EYE IN THE LABYRINTH - Mario Caiano

Schwarze Handschuhe, undurchsichtige Typen, verführerische Damen und stylische Kills.
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Prisma
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EYE IN THE LABYRINTH - Mario Caiano

Beitrag von Prisma »



EYE IN THE LABYRINTH


● L'OCCHIO NEL LABIRINTO / EYE IN THE LABYRINTH (I|MCO|1972)
mit Rosemary Dexter, Adolfo Celi, Horst Frank, Sybil Danning, Franco Ressel, Michael Maien, Gigi Rizzi und Alida Valli
eine Produktion der Transeuropa Film | TV13 Filmproduktion
ein Film von Mario Caiano

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»Kill me tomorrow. Tonight let me live!«


Julie (Rosemary Dexter) wird von schrecklichen Visionen geplagt, in denen sie träumt, dass ihr Psychologe und Liebhaber Luca (Horst Frank) bestialisch ermordet wird. Zu ihrem Entsetzen erfährt sie wenig später, dass er wirklich spurlos verschwunden ist und niemand will ihn gesehen haben. Mehrere Hinweise führen sie an einen abgelegenen, aber ebenso malerischen Ort am Meer, wo sie von Gerda (Alida Valli), einer exzentrischen Dame eingeladen wird, in ihrer Villa zu bleiben. Dort tummelt sich eine Reihe merkwürdiger Gestalten und alle Anzeichen sprechen dafür, dass auch Luca dort gewesen sein muss, doch keiner kann ihr angeblich weiterhelfen. Nach kurzer Zeit nimmt ihr schrecklicher Verdacht Formen an und die Möglichkeit steht plötzlich im Raum, dass Luca tatsächlich ermordet wurde...

Der fulminante Einstieg zu Mario Caianos Edel-Giallo wird sich als wegweisend für diesen spannenden und intelligent aufgebauten Beitrag erweisen sowie seinen wohlklingenden Titel deutlich unterstreichen. Ein Mann wird gehetzt, ein Messer schnellt aus dem Nichts hervor und die damit verbundene Akustik sorgt gleich für beunruhigende Momente und frühe Hochspannung. Die Kulisse erinnert an eine Art Labyrinth, aus dem es offensichtlich kein Entkommen mehr geben wird. Diese Tatsache wird, wie es der spätere Verlauf nahezu exemplarisch aufzeigen wird, schließlich für mehrere Beteiligte zutreffen, doch das psychologisch gefärbte Motiv bleibt zunächst nicht greifbar. Diese anfänglichen Szenen enden abrupt mit dem Aufwachen aus einem Alptraum, der die Protagonistin eben noch im Würgegriff hielt. Der Startschuss für die Suche nach einem spurlos verschwundenen Mann ist somit gefallen und angenehmerweise wird der Zuschauer von keiner Geringeren als der hübschen Rosemary Dexter an die Hand genommen. Dieser Beitrag entstand unter Beteiligung einer deutschen Produktionsfirma, außerdem geben sich namhafte Stars die Klinke in die Hand, sodass es, wenn man sich das Gesamtpaket betrachtet, eigentlich unverständlich, um nicht zu sagen beinahe irritierend ist, dass Caianos inszenatorisch einwandfreier Giallo keine deutsche Kino-Auswertung zuteil wurde. Wie dem auch sei, zu jener Zeit kursierte ja schließlich eine Schwemme gelb gefärbter Beiträge, die auf sehr unterschiedlichen Qualitätsebenen präsentiert wurden. Bleibt man bei diesem Ansatz, muss nochmals betont werden, um welch hochklassigen Film es sich hier handelt, der von Anfang bis Ende fesseln und faszinieren kann. Eigenartigerweise konnte sich dieser Eindruck trotz einer unbestimmten Vorhersehbarkeit etablieren, doch es wird hier so viel geboten, dass die Vorzüge in Hülle und Fülle auf der Hand liegen.

Das empfunden vorhersehbare Element der Geschichte birgt im Endeffekt genügend Unberechenbarkeit, um willkommene Überraschungen preiszugeben, der intelligente Aufbau bekommt durch die beteiligten Charaktere besondere Schützenhilfe, die innerhalb einer traumhaften Kulisse einer Clique gleicht, der man lieber nicht im Dunkeln, geschweige denn bei Tag begegnen möchte. Diese merkwürdige Truppe glänzt durch undurchsichtiges, exaltiertes, mit einigen Kehrtwendungen durchzogenes Verhalten und so gut wie jeder von ihnen scheint etwas vorzugeben, was er nicht zu sein scheint. Wechselspiele zwischen Vertrauen und Verwirrung bekommen von den gut aufgelegten Interpreten sachdienliche Gesichter und zwischen all diesen Spleens und Launen findet sich die, gegen Verwirrung und Geheimnis ankämpfende Julie, alias Rosemary Dexter. Zunächst sollte betont werden, dass die zierliche Person hier sicherlich eine ihrer stichhaltigsten Darbietungen überhaupt zum Besten gibt, mit ihr schwingt eine gehörige Portion Empathie und Temperament mit, aber auch Labilität. So trägt Dexter große Strecken des Verlaufs mit einer überdurchschnittlich hohen Präsenz, sie ermöglicht es dem Zuschauer, hautnah dabei zu sein, auch wenn die Dramaturgie dies nicht in letzter Konsequenz gestattet. Julie ist aus einem Alptraum aufgewacht, doch schlittert gleich in den nächsten, was an den dubiosen Gestalten liegt, aber nicht zuletzt auch durch Mordanschläge und schließlich einige Tote belegt wird. Konträr zu all dem steht die malerische Kulisse, die einladend, beruhigend und verführerisch wirkt. Überhaupt kann sich Caianos Beitrag in Sachen Ausstattung durchaus sehen lassen, dem Zuschauer wird mit tollen Schauplätzen geschmeichelt, die vor allem durch das flexible und experimentierfreudige Auge der Kamera besondere Formen annehmen wird.

Ästhetik, Schönheit und Glanz wird in "Eye in the Labyrinth" so groß geschrieben, dass es schon einer Referenz gleicht. In diesem Zusammenhang kommt es beispielsweise zu ebenso ansehnlichen Präsentationen von Damen wie Miss Dexter oder Sybil Danning, deren körperliche Reize vor diesem sonnenüberströmten Setting nicht verschenkt werden durften. Wie erwähnt, ist die Besetzungsliste bis in die kleinsten Rollen ein absoluter Traum, die Charaktere finden eine gewollt hastige Integration in die Geschichte, bei denen es aufgrund weniger Informationen zu ihnen Personen zu doppelter Verwirrung und Misstrauen kommt. Als Adolfo Celi der vorbeigehenden Julie das erste Mal interessiert nachschaut, erahnt man nicht nur eine gewisse, sich noch aufbäumende Vehemenz seines Charakters, sondern er bedient wie so oft das bedrohliche Element, das ein wichtiger Bestandteil des Films bleiben wird. Man kann kaum von signifikanten Unterbrechungen der Spannungskurve sprechen, besonders in Rückblenden kommt es sogar zu interessanten Steigerungen, die von Horst Frank ausgefüllt werden. Der Deutsche stattet sein gerne zur Schau gestelltes Profil gewohnt mysteriös aus, es ist eine Freude ihn hier begleiten zu können. Abgerundet durch stichhaltige Darbietungen von beispielsweise Benjamin Lev, Michael Maien, Franco Ressel oder Gigi Rizzi, gewinnt die Story immer mehr an Fahrt, Dichte und Reiz, einfach ein klasse Ensemble. Zu guter Letzt sollte noch die Dame Erwähnung finden, die es stets schafft einen Film mit ihren schier unzähligen Facetten aufzuwerten, Alida Valli. Die zu dieser Zeit in Genre-Beiträgen gut beschäftigte Italienerin reiht sich mühelos in die Riege der Personen ein, die alles andere als Sympathieträger sind. Zwar wirkt sie zunächst unscheinbar und freundlich, doch schon bald darf sie ihr wahres Gesicht und gewohnt dominante Züge präsentieren.

Keiner traut dem anderen und der Zuschauer findet sich für lange Zeit in der selben Gruppe wieder. Die psychologische Würze steht diesem Verlauf sehr gut und die Spannung erfährt glücklicherweise sukzessive Steigerungen, wenngleich die genaue Betrachtung einen vielleicht konventionellen Fall behandelt, oder zumindest einen, der dem Empfinden nach schon einige Male in ähnlichen Formen abgehandelt wurde. Nichtsdestotrotz geht von "Eye in the Labyrinth" eine immense Faszination aus, da dieses beeindruckende Mosaik fachmännisch zusammengefügt wird. Im Labyrinth der subversiven Machenschaften und der angeschlagenen Psyche wird jeder geneigte Zuschauer Elemente finden, die überzeugend, wenn nicht sogar begeisternd wirken. Naturgemäß ist es schließlich so, dass man bei unzähligen gesehenen Beiträgen dieses Strickmusters Wiederholungen und einen gewissen Wiedererkennungswert ausfindig macht, aber letztlich kommt es auf darauf an, ob man quasi auf dem richtigen Fuß erwischt wird. Die Überzeugung entsteht nicht zuletzt auf Basis von bestimmten Präferenzen und in dieser Beziehung ist Mario Caianos Streifen ein absoluter Volltreffer gewesen, den es einfach bei so viel Bekanntem nicht mehr alle Tage zu sehen gibt. Bestehende Gesetze des Giallo finden hier in erster Linie Verwendung, doch man nimmt auch zufrieden den verspielt wirkenden Luxus wahr, dass sie hin und wieder ignoriert werden, sodass ein ziemlich eigenständiger Charakter zustande kommt. Insgesamt lässt sich also sagen, dass "Eye in the Labyrinth" sehr beeindruckend interpretiert wurde und Freunde des Giallo größtenteils überzeugen dürfte. Zumindest hat Caianos Verwirrspiel zwischen Traum und Realität einmal einen unvoreingenommenen Blick verdient, aber nach ganz persönlichem Empfinden handelt es sich ohnehin um einen nicht erwarteten Überraschungs-Coup. Sehr überzeugend!

Der Hexer
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Re: EYE IN THE LABYRINTH - Mario Caiano

Beitrag von Der Hexer »

Der Film ist einer meiner absoluten Lieblinge! Fast soghaft zieht einen die Geschichte mit, totales Giallo-Delirium. Musik, Kamera und Besetzung tun ihr Übriges. Kaum zu glauben, dass Mario Caiano, der im Western-Bereich eher für solides Handwerk steht, im Giallo-Bereich so aufgeht. Fantastisch.

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Prisma
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Re: EYE IN THE LABYRINTH - Mario Caiano

Beitrag von Prisma »

Mich hatte der Film auch vollkommen überrascht, zumal er absolut zu Unrecht in der Versenkung verschwunden ist. So viel ich weiß, hatte er damals keinen deutschen Kinostart, und auch wenn ich längst gelernt habe, dass eine solche Tatsache überhaupt nicht über die jeweilige Qualität einer Produktion aussagen muss, dachte ich bei der Erst-Sichtung daran, die Erwartungen vielleicht etwas tiefer zu stapeln. Was ich dann zu sehen bekam, fand ich einfach großartig und tue das auch heute noch. Müsste ich mir bald mal wieder anschauen, schon alleine wegen der Besetzung.

Dschallogucker
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Re: EYE IN THE LABYRINTH - Mario Caiano

Beitrag von Dschallogucker »

Leider keine deutsche VÖ, gibt wohl auch keinen deutschen Ton?

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Prisma
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Re: EYE IN THE LABYRINTH - Mario Caiano

Beitrag von Prisma »

Dschallogucker hat geschrieben:
Do., 24.12.2020 15:39
Leider keine deutsche VÖ, gibt wohl auch keinen deutschen Ton?

Eine gute Frage, die ich mir auch schon gestellt habe. Ich hatte den in Englisch gesehen, denke aber mal, dass es keine deutsche Synchronisation gibt, da er seinerzeit keinen Kino-Verleih gefunden hat. Aber das ist nur eine Vermutung. Vielleicht weiß ja jemand mehr?

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Richie Pistilli
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Re: EYE IN THE LABYRINTH - Mario Caiano

Beitrag von Richie Pistilli »

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Kann mich der allgemeinen Faszination uneingeschränkt anschließen, denn dieser in einem sogartigen Bilderrausch eingebettete Alptraum ist im wahrsten Sinne des Wortes einfach nur 'Wahnsinn'!



Nach der fulminanten Eröffnung durch eine gänsehautauslösende Alptraumsequenz heißt es bereits nach wenigen Minuten: 'Ladies and Gentleman, fasten your seatbelts and sit back. Your trip begins now!'. Denn mehr muss und kann man bei Mario Caianos Glanzleistung sowieso nicht machen, außer den Kopf ausschalten, sich mitreissen lassen und dabei die traumhaften Bildwelten des surrealen Trips durchs sommerliche 'Maracudi' zu genießen. Ein fantastischer Urlaubstrip mit Alptraumgarantie!


Rosemary Dexter kann in der Hauptrolle durchweg überzeugen, obwohl ihre Darbietung zunächst etwas emotionslos wirkt. Erst wenn der Film zu Ende ist, kann rückblickend behauptet werden, dass sie schauspielerisch alles richtig gemacht. Dabei legt sie nicht nur eine bemerkenswerte Schauspielleistung an den Tag, sondern sieht auch einfach nur bezaubernd aus. Und eine Meisterin im Berdrängen, ist sie dann auch noch. Nach DAS GESCHLECHT DER ENGEL und IN DEN ADERN HEIßES BLUT stellt EYE OF THE LABYRINTH der dritte Film dar, bei dem sich ihre Darbietung auf Anhieb in meinem Gedächtnis festsetzen konnte. Ebenfalls sehr überzeugend entpuppen sich die beiden bemerkenswerten Darbietungen von Alida Valli und Adolfo Celi. Während Alida Valli mit Bravour die undurchsichtige Vermieterin der Nobelvilla verkörpert, spielt Celi einen vermögenden Nöterich, der sich nicht nur nebenbei als ein in die Jahre gekommener Toyboy etwas dazu verdient, sondern sich auch gegenüber der holden Weiblichkeit alles andere als gentlemanlike gibt. Benjamin Lev, dessen acidhaltiges Rauschgelage ich gerade erst vor einigen Wochen in MADNESS - GLI OCCHI DELLA LUNA bestaunen durfte, mimt den geistig leicht degradierten Sohn einer Gasthausbesitzerin, der seine Augen (und Hände) nicht mehr von der zauberhaften Ms. Dexter lassen kann.



Caianos Edel Giallo wirkt wie eine psychedelische Reise durch eine sonnige Küstenlandschaft, wobei man sich als Zuschauer den ganzen Film über so fühlt, wie die vollrelaxten Bewohner der noblen Villa, auch wenn man sich dabei selbst nichts eingeworfen hat. Die hypnotische Bilderpracht in Verbindung mit den psychedelischen Sitar-Geklampfe erledigt das auch ganz 'ohne'. Inszenatorisch wurden die gängigen Muster des Giallo durchbrochen und größtenteils durch eigene, bis dato genreuntypische Mechanismen ersetzt. Aufgrund der ungewöhnlichen Atmosphäre kam mir bereits nach wenigen Minuten die folgende Vermutung in den Sinn:

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Fazit: 'Auf nach Maracudi!'





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Auch sehr empfehlenswert ist die Filmbesprechung auf 'Eskalierende Träume': http://www.eskalierende-traeume.de/la-c ... labirinto/




Trailer:





Score:






Prisma hat geschrieben:
Do., 24.12.2020 14:34
Müsste ich mir bald mal wieder anschauen, schon alleine wegen der Besetzung.

Diesen Satz könnten wir beide so langsam als Signatur verwenden :)
Zuletzt geändert von Richie Pistilli am Mo., 05.04.2021 11:26, insgesamt 2-mal geändert.

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Prisma
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Re: EYE IN THE LABYRINTH - Mario Caiano

Beitrag von Prisma »

Richie Pistilli hat geschrieben:
Fr., 25.12.2020 12:22
Ein fantastischer Urlaubstrip mit Alptraumgarantie!

Ich finde es bei dieser Art Filme ja bemerkenswert, dass sie tatsächlich ein scheinbares Urlaubsfeeling vermitteln können, obwohl man weiß, dass aus der salzhaltigen Luft schnell eine bluthaltige werden dürfte. So verlockend, pittoresk und schön die Eindrücke auch sind, man würde natürlich nicht gerne mit den Personen tauschen wollen. Es gibt ja zahlreiche dieser Beiträge in denen dieses Flair aufkommt, und das Setting tut das Übrige aufgrund der örtlichen oder räumlichen Begrenzung dazu, vor allem wenn es sich um Insel- oder Küstengegenden handelt, wo oft sogar noch eine andere Mentalität herrscht. Alleine wegen dieser Rahmenbedingungen kommt es ja meistens schon zu starken Kontrasten innerhalb der Geschichten und in "Eye in the "Labyrinth" wird das besonders eindrucksvoll ausgespielt.

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