übernommen haben.

Gemeinsam mit seinem angestammten Kameramann Ugo Brunelli und seinen beiden illustren Regieassistenten Bruno Vanni und Claudio Fragasso verhalf Polselli diesem cineastischen Irrsinn auf die Beine, der inhaltlich ein wenig seinem vorausgegangenen LUSTHAUS TEUFLISCHER BEGIERDEN ähnelt, denn auch in MANIA wird eine hysterische Hauptprotagonistin innerhalb einer bekannt wirkenden Villa gnadenlos in den Wahnsinn getrieben. Bei der besagten Villa handelt es sich in diesem Fall ausnahmsweise mal nicht um das Eigenheim des mitwirkenden Schauspielers Isarco Ravaioli, das dieser Polselli bereits für DAS LUSTHAUS TEUFLISCHER BEGIERDEN, RIVELAZIONI DI UNO PSICHIATRA SUL MONDO PERVERSO DEL SESSO sowie QUANDO L’AMORE E’ OSCENITA’ zur Verfügung stellte, sondern um die aus DAS GRAUEN KOMMT NACHTS bekannte Lyutak-Villa, in der neben MANIA auch teilweise BLACK MAGIC RITES (THE REINCARNATION OF ISABEL) abgedreht wurde. (die dazugehörigen Bildvergleiche folgen in den nächsten Tagen)


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Neben den grotesken Fantasien des wundersamen Regisseurs beinhaltet MANIA aber auch erstklassige Gothikmomente, die wiederum für eine sowohl bedrohliche als auch unheilvolle Stimmung sorgen. Und wie so oft bei den Filmen aus der sensationellen 'Ralph Brown-Phase' wird auch MANIA ausschließlich von exzentrischen Rollencharakteren dominiert, denen sowohl der endlose Schrecken als auch die nackte Panik in den permanent weit aufgerissenen Augen geschrieben steht.

Darüber hinaus gibt es natürlich auch noch weitere polsellitypischen Skurrilitäten zu bestaunen, wie beispielsweise ominöse Fußspuren, die mit schwarzer Farbe dick auf den Boden aufgetragen wurden und plötzlich nicht mehr da sind, geisterähnliche Erscheinungen des zombifizierten Professors, eine wurmdurchdrungene Leichenpuppe, welche in aller Ruhe dahinmumifiziert, ein fahrerloser Wagen, der wie aus dem Nichts erscheint, bizarre Geistererscheinungen, ein kuscheliges Kellerlabor, welches im feinsten 60er Jahre Sci-Fi-Chic erstrahlt, eine kuriose Schrottpresse, die augenscheinlich von dem perfiden Zwillingsbruder in mühsamer Kleinstarbeit zusammengeschustert wurde, feinmaschige Fangnetze, die urplötzlich von der Decke fallen, ein Haufen aalglatter Vipern, die unsere Hauptprotagonistin gnadenlos attackieren oder handelsübliche Telefone, die aus heiterem Himmel unter Strom stehen. Nur hinsichtlich der brownschen Sleazemomente scheint die aufgefundene 35mm Kopie ein paar Federn gelassen zu haben, da einige der expliziten Szenen augenscheinlich schon vor dem ursprünglichen Kinostart entfernt wurden. Indizien hierfür lassen sich in der Cinesex Ausgabe vom November 1973 finden, da zahlreiche der darin veröffentlichten Szenen (glasflaschengestützte Masturbation, ungezügelter Lesbianismus und wundersamer Sadismus) in der vorliegenden Fassung letztendlich nicht mehr enthalten sind.

Die Beteiligten Darsteller agieren hierbei mit einer gewohnt hohen Hingabe und Inbrunst, so dass sie der Leidenschaft des poetischen Filmemachers in fast nichts mehr nachstehen. An vorderster Front spielt sich eine völlig unbekannte Darstellerin namens Eva Spadaro in der Rolle der mental retardiert wirkenden Lisa um Kopf und Kragen, wobei dieser Auftritt ihr einziger Ausflug ins Schauspielgewerbe darstellte. Isarco Ravaioli darf dieses mal den ehemaligen Assistenten des verstorbenen Professors mimen, wobei sein darzustellender Rollencharakter Dr. Lailo einen Dickschädel hart wie Stahl zu haben scheint, denn einen Isarco Ravaioli setzt so schnell nichts außer Gefecht. Dann wäre da auch noch die aus CASA DELL'AMORE... LA POLIZIA INTERVIENE, RIVELAZIONI DI UNO PSICHIATRA SUL MONDO PERVERSO DEL SESSO und QUANDO L’AMORE E’ OSCENITA’ bekannte Darstellerin Mirella Rossi, welche im vorliegenden Fall die verstummte Assistenzkraft des Professors spielt. Dabei wird ihr das gleiche Schicksal zuteil, wie es einer Dame aus DAS GRAUEN KOMMT NACHTS (US FASSUNG!) widerfuhr, denn auch sie wird ein Opfer einer plastiktütengestützten Erstickungsattacke, infolgedessen sie nicht nur verstummt, sondern auch noch vollmundig eine gehörige Menge des kunstblutroten Lebenssafts lassen muss. Weiterhin wird die gequälte Seele von dem tobsüchtigen Hausherr Germano zu dessen persönlicher Foltermagd degradiert, die er dann nicht nur ständig mit seinem orthopädischen Hilfsmittel aufs Übelste malträtiert, sondern auch noch unter der Zuhilfenahme einer absonderlichen Folterzange sexuell missbraucht. Neben dem bereits zuvor erwähnten Brad Euston, der übrigens auch schon in QUANDO L’AMORE E’ OSCENITA’ mitwirkte, geben sich mit Ivana Giordan und Max Dorian noch zwei weitere Stammschauspieler Polsellis die Ehre, wobei sich die komplette Schauspielkarriere der Erstgenannten auf nur zwei Ralph Brown Filme beschränkt. Und da sich der Komponist Umberto Cannone neben MANIA auch für die musikalischen Untermalungen für RIVELAZIONI DI UNO PSICHIATRA SUL MONDO PERVERSO DEL SESSO und QUANDO L’AMORE E’ OSCENITA’ verantwortlich zeigte, kann auch dieser zum vertrauten Stammpersonals des einmaligen Filmemachers gezählt werden.

Fazit: Ein exzessiv psychotisches Filmerleben der höchsten Güteklasse, welches nicht nur berauscht, sondern den geneigten Filmliebhaber verschrobener Filmproduktionen auch noch durchwegs in Staunen versetzt. Wer aber solch wundersam bodensätzigen Kinoproduktionen schon grundsätzlich nicht viel abgewinnen kann, der sollte lieber gleich die Finger von dieser filmischen Wundertüte lassen, denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit überstrapaziert MANIA die 'gewöhnlichen' Sehgewohnheiten gehörig.


Eine etwas ausführlichere Filmbesprechung steht wie so oft auf Italo-Cinema.de zur Verfügung


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Trailer:



Spoilerhafte Filmzusammenfassung mit Bildauszügen aus der Cinesex Ausgabe 09/1974
(inkl. geschnittener Szenen)


Score:





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Polselli über MANIA (ab 6:10 Min.!)




(Beitrag aus dem alten Forum: 27.09.2017)

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Richie Pistilli
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Re: MANIA - Renato Polselli

Beitrag von Richie Pistilli »

Renato Polselli und seine Häuser:


Wie bereits im LUSTHAUS TEUFLISCHER BEGIERDEN aufgezeigt, nutzte Renato Polselli die Villa von Isarco Ravaioli alleine in drei seiner Filme als feste Lokalität (DAS LUSTHAUS TEUFLISCHER BEGIERDEN, QUANDO L’AMORE E’ OSCENITA’ und RIVELAZIONI DI UNO PSICHIATRA SUL MONDO PERVERSO DEL SESSO). Noch häufiger kam im Rahmen seiner Ralph Brown-Schaffensphase die Villa von 'Herbert und Marcia Lyutak' zum Einsatz, denn in dieser glorreichen Lokalität ließ er sogar vier seiner Filme spielen (DAS GRAUEN KOMMT NACHTS, MANIA, QUANDO L’AMORE E’ OSCENITA’ und RIVELAZIONI DI UNO PSICHIATRA SUL MONDO PERVERSO DEL SESSO). Leider konnte ich nicht herausfinden, wem die Lyutak-Villa letztendlich gehörte - vermutlich einem befreundeten Filmproduzenten (?)


Hierzu dann auch ein paar Beweisfotos, wobei der Fokus dieses Mal auf das Treppenhaus, das Mauerwerk, die unheilvolle Dachveranda, den kultverdächtigen Hyänenspiegel, das unverkennbare Gittertor, der legendäre Gewölbekeller (samt der markanten Treppen), die unvergessliche Luke, die verschnörkelte Gittertür (Zugang zum Haus), das Krankenhausbehandlungszimmer, die Außenaufnahmen von Villa und Innenhof, die hitzewallende Wandheizung hinter der weißen Zimmertür, Herberts und Marcias Ehebett, das rote Gästebett, den Wohnzimmerkamin und die Terassentüre gelegt werden sollte.

Und da mir bei Herrn Polselli noch weitere Gemeinsamkeiten aufgefallen sind, mache ich gleich mal eine mehrteilige Serie daraus:



Polsellihafte Ähnlichkeiten Teil 1: Die Villa von Herbert und Marcia (Lyutak-Villa):



DAS GRAUEN KOMMT NACHTS


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MANIA


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BLACK MAGIC RITES (THE REINCARNATION OF ISABEL)


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Richie Pistilli
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Re: MANIA - Renato Polselli

Beitrag von Richie Pistilli »

Bei den folgenden beiden Bildergalerien aus der Lyutak-Villa sollte das Augenmerk auf das Ehebett der Lyutaks, das rote Gästebett, den Hauseingang, das Krankenhausbehandlungszimmer, das Treppenhaus, den Wohnzimmerkamin, die berühmte Gewölbekellertreppe, die hitzewallende Wandheizung hinter der weißen Zimmertür und den buntgekleideten Stoffteddy gelegt werden:




QUANDO L’AMORE E’ OSCENITA’


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RIVELAZIONI DI UNO PSICHIATRA SUL MONDO PERVERSO DEL SESSO


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Außerdem kommen in RIVELAZIONI DI UNO PSICHIATRA SUL MONDO PERVERSO DEL SESSO zwei markante Möbelstücke zum Einsatz, die es dann wiederum in MANIA in nur einer Bildeinstellung zu bestaunen gibt: das schwarz-weiß gestreifte Bett und das Sekretär-ähnliche Holzschränkchen


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Richie Pistilli
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Re: MANIA - Renato Polselli

Beitrag von Richie Pistilli »

Polsellihafte Ähnlichkeiten Teil 2: blutungsförderndes Polyethylen



Wie bereits schon weiter oben beschrieben, kopierte Renato Polselli in MANIA den bereits aus DAS GRAUEN KOMMT NACHTS (US Fassung!) bekannten plastiktütengestützten Erstickungsversuch, und zwar fast 1:1 :!:


In beiden Fällen dient die handelsübliche Plastiktüte eines Blumenstraußes in keinster Weise zum Schutz der Pflanzen, sondern als zweckentfremdete Tatwaffe, die bei den weiblichen Opfern unerklärbare Blutungen hervorruft. Augenscheinlich fand es Polselli unheimlich schade, dass die besagte Szene in DAS GRAUEN KOMMT NACHTS ausschließlich in der US FASSUNG enthalten war und inszenierte sie daher für MANIA ein zweites Mal. Was Polselli zum Zeitpunkt der zweiten Inszenierung aber noch nicht wissen konnte, war das schwerwiegende Schicksal, das den Film nach seiner Fertigstellung ereilen sollte, denn gesehen haben dürften diese neuinszenierte Szene 'bis heute' wohl nur die wenigsten...




DAS GRAUEN KOMMT NACHTS (US Fassung)


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MANIA


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Abschließend noch ein kurzer Blick durch die sagenumwobene Luke, deren Standort in der Gartenanlage des Lyutak-Anwesens verortet ist:


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Richie Pistilli
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Re: MANIA - Renato Polselli

Beitrag von Richie Pistilli »

Polsellihafte Ähnlichkeiten Teil 3: Die Villa von Isarco Ravaioli (#)



Renato Polselli berichtete beispielsweise in einem Interview, dass die Villa aus dem 'LUSTHAUS TEUFLISCHER BEGIERDEN' eigentlich das damalige Eigenheim des Hauptdarstellers Isarco Ravaioli war und der überwiegende Teil des Drehbuchs erst vor Ort niedergeschrieben wurde. Sollte dies der Richtigkeit entsprechen, dann hätte Ravaioli insgesamt dreimal sein Eigenheim für Polselli-Filme zur Verfügung gestellt, denn wie man auf den folgenden Bildern sehen kann, handelt es sich sowohl beim LUSTHAUS als auch bei QUANDO L’AMORE E’ OSCENITA’ und RIVELAZIONI DI UNO PSICHIATRA SUL MONDO PERVERSO DEL SESSO jedes Mal um die ein und dieselbe Örtlichkeit!


Dass es sich hierbei um die gleiche Location handelt, kann anhand der vergitterten Fenster, dem Wandgemälde, den Kerzenständern, dem kleinen Wandspiegel und an der goldene Standuhr ersehen werden. Weiterhin zitiert Polselli sein LUSTHAUS in OSCENITA’, indem er Mirella Rossi in der gleichen Pose wie Rita Calderoni ein Jahr zuvor ablichtete. Und in RIVELAZIONI DI UNO PSICHIATRA... wird darüber hinaus auch noch ein kurzer Ausschnitt aus dem Fotoroman des LUSTHAUSES gezeigt:




DAS LUSTHAUS TEUFLISCHER BEGIERDEN:


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(QUANDO L’AMORE E’) OSCENITA’


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RIVELAZIONI DI UNO PSICHIATRA SUL MONDO PERVERSO DEL SESSO


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Richie Pistilli
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Re: MANIA - Renato Polselli

Beitrag von Richie Pistilli »

Polsellihafte Ähnlichkeiten Teil 4: Verschiedenes



BLACK MAGIC RITES wurde übrigens im gleichen Schloß wie SCARLETTO abgedreht, nämlich im legendären 'Castello Piccolomini' (Balsorano Vecchio - Provinz L’Aquila, Abruzzen). Die bekannte Touristenattraktion diente darüberhinaus auch als Drehort für beispielsweise 'Ein Toter hing am Glockenseil (1964)', 'A come Assassino (1966)', '7 donne d'oro contro due 07 (1966)', 'Lady Frankenstein (1971)', 'Schicke deinen Teufel in meine heiße Hölle (1973)' oder 'Malabimba (1979)'


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Wie die folgenden Bilder zeigen, griff Renato Polselli auch immer wieder gerne auf altbewährte Foltermethoden sowie stichhaltige Folterwerkzeuge zurück:


BLACK MAGIC RITES vs. CASA DELL'AMORE... LA POLIZIA INTERVIENE


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MANIA vs. BLACK MAGIC RITES


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BLACK MAGIC RITES vs. DAS GRAUEN KOMMT NACHTS


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IL MOSTRO DELL'OPERA


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Weiterhin scheint Herr Polselli eine Vorliebe für streifenfreipolierte Glasfensterscheiben zu besitzen, an denen sich dann Mirella Rossi -egal ob in einer Pressanlage stehend oder in einer Badewanne liegend- stets ihr hübsches Näschen platt drückt:


MANIA vs. QUANDO L’AMORE E’ OSCENITA’


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Und neben dem bis dahin noch gar nicht aufgezeigten Swimming-Pool werden zum Abschluss nochmals ein paar Bilder des Anwesens der Familie Lyutak und der Geschwister Brecht dargeboten:


BLACK MAGIC RITES vs. QUANDO L’AMORE E’ OSCENITA’


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Lyutak-Villa


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alan_cunningham
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Re: MANIA - Renato Polselli

Beitrag von alan_cunningham »

Sehr interessant! Danke ... Ich hoffe sehr, dass das Lusthaus teuflischer Begierden eines Tages auf Blu-ray erscheint :D

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Sid Vicious
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Re: MANIA - Renato Polselli

Beitrag von Sid Vicious »

Eine aufwendige und überaus interessante Arbeit.
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Richie Pistilli
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Re: MANIA - Renato Polselli

Beitrag von Richie Pistilli »

alan_cunningham hat geschrieben:
So., 08.11.2020 19:34
Sehr interessant! Danke ... Ich hoffe sehr, dass das Lusthaus teuflischer Begierden eines Tages auf Blu-ray erscheint :D

Das hoffe ich auch, wobei ein BD-Release von MANIA genauso wünschenswert wäre. Bin weiterhin glücklich darüber, beide Filme im Kino erlebt zu haben. Zwei unbeschreibliche Filmerlebnisse!


Sid Vicious hat geschrieben:
So., 08.11.2020 22:44
Eine aufwendige und überaus interessante Arbeit.

Glücklicherweise wurde der Aufwand bereits für das alte Forum betrieben ;)

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alan_cunningham
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Re: MANIA - Renato Polselli

Beitrag von alan_cunningham »

Mania natürlich auch! :) Ich habe gerade im Buch "Gelb wie die Nacht" von Christian Keßler über diese Filme gelesen - plus deine Reviews. Bisher kenne ich nur zwei Filme von Polselli, und die haben mir beide sehr gut gefallen, wenn man das so ausdrücken kann :D

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Richie Pistilli
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Re: MANIA - Renato Polselli

Beitrag von Richie Pistilli »

alan_cunningham hat geschrieben:
Mo., 09.11.2020 13:57
Ich habe gerade im Buch "Gelb wie die Nacht" von Christian Keßler über diese Filme gelesen

Muss gestehen, dass ich nach Erwerb des Buches gleich über die Beiträge zu den obskuren Gialloproduktionen geflogen bin (wozu dann beispielsweise auch MANIA und LUSTHAUS zählten), bevor es dann erst in aller Ruhe chronologisch von vorne los ging. :)
Zum lesenswerten Buch "Gelb wie die Nacht" schreibe ich demnächst an anderer Stelle noch etwas.


Zurück zu MANIA: Diese unfassbare Filmeskalation offenbarte sich auf der großen Leinwand als ein unbeschreiblicher Sinnesrausch, aus dem es für knapp 90 Minuten auch kein Entrinnen mehr gab. Die gezeigte Kopie der Cineteca Nazionale präsentierte sich zudem in einem erstklassigen Zustand, was wiederum bedeutete, dass das hypnotische Filmerleben dieses farbenprächtigen Irrsinns quasi einer Offenbarung gleich kam. Absolut fantastisch! Mein persönliches Highlight auf dem Terza Visione 2019!

Wow! Wow! Und nochmals Wow! :shock:


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alan_cunningham
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Re: MANIA - Renato Polselli

Beitrag von alan_cunningham »

Wow! Hätte ich auch gerne gesehen! :D Ich kenne nur Delirio Caldo und den Sexreport (italienische DVD) :shock:

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Mater_Videorum
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Re: MANIA - Renato Polselli

Beitrag von Mater_Videorum »

alan_cunningham hat geschrieben:
Mo., 09.11.2020 21:20
Wow! Hätte ich auch gerne gesehen! :D
Die Kopie war ein Träumchen, keine Frage. Aber die Aufführung ging leider -für mich und auch einige Andere- derb in die Hose, da im Saal so eine künstlich aufgeheiterte Stimmung herrschte, wo Teile des Publikums jede noch so kleine Unzulänglichkeit -und davon gibts bei Polselli bekanntlich nicht wenige- gnadenlos zerfeierten. Ich kam mir vor wie auf einem SchleFaZ-Festival, und das soll kein Kompliment sein! :x

Nur gut, dass der User Marco aus dem alten DP-Forum nicht anwesend war. Er hätte sich den Filmtitel in dieser Situation ganz bestimmt zu Herzen genommen und wäre Amok gelaufen. In diesem Fall hätte ich es allerdings nachvollziehen können!

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Sid Vicious
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Re: MANIA - Renato Polselli

Beitrag von Sid Vicious »

Es ist immer ein gravierender Unterschied, ob man mit einem oder über einen Film lacht. Als ich ZOMBIES GESCHÄNDETE FRAUEN im Düsseldorfer Filmmuseum geschaut habe, habe ich ähnlich Negatives (SchleFaZ ließ grüßen) durchlebt.
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Pa_Nik
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Re: MANIA - Renato Polselli

Beitrag von Pa_Nik »

alan_cunningham hat geschrieben:
Mo., 09.11.2020 21:20
Wow! Hätte ich auch gerne gesehen! :D Ich kenne nur Delirio Caldo und den Sexreport (italienische DVD) :shock:
Von Polsellis "Black Magic Rites" ("Riti, magie nere e segrete orge nel trecento") gibt es diverse Blu-ray-Auflagen, falls das für dich interessant sein sollte.

"Mania" ist einer meiner Most-wanted-Titel. Da muss doch was gehen.

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alan_cunningham
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Re: MANIA - Renato Polselli

Beitrag von alan_cunningham »

Danke für den Tipp! :)

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Richie Pistilli
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Re: MANIA - Renato Polselli

Beitrag von Richie Pistilli »

Entweder wurden damals in Italien spezielle Häuser wie am Fließband gebaut oder ein vermutlich filmschaffender Grund- und Bodenbesitzer bot eben ein genau solches als Drehkulisse für zahlreiche Filmproduktionen an, denn anders kann ich mir das ständige auftauchen der Lyutak-Villa in den letzten Wochen nicht erklären.




Alles begann mit dem Film A PUGNI NUDI, bei dem ich in einer kurzen Szene auf Anhieb den Eindruck hatte, dass in dieser die Hofeinfahrt der Lyutak-Villa gezeigt wird:


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Ok, wahrscheinlich handelte es sich dabei um einen Zufall, doch als ich mir wenige Tage später den Giallo LA PELLE SOTTO GLI ARTIGLI (THE SKIN UNDER THE CLAWS) von Alessandro Santini zu Gemüte führte, in dem Gordon Mitchell einen Chirurgen namens Professor Helmut verkörpert, tauchte das vermeintliche Plagiat der Lyutak-Villa plötzlich schon wieder auf. Zunächst war nur der in ein Restaurant umgewandelte Eingangsbereich zu sehen, bevor dann am Rande sowohl ein weißes Gestell eines Krankenhausbettes als auch ein ähnlich aussehender Behandlungsraum (> Fenster) im Bild erschien. Als dann auch noch die große Schrankwand, das Bücherregal, der verschnörkelte Wandspiegel sowie das markante Plüschtier gezeigt wurden, häuften sich die Zufälle etwas zu sehr:


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Als Nächstes stand der Film FERMI TUTTI! È UNA RAPINA auf dem Programm, der gleich mit einem Raubüberfall eröffnet wird. Doch als die Täter plötzlich flüchten, hasten diese in Windeseile über eine der Lyutak-Villa ähnlich aussehenden Gewölbekellertreppe, bevor sie diesen dann über den offiziellen Ausgang in Richtung Garten verlassen. Aufgrund der suboptimalen Bildqualität ging ich zunächst davon aus, dass es sich auch bei dieser Ähnlichkeit um einen reinen Zufall handelte. Doch als dann plötzlich das rote Bett, die Wandheizung hinter der Zimmertüre, der verschnörkelte Wandspiegel und der Eingangsbereich der Lyutak-Villa auftauchten, war ich einfach nur baff.


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Gestern schaute ich mir dann noch einmal MORD EXKLUSIV an, da der Beitrag von Sid ordentlich Laune auf den Film schürte. Zunächst dachte ich auch an nichts Böses, bis es plötzlich zur Villa von Onkel Fiffi ging. Zwar weckten gleich die ersten Innenaufnahmen des Wohnzimmers bei mir den Eindruck, dass es sich bei dieser Räumlichkeit schon wieder um ein Zimmer der Lyutak-Villa handeln könnte, wobei ich das Ganze aber zunächst als ein reines Hirngespinst abtat. Als dann aber plötzlich die Lyutak-Villa in ihrer ganzen Pracht auftauchte, Onkel Fiffi sich genüsslich im Ehebett von Herbert und Marcia herumwälzte, Lou Castel in einem Rollstuhl neben der Wandheizung seinen Platz nahm, Dr. Lyutaks edle Ritterfigur zu sehen war und auch noch das Sekretär-ähnliche Holzschränkchen gezeigt wurde, war es endgültig vorbei: Die Lyutak-Villa war tatsächlich eine sehr häufig genutzte Drehkulisse, deren Verwendung nicht nur in den Filmen von Don Polselli stattfand:



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Zuletzt geändert von Richie Pistilli am Mo., 05.04.2021 11:11, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: MANIA - Renato Polselli

Beitrag von Richie Pistilli »

Wäre ich doch nur mal früher auf die Idee gekommen, bei unseren Kollegen von https://www.davinotti.com/ vorbeizuschauen, denn nach den Location-Angaben zu MANIA soll die legendäre Lyutak-Villa in Rom in der Via di Torre Gaia stehen. :shock:




Ein Bild von Google-Maps --- ####:

Lyutak-Villa.jpg


Quelle: https://www.davinotti.com/forum/locatio ... o/50001053




Zwar waren die Kollegen mit den Locationangaben zu MORD EXCLUSIV und DAS GRAUEN KOMMT NACHTS ein wenig schneller gewesen, aber dafür haben sie die Villa (bis dato) nur in drei Filmen ausfindig gemacht.


https://www.davinotti.com/forum/locatio ... a/50006392
https://www.davinotti.com/forum/locatio ... o/50001053
https://www.davinotti.com/forum/locatio ... e/50006985

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