DER REBELL - NEONAZI, TERRORRIST, AUSSTEIGER - Yury Winterberg

Literarische Klassiker und Neuerscheinungen zum Lieblingsthema
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Sid Vicious
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DER REBELL - NEONAZI, TERRORRIST, AUSSTEIGER - Yury Winterberg

Beitrag von Sid Vicious »

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Autoren: Yury Winterberg, Jan Peter

Er war Deutschlands meistgesuchter Neonazi und zum selben Zeitpunkt Offizier der Palästinensischen Befreiungsfront sowie Informant der DDR Staatssicherheit. Er organisierte Terroranschläge auf amerikanische Soldaten in Deutschland. Er trug zahllose falsche Namen, und war unter dutzend Masken jahrelang auf der Flucht.

Dies ist eine der unheimlichsten Biografien der Bundesrepublikanischen Geschichte und zugleich eine der schnellstvergessenen. Die Geschichte des Odfried Hepp.

Leider ist das Buch „Der Rebell“ seit langem vergriffen und man hat nur die Chance ein gebrauchtes Exemplar zu ergattern. Die Suche lohnt, denn Yury Winterberg und Jan Peter vermitteln ein durchweg spannendes Portrait eines bewegten Lebens. Die Autoren sprachen Odfried Hepp erstmals 2001, während einer Recherche zum Dokumentarfilm „Nach Hitler - Radikale Rechte rüsten auf“, an. Es folgten Gespräche, die sich über einen Zeitraum von 3 Jahren erstreckten und ein lückenloses Portrait des ehemaligen Rechtsterroristen ermöglichten.

Wiking-Jugend, Karl-Heinz Hoffmann, Wehrsportgruppe Ausland, der Tod von Kay-Uwe Bergmann, Peter Naumann und die geplante Befreiung von Rudolf Hess, die Hepp-Kexel-Gruppe, der Abschwur vom Hitlerismus, der Aufruf zum antiimperialistischen Freiheitskampf gegen die Besatzertruppen, der geplante Schulterschluss mit der RAF, Spion für das Ministerium für Staatssicherheit, Mitglied der PLF unter dem Kampfnamen Omar Saad Tariq.

Das reicht mindestens für zwei Leben.

Obwohl die Person Odfried Hepp (selbsterklärend) im Mittelpunkt steht, werden zahlreiche Informationen über damals aktive Rechtsextremisten, das MfS, die PLO, die PLF etc. eingebracht, sodass jede/r dazulernen und neue interessante Interpretationsansätze finden kann.

„Rebellen, Rebellen haben den Tod und den Teufel zum Gesellen!"

Fazit: Eine uneingeschränkte Leseempfehlung.


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Richie Pistilli
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Re: DER REBELL - NEONAZI, TERRORRIST, AUSSTEIGER - Yury Winterberg

Beitrag von Richie Pistilli »

Die gleichnamige Doku wurde übrigens auf ARTE ausgestrahlt:



Der Rebell - Neonazi, Rebell, Aussteiger [ARTE] 2005

#1 #2 #3 #4 #5 #6 #7 #8 #9 #10




Mehr Dokus zu dieser Thematik:

viewtopic.php?f=46&t=130

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Richie Pistilli
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Re: DER REBELL - NEONAZI, TERRORRIST, AUSSTEIGER - Yury Winterberg

Beitrag von Richie Pistilli »

Hätte da mal eine Frage zum Buch: Inwieweit wird in diesem (im Vergleich zur Doku) umfassender auf die frühen Neonazi-Jahre von Odfried Hepp eingegangen? Wird darin ausführlicher auf seine Mitgliedschaft in der Wiking-Jugend sowie in den neonazistischen Vereinigungen eingegangen? Werden die Treffen bei Curt, (Harald) und Ursel Müller in Mainz (NS-Kampfgruppe Mainz / HNG) näher beleuchtet? Wird die Vernetzung der neonazistischen Vereinigungen in den 70ern ausführlicher betrachtet? Kurzum: Lohnt sich der Kauf des Buchs, wenn man die Doku schon kennt?
Fragen über Fragen :)





Im folgenden Podcast kann man sich übrigens ab Minute 8:46 einen Beitrag von Odfried Hepp anhören:


Das Blutjahr 1980 - Rechter Terror in Deutschland







Weitere hochinteressante Podcasts zu rechtsterroristischen Organisationen aus den 70er und 80er Jahren sowie zur allgemeinen deutschen Geschichte des Rechtsextremismus ab Ende der 60er können unter dem folgenden Link nachgehört werden:


Podcast-Special: Die Geschichte des rechten Terrors in Deutschland (1945 - 2020)


Hintergrundinfos zu: Gruppe Ludwig, Hepp-Kexel-Gruppe, Kommando Omega, Gruppe Hengst, Wehrsportgruppe Hoffmann/K.H. Hoffmann, Manfred Roeder, Peter 'Bombenhirn' Naumann, Friedhelm Busse, Nationalsozialistische Kampfgruppe Großdeutschland, Münchner Oktoberfestattentat, Bückeburger Neonazi-Prozess (1979), Deutsche Aktionsgruppen, Helmut Oxner, Frank Schubert, Uwe Behrendt, Meinolf Schönborn, Gundolf Köhler, Mord an Shlomo Lewin & Frida Poeschke u.s.w.






Chronik des Rechtsterrorismus in Deutschland


1944/45: Werwolf-Freischärler-Kommandos
1950/51: Bund Deutscher Jugend
1952: Wiking-Jugend (WJ)
1968: Rudi Dutschke niedergeschossen
1970: Europäische Befreiungsfront (EBF)
1970: Ekkehard Weil
1971: Gruppe Hengst
1971: Nationale Deutsche Befreiungsbewegung (NDBB)
1972: Nationalsozialistische Kampfgruppe Großdeutschland (NSKG)
1973: Wehrsportgruppe Hoffmann
1973: Gruppe Neumann
1976: Dieter Epplen
1977: Gruppe Otte
1977: Werwolf-Gruppe
1979: Sendeanlagen in Koblenz und Münster gesprengt
1979: Werwolfgruppe Stubbemann
1980: Wehrsportgruppe Hoffmann
1980: Deutsche Aktionsgruppen / Brandanschläge auf Bundessammellager für Asylbewerber in Zirndorf und auf Asylunterkünfte in Lörrach und Hamburg
1980: Oktoberfestattentat
1980: Shlomo Lewin erschossen
1980: Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit
1981: Kommando Omega
1981: Heinz Lembke
1982: Helmut Oxner
1982: Hepp/Kexel-Gruppe
1984: Gruppe Ludwig
1991: Nationales Einsatzkommando
1991: Werwolf-Jagdeinheit Senftenberg

u.s.w.






Rechtsterroristische Bestrebungen in Hessen

Teil 1: Der Technische Dienst
Teil 2: Manfred Roeder
Teil 3: Die Radikalisierung der extremen Rechten in den 1970ern
Teil 4: Die Hepp-Kexel-Gruppe
Teil 5: Peter Naumann: das „Bombenhirn“ aus Wiesbaden
Teil 6: Die 1990er: Eine neue Generation rüstet auf





Infos zu Ursula und Curt Müller / HNG:

https://www.belltower.news/mueller-ursula-51202/
https://de.wikipedia.org/wiki/Hilfsorga ... %C3%B6rige
https://taz.de/Mainz--neues-Zentrum-der ... /!1632599/
https://taz.de/Archiv-Suche/!1805634/
https://taz.de/Archiv-Suche/!1585454/
https://taz.de/Archiv-Suche/!1869022/
https://www.spiegel.de/politik/rechtsra ... 0041170554
https://www.spiegel.de/politik/unheimli ... 0013512844
https://www.spiegel.de/politik/grausam- ... 0013522381
https://www.antifainfoblatt.de/artikel/ ... haft%C2%AB
https://taz.de/Archiv-Suche/!1869024/
https://taz.de/Rechtsextremer-Verein-HNG/!5136069/
https://blog.zeit.de/stoerungsmelder/20 ... -nazi_4532
https://de.soc.politik.misc.narkive.com ... r-in-mainz
https://www.apabiz.de/archiv/material/Profile/HNG.htm
http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/12/049/1204969.pdf

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Sid Vicious
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Re: DER REBELL - NEONAZI, TERRORRIST, AUSSTEIGER - Yury Winterberg

Beitrag von Sid Vicious »

Die Zeit in der Wiking-Jugend wird ganz ausführlich beleuchtet. Das Buch ist der Dokumentation um einiges vorraus. Es wird auch einiges über die geplante Hess-Befreiung erzählt. Sowie viel zum Entstehen der Hepp Kexel Gruppe. Odfried hatte nach dem Aufenthalt bei den Palästinensern und seiner Flucht die Schnauze vom Neonazismus voll und visierte gemeinsam mit Walter Kexel komplett neue Ziele an. Auf Odfrieds Verbindung zu Mohamed Ghadban und Abu Abbas geht das Buch ebenfalls detailliert ein. Augrund der fesselnden Schreibweise vom Winterberg kann man das Buch in einem rasanten Tempo durchlesen, denn es ist immer was los bei den Rebellen mit Tod und Teufel als Gesellen.



Das sind sehr verführerische Mechanismen, die eine Radikalisierung zum Kanonenfutter erfolgreich vorantrieben. Wolfgang Nahrath nutzte die Chance zur Gehirnwäsche ganz geschickt aus.
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Richie Pistilli
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Re: DER REBELL - NEONAZI, TERRORRIST, AUSSTEIGER - Yury Winterberg

Beitrag von Richie Pistilli »

Sid Vicious hat geschrieben:
So., 23.05.2021 23:35
(...) denn es ist immer was los bei den Rebellen mit Tod und Teufel als Gesellen.

Mir wurde bereits speiübel, als Odfried Hepp diesen braunen Propaganda-Müll im Rahmen der Doku anstimmte. :x



Habe das Buch zwischenzeitlich zur Hälfte gelesen, wobei mich bis dato das erste Kapitel am brennendsten interessierte: seine Sozialisation im Rahmen der Familie.
Wie bereits aus der Doku (ansatzweise) zu ersehen war, war die ideologische Weltsicht seines Vaters prägend für seine weitere Sozialisation. Als es dann auch noch zur Scheidung seiner Eltern kam, brachen allmählich alle Dämme, denn neben den väterlichen Geschichtsrevisionsstunden im heimischen 'Germanenkeller' war es augenscheinlich seine Mitgliedschaft im 'Bund Heimattreuer Jugend' sowie in der 'Wiking-Jugend', die ihm den letzten Schliff seiner rechtsextremen Radikalisierung versetzte. Beim zweiten Kapitel über seinen Aufenthalt bei der WSG Hoffmann im Libanon blieb mir übrigens auch stellenweise die Spucke weg. Im Vergleich zum Buch entpuppt sich die Doku als sehr oberflächlich, zumal in dieser (soweit ich mich erinnern kann) sein Aufenthalt in Syrien und Tunesien so gut wie gar nicht thematisiert wurde. Sehr aufschlussreich empfand ich bis dahin auch die zeitliche Zuordnungen wie beispielsweise das öffentliche in Erscheinung treten von Michael 'Aloysius Alfons' Kühnen (1977), nachdem dieser aus der Bundeswehr entlassen wurde.

Den ungekürzten Panorama-Beitrag über das eskalierte Kühnen-Treffen im Tannenhof kann man sich übrigens in der Mediathek anschauen.
Odfried Hepp hatte -bewaffnet mit einem Stuhl- bei dem braunen Treiben munter mitmischt:


1978-08-01__Neonazis: Versammlung im Tannenhof bei dem Nazi Michael Kühnen
https://daserste.ndr.de/panorama/archiv ... a1635.html (21:05 - 26:25 Min.)


Am meisten kotzen mich die ebenfalls anwesenden Alt-Nazis an, deren braunes Gedankengut vom nicht minder braungefärbten Staat anstandslos toleriert wurde.

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Sid Vicious
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Re: DER REBELL - NEONAZI, TERRORRIST, AUSSTEIGER - Yury Winterberg

Beitrag von Sid Vicious »

Interessanter Link.

Das Outfit von Kühnen und Co. hielt ja - zumindest in abgewandelter Form, halt zerissene wie dreckige Kleidung - Einzug in den Punk-Dresscode, der ja zur einheitlichen Uniformierung heranwuchs.
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Richie Pistilli
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Re: DER REBELL - NEONAZI, TERRORRIST, AUSSTEIGER - Yury Winterberg

Beitrag von Richie Pistilli »

Eine aufschlussreiche Netzwerkkarte, bei der ich auf Anhieb lediglich die Verstrickung nach Belgien vermisse (Front de la Jeunesse, VMO)

Nazi-Terror-BRD-Komplex.jpg

pdf: https://evau-mag.de/evau/wp-content/upl ... omplex.pdf (großes Bildformat!)
Quelle: https://evau-mag.de/erinnerung-und-koll ... leich-raf/







Nachdem ich das Buch durchgelesen habe hinterlässt Odfried Hepp bei mir einen noch unheimlicheren Eindruck als er es bereits nach Sichtung der Doku tat. Dank des vorzüglichen Schreibstils von Yury Winterberg fesselte mich das Buch gleich von Beginn an. Obwohl Hepps Lebenslauf im nationalsozialistischen Sumpf ab dem Zeitpunkt seines Libanon-Aufenthalts eine für die rechtsextremistische Entwicklung ungewöhnliche Wendung nimmt, sind es gerade die ansehnlich herausgestellten Schlüsselmomente seiner Sozialisation wie beispielsweise die Radikalisierung von Kindesbeinen an (zunächst im familiären Kreis, bevor das Zepter der braunen Ideologisierung an professionelle Nazi-Organisationen übergeben wurde), die Kaltschnäuzigkeit im Rahmen seiner kriminellen Taten (Banküberfälle und Sprengstoffanschläge), das konspirative Handeln der bereits weit verzweigten Szene sowie der blinde Lobpreis gegenüber den ideologischen Brandstifter, die auch heutzutage noch unvermindert in der Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit zu Tage treten, 'nachdem' mal wieder ein rechtsterroristischer Anschlag eines 'obligatorischen Einzeltäters' vonstattenging. Und auch der Verfassungsschutz mischte natürlich schon damals im braunen Sumpf munter mit, indem er die Szene -damals wie heute- mit zwielichtigen V-Männern und -frauen flutete. Ein weiterer Beleg dafür, dass die Ämter für Verfassungsschutz zu keinem Zeitpunkt auf dem rechten Auge blind waren, sondern vielmehr zu jeglichem Zeitpunkt konkret im Bild darüber waren, was gerade in der weit verzweigten Nazi-Szene vor sich geht. Warum die Behörde -damals wie heute- ihrem staatlichen Auftrag -Frühwarnsystem zum Erhalt der demokratischen Ordnung- in keinster Weise gerecht werden, bleibt für mich weiterhin das allergrößte Rätsel. Wie kann es sein, dass eine staatliche Behörde dreist Akten schreddert als auch vor Gericht beharrlich die Herausgabe von brisanten Schriftsätze verweigert sowie unentwegt die Aussageverweigerungshaltung ihrer V-Männer durchgehen lässt und die Regierung als auch Justiz dabei tatenlos zusieht? :x


Das es auch anders geht, zeigte das Wiederaufnahmeverfahren des Oktoberfestattentats im Jahre 2014. Obwohl auch im vorliegenden Fall nicht sämtliches Aktenmaterial preisgegeben wurde, förderte der genehmigte Teil dennoch tiefer gehende Erkenntnisse über das Agieren der damaligen Neonaziszene sowie des Verfassungsschutzes zu Tage. Zitat RA Werner Dietrich:

"Die vielen beigezogenen Akten der verschiedenen Dienste aus der Zeit 1974-1981, aber teilweise noch ab den 60er Jahren, sind eine wahre Fundgrube - insgesamt etwa 150.000 Blatt. Szenebeobachtung, informelle Gespräche mit Rechten, Überwachungsmaßnahmen, Telefonabhöraktionen, Beobachtung von Veranstaltungen und Aktionen, Infiltration von rechten Stammtischen und Lagebesprechungen, Registrierung von Namen, Adressen und Telefonnummern des politischen Umfelds von bekannten Rechtsterroristen wie Roeder, Pfahler, Hoffmann, Naumann, Lembke, Hepp, Bezugslisten rechter Infoblätter und Zeitschriften, etwa die Bezieher und Abonnenten des Waffenjournals und die Beiziehung von Prozessakten." (Quelle: Min. 23:15)





Obwohl dieses lesenswerte Buch das schändliche Treiben der damaligen Neonaziszene sehr gut abbildet, sind die subjektiven Schilderungen Hepps dennoch immer mit etwas Vorsicht zu genießen, zumal der folgende Sachverhalt bei mir im Nachhinein nochmals größere Zweifel säte. Dreh- und Angelpunkt ist das Gesprächsprotokoll eines hohen LKA-Beamten vom 14.10.1980, das im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens des Oktoberfestattentats in den ausgehändigten 'Spurenakten' auftauchte:



Zitat RA Werner Dietrich (2015): "... ja, es gibt da die Gruppe Hepp, die ist im Libanon und hat auf jeden Fall damit zu tun, weil die sich ein spektakuläres Alibi da verschaffen wollte. Dann gibt es den Zeugen Lauterjung und andere, die weitere Personen gesehen haben, die mit Köhler gestritten haben und, und, und. Ein sehr detailliertes Protokoll, alle sind sich einig: es muss Mittäter und mehrere geben, u.a. aus der Gruppe Hepp, von der wir heute wissen, dass Hepp V-Mann war, der geführt wurde vom Verfassungsschutz und LKA in Baden Württemberg und der gleichzeitig auch für die Stasi gearbeitet hat." (Quelle: Min. 7:50)

Zitat wsws.org: "Chaussy ist sich sicher, dass es in der Wehrsportgruppe mehrere V-Leute gab. Zwei davon sind namentlich bekannt, Walter Ulrich Behle und Odfried Hepp. (...) Wie viele V-Leute in der Wehrsportgruppe aktiv waren, hält die Regierung bis heute geheim. Die Informationen dazu seien 'so sensibel, dass selbst ein geringfügiges Risiko des Bekanntwerdens unter keinen Umständen hingenommen werden kann', heißt es in einem Brief der Regierung vom Februar an die Linkspartei." (Quelle: Abs. 11, Satz 3)



Wen dem so sein sollte, dann dürften die Schilderungen Hepps im vorliegenden Buch bereits ab seiner kurzzeitigen Inhaftierung im Jahr 1979 nicht mehr so ganz der Wahrheit entsprechen. Dies war dann auch ausgerechnet der Moment, als der Koffer Dieterles -aus dessen Inhalt später die Mitgliedschaft Köhlers in der WSG Hoffmann hervorgegangen sein soll- an das LKA Baden Württemberg überging. Letztlich hätte er mit somit die Leser seines Buchs genauso hinters Licht geführt, wie damals die westlichen Behörden, denen er beharrlich seinen Einsatz für die Stasi verschwieg.

@ Sid: Weißt Du zufällig mehr über diesen Sachverhalt? :shock:




Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Konstantin von Notz, Hans-Christian Ströbele, Irene Mihalic, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (24.11.2014)

Neonazis und Sicherheitsdienste in der BRD, die 1970er und 1980er Jahre (S.12-16)






Abschließend noch zwei interessante Podiumsdiskussionen, die beide mit hochkarätigen Teilnehmer*innen bestückt sind.
Dabei geht es auch um die V-Leute der damaligen Neonaziszene als auch um die allgemeinen Erkenntnisse aus dem Wiederaufnahmeverfahren sowie um die allgemeinen Parallelen zwischen dem rechten Terror von gestern und heute:



Thema: Das Oktoberfestattentat und die Kontinuitäten rechten Terrors [26.09.2020]
(Werner Dietrich, Andrea Röpke, Matthias Quent, Robert Andreasch und Gabriele Fischer. Moderation: Heike Kleffner)



Andrea Röpke referiert übrigens ab Min. 39:50 über die 'WSG Hoffmann'.
Äußerst empfehlenswert, das Ganze!





Thema: Der NSU-Komplex und das Oktoberfestattentat [11.05.2015]
(Werner Dietrich, Ullrich Chaussy, Dirk Laabs, Martina Renner, Sebastian Scharmer und Florian Ritter. Moderation: Heike Kleffner)


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Sid Vicious
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Re: DER REBELL - NEONAZI, TERRORRIST, AUSSTEIGER - Yury Winterberg

Beitrag von Sid Vicious »

Ich weiß nichts Näheres darüber, absolut nicht.

Ich habe deinen Text mit großem Interesse gelesen und war zum Ende ziemlich sprachlos. Das es in der WSG Hoffmann V-Männer gab, ist schon klar, aber das Hepp dazu gehören soll, hätte ich nicht erwartet. Chaussy ist meines Erachtens kein Schwätzer, sondern jemand, der gewissenhaft recherchiert. OKTOBERFESTATTENTAT belegt meine Lobeshymnen, da Uli wirklich ins Detail geht.
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Re: DER REBELL - NEONAZI, TERRORRIST, AUSSTEIGER - Yury Winterberg

Beitrag von Richie Pistilli »

Sid Vicious hat geschrieben:
So., 30.05.2021 23:46
Ich weiß nichts Näheres darüber, absolut nicht.

Ich habe deinen Text mit großem Interesse gelesen und war zum Ende ziemlich sprachlos. Das es in der WSG Hoffmann V-Männer gab, ist schon klar, aber das Hepp dazu gehören soll, hätte ich nicht erwartet. Chaussy ist meines Erachtens kein Schwätzer, sondern jemand, der gewissenhaft recherchiert. OKTOBERFESTATTENTAT belegt meine Lobeshymnen, da Uli wirklich ins Detail geht.


Seit 1979 besaß das BfV eine bei Odfried Hepp gefundene Namensliste von 200 WSG-Mitgliedern. Fortan war Hepp als V-Mann für den Verfassungsschutz Baden-Württemberg tätig. Dies erfuhren die Ermittler zum Oktoberfestattentat am 8. Oktober 1980



Gerade Chaussy und Dietrich grenzen sich von jeglichen Verschwörungsmythen, die rund um das Oktoberfestattentat entstanden sind, entschieden ab. Wenn die beiden eine solche Aussage treffen, dann wird ihnen auch ein entsprechender Nachweis vorliegen. Laut Ulrich Chaussy fiel RA Dietrich im Rahmen des Wiederaufnahmeverfahrens (2014) ein Gesprächspotokoll in die Hände, das wohl unbeabsichtigt in die ausgehändigten 'Spurenakten' geraten war. Demnach sollen sich am 08.10.1980 drei Kommissare der SOKO Theresienwiese aus dem Bayrischen LKA mit drei Kollegen des baden-württembergischen LKA aus Stuttgart, zwei Vertreter des BKAs, ein Bundesanwalt und Vertreter des Landesamts für Verfassungsschutz Baden-Württemberg in Gundolf Köhlers ehemaligen Studienort Tübingen getroffen haben, um gemeinsam die aktuelle Spurenlage zu erörtern. Als Ergebnis wurde letztendlich die desaströse sowie skandalöse 'Einzeltäterlegende' in die Welt gesetzt, obwohl der ermittelte Sachstand laut Protokoll genau das Gegenteil aussagte. Beispielsweise erschien den Ermittlern zu diesem Zeitpunkt eine Verwicklung des aus Achern stammenden Neonazis Odfried Hepp in das Münchner Attentat möglich. Weiterhin konnten sich die Ermittler auch vorstellen, dass Hepp als Kontaktperson zu Rudolf Köhler in Frage kam. *¹


Das dem letzten Endes nicht so war, wissen wir aber erst seit der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Bundestagsanfrage im Jahr 2014:

"Wie in der Einstellungsverfügung des Generalbundesanwalts hervorgehoben, haben die durchgeführten Ermittlungen zu rechtsextremistischen Organisationen keine Hinweise auf Verbindungen zum Tatgeschehen ergeben. Dies gilt nach den Ausführungen in der Einstellungsverfügung insbesondere auch für den Personenkreis um Odfried Hepp. Bei den Ermittlungen sind unter anderem Asservate aus einer vorhergehenden Durchsuchung bei Odfried Hepp ausgewertet worden. Darunter befand sich etwa eine handschriftliche Notiz, deren Inhalt zufolge Gundolf Köhler an zwei Übungen der „Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG)“ teilgenommen und der letzte Kontakt zwischen der WSG und Gundolf Köhler am 19. Mai 1977 stattgefunden hatte. Den Ermittlungen zufolge handelt es sich bei dieser Notiz um die schriftliche Fixierung von Informationen aus dem Umfeld der WSG. Diese stammten aus dem Jahr 1979 und sollten der Werbung neuer Anhänger dienen. Zu einer Kontaktaufnahme zwischen Gundolf Köhler und der Gruppe um Odfried Hepp ist es den Ermittlungen zufolge nicht gekommen. Im Rahmen der seit geraumer Zeit andauernden Prüfung der Voraussetzungen der förmlichen Wiederaufnahme der Ermittlungen wegen des Oktoberfestanschlags hat der Generalbundesanwalt darüber hinaus die umfänglichen, Odfried Hepp betreffenden Akten des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik ausgewertet. Auch nach dem Inhalt dieser Akten bestand eine persönliche Bekanntschaft zwischen Odfried Hepp und Gundolf Köhler nicht. Ebenso ergaben sich daraus keine sonstigen Anhaltspunkte für eine Verstrickung Odfried Hepps in den Oktoberfestanschlag". (Quelle: S. 6, Abs. 2)


Zurück zum Zufallsfund, dem Gesprächsprotokoll der unrühmlichen Ermittlerrunde. Chaussy schreibt: "RA Dietrich gibt an, dass ein wegen der Namensschwärzung im Protokoll nicht identifizierbarer Teilnehmer bei der Besprechung im Bayrischen Landeskriminalamt berichtet habe, Odfried Hepp sei V-Mann des baden-württembergischen Verfassungsschutzes." *²


*¹,*² Quelle: Ulrich Chaussy: Das Oktoberfest-Attentat und der Doppelmord von Erlangen S. 289, 299




Leider sind sowohl rechtsterroristischen Bestrebungen in den 70er als auch in den 80er Jahren weiterhin ein blinder Fleck in der deutschen Geschichtsforschung, was angesichts der vorhandenen Aktenlage eine staatliche Schandtat darstellt. Obwohl den Verfassungsschutzämtern bergeweise Ermittlungsakten aus den beiden Jahrzehnten vorliegen, werden diese mit der altbekannten Begründung 'zum Schutze des Staatswohls' beharrlich zurückgehalten. Dennoch hege ich die Hoffnung, dass Extremismusforscher*innen wie beispielsweise Barbara Manthe, Gideon Botsch, Andrea Röpke oder Robert Andreasch die bisherigen Erkenntnisse irgendwann einmal im Rahmen eines ganz dicken Buchs veröffentlichen, denn obwohl den Forschern der Zugriff auf die Ermittlungsakten weiterhin verwehrt bleibt, scheint dennoch ausreichend zugängliches Informationsmaterial zu bestehen, um die rechtsextremistischen Bestrebungen in den 70ern und 80ern tiefgehender erforschen zu können.



Abschließend kann ich noch wärmstens die online Ausgabe der Zeitschrift 'Bürgerrechte & Polizei' 1/1984 empfehlen, da sich diese Ausgabe hauptsächlich mit der Arbeit des Verfassungsschutzes in der damaligen Zeit auseinandersetzt. Auf den Seiten 57 - 67 befassen sich Ute Scheub und Wolfgang Becker mit dem Thema: "Verfassungsschutz in der Neonaziszene":

CILIP_017.png

https://archiv.cilip.de/Hefte/CILIP_017.pdf


Übrigens: Über Hepp steht in dieser Ausgabe folgendes geschrieben: "Fast zeitgleich hat im Libanon ein Rücktransport eingesetzt: Unter Hilfestellung des BKA werden drei Mitglieder der Wehrsportgruppe Hoffmann, nämlich Peter Hamberger, Hans-Peter Fraas und Odfried Hepp von Beirut aus in die BRD zurückverfrachtet. Die drei BKA-Kronzeugen packen aus, setzen aber gleichzeitig ihre Nazi-Aktivitäten fort." (Quelle: S. 63, Abs. 5)


Magazin-Archiv mit sämtlichen 'Bürgerrechte & Polizei'-Ausgaben seit 1978: http://www.cilip.de/zeitschrift/alle-ausgaben/

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Sid Vicious
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Re: DER REBELL - NEONAZI, TERRORRIST, AUSSTEIGER - Yury Winterberg

Beitrag von Sid Vicious »

Du hast äußerst emsig und ebenso gut recherchiert!

Ich finde es sehr schade, dass das Buch vom Fromm über die WSG Hoffmann vergriffen ist und leider nicht neu aufgelegt wurde. Hoffmann sagte mal in einem Interview, dass sich Fromm damit seinen Doktortitel erschwindelt hätte. Er zweifelt ja alles gern an und meint die Weisheit mit riesigen Schöpfkellen gefressen zu haben.

Das folgende Buch ist leider auch oop und mir schon seit Jahren zu teuer.

https://www.amazon.de/Verrat-Treue-Tats ... 3926913002
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Richie Pistilli
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Re: DER REBELL - NEONAZI, TERRORRIST, AUSSTEIGER - Yury Winterberg

Beitrag von Richie Pistilli »

Köhler bei WSG.jpg

WSG-Zeitschrift 'Kommando' (4. Ausgabe, Sept. 1979)


Sid Vicious hat geschrieben:
Di., 01.06.2021 00:12
Ich finde es sehr schade, dass das Buch vom Fromm über die WSG Hoffmann vergriffen ist und leider nicht neu aufgelegt wurde. Hoffmann sagte mal in einem Interview, dass sich Fromm damit seinen Doktortitel erschwindelt hätte. Er zweifelt ja alles gern an und meint die Weisheit mit riesigen Schöpfkellen gefressen zu haben.

Ober-Narzisst Hoffmann zählt wohl zu einer ganz speziellen Art von braunen Spießgesellen, der nicht nur so ziemlich alles auf seine Person bezieht, sondern auch mit den fadenscheinigsten Argumenten versucht, seine Mitschuld am rechtsextremistischen Terror entschieden von sich zu weisen. Dabei stützt er sich die meiste Zeit auf triviale Sachverhalte, die beispielsweise von Fromm oder Chaussy falsch wiedergegeben sein sollen und reitet auf diesen mit aussageschwachen Begründungen so lange drauf rum, bis er meint, dadurch die eigentlichen Vorwürfe gegen ihn entkräftet zu haben. Viele seiner geforderten Beweise ruhen bekanntlich in den Ermittlungsakten, auf die seine 'Widersacher' logischerweise keinen dauerhaften Zugriff haben. Umso wichtiger wäre es meines Erachtens, endlich die über 40 Jahre alten Ermittlungsakten zu veröffentlichen, damit die Geschichte des deutschen Rechtsterrorismus -und seine tatsächliche Mitwirkung- endlich aufgearbeitet werden kann.


Seine nachweisliche Funktion als Verführer und Brandstifter wird er aber meines Erachtens nie verleugnen können. Beispielsweise klagte Hoffmann 2017 gegen Ulrich Chaussy auf Unterlassung und Schmerzensgeld, was aber vom zuständigen Gericht abgewiesen wurde: "Hoffmann hatte Chaussy vorgeworfen, dass dieser ihn als "Drahtzieher" des Oktoberfest-Attentats bezeichnet habe. Er klagte auf Unterlassung und Schmerzensgeld. Nachdem sich die Richter einen Mitschnitt der Rede angehört hatten, befanden sie, dass sämtliche Aussagen Chaussys unter die freie Meinungsäußerung fallen. Falsche Tatsachenbehauptungen habe der Journalist nicht verbreitet. Die Persönlichkeitsrechte Hoffmanns habe er nicht verletzt. Tatsächlich hatte Chaussy das Wort Drahtzieher gar nicht verwendet. Er hatte darauf hingewiesen, dass der mutmaßliche Oktoberfest-Attentäter "zumindest zeitweise in die rechtsextremistische Szene verstrickt und von 1976 bis 1978 ein aktiver Sympathisant der Wehrsportgruppe Hoffmann" gewesen sei" (Quelle: #1, #2, #3)


Obendrein hatte Hoffmann doch 1979 unverhohlen sein Credo in der WSG-Zeitschrift 'Kommando' [Ausgabe 2 / März 1979] veröffentlicht, das er heute nicht mehr wahrhaben möchte: "Schwarze Waffen aus dem Haus schaffen und in der WSG >>auch als nicht verbotene(r) Organisation Verhaltensweisen entwickeln, die in gewisser Weise einer im Untergrund arbeitenden Vereinigung gleichen. So muss der genaue Mitgliederstand ständig verschleiert werden. Es darf auch künftig keine Übersicht darüber geben, wer am Dienst teilnimmt, wer Reservestatus hat und wer als ziviler Helfer gilt. (...) Durchgesickerten Tatsachen muss mit gezielter Desinformation begegnet werden!!<<
(Quelle: Ulrich Chaussy: Das Oktoberfest-Attentat und der Doppelmord von Erlangen S. 60 Abs. 2)


Und da ich mich zwischenzeitlich ein ganz klein wenig in die Materie des Rechten Terrors der 70er und 80er eingelesen habe, schaute ich mir in der letzten Woche erstmals zwei seiner YT-Videos an, was sich im Nachhinein aber als vergeudete Zeit herausstellte: Das Gespräch zwischen ihm und Helge Blasche (Hepp/Kexel-Gruppe) entpuppte sich beispielsweise als eine erstklassige Egoshow, in der er einige der zurecht gegen ihn erhobenen Vorwürfe mit Händen, Füßen und allerhand fadenscheinigen Argumenten zu entkräften versuchte - letztlich mit sehr mäßigem Erfolg. Ein narzisstischer Schwurbel-Kasper, der sein damaliges Brandstiftertum mit allen Mitteln auszulöschen versucht. Die größte Schande in diesem Zusammenhang bleibt daher weiterhin die Herausgabeverweigerung der sicherheitsbehördlichen Untersuchungsakten, in denen vermutlich so einige strafrechtliche Schandtaten nachweislich festgehalten wurden.


Was ich momentan noch schwer einschätzen kann, ist der bis dato bekannt gegebene Umfang der Stasi-Akten, zumindest soll das 'Ministerium für Staatssicherheit' die rechtsextremen Bestrebungen der BRD-Neonazis in den 70ern und 80ern sehr intensiv im Visier gehabt haben, was wiederum dafür spricht, dass hier bergeweise Untersuchungsakten existieren, die vermutlich sowohl hochbrisantes als auch für die Forschung erhellendes Material enthalten:


"Das MfS war von Anfang an gut über Hepp informiert: In den Akten finden sich Kopien von Hepps Abiturzeugnis, seiner Kontoeröffnung bei der Sparkasse Offenbach und der Sparkasse Berlin/West, diverser Kontoauszüge und eine Kopie seiner Abstammungsurkunde. Auf Betreiben des Vaters wurde Hepp im Sommer 1970 Mitglied des Bundes Heimattreuer Jugend in Sinzheim; dort beteiligte er sich an Herbst- und Winterlagern sowie einer Flandernfahrt. In seiner "Ausbildung" beim BHJ wurde er mit zwei Fragen konfrontiert: "Wie kam es zur deutschen Katastrophe 1945?" und "Welche Möglichkeiten gibt es, aus dieser Katastrophe wieder herauszukommen?" Im BHJ wurde Hepp Unterführer, Jugendscharführer und Standortführer Schwarzwald, letztes 1975, nahm Ostern 1976 am zentralen Lehrgang ausgewählter BHJ-Funktionäre in Dimhausen teil. Aus persönlichen Gründen (schlechtes Verhältnis zur BHJ-Führung Süd) wechselte Hepp Ende 1977 in die noch militantere Wiking-Jugend (WJ). Hepp gründete zusammen mit Roland Müller im Sommer 1977 die "Wehrsportgruppe Schlageter", die im März 1979 in den neugegründeten "Horst Ortenau" der WJ integriert wurde. Hepp wurde Gauführer Schwaben der WJ. Hepps Großmutter Anna Hepp lebte in der DDR, die Hepp bis 1978 rund fünfzehn Mal besuchte; es gab weitere Verwandte von Hepp in der DDR, zu denen aber keine Kontakte nachgewiesen sind. [...] Die Verbrüderung mit dem offiziell zum Hauptfeind erklärten (Neo-)Faschismus zeigt, dass der proklamierte Antifaschismus der DDR faktisch eine Lüge war.

Neben dieser zeithistorischen Dimension bleibt anzumerken, dass die Forschung über den Umgang des MfS mit dem bundesdeutschen Rechtsextremismus noch in den Anfängen steckt. Notwendig ist perspektivisch nicht nur die vollständige Sichtung und zeithistorische Kontextualisierung aller Akten zum Thema, sondern auch eine noch stärkere Integration der Erkenntnisse in die westdeutsche Rechtsextremismusforschung, weil zu vermuten steht, dass gerade hinsichtlich logistischer und finanzieller Dimensionen mehr Licht in das Dunkel der Geschichte des bundesdeutschen Rechtsterrorismus der 1970/80er Jahre gebracht werden kann.
"
(Quelle: bpb: Die Stasi und der westdeutsche Rechtsterrorismus. Drei Fallstudien -Teil II)



Mal gespannt, welche unvorstellbaren Zusammenhänge zukünftig noch ans Licht gebracht werden...





Sid Vicious hat geschrieben:
Di., 01.06.2021 00:12
Das folgende Buch ist leider auch oop und mir schon seit Jahren zu teuer.

https://www.amazon.de/Verrat-Treue-Tats ... 3926913002

Hmm, das ist ja ein von K.H. Hoffmann selbstverfasstes Buch , in dem er vermutlich die gleichen Verklärungsversuche betreibt, wie in seinen Videos oder auf seinem Blog.
Bist Du Dir sicher, dass Du dir dieses Buch freiwillig antun möchtest? :)
Oder besitzt dieses Buch irgendwelche Vorzüge, von denen ich nichts ahne?



Schau Dir dafür lieber die folgenden drei zeithistorischen Kurzreportagen über die 'WSG Hoffmann' an:



1974-03-11__Die Wehrsportgruppe Hoffmann [NDR]
https://daserste.ndr.de/panorama/archiv ... a1709.html

1980-01-30__Die Wehrsportgruppe Hoffmann [BR]
https://www.br.de/nachricht/rechtsausse ... n-100.html

1980-09-30__Rechtsradikalismus: Die Wehrsportgruppe Hoffmann [NDR]
https://daserste.ndr.de/panorama/archiv ... a1581.html

(Die erste NDR-Reportage von 1974 entspricht dem YT-Video)

Zuletzt geändert von Richie Pistilli am So., 13.06.2021 17:52, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: DER REBELL - NEONAZI, TERRORRIST, AUSSTEIGER - Yury Winterberg

Beitrag von Sid Vicious »

Den ersten Bericht (NDR) kannte ich noch nicht. Auf den Haarschnitt hat man wohl nicht so genau geachtet. Da sind ja einige mit derber Matte in Hoffmanns Truppe. Erinnert an den Wehrdienst in den Niederlanden, da waren lange Haare okay. Darüber haben sich so manche Knallschoten, mit denen ich einst in der weiten Arbeitswelt konfrontiert wurde, gewaltig aufgeregt.
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Re: DER REBELL - NEONAZI, TERRORRIST, AUSSTEIGER - Yury Winterberg

Beitrag von Richie Pistilli »

Abschließend noch zwei interessante Sachverhalte, wobei der erste einen kleinen Einblick hinsichtlich des Aktenumfangs des Wiederaufnahmeverfahrens gibt:


Im Rahmen des im Oktober 2014 aufgenommen Wiederaufnahmeverfahrens, bei dem die Generalbundesanwaltschaft die ermittlungsführende Behörde darstellte, die wiederum das bayrische LKA Bayern als ausführende Behörde mit den Ermittlungen beauftragte, erhielt RA Dietrich einen USB-Stick von der Bundesanwaltschaft zugestellt, der den bisherigen Stand der Ermittlungen enthielt:


"Dieser Stick entspricht ungefähr 145 Leitz-Ordner, oder 300.000 Blatt. Darin sind enthalten: sämtliche Vernehmungen der alten und neuen Zeugen, sämtliche Vernehmungen der Geschädigten und Beschuldigten, Gutachten zum Bau der Bombe, zu Körperteilen oder zu sonstigen technischen Geschichten - also ein riesen Konvolut, mit dem ich mich seit dieser Zeit beschäftige. Um ein Bild von der Sache zu kriegen: einzelne Ermittlungsschritte oder Ermittlungen einzelner Personen enthalten durchaus Vernehmungen von 70, 80, 90 Seiten, die also sehr in die Tiefe, in die Breite gehen und keinesfalls neben dem Sachverhalt herlaufen. Dann wird zu richtigen Zeugen beispielsweise das Umfeld abgeklärt, Meldeverhältnisse, Verwandte, Nachbarn und so weiter... kann das stimmen, wie war das damals gewesen, hatte er ein Alibi oder nicht, so dass einzelne, sagen wir mal Zeugenkomplexe nicht nur die einzelne Vernehmung des Zeugen, sondern das ganze Umfeld umfassen und das können durchaus 700 oder 800 Blatt dann sein. Zusätzlich zu diesen Ermittlungen, hat die Generalbundesanwaltschaft auf meinen Antrag hin, sämtliche Landesämter für Verfassungsschutz, das Bundesamt für Verfassungsschutz, das Bundeskriminalamt, die Landeskriminalämter angeschrieben und gefragt: habt ihr Unterlagen, Papiere, Dokumente im engen oder weiteren Sinne im Zusammenhang mit dem Oktoberfestattentat oder organisierter Rechtsradikalismus in der Zeit 70er oder Anfang der 80er Jahre. Allein dieser Bereich sind auch ungefähr 200 Leitz-Ordner und mehrere 100.000 Blatt. Diese Akten unterliegen, weil es eben Geheimdienstunterlagen sind, teilweise der Geheimhaltung , ...sind eingestuft, sogenannte Verschlussachen - und diese Papiere konnte ich nachdem ich ein entsprechendes Papier unterschrieben habe, dass ich das nicht weitergebe, was für geheim erklärt worden ist, konnte ich in Karlsruhe einsehen - und ich war eine Woche in Karlsruhe und habe dort in einem Raum, in dem mir die ganzen Akten jeweils gebracht wurden, mich durch diese Unterlagen aus den Geheimdiensten gekämpft. Zusätzlich gibt es noch weitere über 100 Leitz-Ordner, die betreffen den Komplex 'Langemann'. Langemann war sozusagen der Sicherheitschef hier in Bayern um den Zeitpunkt des Attentats, ein Minesterialdirigent im Innenministerium und er stand in dem Verdacht, mit dem Attentat und den Ermittlungen zum Attentat in irgendeiner Weise zu tun gehabt zu haben und möglicherweise da vertuscht zu haben, mit der Presse zusammengearbeitet zu haben und so weiter. Da sind Akten drin, die sich beschäftigen mit den Untersuchungsausschüssen zu Langemann, die es im bayrischen Landtag gegeben hat -das sind seine Tagebuchaufzeichnungen, die ein sehr interessantes Bild der 60er und 70er Jahre in der Bundesrepublik zu rechtsradikalen und... insgesamt zur politischen Szene bilden.

Dazu muss man sagen, das Bundesamt, das bayrische Kriminalamt und die Generalbundesanwaltschaft haben ein Ermittlungs- und Datenerfassungssystem eingesetzt, EASy heißt es. In dieses System wurden über 18.000 Einzelkomplexe eingespeist, über 2000 Namen und 7000 Blatt Akten - also bei den Einzelkomplexen ging es beispielsweise um einen Banküberfall oder Raubüberfall auf eine Tankstelle, wo Rechte und Rechtsradikale in den Verdacht gekommen sind, dies gemacht zu haben und man dann die Namen oder die Täter, wenn man sie hatte, abgeglichen wurden mit anderen Rechtsradikalen, auch den Einsatz der Waffe und so weiter... Das diente dazu, Schnittmengen zu identifizieren zwischen einzelnen Taten oder einzelnen Personen oder einzelnen Handlungen - und zwar auf Sachverhalte, auf die man nicht von vorne herein kommt, dass es sich um die gleiche Begehungsform oder Täterstruktur handelt. Das ist also das System gewesen, mit dem unter anderem gearbeitet wurde.

Vernommen wurden über 1000 Personen, Zeugen und Sachverständige, aber auch die Geschädigten, soweit sie noch lebten und man sie finden konnte. Die Geschädigten waren damals ja teilweise damals schon vernommen worden, jetzt aber auch noch mal. Das gibt natürlich ein abgerundetes Bild, einmal wie war die Tatsituation aus der Sicht der Geschädigten, zum anderen aber auch, wie war ihre Leidensgeschichte von damals bis jetzt. [...]

[...] Ich würde so sagen, alles das, was die Ermittlung, die Staatsanwaltschaften, die Ermittlungsbehörden, Verfassungsschutzämter und die LKAs damals herausgefunden haben und weitergegeben haben an die Bundesanwaltschaft, habe ich auch bekommen. Ich kann natürlich nicht ausschließen, dass irgendwelche Akten gar nicht vorgelegt worden sind oder möglicherweise geschreddert worden sind, aber mein Eindruck ist, dass was bei der Bundesanwaltschaft und beim bayrischen Kriminalamt an Akten eingegangen ist, mir auch im Rahmen der Akteneinsicht vorgelegt worden ist. Ich habe noch eine weitere Aktenlieferung bekommen, vor zwei Monaten, mit weiteren 8 Leitz-Ordnern und ungefähr 1000 Blatt - das repräsentiert den Akteninhalt der letzten sechs Monate noch dazu gekommen ist.
" (Quelle: ab Minute 7:23)







Ein weiterer interessanter Sachverhalt entpuppte sich in der Podiumsdiskussion vom 26.09.2020 (Thema: Das Oktoberfestattentat und die Kontinuitäten rechten Terrors), nachdem Heike Kleffner die folgende Fragestellung an Andrea Röpke stellte: "Eine Reihe von Weggefährten von Karl-Heinz Hoffmann sind ja weiterhin und auch schon seit Jahrzehnten in der extremen Rechten aktiv, und die offene Frage die auch mit Karl-Heinz Hoffmann verbunden ist, inwieweit sind seine Immobilien, sein Grundbesitz in Kahla in Thüringen nicht auch eben sozusagen Trainingsgelände für den Thüringer Heimatschutz und damals auch für den Vorläufer des nationalsozialistischen Untergrunds und dessen Netzwerk gewesen"

Antwort Andrea Röpke: "Genau das ist das Gefährliche auch an der Person Karl-Heinz Hoffmann, dass sie im Grunde genommen noch mal richtig aktiv wurde, nachdem Karl-Heinz Hoffmann dann Ende der 80er Jahre aus der Haft entlassen wurde. Er ist dann tatsächlich in seine 'Stadt der Jugend' zurückgegangen von Nürnberg oder teilweise pendelte er zwischen Nürnberg und Kahla und da setzten dann um das Jahr 2000 herum auch meine jahrelangen Recherchen an. Was mich wirklich am aller allermeisten schockiert hat war, und verwundert hat, war zunächst der Fakt, und das erlebte ich direkt in Thüringen vor Ort bei den Recherchen... die Anwohner in Kahla die dann massiv mit dem Häuserkauf konfrontiert waren von Herrn Hoffmann und seiner Frau, die hatten 15 Firmen gegründet, 'Themis' hießen die alle, sie hatten 20 Angestellte und kauften nach und nach die ganze Stadt auf und da war immer von den 'feinen Herren' die Rede. Es hieß immer 'die feinen Herren', die dem Herrn Hoffmann auch seinen Porsche finanzierten, die im Hintergrund tätig seien. Die Recherchen ergaben dann tatsächlich eine Spur unter anderem zu einem Brüderpaar aus Bayern, Nürnberg und München, und ausgerechnet dieser Mann, der knapp 12 Jahre nach dem Attentat von München Geschäfte mit dem bekanntesten Rechtsterroristen Bayerns machte, war ein enger Mitstreiter von Franz Josef Strauß, der kam aus Staatskanzlei. Es war ein Mitglied des Vorstands der Hanns-Seidel-Stiftung, und der kauft Häuser zusammen mit Herrn Hoffmann. Das war für mich unbeschreiblich." (Quelle: ab Minute 45:42)





Alles auf Anfang? Sechs Jahre Wiederaufnahmeverfahren der Bundesanwaltschaft zum Oktoberfestattentat vom 26.09.1980, Vorschläge für eine juristisch-politische Bewertung: Ein Gespräch mit dem Rechtsanwalt Werner Dietrich


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Re: DER REBELL - NEONAZI, TERRORRIST, AUSSTEIGER - Yury Winterberg

Beitrag von Richie Pistilli »

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Habe mir wegen des vielversprechenden Bonusmaterials zwischenzeitlich auch noch die DVD 'Der Rebell' für wenige Euros zugelegt, was sich im Nachhinein wiederum als eine sehr gute Entscheidung herausstellte: Neben dem Film sind auf der DVD auch noch 29 Kurzfilme (oder besser gesagt: Interviews) enthalten, die es allesamt nicht in die Doku geschafft haben (Outtakes).

In den besagten Interviews werden beispielsweise die familiären Hintergründe der Familie Hepp, das Leben in den Jugendorganisationen (Wiking-Jugend, BHJ), die Gruppe Schlageter, der Libanon-Aufenthalt, die diversen Fluchtversuche, die Falschgeldproduktion, die geplante Spandau-Aktion (Befreiung von Rudolf Hess), die Banküberfälle der Hepp-Kexsel-Gruppe, die Zusammenarbeit mit der Stasi, Neonazis in der DDR oder seine U-Haft in Fresnes genauer beleuchtet. Die einzelnen Beiträge weisen dabei Laufzeiten zwischen 1 bis 9 Minuten auf. Neben seinen beiden Schwestern, Ute und Heidi, kommen auch noch Steffen Dupper, Helge Blasche, Eberhard Böttcher und Hede Boehnisch, der 'Engel von Fresnes', zu Wort. Summa summarum eine empfehlenswerte Angelegenheit!


Nach der Sichtung des Bonusmaterials kommt mir Odfried Hepp noch unheimlicher vor, zumal er während seiner U-Haft in Fresnes ein äußerst konfuses Glaubenskonstrukt (von 'Heil Hitler' zu Heiland) angeeignet hat. Obendrein offenbart sein heimisches Regal äußerst fragwürdige Bücher:


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Beitrag von Richie Pistilli »

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DAS GEWALTJAHR 1980 IN FRANKFURT - RECHTSRADIKALISMUS UND DIE GESCHICHTE DER BUNDESREPUBLIK

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Momentan vergeht keine Woche, ohne dass es Neuigkeiten zur Hepp-Kexel-Gruppe oder zu rechtsextremistischen Bestrebungen aus den 70ern und 80ern gibt. Bin heute zufällig über den aktuellen Vortrag von Dr. Niklas Krawinkel gestolpert, der sich als ein Juwel hoch informativer Geschichtsforschung entpuppte, was die rechtsextremistische Vernetzung im Rhein-Main-Gebiet zu Ende der 70er Jahre angeht.


Aufgezeigt wird der Werdegang des Rechtsterroristen Frank Schubert, der bereits Ende der 70er gemeinsame Aktionen mit Walter Kexel vollzog, denn beide waren Mitglieder in der von Friedhelm Busse gegründeten VSBD. Dabei wird auch der rechtsextreme Werdegang Hexels ausgiebig beleuchtet, und zwar die Zeit, bevor er mit Odfried Hepp zusammentraf. Ein weiteres Mitglied des VSBD, das sich damals auch schon aktiv an Aktionen beteiligte, war Dieter Sporleder. Neben Busses VSBD waren beispielsweise auch noch unter der Führung von Arndt-Heinz Marx die Sektion 'Sturm 7' der WSG Hoffmann, der rechtsextreme Verleger Erwin Schönborn mit einem toxischen Buchladen, die JN, die Wiking-Jugend, die ANS sowie die Nazi-Gärtnerei Müller in Mainz-Gonsenheim als regionale NSDAP/AO-Zentrale in das Rhein-Main-Netzwerk mit eingebunden. Und Gauland machte damals schon als CDU-Mitglied das, was er auch heutzutage noch am besten kann: den Rechtsextremismus verharmlosen.


Wer mehr über die neonazistischen Bestrebungen Walter Kexels und Frank Schuberts sowie über das damalige Netzwerk der Neonazis im Rhein-Main-Gebiet wissen möchte, dem kann ich den knapp 40 minütigen Vortag von Niklas Krawinkel nur wärmstens empfehlen. Die darin aufgezeigten Sachverhalte waren für mich größtenteils neu.






00:00 - 02:26 Einleitung
02:27 - 52:15 Vortrag
52:15 - 91:40 Diskussions- und Fragerunde





In der Einleitung erzählt übrigens der Moderator, dass Niklas Krawinkel 'bald' einen Aufsatz mit dem Titel ''Frank Schubert - Ein Prototyp eines rechtsradikalen Gewalttäters' in einem von Gideon Botsch und anderen herausgegebenen Band zu 'Protagonisten der nationalen Opposition in der Bundesrepublik Deutschland' veröffentlichen wird. TOP!

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Richie Pistilli
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Re: DER REBELL - NEONAZI, TERRORRIST, AUSSTEIGER - Yury Winterberg

Beitrag von Richie Pistilli »




Ein sehr lesenswerter Beitrag über die mir bis dato 'namentlich' unbekannt gewesene GRUPPE KOCH, der neben Frank Schubert auch Walther Kexel angehörte:

https://www.berliner-zeitung.de/open-so ... 1627202864


"Im Nazi-Buchladen vom Verlag Volk und Kosmos GmbH im Stadtteil Bornheim, der damals das Zentrum der braunen Frankfurter Szene war, geriet er mit radikalen Gesinnungsgenossen in Kontakt. Einer von ihnen war der damals erst 16-jährige Elektrolehrling Walther Kexel.

Kexel war zu dieser Zeit bereits ein führender Funktionär in der von Friedhelm Busse gegründeten Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands – Partei der Arbeit (VSBD/PdA). Bei der VSBD handelte es sich um eine unter dem Deckmantel einer Partei agierende terroristische Organisation, in der sich vor allem versprengte Mitglieder der Wehrsportgruppe Hoffmann und Aktivisten der zu diesem Zeitpunkt bereits verbotenen Nationalsozialistischen Kampfgruppe Großdeutschland gesammelt hatten.
"



Ein weiterer lesenswerter Beitrag zur gleichen Thematik:


Neonazi Frank Schubert war kein Einzeltäter

https://www.fr.de/politik/neonazi-frank ... 13077.html

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