LIEBESNÄCHTE IN DER TAIGA - Harald Philipp

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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LIEBESNÄCHTE IN DER TAIGA - Harald Philipp

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LIEBESNÄCHTE IN DER TAIGA


● LIEBESNÄCHTE IN DER TAIGA (D|1967)
mit Thomas Hunter, Marie Versini, Biggi Freyer, Rolf Boysen, Hellmut Lange, Christiane Nielsen, Stanislav Ledinek,
Magda Konopka, Walter Barnes, Kurd Pieritz, Rudolf Schündler, Gerd Frickhöffer, Henning Schlüter und Ivan Desny
nach der gleichnamigen Romanvorlage von Heinz G. Konsalik
eine Franz Seitz Produktion | im Nora Filmverleih
ein Film von Harald Philipp

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»Willkommen in Moskau!«


Ein Spezialauftrag der CIA sieht zur Zeit des Kalten Krieges vor, den perfekt Russisch sprechenden Agenten Frank Heller (Thomas Hunter) in die Sowjetunion einzuschleusen. Zu seinem Auftrag soll das Auskundschaften einer Militärbasis der Roten Armee in Sibirien gehören, außerdem hat er wichtige Konstruktionspläne an sich bringen. Hellers Mission läuft allerdings schnell Gefahr, zu scheitern, da er von einer alten Liebschaft namens Bibi Randall (Magda Konopka) erkannt und identifiziert wird. Der KGB und seine Helfershelfer sind alarmiert und es beginnt eine Jagd, die nur ein Ziel verfolgt: Den Feind endgültig zu liquidieren...

Bei Harald Philipps "Liebesnächte in der Taiga" handelt es sich um einen vielleicht nicht ganz lupenreinen Eurospy-Vertreter, allerdings lassen sich zahlreiche Anleihen innerhalb des Tauziehens zwischen den erklärten Erzfeinden West und Ost finden. Wie erwartet, tauchen alleine wegen dieses Nährbodens allerlei Klischees und Inhalte der Kolportage auf, was sich jedoch von Zeit zu Zeit als wichtiges und effektives Stilmittel in diesem Film herauskristallisieren wird, sodass er seine anvisierten Ziele spielend erreichen kann. Ein ganz besonderes und gezieltes Augenmerk muss hier auf den Stab und vor allem die Besetzung gelegt werden, die auf den ersten oder sogar zweiten Blick mehr als unwirsch wirkt, immerhin verschleppt der über die Maßen romantisierte deutsche Titel die kalte Realität dieses Streifens erheblich. Wen bekommt man letztlich innerhalb dieser Hetzjagd zu sehen? Die Haupt- und wichtigen Zubringerrollen werden von internationalen Stars angeführt, doch es kommt auch zu spektakulären Ergänzungen, die den Verlauf mit Raffinesse und Überzeugungskraft prägen werden. Insbesondere deren Wandlungsfähigkeit im Rahmen völlig anderer Einsatzgebiete bringt einige Überraschungen zutage, bei denen Regisseur Philipp offensichtlich daran interessiert ist, Spannung über Grausamkeit, Härte und das Fehlen von Moral herzustellen. Aufgeteilt wie ein Schachbrett, bäumt sich der Verlauf nicht selten verheißungsvoll auf, und trennt sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit von den Bauern dieses Spiels, während einige Offiziere ebenfalls Gefahr laufen, urplötzlich liquidiert zu werden. Dies alles hört sich nach einem klassischen Selbstläufertum an, allerdings hat "Liebesnächte in der Taiga" auch mit nicht unerheblichen Längen zu kämpfen, insbesondere dann, wenn die Regie die beinahe romantische Ankündigung des Titels etwas zu genau nimmt. Hier funktionieren Marie Versini und Thomas Hunter zugegebenermaßen sehr gut bis überzeugend.

Sie entwickeln sich als Duo zu einer Melange, die die Todfeinde Ost und West nicht begreifen und deshalb auch nicht tolerieren können. Somit liegt Zündstoff genau wie der Blutgeruch in der Luft, von dem etliche Hyänen angelockt werden. Regisseur Harald Philipp spielt in dieser Produktion gleich mehrere Trümpfe aus: Seine unaufgeregte Routine und das Gespür für Publikumsgeschmack und Zeitgeist. In Verbindung mit Schauspielern, die Einsatz zeigen, einer Vielzahl von Charakteristika, die einen solchen Film prägen, sowie Action und Thrill, lässt sich die Produktion auch heute noch gut anschauen. Thomas Hunter macht einen nahezu perfekten Eindruck in der männlichen Hauptrolle beim Akt auf einem Drahtseil und passt erstaunlich gut zu seiner Partnerin Marie Versini, aber auch die Rollen, die sie zu interpretieren haben, gehen in beide über. Unterstützt oder bedrängt von bekannten Interpreten wie Ivan Desny, Walter Barnes, Christiane Nielsen, Staislav Ledinek oder Hellmut Lange, kann sich die mit Gefahren gespickte Geschichte sehen lassen, vor allem aber wegen der ausgesprochen exponierten Bösewichte, die hervorragend von Rolf Boysen und der eher unbekannten Biggi Freyer eiskalt dargestellt werden. Gerade hier baut die Story ungeahnte Zwänge und dichte Intervalle auf, die in Atem halten können. Geht es um Krieg, Spionage, Liebe, oder zumindest kriegsähnliche Zustände? Viele der Personen werden diese Fragen beantworten, oder für immer schweigen. Die Story nimmt ihre Beteiligten sehr sachdienlich in Eurospy-Manier in die Zange, Vorhersehbarkeiten oder gar Enttäuschungen wird eine breite Absage erteilt. Die Regie spielt ihre bisherige Genre-Erfahrung aus und bietet ein bisschen mehr internationales Flair, als es beispielsweise in seinen "Jerry-Cotton"-Verfilmungen der Fall war, sodass der mittlerweile in Vergessenheit geratene "Liebesnächte in der Taiga" ohne größere Abstriche zu machen gut funktioniert, da man eine ungewöhnlich präzise Orientierung am Zuschauer erkennen kann.

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