SHEBA BABY - William Girdler

Coole Typen, große Wummen und noch größere Afros.
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Maulwurf
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SHEBA BABY - William Girdler

Beitrag von Maulwurf »

Sheba Baby
Sheba, baby
USA 1975
Regie: William Girdler
Pam Grier, Austin Stoker, D'Urville Martin, Rudy Challenger, Dick Merrifield, Christopher Joy, Charles Kissinger, Charles Broaddus, Maurice Downs, Ernest Cooley, Edward Reece Jr., William Foster Jr.


Sheba, Baby.jpg

OFDB

Ein Racket scheint sich auszubreiten in Louisville, Kentucky. Zuerst waren die Gebrauchtwagenhändler dran, und jetzt sind es die kleinen Kreditbüros, welche die Armen mit günstigen Darlehen versorgen. Eines nach dem anderen muss sich der Androhung von Gewalt beugen und schließen. Andy Shayne weigert sich, und bekommt Besuch von einem Schlägertrupp. Sein Partner allerdings benachrichtigt Shaynes Tochter Sheba in Chicago, und die kommt ebenfalls zu Besuch. Im Gepäck eine 44er Magnum und eine Maschinenpistole …

Ich bin mir nicht sicher, ob es daran lag, dass meine Tochter direkt vor dem Film festgestellt hat, dass Schauspieler in Filmen aus den 60er- und 70er-Jahren nicht schauspielern konnten. „Das wirkt alles so wie Fake“ sagt sie. Aha. Aber interessanterweise fiel mir in SHEBA, BABY zuerst diese unglaubliche Theatralik auf, die ausnahmslos alle Schauspieler an den Tag legen. Pam Grier agiert wie eine Stummfilmaktrice aus den 1920er-Jahren, die Bösen noch ein paar Ecken happiger, und gerade mal Rudy Challenger als Andy Shayne und Austin Stoker als dessen und Shebas rechte Hand Brick Williams wirken wie halbwegs normale Menschen. Halbwegs zumindest.

Was in der Gesamtsicht zu einem etwas merkwürdigen Stückchen Film mit unerwartet hohem Trashgehalt führt. Praktisch jeder Schwarze im Film hampelt herum wie im Kasperletheater (und ist auch genauso kostümiert), die Handlung wirkt wie eine aufgeblasene Folge einer x-beliebigen Fernsehserie, und den Actionsequenzen merkt man deutlich an, dass wenig Budget zur Verfügung stand. Oft in der Totalen oder Halbtotalen gedreht, keine passenden Szenenanschlüsse, steife und unnatürliche Prügeleien (selbst der komplett unmotivierte Catfight auf dem Boot ist nicht mehr als ein Rumgehampel, verglichen mit dem Catfight etwa in FOXY BROWN) – Trash eben. Oder Unvermögen. Oder beides … Gerade der Vergleich mit dem Vorjahresfilm FOXY BROWN deckt die Schwächen der Regie gnadenlos auf. Anstatt auf die extrem gutaussehende, schauspielfähige und offensive Hauptdarstellerin zu setzen, wird Pam Grier zwar gerne in hübschen und schrägen Klamotten inszeniert, kann aber weder ihre Erotik noch ihre Kampfküste jemals wirklich an dem Mann bringen. SHEBA, BABY wirkt nicht als ob die Handbremse angezogen wäre, der komplette Film ist eine angezogene Handbremse. Denn bei aller dummen 08/15-Handlung könnte man aus dem vorhandenen Stoff mit dem Cast und ein wenig Phantasie ein Action- und Sex-Feuerwerk allerster Kajüte zaubern. Klar wäre das dann ein Rip Off von FOXY BROWN, aber damit immer noch spannender und unterhaltsamer als dieses müde Gewurschtel …

Wäre es das wirklich? Denn auch wenn sich Vergleiche mit „ernsthaften“ Filmen, vor allem natürlich aus dem Blaxploitation-Bereich, ausschließen, so ist der Spaß-Faktor bei SHEBA, BABY durchaus relativ hoch, insofern, und das ist wichtig, man einiges an dicker Haut mitbringt und nicht erwartet, Pam Grier in irgendeiner Form nackt zu sehen. Und insofern man gewillt ist, eine vollkommen verblödende Handlung mit vollkommen verblödet aufspielenden Akteuren zu goutieren. Dann nämlich wird der geneigte Zuschauer, zu diesem Zeitpunkt normalerweise von seinen Freunden bereits als Trash-Fan betrachtet, mit SHEBA, BABY durchaus Spaß haben. Aber wenn man ehrlich ist, sind das schon eine Menge günstiger Voraussetzungen, die da zusammen kommen müssen. Fast ein wenig zu viele …

5/10

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