CAESAR UND CLEOPATRA - Gabriel Pascal

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Prisma
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CAESAR UND CLEOPATRA - Gabriel Pascal

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Vivien Leigh   Claude Rains   in

CAESAR UND CLEOPATRA


● CAESAR AND CLEOPATRA / CAESAR UND CLEOPATRA (GB|1945)
mit Stewart Granger, Flora Robson, Francis L. Sullivan, Basil Sydney, Cecil Parker, Michael Rennie, Leo Genn, u.v.a.
eine Produktion Gabriel Pascal Productions | Independent Producers | im Verleih der J. Arthur Rank Film
nach dem gleichnamigen Theaterstück von George Bernard Shaw
ein Film von Gabriel Pascal

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»Nein, nicht dass ich mich überschätze. Ich weiß, dass die anderen dumm sind!«


Im Jahr 48 bis 45 vor Christus. Der alternde Herrscher über das römische Reich, Julius Caesar (Claude Rains), befindet sich auf seinem Feldzug in Ägypten und dringt dort mit zwei Legionen ein. Dort trifft er auf die erst sechzehnjährige, und unter starker Kontrolle stehende Cleopatra (Vivien Leigh), die sich mit ihrem Bruder Ptolemäus (Anthony Harvey) im Machtkampf um die Pharaonen-Herrschaft im Land befindet. Caesar findet schnell Gefallen an der frühreifen, aber vor allem schönen Cleopatra und weiht sie in die Geheimnisse der Staatskunst ein, als die Römer aufgrund eines Verrats für einige Monate gezwungen sind, sich im alexandrischen Palast zu verbarrikadieren. Cleopatra hingegen spielt gerne mit ihren Verführungskünsten und stellt ihren Mentor ziemlich häufig auf die Probe...

Diese, für damalige Maßstäbe sehr aufwändige Großproduktion des ungarischen Regisseurs Gabriel Pascal basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück des irischen Dramatikers George Bernard Shaw, der auch eigenhändig das Drehbuch verfasste, und wurde zur Entstehungszeit als bis dato kostspieligstes Projekt der damaligen Zeit gehandelt. Das internationale Renommee des Regisseurs stützt sich insbesondere auf die Zusammenarbeit mit Shaw und der Inszenierung einiger seiner Stücke, doch leider konnte er mit "Caesar und Cleopatra" nicht an alte Erfolge anknüpfen und der Film gilt trotz seiner besonders günstigen Voraussetzungen als wirtschaftlicher Misserfolg. Als Zuschauer muss man sich erst einmal mit den nicht unbedingt zu erwartenden Gegebenheiten dieser Adaption zurechtfinden, da es sich um einen äußerst dialoglastigen, verspielten und federleichten Stoff handelt. Letzteres bezieht sich nicht etwa auf mangelnden Anspruch, sondern auf eine vollkommen konträre Marschrichtung im Aufbau, da man vielleicht eher einen der ganz großen dramatischen Stoffe des Kolossalfilms erwartet. Die transportierte Grundstimmung ist genau wie der komplette Verlauf durchzogen mit feinen sarkastischen Spitzen, subtilen erotischen Botschaften und recht fantasievollen gedanklichen Kapriolen des Ausgangsmaterials, das von den zur Verfügung gestellten Interpretationen des großartigen Star-Aufgebots bemerkenswerte Konturen bekommt. Das Fehlen von Dramatik und Theatralik erteilt der möglicherweise erwarteten Prosa eine deutliche Abfuhr, so dass sich in einem sehr diskreten Rahmen sogar komödiantische Tendenzen offenbaren. Wie gesagt müssen diese Voraussetzungen erst einmal akzeptiert und geordnet werden, damit der Film seine eigentümliche Pracht entfalten kann. Aufgrund der Entstehungszeit darf man womöglich von eher widrigen Produktions-Umständen ausgehen und dadurch wirkt das erzielte Ergebnis umso beachtlicher.

Die Titelrollen stellen zwei international bekannte Schauspiel-Größen und beleben diese Rollen mit viel Raffinesse. Vivien Leigh als Cleopatra wirkt aufgrund der infantilen Anlegung ihrer Rolle weniger gebieterisch, sondern vielmehr beinahe leichtfertig im Umgang mit ihren außergewöhnlichen darstellerischen Ressourcen. Im Sinne der Vorlage und ihrer offensichtlichen Anpassungsfähigkeit, wird mit Cleopatra keine große Reibungsfläche oder gar Theatralik und Drama entstehen. Letzteres zeigte sich eher im Rahmen der Drehpausen, da Allüren und bedauerliche Zwischenfälle übermittelt sind. Letztlich nimmt man der damals bereits über Dreißigjährigen die Rolle der jungen Regentin doch sehr gerne ab, da sie im Rahmen des Geforderten zumindest hervorragend aufspielt, wenngleich so manche Szene eben aufgrund ihres Alters nicht immer gerade authentisch wirkt. In dieser Beziehung kann ihr Partner Claude Rains, alias Julius Caesar, eher überzeugen und der Interpret bringt die geforderte Gelassenheit und Weitsicht mit Leichtigkeit auf den Punkt. Ihr Zusammenspiel gestaltet sich schließlich glaubhaft, wirkt gut abgestimmt und vielleicht sogar symbiotisch, als Zugpferde der Produktion können sie so gut wie ohne Abstriche überzeugen. Das Szenario ist überdies sozusagen vollgestopft mit bekannten Größen aus den Sphären von Kino und Bühne, ein Heer an Statisten zeigt einen Bruchteil des immensen Aufwands. Hervorragend temperamentvoll agiert beispielsweise Flora Robson, mitreißend Stewart Granger oder überraschend anders Cecil Parker. In unerwähnten Nebenrollen findet man damals bereits gängige, oder zukünftige Größen wie Cathleen Nesbitt, Roger Moore oder Jean Simmons. Dem Szenario sieht man den inszenatorischen Aufwand zu jeder Zeit deutlich an, jedoch entstehen die Akzente nicht nur über die farbenprächtige Bildgewalt, sondern insbesondere über die sichere Dialogarbeit, sodass man sozusagen Unterhaltungskino und Bühne in einem geboten bekommt. »Haben wir Zeit für die Launen Cleopatras?« Diese im Film gestellte Frage muss sich der Zuschauer im Endeffekt selbst beantworten, doch nach persönlichem Empfinden war diese abwechslungsreiche Reise in die Antike sehr unterhaltsam und daher auch geglückt.

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