DAS VERBORGENE GESICHT - Andrés Baiz

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Maulwurf
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DAS VERBORGENE GESICHT - Andrés Baiz

Beitrag von Maulwurf »

Das verborgene Gesicht
La cara oculta
Kolumbien/Spanien 2011
Regie: Andrés Baiz
Martina García, Quim Gutiérrez, Clara Lago, Alexandra Stewart


Das verborgene Gesicht.jpg

OFDB

Der Dirigent Adrian wird von seiner Freundin Belén verlassen. Er verliebt sich recht schnell neu in die Kellnerin Fabiana und sie zieht zu ihm in ein abgelegenes Haus. Während die Polizei nach der mittlerweile verschwundenen Belén sucht, und dabei Adrian schwer im Verdacht hat etwas mit dem Verschwinden zu tun zu haben, mehren sich im Haus die Anzeichen, dass es dort spukt.

Und was recht gemütlich wie ein veritabler Spukhausfilm beginnt (völlig klar, Belén spukt in den Mauern, und Massen mehr oder weniger gelungener Spukhausfilme fallen einem schlagartig ein), was also als Spukhausfilm beginnt, nimmt nach nicht ganz der Hälfte der Laufzeit eine völlig andere Richtung, wobei auch die Gangart durchaus ein wenig verschärft wird. Wer den Trailer gesehen hat kennt den Dreh des Films, aber wer ihn nicht gesehen hat dürfte einigermaßen überrascht sein von der Wendung (also: Finger weg vom Trailer!!). Die Klaustrophobie, welche Andrés Baiz in der zweiten Hälfte inszeniert, ist wirklich beklemmend, und vor allem durch den ausschließlichen Einsatz von klassischer Musik und den völligen Verzicht schockierender Momente wird die Atmosphäre ausgesprochen dicht. Die Parallelmontage in Richtung Showdown ist bei aller Vorhersehbarkeit extrem spannend umgesetzt, und selbst der danach abfallende Schluss lässt den Zuschauer noch befriedigt zurück.

Schon der Aufbau des Films ist nicht unbedingt Mainstream zu nennen. Wir folgen aus dem Blickwinkel von Fabiana einer Liebesgeschichte, die zunehmend unheimliche Untertöne bekommt, und im Augenblick des Höhepunktes, in dem der Schrecken Gestalt annimmt, vollkommen den Fuß vom Gas nimmt und die gleiche Geschichte als Rückblende aus einer anderen Sicht erzählt. Durch diesen Kunstgriff werden manche Alltagsereignisse des ersten Teils zu wahren Dramen innerhalb des zweiten Teils, was die Spannung erheblich erhöht, vorausgesetzt man lässt sich auf diese Art des Erzählens ein. Klar, die Geschichte beginnt noch mal von vorne, und sie wird dadurch nicht schneller. Soll sie auch nicht, weil sie nämlich dramatischer und intensiver wird. Die Schauspieler legen auch noch mal ein paar Briketts drauf, und ein Drama um Liebe und Eifersucht nimmt seinen wirklich düsteren Gang.

Zwar hätte ich mir noch eine verschärfte Variante vorstellen können, in der ein anderer Hauptdarsteller am Ende der Gelackmeierte ist, was meines Erachtens den Bosheits-Faktor erheblich erhöht hätte. Aber sei’s drum, Atmosphäre und Stimmung passen hervorragend und die Schauspieler machen ihre Sache ordentlich. Was mir sehr positiv aufgefallen ist, und das kann gar nicht oft genug erwähnt werden, ist, dass der Film völlig ohne Schockeffekte und vor allem ohne Einsatz von Blut funktioniert. Damit läuft DAS VERBORGENE GESICHT dem Trend der letzten Jahrzehnte zu immer mehr Schock und Verstörung erfolgreich entgegen und zeigt, dass es tatsächlich immer noch ein intelligentes Kino jenseits des Mainstream-Geschmacks gibt. Was ja nur unterstützt werden kann …

Fazit: Kolumbien ist in Europa als Filmland nicht wirklich bekannt. Scheint sich aber zu lohnen!

8/10

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Adalmar
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Registriert: Mi., 23.12.2020 01:15

Re: DAS VERBORGENE GESICHT - Andrés Baiz

Beitrag von Adalmar »

Ganz toller Film. Wie Maulwurf richtig schreibt, den Trailer und auch Inhaltsangaben wie z. B. auf der DVD-Rückseite meiden, da kräftig gespoilert und das Überraschungspotenzial verringert wird.
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