DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM - Riccardo Freda

Schwarze Handschuhe, undurchsichtige Typen, verführerische Damen und stylische Kills.
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Prisma
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DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM - Riccardo Freda

Beitrag von Prisma »



DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM


● L' IGUANA DALLA LINGUA DI FUOCO / L'IGUANE À LA LANGUE DE FEU / DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM (I|F|D|1971)
mit Luigi Pistilli, Dagmar Lassander, Dominique Boschero, Anton Diffring, Arthur O'Sullivan, Werner Pochath, Renato Romano und Valentina Cortese
eine Produktion der Oceania Produzioni Internazionali Cinematografiche | Les Films Corona | Terra Filmkunst
ein Film von Riccardo Freda

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»Auch was sich versteckt, kommt irgendwann ans Licht!«


Der Schweizer Botschafter Sobiesky (Anton Diffring) gerät in Dublin in die Schlagzeilen, da im Kofferraum seiner Limousine die grausam verstümmelte Leiche einer jungen Frau aufgetaucht ist. Als sich herausstellt, dass es sich zu allem Überfluss auch noch um seine Geliebte gehandelt hat, ist der Skandal perfekt. Ein ehemaliger Inspektor namens John Norton (Luigi Pistilli) stellt Ermittlungen in diesem mysteriösen Fall an, doch alle Beteiligten fallen vor allem durch ihr Schweigen auf. Niemand scheint an einer schnellen Lösung der nebulösen Angelegenheit interessiert zu sein, doch es stellt sich auch schnell heraus, dass so mancher der stummen Zeugen einiges zu verbergen hat. Die brutale Mordserie geht weiter, bis schließlich sogar Nortons Tochter ins Visier des Killers gerät...

Riccardo Fredas "Die Bestie mit dem feurigen Atem" kommt wie etliche seiner Arbeiten nicht über den Status von Unterhaltungsfilmen hinaus, die zwar gerne gesehen sind und unterm Strich gut unterhalten können, gleichzeitig aber unter teils ziemlich schlampigen Bearbeitungen zu leiden haben. Die eklatante Schwäche im Bereich der Effekte ist in diesem Film nicht zu leugnen, außerdem kann sich die Handlung nur schwer entzerren. Der Einstieg geschieht glücklicherweise äußerst straff mit einem unheimlich wirkenden Mord, wobei das mit Säure verätzte Gesicht der jungen Frau sicherlich eher zum Schmunzeln als zum Fürchten verleitet. Daher musste als Ablenkungsmanöver unmittelbar nach dieser Aktion ein brutaler Schnitt durch die Kehle folgen. Man darf es sagen wie es ist: die Maske hat definitiv keine Kunstwerke herstellen können und diese Tatsache wird sich wie ein roter Faden durch die Szenerie ziehen. Beim Thema Ausstattung und Setting bekommt das Publikum zufriedenstellende Angebote gemacht, vor allem der beinahe exotisch wirkende Schauplatz Dublin wirkt sehr ansprechend und stellt sich als sehr abwechslungsreich heraus. Dennoch tauchen Schlampereien wie vom Fließband auf, die dem Film seine Seele geben und alles andere als elegant wirken, denn vor allem die teils ungünstige Ausleuchtung versetzt hier und da schon kleinere Tiefschläge. Dem Empfinden nach jagen sich durchaus hochwertige, aber auch unausgereifte Sequenzen permanent und in Etappen den Rang ab, was ziemlich schade ist, da der Plot gar nicht einmal so uninteressant ist und die Regie im Endeffekt recht ambitioniert vorgeht. Was "Die Bestie mit dem feurigen Atem" allerdings uneingeschränkt zum Hingucker werden lässt, ist die sehr ausgewogene und teilweise spektakuläre Besetzung. Luigi Pistilli weiß in der Rolle des Ex-Polizisten zu gefallen und er präsentiert durchgehend ein überzeugendes Profil. Seine raue Art, welche nebenbei aber auch den Sinn für die schönen Dinge des Lebens zulässt, wirkt sympathisch.

Dagmar Lassander ist wie so häufig damit beschäftigt, mehr Überzeugungsarbeit zu leisten, als sich darstellerischen Exzessen hinzugeben. Dieser selbstbewusste Charakter mit unbändiger Haltung und spitzen Sprüchen liegt ihr jedoch gut und es liegt immerhin im Bereich des Wahrscheinlichen, den Zuschauer auf anderen Ebenen zu reizen. Die stets so geheimnisvoll und verführerisch wirkende Französin Dominique Boschero wurde schockierenderweise sehr früh aus dem Drehbuch gemordet, was angesichts der Qualität der anderen darstellerischen Leistungen aber keinen Grund zur großen Trauer darstellt. Anton Diffring beweist einmal mehr internationales Format in einer ambivalent angelegten Rolle, Werner Pochath gefällt sich erneut in der Rolle seines ganz persönlichen Abonnements als zweifelhafter Unruhestifter und Valentina Cortese zeichnet die elegant aussehende, aber im Grunde genommen vulgäre Ehefrau des Botschafters mit voller Hingabe und Durchschlagskraft. Das Ensemble liefert also die halbe Miete aus dem Stand und weitere Vorzüge helfen Riccardo Fredas Film zusätzlich aus einem Sumpf der oft unterstellten Bedeutungslosigkeit heraus. Passagen des Leerlaufs unterwandern die immer wieder aufblitzende und gar nicht so mühsam konstruiert wirkende Spannung leider hartnäckig und immer wieder aufs Neue, doch man wird auch stets mit kleineren Appetithäppchen entschädigt. Die deutsche Synchronisation ist nicht besonders gelungen, aber die Dialoge sind mit Spitzen gespickt, sodass es sich letztlich ausgleicht. Im Bereich Akustik und Musik hört man Bemerkenswertes, was der Grundspannung letztlich sehr zuträglich ist, das Finale ist trotz einer nicht wegzudiskutierenden Vorhersehbarkeit ziemlich packend inszeniert worden. Die Aufklärung der teils nebulösen Zusammenhänge geschieht insgesamt nicht besonders eingängig, vor allem das Motiv erschließt sich selbst mit vorhandener Fantasie nicht besonders eingängig. Unterm Strich bleibt ein unterhaltsamer Freda, der die Ellenbogen allerdings nicht weit genug ausfahren kann, um der Konkurrenz gefährlich zu werden.

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Maulwurf
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Registriert: Fr., 20.11.2020 05:39

Re: DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM - Riccardo Freda

Beitrag von Maulwurf »

Die Bestie mit dem feurigen Atem
L'iguana dalla lingua di fuoco
Deutschland/Frankreich/Italien 1971
Regie: Muscha
Luigi Pistilli, Dagmar Lassander, Anton Diffring, Arthur O'Sullivan, Werner Pochath, Dominique Boschero, Renato Romano, Sergio Doria, Ruth Durley, Valentina Cortese


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Italo-Cinema.de

Als der Chauffeur den Kofferraum der Botschafterlimousine öffnet, liegt darin - eine entstellte Frauenleiche. Der Botschafter verhält sich der Polizei gegenüber zwar durchaus entgegenkommend, ist aber nichtsdestotrotz ein Botschafter, und damit quasi fremdes Staatseigentum. Inspektor Lawrence muss also zur Aufklärung dieses Mordfalles zu ungewöhnlichen Methoden greifen, und seine ungewöhnliche Methode heißt Norton. Inspektor Norton, genannt „Der Henker“. Norton versucht erstmal, Zugang zur Familie des Botschafters zu bekommen, indem er mit der Tochter des Botschafters ins Bett geht und ungehemmt mit der Ehefrau flirtet. Aber er kann nicht verhindern, dass die Mitglieder der Familie eines nach dem anderen grauenhaften Säureattentats zum Opfer fallen. Und dann konzentriert sich der Mörder auch noch auf die Familie von Norton …

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Der rote Hering mit dem feurigen Atem. Die Menge an roten Heringen ist riesig, und ich hatte selten so wenig Ahnung, wer denn letztendlich der Mörder sein mag. Was sehr wohl als Kompliment zu versehen ist, handelt es sich bei BESTIE schließlich um einen archetypischen Whodunit-Giallo, mit vielen Zutaten die ein Giallo aus dieser Zeit so benötigt: Ein Mörder mit schwarzen Handschuhen, grausige Morde, sinistere Atmosphäre, … OK, der Ermittler ist dieses Mal keine Privatperson und steht nicht selber unter Verdacht, die nackten Damen sind recht selten, und das ganze spielt nicht unter der warmen Sonne Italiens sondern im kalten Nieselregen Dublins (was auch erklären könnte, warum die Frauen so standhaft angezogen bleiben. Bis auf Dagmar Lassander, aber als Deutsche ist sie dieses Klima natürlich eher gewohnt …). Die Charaktere sind durch die Bank merkwürdig und haben auch alle irgendwie Dreck am Stecken, oder zumindest tun sie so als ob, wodurch generell eine kühle und bedrückte Stimmung aufgebaut wird, in der sich die düstere Story um den Mörder mit der Vitriolflasche unaufhaltbar entfalten und verästeln kann.

Dabei ist viel den erstklassig gecasteten Schauspielern zu verdanken, allen voran Anton Diffring als arroganter Diplomat Sobieski, der genau weiß, dass ihm niemand etwas kann. Und ja, gegen Ende des Films merkt er, dass auch das Gegenteil zutreffen mag. Dann natürlich Luigi Pistilli als Ermittler Norton. Raubeinig und hemdsärmelig prügelt er sich bis in die Auflösung dieses Rätsels, und sein Holzfällercharme ist genau das, was BESTIE vom Mittelmaß abhebt: Pistillis Natürlichkeit und Erdung bieten das perfekte Gegenstück zum distinguiert-abgehobenen Diffring. Zwei entgegengesetzte Pole von Männlichkeit, die sich mit einem gesunden gegenseitigen Misstrauen umschleichen, ergänzt vom trocken-biederen Arthur O’Sullivan als Inspektor, der seine Fragen wie ein Heckenschütze aus dem Hinterhalt abfeuert, dabei aber niemals die Fasson verliert.
Bei den Frauen natürlich die wundervolle Valentina Cortese, welche die Ehe mit Sobieski nur erträgt, weil sie sich dem regelmäßigen Genuss von Marihuanazigaretten hingibt, und weil die jetzige Situation immer noch erheblich besser ist als diejenige, in der Sobieski sie damals aufgelesen hat. Und, ganz wichtig, die Filmtochter Dagmar Lassander, die unabhängig von der Familie ihre völlig eigenen Wege geht. Sowohl in der Wahl der Männerbekanntschaften wie auch der Aufenthaltsorte ist ihre Helen modern und lässt sich von niemandem etwas vorschreiben. Eine Diplomatentochter mit Hang zur Straße. Ganz die (Stief-)Mama …

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Aber auch die Nebenfiguren sind hinreißend gezeichnet: Nortons krimilesende Mutter, die nur gut hört wenn sie ihre Brille aufhat. Der Chauffeur mit der Sehschwäche. Der ausgesprochen skurrile Arzt, der mit seiner drolligen Art die Figur eines Dr. Brinkmann aus DER WIXXER vorwegnimmt („Der Mörder muss ein Experte sein. So wie ich!“). Oder vielleicht auch eines Professors Boerne aus den Münster-TATORTs, je nachdem wie man das sehen mag. Nur Werner Pochath hätte gerne mehr Screentime haben dürfen. Auf der anderen Seite: Mit Halbglatze schaut Pochath fast aus wie Ralf Wolter …

Dazu ein ohrenschmeichelnder Score von Stelvio Cipriani, eine unauffällige Kameraführung von Silvano Ippoliti, und was dann am Ende herauskommt mag vielleicht kein Highlight des Giallogenre sein, aber es unterhält enorm. Das Einzige, was man dem Film vorwerfen kann, und woran ich Freda mittlerweile auch erkenne, ist sein fehlendes Gefühl für gute Special Effects. Bereits der erste Mord erweckt schlimme Erinnerungen an den Autounfall in DAS GESICHT IM DUNKELN oder die Axtattacke in MURDER OBSESSION. Aber gut, da muss man einfach drüber stehen. Der Rest passt schließlich und stellt einen erstklassig besetzten Giallo aus der zweiten Reihe dar, der seinen geringen Bekanntheitsgrad und den schlechten Ruf überhaupt nicht verdient hat …

7/10

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