LAKE MUNGO - Joel Alexander

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Maulwurf
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LAKE MUNGO - Joel Alexander

Beitrag von Maulwurf »

Lake Mungo
Lake Mungo
Australien 2008
Regie: Joel Anderson


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OFDB

Freitag Abend, eine lange Woche liegt hinter mir mit viel Arbeit, ich habe keine Lust auf einen anspruchsvollen Film oder gar zum Lesen, stattdessen zappe ich mich durch das Fernsehen. Auf irgendeinem Privatsender bleibe ich an einer Doku hängen über eine Familie die ihre Tochter bei einem tragischen Badeunfall verloren hat, und seither von Spukphänomenen verfolgt wird. Der Einsatz eines Mediums bringt nicht wirklich viel, ganz offensichtlich ist da etwas in dem Haus der Familie, was nicht von dieser Welt ist. Na ja, eine Doku auf einem Privatsender halt … X-Factor für Erwachsene …

Und wer weiß, dass ich keinen Fernsehanschluss habe, kann sich dann vielleicht vorstellen, wie diese „Dokumentation“ aufgemacht ist. Eine absolut perfekte Mischung aus Interviewschnipseln, „originalen“ Fernsehbildern, mal mehr mal weniger verwackelten Filmaufnahmen, unaufdringlich hinterlegter Musik, Found Footage, … Wird der Zuschauer unvorbereitet in diesen Film hineingeworfen wird er garantiert sicher sein dass dies echt ist, und mitnichten ein Film. Somit sehr ähnlich wie Woody Allens ZELIG spielt LAKE MUNGO sehr überzeugend mit den (Fern-) Sehgewohnheiten des modernen Menschen. Und macht auf dieser Ebene schon mal sehr viel Spaß. Die Schauspieler sind extrem überzeugend (wobei angeblich die deutsche Synchro den Eindruck schmälern soll, der Originalton ist unglaublich authentisch), die Mischung der Schnipsel noch viel mehr. Und die ruhige Erzählweise setzt dem Ganzen den Deckel auf. (Na gut, vielleicht doch kein Privatsender sondern 3SAT.)
Und nach etwa der Hälfte kippt die gesamte Handlung und entpuppt sich als etwas anderes, bloß nicht als durchschnittliches Spukhaus-Mockumentary. Die Erzählung bleibt ganz nah bei den Akteuren, die gemeinsam mit Nachbarn und Arbeitskollegen aus ihrem Leben erzählen. Der Twist wird aufgerollt, und aus der Spukhausgeschichte wird ein bitteres Familiendrama, das durchaus berühren kann und in hohem Maße zu Gedanken über das eigene Leben und die eigene Umgebung führt.

Und dann kommt der Schock …

Das ganze ist, wie erwähnt, dokumentartypisch sehr ruhig aufgebaut. Es gibt keine Schockelemente, keine lauten und aufdringlichen Geistererscheinungen, die mit Blitz und Donner in den Theaterkulissen auftauchen. Im Sinne des „Das Leben ist ein langer ruhiger Fluss“ plätschert die Handlung vor sich hin, und man muss schon ein wenig aufpassen was da passiert und sich auf die Geschichte einlassen. Weil nur dann funktioniert sie auch. Ich habe einige Male heftigste Gänsehaut bekommen, und das abendliche Zähneputzen vor dem Spiegel hat definitiv KEINEN Spaß gemacht (was aber nicht nur an Alice lag, sondern vielmehr an der anderen Gestalt in ihrem Zimmer, der existierenden). Selbst jetzt, wenn ich das schreibe, bekomme ich bei dem Gedanken an ein oder zwei bestimmte Szenen Gänsehaut.
Warum es trotzdem nur 6 Punkte werden? Weil es einfach nicht wirklich mein Genre ist. LAKE MUNGO war ein Tipp von Meister Kessler, und seinen Tipps gebe ich immer Chancen, und der Film hat mich auch wirklich angesprochen. Wenn ich Liebhaber des Genres wäre hätte ich ihm ohne Weiteres auch 8 Punkte geben können – für die Machart, die Schauspieler, die Twists, die Gänsehaut. Also nicht von der mauen Bewertung irritieren lassen, es lohnt sich wirklich!

Und man sollte sich die Zeit nehmen, das letzte Foto des Abspanns noch mal im Film nachzuschlagen …

6/10

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