A LIZARD IN A WOMAN'S SKIN - Lucio Fulci

Schwarze Handschuhe, undurchsichtige Typen, verführerische Damen und stylische Kills.
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Richie Pistilli
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A LIZARD IN A WOMAN'S SKIN - Lucio Fulci

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Una lucertola con la pelle di donna (IT)
Le venin de la peur (F)
Una lagartija con piel de mujer (ES)
Lizard in a Woman's Skin (UK)
A Lizard in a Woman's Skin
Schizoid

IT 1971

R: Lucio Fulci
D: Florinda Bolkan, Jean Sorel, Stanley Baker, Ely Galleani, Anita Strindberg, Silvia Monti, Alberto de Mendoza, Penny Brown, Leo Genn, Ursel Eberz u.a.




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Italienische Erstaufführung: 18.02.1971

Score: Ennio Morricone

Italo-Cinema.de

OFDb




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Carol Hammond (Florinda Balkan) ist eine gut betuchte Dame aus feinem Haus, die seit geraumer Zeit von absonderlichen Alpträumen heimgesucht wird, in denen sie letztendlich immer bei einer gewissen Julia Durer (Anita Strindberg) landet, mit der sie daraufhin einen hoch erotischen Budenzauber entfacht. Im wahren Leben ist die Engländerin Julia Durer die Tür-an-Tür lebende Nachbarin der alptraumgeplagten Carol, wobei die geführten Lebensstile der beiden nicht unterschiedlicher sein könnten, denn im Vergleich zu dem spießigen Lebenswandel der wohlhabenden Anwaltstochter zelebriert Julia tagtäglich den totalen Exzess. Dabei feiert die bumsfidele Engländerin nicht nur ständig ausschweifende Partys, bei denen zügellos multipelster Substanzmittelmissbrauch betrieben wird, sondern frönt auch offenherzig der freien Liebe, mit der sie sogar einen ganz besonderen Vertrag abgeschlossen hat. Und genau darin sieht der Psychiater Dr. Kerr (George Rigaud) auch die Ursache für Carols Alpträume, denn er ist fest davon überzeugt, dass sich Frau Bolkan unterbewusst von dem ungezwungenen Lebensstil ihrer Nachbarin angezogen fühlt, was wiederum insgeheim in ihrem tiefsten Inneren sexuelle Begierden weckt. Hinzu kommt ihre längst erkaltete Liebe zu ihrem Ehemann Frank Hammond (Jean Sorel), der seine Brötchen als Anwalt in der Kanzlei ihres werten Herrn Vaters verdient.


Doch als kurze Zeit später erneut ein rauschartiger Alptraum Carol heimsucht, indem ihr beim Ermorden ihrer Nachbarin zwei seltsam dreinblickende Hippies seelenruhig zusehen, begibt sie sich nach dem Erwachen auf dem direkten Weg zu Dr. Kerr, der ihr zu ihrer größten Überraschung verkündet, dass sie sich durch den Mord in ihren Träumen von den psychischen Belastungen ihres Unterbewusstseins getrennt habe, was zugleich auch das Ende ihrer dauerplagenden Alptraumwelle bedeute. Erleichtert kehrt Carol in den Schoß ihrer wohlhabenden Familie zurück, wo sie sogleich die Hiobsbotschaft erwartet, dass ihre Nachbarin Julia Durer tatsächlich auf grausame Art und Weise mit einem Messer in ihrer benachbarten Wohnung eiskalt ermordet wurde. Als Carol dann auch noch aufgrund zahlreicher Beweisfunde als Hauptverdächtigte ins Visier der beiden Ermittler Inspektor Corvin (Stanley Baker) und Sgt. Brandon (Alberto de Mendoza) gerät, kommt es bei ihr zu einem heftigen Nervenzusammenbruch, infolgedessen sie von ihrem Mann einen Kurzurlaub in einem idyllisch gelegenen Sanatorium spendiert bekommt. Doch kaum etwas zur Ruhe gekommen, steht plötzlich der Hippie aus ihren besiegten Alpträumen mit einem Messer bewaffnet ganz real vor ihr, woraufhin Carol schlagartig die Flucht ergreift. Hinzu kommen immer wieder neue Verdächtigungen durch die Polizei, bei denen ihre verzweifelten Unschuldsbekundungen aber auch weiterhin auf taube Ohren stoßen. Bleibt also die Frage, ob es der psychisch angespannten Carol schließlich irgendwie gelingen wird, ihren Kopf aus der immer enger werdenden Schlinge zu befreien, die ihren Hals seit geraumer Zeit umgibt?



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"Eine Eidechse in der Haut einer Frau"


A LIZARD IN A WOMAN'S SKIN zählt zweifelsfrei sowohl zur Königsklasse des Giallo-Genres als auch gleichzeitig zu Lucio Fulcis brillantesten Glanzleistungen, die der rastlose Regisseur während seiner langen Filmkarriere auf die Beine stellte. Für mich persönlich stellen seine drei Gialli A LIZARD IN A WOMAN'S SKIN, NACKT ÜBER LEICHEN und DON'T TORTURE A DUCKLING seine herausragendsten als auch zugleich innovativsten Regiearbeiten dar, die mit jeder neuen Sichtung sogar noch weiter anwachsen. In A LIZARD IN A WOMAN'S SKIN setzt Lucio Fulci den Zuschauer einer scheinbar nicht mehr enden wollenden halluzinogenen Bilderflut aus, die infolge der fantastischen Bildästhetik des außerordentlichen Kameramanns Luigi Kuveiller durchweg besticht. Und genau mit einer solchen halluzinatorischen Alptraumsequenz wird dieser außerordentliche Giallo schließlich auch eröffnet. Gezeigt wird eine eine angstvoll getriebene Florinda Bolkan, die panisch durch die klaustrophobisch wirkenden Gänge eines vollbesetzten Zuges hastet, bevor sie sich nur kurze Zeit später in einem von nackten Menschen überfüllten Hausgang wiederfindet, von wo aus sie unvermittelt in ein schwarzes Loch stürzt. Der Flug ins Nirvana endet aber bereits nach wenigen Sekunden vor den Füßen der 'infernalen Höllenschlampe' (Zitat) Anita Strindberg, mit der sie dann kurzerhand einen hoch erotischen Budenzauber entfacht. Doch leider überlagert die Fantasie kurz darauf die Realität, denn Florinda Bolkans Alpträume werden mit Fortschreiten des Handlungsverlauf immer häufiger grausame Wirklichkeit, wodurch sie nicht nur zur Hauptverdächtigen der zwischenzeitlich ermordeten Strindberg avanciert, sondern auch immer tiefer dem Wahnsinn verfällt. Fulci und Kuveiller gelang es dabei auf eine ganz hervorragende Art und Weise den Zuschauer infolge der bemerkenswerten Kameraarbeit ungehindert an den psychotischen Zuständen der Hauptprotagonistin teilhaben zu lassen, der obendrein auch noch von der hypnotischen Sogwirkung der beeindruckenden Atmosphäre in seinen Bann gezogen wird. Hinzu gesellen sich eine ganze Menge innovativer Kameraeinstellungen, bei denen beispielsweise dermaßen eindrucksvoll aus Augenlinsen herausgezoomt wird, das es vor Freude in meinem Fernsehsessel zusammenzuckte. Als ein weiterer Verdienst kann das von Lucio Fulci und Roberto Gianviti geschriebene Drehbuch angesehen werden, da dieses ohne große Capriolen zu schlagen einen recht konsequenten als auch äußerst ausgeklügelten Plot präsentiert, der sich trotz seiner vielen Wirrungen und unerklärlichen Sachverhalte letzten Endes alles andere als eine im Giallogenre gar nicht mal so untypische Mogelpackung herausstellt.


In Fulcis drogengeschwängertem Psychospiel stellt sich letztlich die Frage, wer der guten Florinda im Rahmen einer perfiden Intrige die mentale Fitness raubt, denn aufgrund des fabelhaften Drehbuchs bleibt bis zum Ende unklar, wer sich von der sehr überschaubaren Anzahl an Verdächtigen letzten Endes für die grausamen Taten verantworten muss.



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Die gebürtige Brasilianerin Florinda Bolkan spielt in der vorliegenden Inszenierung eine wohlhabende Dame aus gutem Hause, die sich infolge plagender Alpträume in psychischer Behandlung befindet. Dabei liegt der Grund ihres Leidens offensichtlich in verdrängten Begierden, die sie insgeheim gegenüber ihrer sexuell enthemmten Nachbarin hegt, denn die Alpträume resultieren laut der Diagnose ihres Psychiaters aus einer vermutlichen Hassliebe, die sich unbemerkt in Florindas Unterbewusstsein manifestiert hat. Vermutlich wird sie Lucio Fulci wegen ihrer bemerkenswerten Darbietung ein Jahr später erneut als Schauspielerin für seinen ebenfalls glanzvollen DON'T TORTURE A DUCKLING verpflichtet haben, denn Florinda Bolkan verkörpert die Rolle der psychisch malträtierten Carol Hammond nich nur mit äußerster Bravour, sondern wirkt auch trotz der widrigen Umstände in ihrem Schauspiel jederzeit erhaben. Es ist einfach eine Bomembenleistung, die Florinda Bolkan als Carol Hammonnd aufs Parkett legt. Der Schwedin Anita Strindberg wurde in ihrer Rolle zwar weitaus weniger Screentime zugesprochen, dafür nutzt sie diese aber bis zur letzten Sekunde schonungslos aus, denn sie verkörpert die freizügige Julia Durer, deren Leben aus einem reinem Partyexzess besteht. Dabei feiert sie am laufenden Band ekstatische Partys, bei denen nicht nur psychedelischer Rocksound lautstark aus ihrer Wohnung ins nachbarliche Umfeld drängt, sondern auch ungehemmt berauschenden Mitteln als auch der freien Liebe gefrönt wird. Dass bei diesen Orgien nicht nur gekifft wird, offenbart uns die spätere Tatortbegehung der beiden ermittelnden Kommissare, bei der neben dem berauschenden Kraut auch noch Heroin, Kokain, LSD und jede Menge psychoaktiver Pillen vorgefunden werden. Kein Kind von Traurigkeit also, zumal sich Frau Strindberg auch über weiten Strecken ihrer überschaubaren Screentime nur mit dem Spärlichsten bekleidet zeigt.


Als männlicher Hauptdarsteller wurde der französische Schauspieler Jean Sorel verpflichtet, der als Ehemann von Florinda Bolkan einen äußerst undurchschaubaren Charakter spielt. Eigentlich sagt mir Sorels Saubermann-Image, das er aufgrund seiner Außenwirkung ungewollt ausgestrahlt, weniger zu, aber manchen Filmen verpasst eben genau dieses den benötigten Kick, wobei er sich in A LIZARD IN A WOMAN'S SKIN eher etwas verhalten gibt. Die als Isabel aus FIVE DOLLS FOR AN AUGUST MOON bekannte italienische Schauspielerin Ely Galleaini, deren leibliche Schwester übrigens die im gleichen Berufsfeld tätige Halina Zalewska (THE POLICE ARE BLUNDERING IN THE DARK, DÄMONEN AUS DEM ALL, IL NERO – HASS WAR SEIN GEBET) ist, darf in der Rolle als Carols Stieftochter nicht nur ebenfalls an dem schwer zu durchschaubaren Spiel mitspielen, sondern auch noch an einer äußerst ausgefallenen Variation von 'Mahlen nach Zahlen' teilnehmen, die von einer abgründigen Hippie-Braut mit Hilfe in Farbe getränkter Wurfmesser schwungvoll vollzogen wird. Der lange Arm des Gesetzes wird dieses Mal von zwei ermittelnden Beamten vertreten, von denen Stanley Baker einen Inspektor namens Corvin verkörpert, der den gesamten Handlungsverlauf die ein und dieselbe Hookline des Titellieds 'La Lucertola' pfeifend vor sich hin trällert. Der zweite Ermittler hört auf den Namen Sergeant Brandon und wird von Alberto Mendoza gespielt, wobei auch ihm im Vergleich zu seinem Vorgesetzten ein weitaus geringere Screentime zugesprochen wurde. Last but not least tauchen auch noch George Rigaud in der Rolle des Psychiaters und Silvia Monti als Hausangestellte des Hammond-Clans in Erscheinung.


Abgerundet wird das audiovisuelle Spektakel mit einem atonalen Klanggewitter des Maestros, das den sowieso schon sehr unheimlichen Film noch viel verstörender wirken lässt. Für Diskussionen sorgen seit vielen Jahren die verschiedenen Schnittfassungen, von denen es meines Erachtens aber nur zwei geben dürfte: Die italienische Originalfassung und die entsprechende Exportfassung. Scheinbar wurde Letztere in den entsprechenden Exportländern beliebig verändert, so dass alleine von dieser mehre unterschiedliche Schnittfassungen existieren. Die beste bis dato erhältliche DVD, soll die Veröffentlichung von Optimum/Studiocanal darstellen, da diese die ungeschnittene englische Exportfassung beinhalten als auch die beste Bildqualität aufweisen soll. Im Rahmen des 4. Terza Visione-Festivals durfte ich zudem in den Genuss kommen, eine aus der 'Cinémathèque Suisse' stammende 35mm-Fassung auf der großen Leinwand zu bestauen, was nicht nur einem unvergesslichem Erlebnis gleich kam, sondern auch die seltene Möglichkeit mit sich brachte, den Film in einer alternativen Schnittfassung sehen zu dürfen, bei der es sich vermutlich um die italienische Originalfassung handelte. Daher bin umso gespannter, ob '84 Entertainment die italienische Fassung im Rahmen ihres angekündigten HD-Releases zum ersten Mal weltweit mitveröffentlichen. Ein kurzer Abriss über die Historie der unterschiedlichen Schnittfassungen sollte dabei ebenfalls vorausgesetzt sein.


Fazit: Ein rauschhafter Wahnsinn in halluzinatorischen Bildern, bei dem bestimmt nicht nur im Drehbuch das hochpotente Sandoz-Derivat zum Einsatz kam. Oder auch einfach nur: Verbrechen lohnt sich nicht!



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(Überarbeiteter Beitrag aus dem alten Forum: 18.11.2014)

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