ARZT AUS LEIDENSCHAFT - Werner Klingler

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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ARZT AUS LEIDENSCHAFT - Werner Klingler

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ARZT AUS LEIDENSCHAFT


● ARZT AUS LEIDENSCHAFT (D|1959)
mit Klausjürgen Wussow, Adrian Hoven, Willy Birgel, Antje Geerk, Ellen Schwiers, Jan Hendriks, Erica Beer, Lucie Mannheim,
Paul Hoffmann, Edith Hancke, Rolf von Nauckhoff, Ernst Braasch, Ilse Pagé, Heinz Bennent, Theodor Danegger und Carl Wery
ein Hübler-Kahla Film | im Verleih der NF
nach einem Roman von Karl Unselt
ein Film von Werner Klingler

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»Vergessen wir die schlechte Welt bei einer guten Operation!«


Der ambitionierte Mediziner Dr. Wolfgang Friedberg (Klausjürgen Wussow) arbeitet in der Privatklinik von Professor Doktor Ruge (Carl Wery), doch niemand ahnt, dass er vor Jahren die Papiere eines anderen Studenten namens Felix Friedberg (Jan Hendriks) kaufte, um sein eigenes Studium beenden zu können. Hierbei war die Gleichheit der Nachnamen eine günstige Voraussetzung, doch der Vorfall holt Friedberg einige Jahre später wieder ein, als er ein Telegramm von der Mutter (Lucie Mannheim) des Studenten zugestellt bekommt. Als auch Felix wieder auftaucht, werden die Befürchtungen des Mediziners wahr, denn es geht um nichts anderes als Erpressung...

Wie viele andere Themen aus dem Bereich des Problemfilms hatte das Durchleuchten der Welt des Mediziners seinerzeit ebenfalls Hochkonjunktur und beschränkt sich meistens auf die angeschlagene Gefühlswelt oder besondere Belastungen für die Psyche, Loyalitätskonflikte oder dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit, wenngleich dieser Stoff bereits im Jahr 1935/36 mit Hans Söhnker, Albrecht Schoenhals und Karin Hardt in den Hauptrollen verfilmt wurde. Nicht selten blieb am Ende die gegenseitige Findung in einer konfliktbeladenen Liebesgeschichte übrig, sodass bemerkt werden muss, dass vor allem die Publikumswirksamkeit im Vordergrund steht, und nicht die Architektur des medizinischen Alltags. Dies sein nur angemerkt, da sich viele dieser Filme als Tatsachenberichte anbieten wollten. Fritz Umgelters "Arzt aus Leidenschaft" deutet alleine des Titels wegen schon ein wenig medizinisch-steriles aber bestimmt emotionales Angebot an, welches von seinen interessanten Hauptpersonen lebt und somit Konturen erlangt. Gewisse Ärzte scheinen erst zu merken, dass es auch ein Leben hinter den Krankenhausmauern gibt, wenn eine attraktive und besonders selbstbewusste Patientin wie Antje Geerk das Krankenbett hüten muss, und einem der Ärzte den Hof macht. Das Publikum hat allerdings nicht die viele Jahre zurückliegenden Szenen vergessen, als sich genau dieser von Kollegen geschätzte und respektierte Arzt die Grundlagen für seine Approbation erkauft und erschlichen hatte, was das Gerechtigkeitsempfinden trotz aller Sympathien etwas irritiert und aus dem Gleichgewicht bringt. Aber zunächst zeichnet Regisseur Umgelter eine optimistische Atmosphäre, die von gegenseitigem Respekt und Anpacken geprägt ist, auch wenn der frühe Entwurf der biestigen und kontrollsüchtigen Oberschwester - die wie in der "Schwarzwaldklinik" auch Hilde(gard) heißt - die Ruhe vor dem Sturm zu stören versucht. Im Grunde genommen basieren die frühen Unstimmigkeiten auf unerwiderten Gefühlen und nicht erfüllten Erwartungen, die sich im weiteren Verlauf noch aufbäumen werden, um der Titelfigur schwer zuzusetzen.

Lösungen rücken schließlich in weite Ferne und die Situation scheint viel zu verfahren zu sein, als dass sich eine einfache Lösung präsentieren ließe, die auch den Zuschauer zufrieden stellen könnte, weil alles so ausweglos erscheint. Die Produktion verfügt über eine überaus gute und authentisch wirkende Besetzung, die im Krankenhausapparat hierarchisch aufgestellt ist. Über allem steht ein väterlich wirkender Carl Wery, der es schafft, ohne die sich anbietenden Allüren seiner Position auszukommen. Klausjürgen Wussow und Adrian Hoven entwickeln sich zu einer Art partners in crime, was vor allem durch eine Freundschaft zwischen den beiden Männern geebnet wird, die auch eine derartige Zerreißprobe überstehen wird. Während Wussow im Wesentlichen medizinisch-sachlich wirkt - es sei denn, Antje Geerk ist in seiner Nähe - ist es Adrian Hoven, der für die sarkastische und lockere Seite des Betriebes zuständig ist, insbesondere wenn er mit Ellen Schwiers als Oberschwester konfrontiert ist. Es bereitet ihm sichtlich Spaß, seine Untergebene immer wieder ein wenig zurechtzuweisen. So kommen auch Intrigen zum Vorschein, die die Zusammenarbeit empfindlich stören und am Ende sogar Existenzen bedrohen. Neben der Klinik wirft die Regie noch einen Blick in die halbseidene Welt von Bardamen und Kleinkriminellen, um eine solide und vor allem belastbare Brücke zum Hauptthema zu bauen. Hier überzeugen vor allem Jan Hendriks, Peter Kuiper und Erica Beer, aber auch die wohlbehütete gesellschaftliche Seite wird eingängig von Willy Birgel, Lucie Mannheim und Paul Hoffmann repräsentiert. "Arzt aus Leidenschaft" macht seinem Titel am Ende alle Ehre und bereitet Konflikte auf, deren Lösungen nicht immer auf der Hand liegen. Bei aller temporär aufkommenden Unruhe inszeniert Regisseur Fritz Umgelter vielleicht manchmal zu unaufgeregt, wobei die Geschichte dennoch gut vorankommt, wofür vor allem die Hauptpersonen verantwortlich sind. Was damals vielleicht als Kolportage abgetan wurde, kann heute durchaus als ein interessantes und aussagekräftiges Zeitdokument angesehen werden, das einen spürbaren Unterhaltungswert besitzt.

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