STRIPPED TO DIE - Gabriele Lavia

Schwarze Handschuhe, undurchsichtige Typen, verführerische Damen und stylische Kills.
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Wentworth2020
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STRIPPED TO DIE - Gabriele Lavia

Beitrag von Wentworth2020 »

STRIPPED TO DIE – OPFER DER SINNE
Originaltitel: Sensi
Italien 1982

mit Gabriele Lavia, Monica Guerritore, Mimsy Farmer, Lewis E. Ciannelli

Drehbuch: Gabriele Lavia und Gianfranco Clerici, Vincenzo Mannino und Dardano Sacchetti (nach einer Story von Gabriele Lavia)

Regie: Gabriele Lavia

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Auftragskiller Manuel Zani (Gabriele Lavia) stolpert über eine Namensliste seiner Hintermänner aus Politik und Wirtschaft. Sofort wird er zum Abschuss freigegeben. Dem ersten Killer in London, der sich als Taxifahrer tarnt, jagt er eine Kugel in den Kopf. Dann fliegt Manuel nach Rom. Dort meidet er aber seine Wohnung – er hat ein halbes Dutzend Immobilien in Europa verteilt – und taucht im Edelbordell seiner alten Bekannten Micol (Mimsy Farmer) unter. Er hat keine Beziehungen, er nimmt nur Prostituierte. Dort will er warten, bis sich sein Schicksal erfüllt, weil er weiß, dass er aus dieser Klemme nicht mehr rauskommt.

Im Bordell lernt er die Neue kennen. Die verheiratete Vittoria (Monica Guerritore) kommt aus der besten Gesellschaft und geht in Belle de Jour-Manier aus Langeweile und Frust anschaffen. Sie beginnt Manuel zu interessieren, als sie nach vollzogenem ersten Akt im Bad erst einmal masturbieren geht. Er kann nicht genug von ihr kriegen, stellt ihr nach und lernt ihren Mann kennen, dem er sich als Kammerjäger vorstellt, der Ratten erledigt.

Manuel und Vittoria beginnen eine Affäre, während die Killer immer näherkommen. Er schöpft neuen Lebensmut und will mit ihr in Südamerika untertauchen. Aber die Killer sind ihm einen Schritt voraus. Oder doch nicht?

Spoiler
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Alles endet vorhersehbar blutig, aber die letzte finstere Wendung kommt dann doch überraschend.

Gabriele Lavia ist dem Zuschauer aus Filmen wie Profondo Rosso, Inferno und Zeder bekannt. Stripped to Die ist einer von fünf Filmen, bei denen er auch Regie geführt hat, bei vier davon ist er auch für das Drehbuch verantwortlich.

In Nachschlagewerken wie Blood & Black Lace oder Italien Giallo Movies ist das als Giallo gelistet, obwohl der Film eigentlich eine Mischung aus frühem Erotikthriller und Noir-Gangsterfilm ist. Er wird entweder als "prätentiös und hohl" verrissen oder gelobt. Es ist richtig, dass das Tempo größtenteils zwischen entschleunigt und gletscherhaft liegt, plötzlich unterbrochen von überraschend blutigen Actioneinlagen und viel nackter Haut und etwas Softcoresex. Trotz ein paar sehenswerter Locationeinlagen – Manuel steigt in London in ein Taxi, das einen Doppeldeckerbus ausbremst, eine Fahrt durch Rom, ein Treffen in einer Ertruskergrabstätte – ist das hauptsächlich auf wenige dunkle Räume beschränkt und mehr Kammerspiel als sonst was.

Und ja, wenn Manuel, der Mann ohne Freunde und Liebe, seine Spieluhrensammlung aufbaut, kommt das genauso prätentiös rüber wie die Risszeichnungen von Automatikpistolen als Tapete in seiner Wohnung. Von den meistens im Bett stattfindenden bedeutungsschwangeren Dialogen ganz zu schweigen.

Stripped to Die ist ein bizarrer Vertreter seiner Kategorie. Alles schwankt zwischen widersprüchlich und folgerichtig. Vielleicht liegt es am Alter des Films, aber über weite Strecken nimmt alles so offensichtlich seinen klischeehaften Lauf, dass man sich als Zuschauer bei der ersten Sichtung von den stereotypen Handlungsversatzstücken fast schon verarscht vorkommt und die Wendungen dann wie eine Erleichterung sind. Besonders bizarr erscheint die Darstellung der kalten und wenig überzeugenden Liebesbeziehung Killer und Hausfrauenprostituierte, erst recht, wenn man erfährt, dass Lavia und Guerritore zu der Zeit verheiratet waren. Wie der Regisseur seine Hauptdarstellerin die Hälfte der Zeit nackt auf die Leinwand bringt, hat etwas schwer Voyeuristisches und geht so weit, wie das in so einem Film möglich ist, inklusive Schattenspiel-Vögelei an der Wand mit eindeutigem BJ. So was sieht man weniger in amerikanischen Gegenstücken.

Mimsy Farmer hat als Puffmutter nicht viel zu tun und bleibt bekleidet, aber man nimmt ihr die Rolle ab. Allerdings hätte die Rolle jede spielen können. Monica Guerritore ist sehr schön und erinnert schwer an Isabella Rosselini, und Gabriele Lavia verzieht keine Miene. Der Rest der Besetzung spielt zumindest adäquat.

Ob der Film funktioniert, dürfte Geschmacksache sein. Ich persönlich fand ihn zwar oft zu langsam, aber zumindest interessanter und vor allem subtiler inszeniert als Sergio Martinos The Smile of a Fox, der im Prinzip die gleiche Geschichte erzählt. Viel Sex, wenige aber harte Mordszenen, einmal sogar mit Bohrmaschine (wo aber offensichtlich einige Frames der Zensur zum Opfer gefallen sind), und ein Ende von ausgesuchtem Zynismus.

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