THE MACK - Michael Campus

Coole Typen, große Wummen und noch größere Afros.
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Maulwurf
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Registriert: Fr., 20.11.2020 05:39

THE MACK - Michael Campus

Beitrag von Maulwurf »

The Mack
The mack
USA 1973
Regie: Michael Campus
Max Julien, Don Gordon, Richard Pryor, Carol Speed, Roger E. Mosley, Dick Anthony Williams, William Watson, George Murdock, Juanita Moore, Paul Harris, Kai Hernandez, Annazette Chase


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OFDB

Goldie kommt nach 5 Jahren aus dem Gefängnis, und er hat ordentlich was nachzuholen. Fünf verdammte Jahre, Mann, das ist die Hölle, Aber jetzt, jetzt will er groß rauskommen. Es allen zeigen. Seiner Mutter eine schöne Wohnung kaufen. Und für sich selbst ein großes Auto. Gute Kleidung. Schöne Frauen. Frauen, die für ihn laufen und ihm die Kohle ranschaffen. Lulu freut sich wahnsinnig Goldie wiederzusehen, denn nur er kann ihr im Leben weiterhelfen. Sagt sie. Lulu geht für Goldie anschaffen, und am Ende laufen 10 Mädchen für ihn, und jede schafft 100 Dollar am Tag ran. Aber Goldie will noch viel mehr. Goldie will unabhängig sein von allem und jedem. Dadurch macht er sich Fatman zum Feind, einen einflussreichen Drogenhändler der das Ghetto beliefert. Und die zwei weißen, rassistischen und korrupten Cops die hinter ihm her sind, die würden sowieso alles tun, um das überhebliche Grinsen von Goldies Fresse zu wischen. Und zwar wirklich alles …

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THE MACK ist keine Reise in ein Ghetto voller Friede Freude Eierkuchen, und es ist vor allem kein actionlastiger COFFY oder FOXY BROWN, wo an jeder Ecke kampferprobte Afrofrisuren bereitstehen, die Ehre ihrer Hautfarbe und den Stolz der schwarzen Rasse zu verteidigen. THE MACK ist eine Reise in eine kleine, dreckige und komplizierte Welt, die in erster Linie aus Drogen, Elend und Prostitution besteht, und sich über diese Bestandteile sogar definiert. Goldies Bruder Olinga versucht, durch Predigen die Straßen sauber zu bekommen, die Pusher und die Säufer zu vertreiben, und ja, auch die Zuhälter wegzubekommen. Aber es sind zu viele, und wie es so oft bei benachteiligten Menschen zu sehen ist, ist es einfacher sich dem Rausch hinzugeben, als tatsächlich etwas gegen die Missstände zu unternehmen.

Aber THE MACK ist nicht die Geschichte von Olinga sondern die von Goldie. Und Goldie will in das Herz der Finsternis eindringen, er will zu einem reichen und mächtigen Zuhälter werden, dem die Frauen zu Füßen liegen, und der selber seine Tage damit verbringt, in der Spielhalle das Geld zu verspielen, dass seine Mädels ihm so mühsam erarbeiten müssen. Er wird sogar in einer farbenprächtigen und vom Fernsehen übertragenen Veranstaltung zum Mack of the Year gewählt. Mann, er ist stolz, so mächtig stolz. So stolz, dass er Fatman den Fehdehandschuh hinwerfen kann, denn jetzt ist er endlich jemand. Er ist so groß, dass er nicht mehr sieht wo er hintritt, ja er wähnt sich seinen Frauen gegenüber fast als gottgleich. Sein Stolz und seine Überheblichkeit tun weh, und der letzte Blick seiner Mutter, wo er sieht was aus ihm geworden ist, schmerzt dann sogar ihn selber.

Was den Film in hohem Maße auszeichnet ist, dass er auch den anderen Figuren Raum gibt. Der eigentlich sehr stereotyp angelegte Cop Hank, weiß-rassistisch-korrupt, herrlich schmierig von Don Gordon dargestellt, kann in einer Szene mit einer angewiderten schwarzen Nutte sein ganzes Elend auskotzen und das winzige bisschen Rest Mensch zeigen, das er noch irgendwo, unter Whisky und Gier verborgen, besitzt. Zumindest damals, vor dem Geld und dem Alkohol, vor dem Dreck und dem Gestank der Straße, besaß. Eine gescheiterte Existenz, die nur zufällig auf der "anderen“ Seite des Gesetzes steht. Oder Olinga, der die herkulische Aufgabe übernommen hat, die Augiasställe des Ghettos auszumisten, und mit seiner sanften Art und seinen lachenden Augen so jämmerlich scheitern wird. Figuren, die den Film in die Realität hieven, raus aus dem Kintopp und dem Superhelden-Kino, welches die Blaxploitationfilme so oft darstellten.

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THE MACK ist grob und körnig, er wirkt oft als wäre er bei Nacht aus einem fahrenden Auto im Ghetto gedreht worden, und die Schauspieler sind so authentisch dass es wehtut. Und das unterscheidet ihn zum Beispiel von DER PATE VON HARLEM, in dem ebenfalls Aufstieg und Fall eines schwarzen Gangsters gezeigt werden – Die Echtheit und die Street Credibility, die in THE MACK die Erzählung verlangsamen und dabei gleichzeitig ein Mitgefühl für die Figuren zeigen, so etwas ist im Hollywood-mäßigen PATE VON HARLEM so weit weg wie Oakland von New York. THE MACK scheint wie mit einer Handkamera auf der Hauptstraße aufgenommen. Das aufgeblasene Gerede, die Worthülsen, das großspurige Gehabe, die ewig gleichen Themen Weiber und Geld, Geld und Weiber … Der Zuschauer hat das Gefühl mittendrin zu stehen, und er schüttelt im Jahre 2020 den Kopf, denn anscheinend hat sich seit 1973 nichts geändert in den Elendsvierteln dieser Welt

7/10

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