MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler

Slasher, Backwood, Grusel oder auch herber Splatter: der Platz für die dunkle Seite des amerikanischen Films
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Prisma
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MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler

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MORD IN DER RUE MORGUE


● MURDERS IN THE RUE MORGUE / MORD IN DER RUE MORGUE (US|1971)
mit Jason Robards, Christine Kaufmann, Herbert Lom, Maria Perschy, Adolfo Celi, Peter Arne, Rosalind Elliot,
María Martín, Ruth Plattes, Rafael Hernández, Xan das Bolas, Luis Rivera sowie Michael Dunn und Lilli Palmer
eine Produktion der American International Pictures | im Verleih der AIP
nach einer Erzählung von Edgar Allan Poe
ein Film von Gordon Hessler

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»Stoße ich Sie ab? Ihrer Mutter habe ich gefallen!«


Ganz im Stil des Grand Guignol, führt eine Theatergruppe Edgar Allan Poes "Die Morde in der Rue Morgue" auf. Das Haus ist stets gut besucht, da die Masse auf Sensationen und Nervenkitzel aus ist. Bei einer Aufführung wird die Hauptdarstellerin Madeleine Charron (Christine Kaufmann) ohnmächtig, nachdem sich in ihrer Fantasie bizarre Sequenzen über einen bestialischen Mord abgespielt haben, doch sie kann die immer wiederkehrenden Träume nicht ordnen. Als sich abseits der Bühne plötzlich Morde abspielen, ist der potentielle Täter schnell ausgemacht, da nur Mitglieder des ehemaligen Ensembles ihres Mannes César (Jason Robards) mit ätzender Säure ermordet werden. Es muss sich um René Marot (Herbert Lom) handeln, den auf der Bühne einst das gleiche Schicksal ereilte, doch Inspektor Vidocq (Adolfo Celi) sieht einen Haken an der Sache. Marot hat bereits vor vielen Jahren Selbstmord begangen. Als das Phantom jedoch immer weitere Opfer fordert, kommt man mit Hilfe von Madeleines Träumen auf die entscheidende Spur...

In der erfolgreichen Edgar Allan Poe-Reihe von American International Pictures, stellt Gordon Hesslers "Mord in der Rue Morgue" ein wirklich sehenswertes, aber genauso eigenwilliges Filmvergnügen dar, das sich zahlreicher Elemente aus Horror, Grusel, bis hin zu kleineren Bruchstücken des gepflegten Psycho-Thrillers bedient. Die große Stärke dieser lediglich nur nominellen Poe-Adaption ist definitiv der in Sequenzen angelegte Aufbau, der undurchsichtig bis zum zugegebenermaßen etwas zu konstruierten Finale bleibt, was aber nicht gleichzeitig heißt, dass überwiegend viele verworrene Tendenzen aufkommen. Vielmehr sieht man einen Verlauf, der nahezu traumwandlerisch vor sich hin plätschert und die Nerven wegen des diffusen Elements zu strapazieren versucht, dies bestenfalls auch kann. Hessler verweigert dem Zuschauer Transparenz und arbeitet mir allen Mitteln gegen einen klaren Durchblick, denn immer wieder ist man mit in die bizarren Traumsequenzen der Protagonistin eingebunden. Daher sind die schemenhaften Bilder auch keineswegs ordnen. Teilweise wirken diese Fragmente sogar so inkohärent, dass man vermuten könnte, sich gleich in mehreren Parallelhandlungen zu befinden. Erkennbar ist, dass sich ein düsteres Geheimnis hinter all dem verbergen muss, aber Erklärungen gibt es quasi erst im letzten Moment. Mit diesem Film bekommt der Zuschauer also ein schönes Beispiel serviert, wie ein Verlauf auch ohne halsbrecherische Effekte und Überspannung funktionieren kann und das große Ziel, dass die Geschichte einfach beunruhigen soll, wird recht eindrucksvoll erreicht. Der Vorwurf, die Regie habe hier einen potentiellen Whodunit verschenkt ist nur auf den ersten Blick gerechtfertigt, da der Film diese Strategie nicht als Hauptziel verfolgt. Vorhersehbarkeit und Geheimnis veranstalten ein unterm Strich interessantes Tauziehen, in das sich die Protagonisten wahlweise jeweils einreihen, und sich dieser Strategie sogar beugen.

Gordon Hesslers Edgar-Allen-Poe-Beiträge der AIP überzeugen schon alleine wegen ihren ausgewogenen, und teils spektakulären Besetzungslisten, und auch hier bekommt man einige prominente Bekannte zu Gesicht. Christine Kaufmann, die nach längerer schöpferischer Pause wieder am aktiven Filmgeschäft teilnahm, fungiert hier als Projektionsfläche für Angst und Schrecken, aber ebenso für Geheimnisvolles und Undurchsichtiges. Die Kamera bedient sich förmlich ihres zerbrechlich wirkenden Wesens und ihres makellosen Gesichts, welches im Sinne des Verlaufs oft maskenhafte Züge annimmt. Madeleines Träume sind in ihrer optischen und akustischen Serialität nicht zu durchschauen, sie wirken beunruhigend und erscheinen sozusagen wie eine Deviation, deren immer gleich abfolgende Bilder des Rätsels Lösung vorenthalten, verzerren und eine Bewusstlosigkeit folgen lassen. Neben ihr wirkt Jason Robards eher wie ein Fremdkörper wenn man bedenkt, dass die beiden verheiratet sind, allerdings wirkt die von ihm ausgehende unsympathische Note sehr förderlich für den Handlungsverlauf. Zwischen Jason Robards und Herbert Lom, dem Bösewicht der Geschichte und vom Dienst, entsteht somit ein Tauziehen auf Augenhöhe, da Gut und Böse irgendwann kaum mehr voneinander abgetrennt erscheinen. Besonders Herbert Lom als tragische Figur, zieht diesen Eindruck immer mehr auf sich, da es einem als Zuschauer irgendwie leicht fällt, Verständnis mit diesem vom Schicksal gestraften Herrn zu haben und man seine Motivation teilweise sogar nachvollziehen kann. Beide Akteure wirken solide, wobei dies für deren Verhältnisse fast schon wieder zu wenig ist. Hier werden Adolfo Celi als hartnäckiger Hüter des Gesetzes und Michael Dunn als undurchsichtiger Lakai des totgeglaubten Marot blendend aushelfen, denn sie zeigen weitaus stichhaltigere Leistungen, wenngleich diese wohl auch Parts waren, die das Drehbuch günstiger berücksichtigte. Kurze Wiedersehensfreude gibt es mit der gerne gesehenen Österreicherin Maria Perschy als Dirne, und Lilli Palmer als Auslöser für das düstere Geschehen, deren Szenen im Film dem Vernehmen nach übrigens weitgehend entfernt wurden. Da sie eine Schauspielerin darzustellen hatte, bietet Palmer nochmals einen bedeutenden Schliff in Sachen Overacting an.

Mit "Mord in der Rue Morgue" bekommt man es mit einem beeindruckenden Beispiel zu tun, wie überzeugend atmosphärische Dichte als Alternative aussehen kann, die in ihrer Gestaltung sogar kleinere Ausrufezeichen setzen kann, insbesondere in der teils morbiden Bildgestaltung. Im Gegensatz dazu stehen teilweise hektische und unübersichtliche Tendenzen zu Buche. Wenn man die Vokabel verworren allerdings durch verwirrend ersetzt, kommt man der Intention des Ganzen wohl ziemlich nahe. Hessler führt den Zuschauer immer wieder gekonnt in die Irre, da wichtige Erklärungen zugunsten des Spannungsaufbaus vorenthalten werden. Das Finale ist in mehrere Etappen eingeteilt und verlangt zugegebenermaßen etwas zu viel Aufmerksamkeit ab. In der Ausstattung kann der Film durchaus überzeugen, üppige Sets und Garderoben fangen die Zeit, in der die Handlung spielt, recht gut ein, wobei viele Sequenzen auch eigenartig gestreckt wirken, da zahlreiche Wiederholungen angesagt sind. Im Bereich Effekte fehlen eigentlich entscheidende Akzente, beziehungsweise wie es aussieht, eher das richtige Know-how. Der Versuch, das Publikum nachhaltig auf psychologischer Ebene zu strapazieren, funktioniert zwar immer einmal wieder für den Hausgebrauch, aber leider nicht auf einem konstanten Niveau. Die passenden Musikthemen von Waldo de los Rios funktionieren sehr gut und besonders das Titelthema bleibt in Erinnerung, aber konträr dazu nimmt man recht einfache Dialoge wahr. Insgesamt hinterlässt Gordon Hesslers Adaption einen vielleicht zu unschlüssigen Eindruck, da in wichtigen Bereichen einiges an Potential verschenkt wurde, doch irgendwie ist dieses (zumindest so angelegte) Verwirrspiel überzeugend genug, um bei der Stange zu halten, vielleicht auch weil der Eindruck entsteht, dass die Gestaltung weitgehend unorthodox ist, und sich dem Empfinden nach von manchen Filmen der gleichen Natur abheben kann. Aber hier liegt die Entscheidung wieder einmal beim Konsumenten, denn "Mord in der Rue Morgue" ist im Endeffekt in einer Art Grauzone anzusiedeln, weil sich die überproportionalen Stärken mit regelrechten Ketten von durchschnittlichen Fragmenten abwechseln. Aus persönlicher Sicht ist und bleibt dieser immer wieder gerne gesehene Film jedoch sehr unterhaltsam.
Zuletzt geändert von Prisma am Fr., 18.11.2022 20:41, insgesamt 1-mal geändert.

Percy Lister
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Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler

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"Mord in der Rue Morgue" (Murders in der Rue Morgue) (USA 1971)
mit: Jason Robards, Christine Kaufmann, Herbert Lom, Adolfo Celi, Maria Perschy, Lilli Palmer, Michael Dunn, Rosalind Elliot, Peter Arne, Ruth Plattes, Marshall Jones, Brooke Adams u.a. | Drehbuch: Christopher Wicking und Henry Slezar nach dem Roman von Edgar Allan Poe | Regie: Gordon Hessler

Madeleine und ihr Mann César stehen jeden Abend mit dem Stück "Mord in der Rue Morgue" in Paris auf der Theaterbühne. Als ein Mitglied des Ensembles ermordet wird, richtet sich der Verdacht gegen Marot, der jedoch vor vielen Jahren Selbstmord begangen hat. Madeleine wird seit einiger Zeit von Alpträumen geplagt, in denen sie einen maskierten Mann mit Axt sieht, der ihr nach dem Leben trachtet. Nach und nach werden alle Zeugen, welche die Schuld Marots am Tod von Madeleines Mutter beschworen haben, getötet. Kann die Polizei den wahren Sachverhalt aufdecken und die Mordserie stoppen?

Edgar Allan Poe ist den meisten wegen seiner grotesken Schauererzählungen und romantischen Gedichte ein Begriff, dabei war er ein hochsensibler und intelligenter Mann, der mehr konnte als makabre und furchterregende Schreckensgeschichten zu verfassen. Seine Auseinandersetzung mit menschlichen Tragödien lag ihm aufgrund seiner eigenen traurigen Familiengeschichte im Blut. Dunkle Vorahnungen und tiefe Verzweiflung prägten seinen Schreibstil und auch "Die Morde in der Rue Morgue" (1841) handelt von Wahnsinn, Krankheit, Tod und Bestattung - Erfahrungen seines eigenen unglücklichen Lebens. Die Bühne als Schauplatz, der das Leben imitiert, ihm den Spiegel vorhält und die Grenze zwischen Schein und Wirklichkeit laufend vermischt, bildet den unverzichtbaren Rahmen für die Filmhandlung, bei der das Publikum im Parkett und vor dem Bildschirm nie weiß, welche Szenen echt oder nur gespielt sind. Die Inszenierung des komplexen Kriminalfalls erfordert ein präzises Vorgehen und eine genaue Choreografie aller Beteiligten, um den Faden nicht aus den Augen zu verlieren und die Spannung konstant zu halten. Die Atmosphäre der Theaterwelt wird eingerahmt durch die stilverwandten Jahrmarktstreibenden, Gaukler und Straßenmusiker, die für ein buntes, exotisches Flair sorgen und dem Ambiente laute und derbe Akzente hinzufügen. Emotionen werden mit kräftigen Pinselstrichen gemalt und möglichst dick aufgetragen, damit sie bis in die hinterste Reihe wahrgenommen werden. Unwillkürlich stellt sich die Frage, was sich hinter Schminke, Kostüm und Maske verbirgt, denn die Kunst der Übertreibung verdeckt echte Gefühle, die in Gestalt von Christine Kaufmann ihren natürlichen Ausdruck finden.

Christine Kaufmanns Madeleine Charron benötigt ein wenig Zeit, um sich zwischen den aufgeputzten Damen des Amüsements und den groben Männern Aufmerksamkeit zu verschaffen. Ihre Ausstrahlung reinigt die Atmosphäre, wenn sie angespannt und beunruhigt durch die Szenenbilder schwebt, leichtfüßig und zart wie ein Schmetterling. Die Traumsequenzen zählen zu den schönsten und nachhaltigsten Momenten des Films, man könnte sie stundenlang sehen, ohne sich zu langweilen. Madeleines Träume legen verschüttete Erinnerungen - oder sind es Zukunftsvisionen - offen, deren Bedeutung noch ungeklärt ist. Diese Szenen sind von einer lyrischen Faszination. Das Auge des Betrachters wird mit poetischen Bildkompositionen verwöhnt, die den Tod in zarte Pastelltöne kleiden, während andererseits todbringende Instrumente wie Vitriol, glühende Eisen und Äxte für blutigen Ernst sorgen und die Entschlossenheit der Mörder betonen. Maria Perschy darf sich durch einen markanten Auftritt profilieren, der sie als reife Schönheit in den Fokus rückt und ihr Erfahrung und Abgebrühtheit attestiert. Der Säureangriff auf ihre Figur zeigt leider erschreckende Parallelen zu dem schweren Verkehrsunfall im selben Jahr, als sie Verbrennungen im Gesicht erlitt. Die beiden Schauspielerinnen zeichnen so konträre Rollen, dass es schade war, sie in keiner gemeinsamen Szene zu besetzen, wobei man sagen muss, dass Jason Robards als Liebhaber Perschys glaubwürdiger ist als in seiner Rolle als Ehemann von Kaufmann. Dabei ist nicht nur der Altersunterschied ausschlaggebend, sondern seine zweifelhafte Vergangenheit als Verehrer von Madeleines Mutter, was ihm einen abgehalfterten Eindruck verleiht, obwohl er seine Rolle per se sehr überzeugend meistert.

Um die Produktion als Kriminalfall schätzen zu können, muss man einen Draht zur Opulenz und dem Ablauf historischer Filme haben, ansonsten wirkt das Werk schnell überladen und in seiner Üppigkeit an oberflächlichem Firlefanz orientiert. Kein Wunder, dass Vincent Price an der männlichen Hauptrolle interessiert war, vermutet man doch zwischen den Folterstühlen und Marterinstrumenten auf der Bühne jeden Moment seine hassverzerrten Gesichtszüge zu erblicken. Lilli Palmer kostet ihre Rolle als Gaststar reiflich aus und lässt das Publikum mit ihr bangen und leiden. Die Tragik ihrer Figur sorgt für einen erheblichen Tiefgang innerhalb des Geschehens, die Grandezza einer Königin umgibt sie ohnehin. Historische Kostüme unterstreichen die preußische Strenge ihrer Erscheinung und geben ihr zusätzlich Haltung und Würde. Die Rolle der Kriminalpolizei gewinnt im letzten Drittel verstärkt an Einfluss und treibt auch das Tempo voran, was angesichts der sich im Minutentakt verschiebenden Schuldfrage doch sehr wichtig ist. Hier gebührt vor allem Herbert Lom und seiner wandlungsfähigen Interpretation des entstellten Marot großes Lob, kann er seinen Charakter doch laufend variieren und den Zuschauer sowohl Sympathie, als auch Abneigung gegen ihn empfinden lassen. Ein intensiver Film, der dem Publikum mehr abverlangt als sich von einem gruseligen Horrorspektakel berieseln zu lassen. Seine Meriten weiß man eventuell nicht gleich bei der ersten Sichtung zu schätzen, doch die Produktion hält so viele Details parat, deren Sinn sich durch die Konzentration auf das Vordergründige nicht gleich erschließt, sondern Argumente für eine punktuelle Analyse - bestimmter Sequenzen oder Darstellerinterpretationen - liefert.

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Prisma
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Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler

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● MARIA PERSCHY als GENEVRE in
MORD IN DER RUE MORGUE (US|1971)



In "Mord in der Rue Morgue" ist Maria Perschy leider in ihrem einzigen Auftritt des Produktionsjahres 1971 zu sehen, und es handelt sich dabei um eine kürzer angelegte supporting role, die für das Geschehen anscheinend weniger relevant ist, aber vielleicht nur eigentlich. Wer ist Genevre? In ihrer ersten Szene taucht sie als geheimnisvolle Fremde auf, die dem Protagonisten der Geschichte eine dringliche Nachricht überbringen lässt, allerdings fällt die Fassade der sehr elegant wirkenden Frau ziemlich schnell, als man sie im üblichen Ambiente ihrer Haupttätigkeit vorfindet. Genevre ist Teil eines Amüsierbetriebes, eine von Vielen, ganz offensichtlich handelt es sich um eine Dirne, die sich mit Schönheit und Fleiß einen Namen in der besseren Gesellschaft machen konnte. Ein kurzer Blick genügt, um zu verstehen, warum sie ohne jeden Zweifel sehr gefragt zu sein scheint. Ihre Attraktivität ist auffallend, sie stellt die latente Verführung und Bereitwilligkeit dar, die die Herzen der Kundschaft und die der Zuschauer ebenso höher schlagen lässt. Da der Weg bereits nach kurzer Spieldauer zu ihr führt, ahnt man, dass sie eine Frau mit dunkler Vergangenheit sein könnte. Noch bevor sie entscheidende Hinweise geben und Licht in die düstere Angelegenheit bringen kann, taucht das Phantom in ihrem Gemach auf, allerdings nimmt man irritiert zur Kenntnis, dass sie die Gestalt mit schwarzem Umhang und Maske nicht als latente Gefahr identifiziert, sondern den Mann in zuvorkommender Art und Weise wie einen ihrer Kunden behandelt. Sie kokettiert mit ihrem Aussehen und ihrer kompletten Erscheinung, stellt sich jedoch flexibel auf die Wünsche - die eher Befehlen gleichen - ein, und tut das, was schließlich innerhalb eines Dienstleistungsverhältnisses von ihr verlangt wird, schließlich könnte es sich ja um einen sehr großzügigen Freier handeln. Dass unterm Strich nicht das Vergnügen, sondern Mord und Verwüstung im Mittelpunkt stehen wird, überrascht den Zuschauer nicht zuletzt wegen einer offensichtlich grenzenlos vorhandenen Naivität der schönen Frau.

Gordon Hesslers Geschichte überzeugt mit einer hochkarätigen und internationalen Besetzung; auch für Maria Perschy war es nichts Neues, Teil einer solchen Entourage zu sein. Auch wenn ihre Auftrittsdauer auf nur wenige unmittelbar aufeinander folgende Intervalle beschränkt ist, kann sie dennoch einen bleibenden Eindruck hinterlassen, zumal sie noch einmal als Traumbild zurückkommt. Dass sie sich in der Erinnerung des Publikums verankern kann, hängt zunächst einmal mit ihrer hinlänglich bekannten Attraktivität zusammen, die insbesondere zu dieser Zeit ihre schönste Blüte erreicht hatte. Maria Perschy wirkt reifer, erfahrener, schlagfertiger und noch eine Spur anschaulicher als ohnehin schon, sodass ihr Auftritt in Verbindung mit ihrem durchaus bekannten Namen ebenfalls zum Aushängeschild für diese mysteriöse Geschichte wird. Die Architektur der Rolle gibt insgesamt wenig Raum für eine bedeutende Entfaltung, und so wirkt die Österreicherin in erster Linie routiniert, aber auch vollkommen selbstsicher bei dem was sie tut. Hinzu kommen einige oberflächlich wirkende Dialoge, bis auch schon das fulminante Ende eingeleitet wird. Hier kommt es allerdings zu einer sehr überraschenden Szene, da die Mordmethode in Verbindung mit den gezeigten Bildern wirklich schockierend wirkt und sich in jedem Giallo wohlgefühlt hätte. Im Grunde genommen benutzt man Maria Perschy hier sozusagen als Aufhänger, da mit ihr die rätselhafte Mordserie eingeleitet wird. Über Zusammenhänge und ihre Zugehörigkeit zu diesem Fall werden nicht allzu viele Worte verloren, was die Spannung auf die nächsten Morde nur anheizen wird. So bleibt es unterm Strich also bei einem obligatorischen Auftritt mit eher reißerischen Tendenzen, der sich sehen lassen kann. In den folgenden Jahren sollte ihre beachtenswerte Karriere überwiegend im spanischen Film weiter gehen, sodass man vielleicht davon sprechen darf, dass sie sich in "Mord in der Rue Morgue" für diese ergiebige Phase empfehlen wollte. Es bleibt eine nette, wenn auch wenig bedeutende Rolle der vielseitigen Österreicherin.



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Prisma
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Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler

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Wäre jemand so nett, den Thread in den Bereich des US-Horror zu verschieben?
Hatte den seinerzeit falsch platziert, weil ich bis vor Kurzem immer noch dachte, es wäre ein britischer Film. Danke im Voraus!

TRAXX
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Re: MORD IN DER RUE MORGUE - Gordon Hessler

Beitrag von TRAXX »

Prisma hat geschrieben:
Fr., 18.11.2022 20:45


Wäre jemand so nett, den Thread in den Bereich des US-Horror zu verschieben?
Hatte den seinerzeit falsch platziert, weil ich bis vor Kurzem immer noch dachte, es wäre ein britischer Film. Danke im Voraus!
Aber klar doch. 8-)

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