DIE BEHANDLUNG - Hans Herbots

Türkploitation, isländische Kannibalenfilme und alles andere aus Europa
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Maulwurf
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DIE BEHANDLUNG - Hans Herbots

Beitrag von Maulwurf »

Die Behandlung
De behandeling
Belgien/Niederlande 2014
Regie: Hans Herbots
Geert Van Rampelberg, Ina Geerts, Johan van Assche, Laura Verlinden, Roel Swanenberg, Ingrid De Vos, Dominique Van Malder, Michael Vergauwen, Circé Lethem, Brit Van Hoof, Tibo Vandenborre, Kyan Steverlynck


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Eine graue Welt. Eine grau-same Welt. Eine grauenhafte Welt. Regen. Einsamkeit. Kälte. Verzweiflung. Darin Familien, die wie warme, kleine Lichtpunkte durch die Schwärze schimmern. Und den Troll anlocken. Den Troll, der sich nachts anschleicht, die Häuser hochklettert, und bei den Kindern in die Zimmer schaut. Der die in Familien eindringt und sie vernichtet. Sie zerfetzt …
Eine Frau. An ein Heizungsrohr gefesselt. Ihr Mann, in einem anderen Zimmer, ebenfalls gefesselt. Die Frau ist eine Mutter, und sie entwickelt Löwenkräfte in dem Versuch, ihr Kind zu retten. Ihre Familie zu retten. Doch hilflos muss sie zusehen, was ihrem Kind angetan wird. Vom Troll.
Der Polizist sucht den Troll. Ein Gerücht nur, doch er glaubt es. Als einziger. Er glaubt das Gerücht, weil sein Bruder vor sehr vielen Jahren ebenfalls verschwand, an der Hand eines älteren Mannes. Der Polizist hat die Hoffnung nie aufgegeben, seinen Bruder wiederzufinden. Und er gibt die Hoffnung nicht auf, alle Pädophilen persönlich ins Gefängnis stecken zu können. Oder ihnen schlimmeres antun zu können.
Schlimmeres. Ein totes Kind, gefesselt, das auf einen Baum geworfen wird und dort zwei Tage lang stirbt. Eine Mutter, die zusehen muss, wie ihr Kind vergewaltigt wird. Viel Schlimmeres.

Ein wahrgewordener Alptraum. Eine Welt, die wir niemals wollten. Und die doch existiert. Eine Welt die Menschen zerstört. Eine Welt aus Schmutz, Pisse und verzweifelten Monstern. Ein Film, der den Zuschauer erbarmungslos gefangen nimmt nach unten zieht. Ihn in eine Kloake aus Dreck und Abschaum zieht. White Trash. Trostlosigkeit. Elend. Müdigkeit. Man möchte sich abwenden und nie wieder hinschauen zu dieser Welt, die aus Tod, Schmerz, Tränen, Sperma, Einsamkeit und Hass besteht. Und immer wieder diese Verzweiflung. Wenn am Ende der Polizist auf das Monster einschlägt, dann bricht sich diese Verzweiflung über die eigene Machtlosigkeit Bahn. Dann wird der Homo Sapiens wieder zum wilden Tier, das nur drauf aus ist, zu töten. Vielleicht ist der einzige Weg, ein Monster zu töten, der, es mit den eigenen Fäusten zu erschlagen. Und damit die eigene Hilflosigkeit … einzugestehen? Vielleicht hilft nur die tief in uns schlummernde, archaische Grausamkeit, die Grausamkeit der anderen zu bekämpfen?

DIE BEHANDLUNG ist, wenn der Zuschauer nach dem Film alle Türen und Schränke(!) kontrolliert, ob auch alles verschlossen ist. DIE BEHANDLUNG ist ein filmgewordener Alpdruck auf der Seele. Eine düstere und tieftraurige Dichtung, bestehend aus Urin und Tod. Etwas, was noch lange nachhallen wird im Empfinden des Zuschauers. Ein spannendes, dunkles und bedrückendes Meisterwerk des Todes. Oder schlimmerem …

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9/10

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