DER MANN OHNE GEDÄCHTNIS - Duccio Tessari

Schwarze Handschuhe, undurchsichtige Typen, verführerische Damen und stylische Kills.
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Prisma
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DER MANN OHNE GEDÄCHTNIS - Duccio Tessari

Beitrag von Prisma »




Senta Berger   Luc Merenda

DER MANN OHNE GEDÄCHTNIS


● L'UOMO SENZA MEMORIA / DER MANN OHNE GEDÄCHTNIS (I|1974)
mit Umberto Orsini, Bruno Corazzari, Duilio Cruciani, Rosario Borelli, Tom Felleghy, Manfred Freyberger und Anita Strindberg
eine Produktion der Dania Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Duccio Tessari

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»Das muss ein Sadist oder ein Verrückter gewesen sein!«


Ted (Luc Merenda) hat bei einem Unfall sein Gedächtnis verloren Auch trotz größter Anstrengung kann er sich nicht an seine Vergangenheit erinnern. Ein alter Bekannter will ihn mit Informationen über seinen früheren Lebenswandel versorgen, doch bevor es dazu kommen kann, fällt dieser einem Mordanschlag zum Opfer. Die Suche nach seiner Identität führt ihn schließlich nach Portofino, wo seine Ehefrau Sara (Senta Berger) lebt. Hier erhofft er sich entscheidende Erkenntnisse. Zur gleichen Zeit taucht sein ehemaliger Geschäftspartner namens George (Bruno Corazzari) auf, und es deutet sich schließlich an, dass Ted in kriminelle Machenschaften verwickelt gewesen sein muss. Für Freunde und Feinde ist es nun von größtem Interesse, dass er sein Gedächtnis so schnell wie möglich wiederfindet, doch wer steht auf welcher Seite..?

Wie bereits in seinem 1970 entstandenen "Das Grauen kam aus dem Nebel", wählt Regisseur Duccio Tessari Bilder des italienischen Alltags für den Vorspan, um möglicherweise einen Transfer zur Normalität zu schaffen, sodass der Eindruck entsteht, derartige Geschichten könnten sich überall und nirgends abspielen. Erneut unterlegt mit der traumhaften Musik von Gianni Ferrio, entsteht früh eine trügerische Atmosphäre, die den Verlauf charakterisieren und ihm noch sehr zuträglich sein wird. Die darauf folgenden Szenen beim Psychiater werden eine Richtung vorgegeben, denn es tun sich Abgründe und damit verbundene Irritationen auf, die für den Zuschauer nur schwer zu begreifen sind, da eine offensichtlich lang anhaltende Amnesie des männlichen Protagonisten im Raum steht, die den unheilvollen Stoff bildet, aus dem dieser Alptraum sein wird. Ted, der Mann der sein Gedächtnis verloren hat, lebt zwar irgendwie in der Gegenwart, muss dabei aber in eine schwarze Zukunft schauen, da er keine Vergangenheit hat. Erinnerungen und Erfahrungen bilden mitunter das Fundament eines jeden Lebens, und genau darüber baut sich schnell eine deutliche Brisanz auf, die der Filmtitel zu beschreiben versucht, weil er einen unerträglichen Identitätsverlust andeutet. Wenig später hat der Gedächtnislose ein Wiedersehen mit einem alten Freund, der ihm zur allgemeinen Verwunderung die Erinnerung wieder einprügeln will. Es geht um verschwundene Ware und somit ist schließlich klar, dass es sich um dunkle Verstrickungen und gefährliche Machenschaften handeln dürfte, die Skrupel oder Gnade so gut wie ausschließen. Das Abhandenkommen des eigenen Ichs bietet jeder Geschichte potentiell die gute Voraussetzung, den entsprechenden Verlauf spannend und nebulös zu halten, da einfach wichtige Informationen vorenthalten werden, die in den richtigen Momenten für Zündstoff, bestenfalls sogar Schocks sorgen können.

Wenn dieser luftleere Raum aufgrund allgemeiner Machtlosigkeit für den Betroffenen schon kaum auszuhalten ist, schließen sich naturgemäß andere Personen in dieser Kette mit an, die ebenfalls zu leiden haben. In diesem Zusammenhang wird Senta Berger als Sara integriert, die ihren Ehemann seit einem Jahr nicht mehr gesehen hat, der darüber hinaus wiederum gar nicht weiß, dass sie existiert. Es gilt schließlich, ein nicht zusammenpassen wollendes Mosaik mühsam in Konturen zu bringen, und mit Duccio Tessari ist der richtige Mann am Werk, da er bekannt dafür ist, ausgefallene Erzählstrukturen in Einklang mit handelsüblichen Formaten und zuschauerfreundlichen Sehgewohnheiten zu bringen, was nicht pauschal heißen soll, dass es für den Interessenten zu einfach werden wird. Trotz aller Unruhe und Verwirrung kommt es unter Tessaris Stil zumindest zu einem linearen Ergebnis, doch zuvor ist das Vorstellen der wichtigsten Personen absolute Priorität. Plötzlich schießt daher Sara ein, und man darf Senta Berger in der Blüte ihrer Schönheit bewundern. Mithilfe sorgsamer Kniffe entsteht bereits früh eine teilweise unheimliche, aber vor allem verwirrende Atmosphäre, die nicht nur aufgrund der klassischen Inszenierung, sondern vor allem wegen Senta Berger als Projektionsfläche voll aufgeht. Eine Ehe wird in Relation gesetzt, beziehungsweise auf das Minimum reduziert, nämlich das Papier, auf dem sie steht. Das erste Treffen der beiden Hauptfiguren verläuft daher sehr reserviert, sodass sich unterschwellig das nötige Feuer aus Wut, Verzweiflung und Unverständnis entfachen kann, um das gezielt ausladend und beinahe behäbig verlaufende erste Drittel in die nächste brisante Sphäre zu schicken, die mit vagen Erklärungen, Rückblenden und schließlich Schocks gepflastert sein wird. Als Ausgleich sieht man jedoch wieder kurze Momente des Glücks, als eindeutiges Zeichen für eine Zuneigung ohne Verjährungsfrist.

Hierbei handelt es sich um einen ebenso guten Verstärker, da quasi alles in eine Waagschale geworfen wird, und dabei droht, in noch mehr Stücke zu zerfallen. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang sind die darstellerischen Leistungen, die geprägt sind von Emotionen und Skepsis. Vor allem ist es Senta Berger, die "Der Mann ohne Gedächtnis" mit einer exzellenten Darbietung tragen wird. Eine gut abgestimmte Melange aus Temperament, Feinfühligkeit, Verzweiflung, Angst, aber auch Vehemenz, wird zum Eckpfeiler der Geschichte, und es bleibt nur zu abzuwarten, ob sich daraus auch ein entscheidender Sargnagel für die Bedrohung im Hintergrund entwickeln wird. Die Österreicherin, die zu jener Zeit längst ein gängiges und ebenso großes Kaliber auf dem italienischen Filmmarkt darstellte, kann hier in einer ihrer vielleicht atemberaubendsten Rollen begleitet werden, unabhängig davon, wie man insgesamt zu ihr als Interpretin stehen mag. Ihre Performance wirkt in Abstimmung mit Schauspielführung, Talent und eigener Variabilität absolut hochklassig, sodass sie alleine als stärkstes Zugpferd in der Geschichte zurückbleibt. Die von ihr ausgehende Loyalität, die auch in einer Extremsituation nicht erschüttert werden kann, macht sie zur sympathischen Identifikationsfigur in einem Schachspiel, dass aufgrund Duccio Tessaris geschliffener Bearbeitung offen bezüglich des möglichen Ausgangs bleibt, obwohl sich schnell gewisse Ahnungen ergeben. Von Vorhersehbarkeit kann allerdings keine Rede sein, schließlich Kämpfen die beteiligten Personen sehr geschickt an den Fronten der Verwirrung und Irritation, und es entsteht ein klassischer Kampf zwischen Kenntnis und Unkenntnis. Der unaufdringliche Verlauf weist seine Charaktere nicht leichtfertig bestimmten Seiten zu, doch aufgrund der wenigen Schlüsselfiguren festigen sich Verdachtsmomente, noch bevor man genau weiß, worum es eigentlich geht.

Luc Merenda deckt gleich mehrere Facetten entscheidend ab, denn er verkörpert gleichermaßen eine Art Held und Antiheld in einer Person. Außerdem kann ein tragischer Anteil herausgefiltert werden, da er unschuldig in diese für ihn so ausweglos erscheinende Farce geraten ist, wohlgemerkt als Schuldiger. Die Themen Schuld und Sühne stellen jedoch nicht die Komponenten dar, die der Film nötig hat, immerhin gibt es offensichtliche Andeutungen, dass die beiden Protagonisten nichts mit Rost zu tun haben, wenn es um die Liebe geht. Merendas Darstellungsstil ist zeitweise etwas zu temperamentlos und konventionell, dennoch weiß er sein Potential in den wichtigen Momenten des Films abzurufen. Mit Umberto Orsini wird einerseits Vertrauen angedeutet, schließlich stand er Sara in ihrer schwierigsten Zeit bei. Auf der anderen Seite wird dieser Eindruck durch Zweifel verworfen, denn immerhin nimmt man ihm seine Bedingungslosigkeit nicht komplett ab, weil die Unterstellung - die Situation einer von Krisen geplagten Frau ausnutzen zu wollen - Form annehmen kann. Bruno Corazzari hingegen macht keinen Hehl aus seiner Zugehörigkeit in der Geschichte, und er wird daher sehr unbequeme Formen als unberechenbarer Aggressor annehmen. Anita Strindberg dient dem Empfinden nach ausschließlich der Staffage, beziehungsweise der Großaufnahme, und es bleibt abzuwarten, ob sie sich der Dramaturgie noch als eine Art Trumpf-Ass zur Verfügung stellen wird. Die schauspielerischen Leistungen verdienen letztlich beste Prädikate und veredeln "Der Mann ohne Gedächtnis" ausnahmslos. Das Finale des Films ist mit der Beschreibung Showdown sicherlich besser beschrieben, und es wird wohlwollend zur Kenntnis genommen, dass die Hintergründe nicht viel mit groß angelegtem und grob ausgeschlachteten Wahnsinn zu tun haben, sondern nur allzu weltlicher Natur waren. Duccio Tessari liefert insgesamt einen bemerkenswerten Film, den er nach Art des Hauses überaus elegant, aber im Fazit auch prosaisch gekennzeichnet hat.

Percy Lister
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Re: DER MANN OHNE GEDÄCHTNIS - Duccio Tessari

Beitrag von Percy Lister »

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"Der Mann ohne Gedächtnis" (L'uomo senza memoria) (Italien 1974)
mit: Senta Berger, Luc Merenda, Umberto Orsini, Bruno Corazzari, Duilio Cruciani, Anita Strindberg, Rosario Borelli, Manfred Freyberger, Tom Felleghy, Carla Mancini, Vittorio Fanfoni u.a. | Drehbuch: Ernesto Gastaldi | Regie: Duccio Tessari

Der Engländer Edward, genannt Ted, hat bei einem Autounfall sein Gedächtnis verloren. Nachdem in seinem Apartment in London jemand ermordet wird, der ihn auf gemeinsame illegale Geschäfte hinweist, reist er nach Portofino. In einem Telegramm wird ihm mitgeteilt, dass dort seine Frau Sara lebe. Diese wird seit geraumer Zeit von Einbrüchen heimgesucht, irgendetwas scheint in ihrer Wohnung versteckt zu sein. Teds ehemaliger Komplize bedrängt das Ehepaar und als mehrere Anschläge auf sein Leben verübt werden, bleibt nur mehr die Flucht nach vorn....

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Die stilsichere Eleganz von Duccio Tessaris Thriller wird von hellen, freundlichen Farben dominiert, wobei Blau in allen Tönen, vor allem in der schmeichelhaften azurnen Variante inszeniert wird. Das flammende Rot von Senta Bergers Haaren, das Grün der Pinienhaine über den Klippen und das blasse Grau der Pflastersteine unterstreichen die Harmonie der Umgebung, in die das Verbrechen zwar unvermittelt, aber aus einem nachvollziehbaren Grund hereinbricht. Der vorbelastete männliche Held ist Auslöser für eine Kette von Gewalttaten, da er sich für finanzielle Annehmlichkeiten auf einen lebensgefährlichen Handel eingelassen hat. Aufgrund der weitgehenden Ahnungslosigkeit seiner Ehefrau liegt der Suspense des Films nicht nur darin, wie er sich aus dieser Zwickmühle befreien wird, sondern vor allem, ob die fragile, auf kurzer Bekanntschaft beruhende Ehe den Belastungen standhalten wird.

Senta Berger zeichnet eine unabhängige Frau, deren zwei Verehrer (ein Sportarzt und der zehnjährige Nachbarsjunge) ihre Einsamkeit durchbrechen und ihr Leben auflockern. Beide stellen keinerlei Anziehung in sexueller oder emotionaler Hinsicht dar. Erst die Rückkehr ihres Ehemanns bringt Sara aus der Fassung und lässt sie schwanken. Da sie sich jedoch nicht über seinen Charakter und seine Zuverlässigkeit im Klaren ist, gibt sie dem Wunsch nach Nähe allerdings nicht nach. Tessari kreiert eine subtile Erotik, die sich aus Distanz und Rückzug ergibt und durch Gianni Ferrios Filmmusik noch unterstrichen wird. Die Kultivierung der Sehnsucht scheint die Erfüllung zu fürchten, da die Realität selten mit den Erwartungen und Träumen der Personen mithalten kann. Statt sich auf finstere Gestalten zu konzentrieren, setzt der Regisseur auf taghelle, offene Schauplätze, um der Gefahr zu begegnen.

Hinter den Aktionen steht kein verrückter Triebtäter, sondern nüchternes Kalkül, sich die Summe von einer Million Dollar anzueignen. Der Film wird gern mit dem Einsatz der Kettensäge beworben, was seiner Unaufdringlichkeit jedoch nicht gerecht wird. Vor allem lebt er vom Zwiespalt, in dem sich die von Luc Merenda verkörperte Figur befindet; der Beschaulichkeit von Saras Umfeld und dem Wunsch nach einer Auszeit vom Alltag, der jedoch zu keiner Minute Aussicht auf Erfolg beschienen wird, da sie auf Selbstbetrug und Kriminalität begründet ist. Die Beziehung zwischen Sara und Ted ist im Grunde ein Traumbild, das am hellen Tage erscheint und jene Augenblicke memoriert, die in der Erinnerung der Frau erhalten geblieben sind. Die Antwort auf die Frage nach Beständigkeit und Zukunft der Verbindung bleibt der Film schuldig. Mit fragenden Blicken entlässt er nicht nur seine Hauptdarsteller, sondern vor allem das Publikum.

Je nach Grad der romantischen Vorstellungen seiner Zuschauer, findet jeder für sich selbst eine Antwort. Der pittoreske Thriller punktet mit einem überzeugenden Ensemble, wobei vor allem Senta Bergers feinfühliges Spiel hervorsticht. Ihre warme Ausstrahlung erleuchtet förmlich die Leinwand und macht den Kriminalfall greifbar und wirklichkeitsnah, was vor allem als Gegenpol zum anfangs sehr undurchsichtigen Spiel ihres Partners Luc Merenda nötig ist. Einige Logikfehler lassen den kopflastigen Zuschauer zwischendurch die Stirn runzeln, verhindern jedoch nicht, dass sich trotz der hohen Spannung ein Wohlfühlfaktor einstellt, der dazu anregt, seine Mokassins von "Tod's" und den königsblauen Kaschmirpullover einzupacken und den nächsten Zug nach Portofino zu besteigen, um sich dort zu vergewissern, dass Licht und Schatten nah beieinander liegen und es das eine nicht ohne das andere gibt.

hockeymask86
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Re: DER MANN OHNE GEDÄCHTNIS - Duccio Tessari

Beitrag von hockeymask86 »

Ist über die Jahre auch bei mir gewachsen. Fand den beim ersten mal eher meh. Hatte nach dem Backcovertext der Koch-DVD einen reinrassigen Giallo erwartet. Konzentriert man sich doch mehr auf die Figuren und ihre Bezeiehung zu einander als auf die typischen Mordsequnzen.
Zudem habe ich auch nicht mit einem widerlich-nervigen Balg gerechent. Gott was habe ich dem die Pest an den Hals gewünscht.
Ich wollte die Scheibe deshalb schon aussortieren. Zum Glück hab ichs nicht gemacht, denn irgenwann hats gefunkt und mittlerweile finde ich den ganz vorzüglich.
Und die DVD ist immer noch gut anzusehen.

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Prisma
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Re: DER MANN OHNE GEDÄCHTNIS - Duccio Tessari

Beitrag von Prisma »

hockeymask86 hat geschrieben:
Di., 28.09.2021 19:53
Ist über die Jahre auch bei mir gewachsen [...] denn irgenwann hats gefunkt und mittlerweile finde ich den ganz vorzüglich.

Habe mit den Film nochmals angeschaut und mir ging es ganz genauso, da mir die Erwartungshaltung anfangs irgendwie einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, was beispielsweise bei "Der Tod trägt schwarzes Leder" ähnlich war. "Der Mann ohne Gedächtnis" konnte mit den Jahren deutlich wachsen, wobei die Aussage so ja eigentlich nicht stimmt, da es sich von Anfang an um einen Spitzenbeitrag gehandelt hat. Vielmehr hat sich an der eigenen Betrachtungsweise viel getan, was übrigens auch für Senta Berger gilt, aus der im internationalen Film wesentlich mehr heraus geholt wurde, als im deutschen. Was bei mir am Ende jedoch bleibt, ist, dass ich mir solche Filme des sozusagen persönlichen Wandels dann nie sehr oft anschaue.

deadlyfriend187
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Re: DER MANN OHNE GEDÄCHTNIS - Duccio Tessari

Beitrag von deadlyfriend187 »

Ich mag an dem Film sein ruhiges Tempo, durch das er auf mich immer ein wenig vornehmer erscheint. Ruhig, aber für mich nie langweilig. Dies lag zu großen Teilen an Senta Berger aber auch den Locations. Dennoch hatte er zusätzlich zur Ruhe eine Menge richtig spannender Szenen zu bieten. Sowie natürlich einen starken Showdown. Tatsächlich hatte ich den auch bereits bei Erstsichtung ins Herz geschlossen.

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Prisma
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Re: DER MANN OHNE GEDÄCHTNIS - Duccio Tessari

Beitrag von Prisma »

deadlyfriend187 hat geschrieben:
Mi., 10.11.2021 10:33
Ich mag an dem Film sein ruhiges Tempo, durch das er auf mich immer ein wenig vornehmer erscheint.

Das ist auch mein Eindruck. Bei der Erstsichtung war das vielleicht sogar der große Hemmschuh, da es zu einer Zeit war, in der ich abgeschnittene Kopf-Attrappen, Messer, die sich tief und unbarmherzig durch geschundene Körper bohren und Geschichten sehen wollte, die sich schnell zusammen zu zählen ließen. Das bekommt man hier schon alleine wegen der tollen Schauplätze, der hochwertigen Ausstattung und der raffinierten Story nicht geboten. Senta Berger trägt ihren Teil in der Hauptrolle sicherlich auch dazu bei, wie ich finde.

deadlyfriend187 hat geschrieben:
Mi., 10.11.2021 10:33
Dennoch hatte er zusätzlich zur Ruhe eine Menge richtig spannender Szenen zu bieten. Sowie natürlich einen starken Showdown.

Ja, es ist eine wirklich gelungene, vor allem in Erinnerung bleibende Mischung entstanden, die in den richtigen Momenten zupacken kann. Den extravaganten und hochspannenden Showdown mochte ich schon immer sehr gerne und hat mich beim ersten Anschauen richtig überraschen können, was man ja generell auch von der Auflösung sagen kann. Im Endeffekt kann ich über "Der Mann ohne Gedächtnis" sagen, dass er mit den Jahren und mit jeder neuen Sichtung gewinnen konnte.

deadlyfriend187
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Re: DER MANN OHNE GEDÄCHTNIS - Duccio Tessari

Beitrag von deadlyfriend187 »

Cool! Hier antwortet jemand :o

Ich verstehe was du meinst. Der Fluch der Erwartungshaltung. Bei mir ist "Videodrome" dafür ein Paradebeispiel. Wollte in den 80ern einfach einen klar definierten Killer, ein wenig Splatter oder sonstige einfach verständliche Gruselaction. Mit diesem Meisterwerk von Cronenberg konnte ich nichts anfangen. Das lag nicht am Film, sondern an mir. Hatte ich aber erst später verstanden.

Heute schätze ich gerade solche Filme wie "Der Mann ohne Gedächtnis". Ich mag an dem Film einfach auch den gesamten Aufbau. Wie beispielsweise die Personenkonstellation gesetzt wurde. Als Senta Berger ihn vom Bahnhof abholt, gefiel mir auch total gut. Als er an ihr vorbeischaut und auf (ich glaube) auf eine Blondine zusteuert.

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Prisma
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Re: DER MANN OHNE GEDÄCHTNIS - Duccio Tessari

Beitrag von Prisma »

deadlyfriend187 hat geschrieben:
Mi., 10.11.2021 11:55
Cool! Hier antwortet jemand :o

Ich weiß. Oft hält einen das Gefühl bereits alles gesagt und gehört zu haben davon ab, etwas zu antworten, oder man ist längst wieder mit was anderem beschäftigt. Ja, und ein eventuelles, kurzes Kopfnicken oder Kopfschütteln hinterm Bildschirm sieht eben keiner. Bei "Der Mann ohne Gedächtnis" ist es bei mir allerdings so, dass ich mich keineswegs so fühle, bereits alles gesagt oder durchdacht zu haben. :mrgreen:

deadlyfriend187 hat geschrieben:
Mi., 10.11.2021 11:55
Der Fluch der Erwartungshaltung.

Ja, das trifft es genau auf den Punkt. Ich kann gar nicht sagen, wie viele zum Teil auch wirklich gute Filme bei mir daran gescheitert sind, obwohl sie es stilistisch und inszenatorisch keineswegs verdient hatten. Gut, ich denke aber mal, dass jeder so was schon mal erlebt hat. Bei mir hauen Spoiler am meisten rein. Wenn ich vorher die kleinste Kleinigkeit erfahre, wird es manchmal schwer für den Film, zu überzeugen. Wenn ich eine komplette Auflösung aufschnappe, ist alles vorbei. Viele Gialli ohne wirklichen Whodunit haben mir tatsächlich oft nicht so zusagen können. Aber das dreht sich dann irgendwann, falls man sich überwindet, den jeweiligen Film nochmals zu schauen.

"Der Mann ohne Gedächtnis" hatte mich seinerzeit nicht so richtig bei der Täter-Auflösung überzeugen können, wenn ich mich richtig erinnere. Für meinen Geschmack waren es dann ein paar zu wenige Verdächtige und zu viel eindeutige, beziehungsweise zweideutige Hinweise. Es kommt aber auch darauf an, wie viel man selbst schon gesehen hat. Wenn man die Muster der Welt des Giallo oder jedes anderen Genres bereits hinlänglich kennt, kommt man natürlich auch schneller selbst hinter ausgeklügelte Geschichten. Damit meine ich noch nicht einmal das "Warum?" sondern eher das "Wer". Zusammenhänge können da schnell zur Nebensache werden.

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