L'amour toujours bei Edgar Wallace

Sexwellen, Kriminalspaß und andere Krautploitation.
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Prisma
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L'amour toujours bei Edgar Wallace

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Die ersten Assoziationen mit der Edgar-Wallace-Reihe werden bei den meisten Anhängern sicherlich weitgehend die gleichen sein. Unterhaltsame Geschichten, kurzweilige Kriminalfälle, Nervenkitzel und Spannung, Atmosphäre, Rätselraten und Begeisterungsfähigkeit sowie Humor, Schein und Sein, ein Hauch von Tragik und ein hoher Wiedererkennungswert schließen sich geballt zu einem Gütesiegel zusammen. Bei der Beschäftigung und der Zeichnung der Charaktere innerhalb der Filme, kam auch die Betrachtung der Beziehungen zueinander nie zu kurz, und ein ebenfalls charakteristischer Baustein dieser Geschichten war oftmals die sich anbahnende Zuneigung der Haupt-Protagonisten. Dieses romantische Element lässt sich in der Regel zwar eher im Rahmen der Nebenhandlungen ausfindig machen, trägt allerdings zu einem Gleichgewicht zwischen Träumen und Märchenkosmos innerhalb all der prosaischen Mord- und Totschlag-Geschichten bei.

Liebe (über mhd. liep, „Gutes, Angenehmes, Wertes“ von idg. *leubh- gern, lieb haben, begehren), sie hält viele Definitionen bereit. Beschränkt man sich auf die klassische Einschätzung, wird einem zunächst sicherlich weniger einfallen als bei der ganz persönlichen Behandlung des Begriffes. Wie aber sieht eigentlich die Analyse im cineastischen Sinne aus, und insbesondere innerhalb der Wallace-Reihe? Ein Thema, das mit diesem Thread eine genauere Betrachtung erfahren wird. Im Film kann man das immer sehr gerne integrierte Thema Liebe eigentlich ziemlich gut in Produktionsdekaden einteilen und einen immer zeitgemäßen Wandel feststellen, oftmals waren Verantwortliche besonders daran interessiert, die Thematik der Zeit voraus abzuhandeln. Bei den Edgar-Wallace-Filmen war die Gefühlswelt der Protagonisten so gut wie immer fester Bestandteil der Krimi-Traumfabrik, nicht nur als Ausgleich zwischen all den Todesschreien und kriminellen Machenschaften, sondern sicherlich auch als willkommener Schauwert, den viele Zuschauer einfach gerne sehen wollten. Betrachtet man die Serie chronologisch, so fallen einem nicht nur bestimmte Darsteller ein, die vor allem mit amourösen Aktivitäten in Verbindung gebracht werden, oder solche, die gerne als Pendant eingesetzt wurden, sondern es lässt sich auch definitiv ein Wandel feststellen.

Natürlich sah die Dramaturgie um ein mögliches Paar 1959 ganz anders aus als im Jahr 1971, aber fallengelassen wurde dieser Aspekt, der für viele Zuschauer wohl eine Art Balsam für die Seele darstellt, eigentlich nie komplett. Auch bei Wallace kam man im publikumswirksamen Sinne nicht daran vorbei, dass aus suggerierter Liebe und echten gespielten Gefühlen schließlich eher Libido wurde, was auch heute noch einen Streitpunkt bei zahlreichen Fans darstellen dürfte. »Ich liebe Dich!«, wie oft konnte man das eigentlich in den Wallace-Filmen hören? Es kann jedenfalls nicht häufig vorgekommen sein, wenn einem spontan nur eine Radiowerbung aus "Der Hexer" mit einem anschließenden Maschinenpistolen-Gewitter in den Sinn kommt. Also wurde folglich meistens Wert auf die Dosierung gelegt und es sollte sich der Großteil der erst gar nicht gezeigten Szenen in der Fantasie der Zuschauer abspielen. Oftmals geglückt, aber auch häufig vollkommen misslungen, stehen also romantische Verbindungen zu Buche, die mehr oder weniger in Erinnerung geblieben sind. In diesem Thread soll die Chronologie der Verbindungen sowie der Alternativen dargestellt werden. Es soll kein falscher Eindruck entstehen, dass der Versuch gestartet wird, die Reihe in irgend einer Form romantisieren zu wollen. Liebe, Zuneigung und Gefühl ist und bleibt lediglich eine Zutat, der ich persönlich nie viel Gewicht zugebilligt habe und daher eher die Beiträge schätze, die sich in vornehmer Zurückhaltung und Diskretion gefallen, oder sich verspielt in Andeutungen verlieren.

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»Wenn ich mal etwas angefangen habe, dann bringe ich es auch zu Ende, besonders wenn es sich dabei um jemanden handelt, den ich... Den ich sehr gerne mag!« Richard Gordon stockt zwar, bringt aber seine Zuneigung für Ella Bennett ziemlich genau auf den Punkt. Bereits beim ersten Aufeinandertreffen der beiden, wird der Zuschauer ein nicht unerhebliches Knistern in der Luft feststellen können, und durch kleine ironische Anspielungen und mehr oder weniger deutliche Signale in der Körpersprache ahnt man sofort, dass sich eine Romanze anbahnen wird. Zu dieser Zeit konnte sich der Mann also die Liebe auf den ersten Blick durchaus leisten, im Gegensatz zur bürgerlichen, anständigen Frau, die erst einmal erobert werden musste. Joachim Fuchsberger bietet als Mann der ersten Stunde in jeder Beziehung eine Art Modell-Charakter, der häufig aufgegriffen und variiert, aber eigentlich nie wieder erreicht wurde, außer von ihm selbst. Die Wallace-Premiere zeigt einen wichtigen, und daher nennenswerten Einstieg, die beiden Protagonisten Eva Anthes und Joachim Fuchsberger bedienen das Prinzip der wahren Film-Liebe, da eine mittellose Schönheit von einem Millionär hofiert wird. Als wirkungsvolle Verstärker fungieren hierbei eine Reihe anderer Personen und schaffen einen deutlichen Kontrast. Hier ist insbesondere die Affäre zwischen Eva Pflug und Walter Wilz zu nennen, die unter ganz anderen Voraussetzungen stattfindet und das Glück von Richard und Ella bedrohen wird. Auch die Titelfigur selbst wird für derartige Komplikationen sorgen, da "Der Forosch mit der Maske" seine gierigen Krallen nach Ella Bennett ausstrecken wird.

Das Prinzip der Nebenbuhler verstärkte seit jeher das Empfinden für Recht und Ordnung beim Zuschauer, auch fernab eines Verbrechens, und sorgt für eine Balance innerhalb des Kriminalfalles, aber ist auch letztlich der Spannung zuträglich. Eva Pflug als Lolita kann gleichermaßen als Pendant zu Joachim Fuchsberger, aber auch zu Eva Anthes angesehen werden, da sie indirekt die Tugenden der Protagonisten hervorhebt und im Direktvergleich Frau gegen Frau, gerade gemessen am Produktionsjahr, ungewöhnlich verführerische Akzente setzt. Dies alles lässt das Drehbuch bei der weiblichen Hauptrolle vermissen, um für die Glaubwürdigkeit der Hintergründe zu sorgen. Walter Wilz hebt durch seine Achtlosigkeit, Impulsivität und mangelnde Erfahrung die Kernstücke eines Richard Gordon deutlich hervor. Über allem schwebt allerdings "Der Frosch mit der Maske" wie ein schwarzer Schatten und bedient die Beteiligten wie Schachfiguren in seinem perfiden Spiel. Er hat eigene Pläne mit Ella und will sie mit drastischen Mitteln an seine Seite zwingen. So hat Richard Gordon alle Hände voll zu tun und muss an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen. Und trotzdem ist noch Zeit für die Liebe? Bei Edgar Wallace musste es möglich sein, um die empfindlichen Zuschauer nicht zu sehr zu strapazieren. Aber genau hier zeigen sich die Qualitäten insbesondere von Joachim Fuchsberger, der in allen Belangen Identifikationspotential aufbauen konnte. Zu Eva Anthes lässt sich sagen, dass sie vor allem bei Mehrfach-Sichtungen gewinnen kann, und sie aufgrund der Tatsache, dass sie eben für das Erstlingswerk verpflichtet wurde, eine Art Sonderstatus behält.

So geschieht, was geschehen muss, und Ella wird langsam aber sicher als Objekt der Begierde aufgebaut. Es soll kein falscher Eindruck entstehen, denn die gewollt züchtige Interpretation lässt vor allem nur Spielraum für Vermutungen zu und appelliert an die Fantasie des Zuschauers, außerdem staffiert Lolita das Szenario mit Sex-Appeal und weiblichem Kalkül aus. Dennoch interagieren die beiden Hauptdarsteller sehr gut miteinander, eine kleine Geste hier, eine vorsichtige Berührung da, und vereinzelt wieder deutliche Worte die Zuneigung signalisieren. Im Grunde genommen ist es "Der Frosch mit der Maske" selbst, der das Zusammenfinden ebnet und entgegen seiner eindeutigen Interessen sogar beschleunigt. Der komplette Filmverlauf lässt in Sachen Liebes-Prognose keinen Zweifel offen. Nicht nur, dass sich Richard und Ella finden werden erscheint vollkommen offensichtlich, sondern sie werden auch ein gemeinsames Leben nach dem Ende des bedrohlichen Frosches führen, was einem das Ende des Films auch deutlich suggeriert. Das unschuldige Aufzeigen dieser Romanze erweist sich in allen Belangen als gut dosiertes Stilmittel. Da nicht übertrieben wird und die prosaisch angehauchte Geschichte deswegen auch ihren Lauf ohne Umwege nehmen kann, ist die romantische Nebenhandlung sehr gut verträglich und dem Film als Ausgleich auch nützlich. Die Grundvoraussetzung für weitere romantische Verflechtungen ist hiermit also sehr wegweisend geebnet worden, und dem persönlichen Empfinden nach müssen sich bei Wallace alle Herren der Schöpfung insgesamt mit Joachim Fuchsberger messen, auch bei amourösen Inhalten. Durch Eva Anthes hingegen, werden es die Damen der Serie um Einiges leichter haben, sich hier zu profilieren.


DER FROSCH MIT DER MASKE

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Bereits im zweiten Beitrag der Wallace-Reihe bekommt man es vergleichsweise mit vollkommen unterschiedlichen Voraussetzungen in Sachen romantischer Konstellationen zu tun. In diesem Fall hat man es innerhalb eines in sich abgeschlossenen Kriminal-Kosmos aufgrund der modernen Verkörperung durch Renate Ewert mit einer der wohl interessantesten Frauenfiguren zu tun, und die Dramaturgie sieht hier keine vorgefertigte Liaison ab der ersten Minute vor. Natürlich bleibt die Frage bestehen, wie die ganze Geschichte wirkt, wenn man sie häufiger gesehen hat, allerdings darf sicherlich behauptet werden, dass der Effekt beim erstmaligen Anschauen sicherlich erfrischend wirkt. Renate Ewert leistet in Jürgen Rolands Beitrag eine nicht unwichtige Arbeit, denn sie charakterisiert eine Art Prototyp für weibliche Rollen, die es erst in späteren Jahren in Hülle und Fülle geben sollte, vor allem fernab von Wallace. Um sie herum bildet sich eine Dreieckskonstellation, die durch Thomas Alder und Klausjürgen Wussow gestellt wird. Zieht man lediglich den Vergleich zum Vorgängerfilm heran, so werden hier die Schablonen der weiblich-männlichen Rollenverteilungen nicht nur angenehm aufgeweicht, sondern ganz unkonventionell transportiert, wenn es auch sicherlich nicht in letzter Konsequenz geschieht. Betrachtet man Thalia Drummonds erste Szene mit Jack Beardmore, so lässt sich auch hier eine aufgeladene Spannung im amourösen Sinn herausfiltern, wenngleich sie auch nur einseitig und von Jack auszugehen scheint. Beim Bogenschießen beobachtet man so einen ersten Annäherungsversuch, der jedoch mit Schlagfertigkeit abgewiesen wird.

»So romantisch bin ich nun wieder nicht, dass ich mir einen armen Verehrer leisten kann«, hört man Thalia mit einem ironischen, wenn auch bestimmenden Unterton verkünden, und Jack wirkt ein bisschen gekränkt, da er durch die Blume recht deutliche Worte vermittelt bekommt. Die Basis wird also bereits hier gelegt und darüber hinaus deutlich herausgearbeitet, dass man mit Thalia Drummond - und vor allem der Schauspielerin Renate Ewert - keine Person zu sehen bekommen wird, die sich verängstigt in schützende Arme zurückziehen und sich mit einfachen Mitteln erobern lassen wird. Ferner wird Klausjürgen Wussow als Derrick Yale in die Geschichte integriert, der zumindest dem Empfinden nach Interesse an der schönen Sekretärin bekundet. Es gestaltet sich dabei ganz klassisch, dass sich die beiden Herren um Thalias Gunst in einem kleineren Revierkampf wiederfinden werden. Jack reagiert hitzköpfig und aggressiv, falls deutliche Worte über den Leumund der Partie seiner Wahl fallen, und der interessante Kniff besteht darin, dass man als Erst-Zuschauer möglicherweise nicht gleich ahnt, wer das Rennen machen wird. Thalia setzt zwar spürbare Signale, doch diese wirken ebenso verwirrend wie ihr doppeltes Spiel. Jack wirkt zu unerfahren und eigentlich auch zu uninteressant, als dass man in Erwägung ziehen könnte, Thalia könne sich ernsthaft für ihn interessieren;,außer vielleicht seines Geldes wegen. Derrick Yale hingegen spielt seine Stärken aus, indem er unverblümt zeigt, wie man selbstbewusste Frauen anzupacken hat. Unterm Strich bleibt jedoch Renate Ewert, die sich keiner herkömmlichen Liebesgeschichte beugen wird, was den Verlauf in der Nebenhandlung mit zusätzlicher Spannung und Brisanz anreichert.

Über all dem steht allerdings "Der rote Kreis", der sekundär natürlich eine Bedrohung für die Zwischenmenschlichkeit darstellt, vor allem aber für einige Existenzen. Die Titelfigur ist bezüglich Thalia dieses Mal nicht an ihr als Frau interessiert, sondern hauptsächlich an einem funktionierenden Zahnrad in seiner Maschinerie, die aus Raub, Mord und Erpressung besteht. Betrachtet man seine Machenschaften, so entsteht ein überaus eindeutiges Profil. Er schreckt auch vor außerordentlichen Maßnahmen nicht zurück, nicht nur dass er selbst Frauen bedroht, im Zweifelsfall tötet er sie auch, und das ohne falsche Sentimentalitäten. Schlechte Voraussetzungen für eine mögliche Liaison, vor allem wenn das Zielobjekt sich zusätzlich noch in einer frech-abweisenden Haltung gefällt. Die Chemie zwischen Renate Ewert und Thomas Alder funktioniert nur, weil die Dramaturgie es letztlich verlangt, sieht der Zuschauer doch vollkommen ungleiche Verhältnisse zwischen beiden. Selbst die Liebes-Prognose, die nahezu über den kompletten Verlauf gewollt nebulös gehalten wird, will am Ende nicht zündend funktionieren, da doch ein klassischer Rollentausch im Sinne eines Rückschritts stattfindet. Thalia lässt sich nahezu ungefragt in die Tasche stecken und man wird mit einem schnellen Ende konfrontiert. Kein Wunder also, dass man sich in Gedanken ein alternatives Ende ausmalt und dieses auch weiter führt. Leider ist es so, dass der Haupt-Kritikpunkt in diesem Fall an Thomas Alder haften bleibt, sodass man ihm hinter vorgehaltener Hand eine schwache Leistung unterstellt, zumindest als Liebhaber. Was Renate Ewert angeht, so traut man ihr durchaus zu, dass sie lediglich eine Etappe genommen hat und sich irgendwann einen Partner suchen wird, der ihr die Stirn bieten muss, und nicht umgekehrt.


DER ROTE KREIS

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Der immense Erfolg der noch sehr jungen Edgar-Wallace-Reihe der Rialto Film provozierte andere Produktionsfirmen förmlich, ebenfalls derartige Beiträge ins Rennen zu schicken und "Der Rächer" kann im Sinn einer ernstzunehmenden Konkurrenz als solides Produkt wahrgenommen werden. Kann dieser Film von Karl Anton dies aber auch im Spiegel des Thread-Titels von sich behaupten? Eine Antwort dazu kann breitfächrig ausfallen, wird aber unterm Strich nur ein logisches Resümee hervorbringen können, da unweigerlich Vergleiche gezogen werden. Die Konkurrenz schläft also nicht, wie man so schön sagt, wirkt in einigen Belangen allerdings ziemlich verschlafen. Um beim relevanten Thema zu bleiben, trägt dieser Eindruck auf den ersten vagen Blick nur zwei Namen, nämlich Heinz Drache als Michael Brixan und Ina Duscha als Ruth Sanders. Nimmt man sich gedanklich zunächst nur den Hauptdarsteller vor, so scheint eine Offensiv-Romanze so gut wie ausgeschlossen zu sein, da der Wallace-Experte doch gleich weiß, mit wem er es zu tun bekommt. Heinz Drache steht im Gegensatz zu vielen anderen seiner Kollegen definitiv beispiellos da, war er es doch, der immer gerne den Eindruck vermittelte, dass er sich stets mehr schätzt als andere respektive seine potentiellen romantischen Verbindungen. Bei seinem ersten Auftritt hatte es die Dramaturgie somit noch nicht heraus, dass er - egal wen er zu interpretieren hatte - keine amourösen Ambitionen glaubhaft vermitteln konnte und jede Suche nach einer Partnerin zum ungelenken Kraftakt werden musste. Drache kreiert nie den Eindruck, dass er die Fähigkeit besitzt, die weibliche Hauptrolle auf Händen tragen zu wollen, sie im Sinne der vorgefertigten Interaktion für die Augen des Zuschauers anzubeten.

Vielmehr war es umgekehrt, denn der Darsteller ist es, der angebetet werden will. Diese Strategie entstammt einer Zeit, deren Ansichten sich längst verändert hatten (die aber gerade in diesem recht antiquiert wirkenden Beitrag noch genüsslich transportiert werden), und leider muss man sagen, dass dies hier alles auf dem Rücken von Ina Duscha ausgetragen wird, die ohne den gezielten Blick schwächer wegkommt, als sie es womöglich verdient hat. Der Aufbau der Romanze wird nun ganz klassisch und offensichtlich aufgebaut, was auch erforderlich ist, weiß man doch um Heinz Draches mangelndem Fingerspitzengefühl in diesen Belangen. So verlaufen die ersten Aufeinandertreffen recht angenehm, im erweiterten Sinne sogar glaubhaft, bis sich jedoch der Eindruck manifestiert, dass Brixan primär an der Aufklärung seines Auftrages interessiert ist. Was sonst abfallen könnte wird in die Kategorie Boni verwiesen. Bei diesem Spagat zwischen Ermittlungen und Romanzen wurde zuvor und danach hinlänglich bewiesen, wie man es besser lösen kann. Die anfängliche Leichtigkeit muss schließlich zugunsten anderer Aufgaben weichen, was in einem Kriminalfilm naturgemäß auch wünschenswert ist, aber leider mangelt es hier an diversen Finessen und einer zuschauerfreundlichen Sensibilität. Anders als in den beiden Vorgängerfilmen, ist es dieses Mal nicht die gefährliche Titelfigur, die den Verlauf der gebahnten Romanze stören wird, sondern ein hartnäckiger Nebenbuhler steht für die latente Bedrohung. Benno Sterzenbach als Sir Gregory hat sich die attraktive Schauspielerin Ruth für vergnügliche Stunden und vermutlich als eine Trophäe in seinem Fotoalbum auserkoren. Dieser Umstand muss den potentiellen Gewinner um Ruths Gunst aufmerksam werden lassen.

Nach kürzester Zeit bleibt jedoch auch hier der Eindruck bestehen, dass die Arbeit definitiv vor dem Vergnügen kommen muss, und die abneigende Haltung, die Drache gegenüber Sterzenbach dokumentiert, eher den Ursprung hat, dass Sir Gregory sich unkooperativ und renitent zeigt, was die Eitelkeit des Mannes mit Nadelstichen verletzt. Was Ruth Sanders anbelangt, so scheint es, als habe sie sich mit Michael nur das kleinere Übel auserkoren. Wer Ina Duscha aus anderen Produktionen kennt, wird ihr attestieren, dass sie in einer Rolle eingesetzt wurde, die sie nicht zuletzt in einer männlich-weiblichen Beziehung unterfordert. Die Schauspielerin zog sich im realen Leben bereits 1963 aus dem Geschäft zurück und hier kann man im Sinn einer Prognose bezüglich dieses Beitrags eine gedankliche Brücke bauen. Falls es denn tatsächlich dazu kommen sollte, wird sie sich auch aus einem gemeinsamen Leben mit Michael Brixan zurückziehen, denn sie hat weitaus höhere Ansprüche, andere Visionen und feinfühligere Antennen. Auch wenn sie aufgrund der Dramaturgie in die Position des Schwächeren gezwungen wird, ist sie vom Naturell her keine Frau, die sich mit derart widrigen Voraussetzungen begnügen wird. Der Ermittler der Geschichte, ein Globetrotter und gewissenhafter Arbeiter, wird auch diese Station vom Winde verwehen lassen, neue Abenteuer finden. "Der Rächer" dokumentiert somit die bislang fahrigste Romanze der noch jungen Reihe, was für Heinz Drache Konsequenzen haben sollte. Ihm wurden bis auf Weiteres Jagden nach sinnlosen Intermezzi untersagt, vor allem aber dem Zuschauer nicht weiter aufgetischt. Ein Kuss im romantischen Umfeld ist einfach zu wenig, um den aufmerksamen Zuschauer zu täuschen und ihn vergessen zu lassen, was bereits war: Wer davor kam oder hinterher kommt, trägt andere Namen und heißt im Zweifelsfall vielleicht nicht immer gleich, allerdings keinesfalls Michael Brixan.


DER RÄCHER

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Wo sich das Beziehungskarussell in den ersten Beiträgen noch suchend, wenn auch nicht ziellos am drehen war, sieht man in "Die Bande des Schreckens" vermutlich den Prototypen der amourösen Konstellationen, den Karin Dor und Joachim Fuchsberger als Messlatte für viele zuvor und auch danach erschienene Beziehungen nicht nur bilden, sondern durchaus etablieren konnten. Erneut gibt es bei den Hauptpersonen alternative Anlegungen, so gibt Joachim Fuchsberger wieder den beherzten Ermittler mit der Fähigkeit, seinen Fokus auch auf die angenehmen Dinge im Wallace-Kosmos zu richten, allerdings sieht er trotz seines noch jungen Alters dem Ende seiner Inspektoren-Laufbahn ins Auge, zugunsten einer gesicherten Rückkehr in den Schoß seines reichen Vaters, der die beruflichen Kapriolen seines Sohnes nur widerwillig duldet. Karin Dor als berufstätige, und vor Gefahren zu schützende Frau, stellt das schöne Objekt der Begierde dar, und das wieder in mehreren Beziehungen zugleich. Bereits das erste Aufeinandertreffen führt eine offensichtliche Zuneigung auf, die bei diesen beiden Interpreten ganz selbstverständlich, ja, fast schon naturgemäß erscheint. Die Luft brennt, Inspektor Long macht kein Geheimnis daraus, dass Liebe auf den ersten Blick die Zeit tatsächlich sehr effektiv verkürzt. Nora, eine progressiver wirkende Mischung aus der klassischen Frau von damals, die allerdings definitiv schon an morgen denkt, lässt sich genüsslich auf den vorprogrammierten Flirt, der sie buchstäblich ausfindig gemacht hat, ein, aber zeigt sich ganz dem Stile einer Dame entsprechend zurückweisend, was aber eine spätere Einladung in Aussicht stellt. In Harald Reinls Film wurde schließlich das Wallace-Traumpaar geboren, und hierbei wirkt nichts gestellt oder gar schwerfällig konstruiert.

So kommt einem das natürlich und flexibel wirkende Schauspiel der beiden wie eine Offenbarung vor, die den Film im Rahmen der amourösen Nebenhandlung immer wieder auflockert und bereichert, letztlich aber auch der Spannung enorm zuträglich ist, da verbrecherische Hände - in diesem Fall natürlich die "Galgenhand" - nach dem sich anbahnenden, jungen Glück greifen werden. Joachim Fuchsberger meistert auch diese Mehrfachanforderung sehr glaubhaft und kann die Sympathien der Zuschauer spielend auf seine Seite ziehen. Karin Dor tut das Übrige dazu, denn innerhalb der Anlegung des Charakters wird effizient mit Gegensätzen gespielt. Die eigentliche Stärke der jungen Frau wird bedroht, sodass sie in vielen Situationen angreifbar und verletzlich wirken wird, und somit einen fähigen Beschützer nötig hat. Misstrauen und Vertrauen, Unkenntnis und Erkenntnis sowie Niederträchtigkeit und Tugenden stellen hilfreiche Kontraste dar, um gerade mit Karin Dor mit zu fiebern. Die Regie kreiert sehr bedrohliche Momente, sowohl für Inspektor Long, als auch insbesondere für Nora Sanders, die mit einem Zusammenfinden belohnt werden sollten, beziehungsweise müssen. Eine hilfreiche Zutat stellt das Thema Missgunst und Eifersucht dar. Das gerne verwendete Prinzip des Nebenbuhlers verstärkt die Wachsamkeit des Ermittlers und potentiellen Partners um ein Vielfaches, und das passende Gesicht für eine vollkommen abstoßende Figur, die Nora in die Enge treiben will, liefert der präzise aufspielende Ulrich Beiger, der hier wie der Wolf wirkt, der Kreide gefressen hat. Aber auch andere Verwirrung stiftende Charaktere erweisen sich als aussagekräftige Figuren in einer sich permanent selbst regulierenden Schachpartie. Bleibt man bei Karin Dor, so sieht sie sich mit einigen Gegenspielern konfrontiert, deren Absichten nicht immer klar wirken.

Bei Joachim Fuchsberger sieht es daher schon eher nach einem offenen Kampf aus. Elisabeth Flickenschildt gestaltet ihren Umgang beispielsweise als eine Art Gesellschaftsspiel, das ihr sichtlich Freude und wenig Mühe bereitet. Sie zeigt Verachtung, Hohn und Spott, degradiert ihn als unfähig, doch dies geschieht alles in der Gewissheit, dass man es mit einem ernstzunehmenden Gegner zu tun hat, den man vor allem nicht unterschätzen sollte. Karin Kernke macht ihm trotz inniger Liebe zu einem anderen Herrn ganz unverblümte Avancen, was weniger als ernsthafte Absicht gedeutet werden sollte, als eine Rückmeldung im Sinne von Longs besonderer Wirkung auf Frauen, genau wie es die aufreizende Patientin im Krankenhaus tut. Bislang ist das Element im Sinne des Thread-Titels in "Die Bande des Schreckens" am deutlichsten und am stichhaltigsten herausgearbeitet worden, auch bekommt man dem Empfinden nach den Eindruck, dass die schönste Nebensache der kleinen Wallace-Welt hier wesentlich prominenter, sprich, ausgiebiger in Szene gesetzt wurde, möglicherweise als Gegenpol für die teils brutalen Vorgehensweisen der unerbittlichen Verbrecherbande. Dies hat zur Folge, dass man ein Zusammenfinden der beiden Protagonisten nicht nur erwartet, sondern es beinahe schon verlangt. Das leichtfüßige Agieren der Hauptdarsteller bewirkt eine günstige Ausgangsposition, die man im Film nur schwer konstruieren kann. Man nimmt die beiden als eine Art Traumpaar wahr, außerdem ist es gut möglich, dass die Fantasie des Zuschauers ein paar Blüten treibt, die sogar über die Grenzen dieses Beitrags hinausgehen können. Chefinspektor Long und Nora Sanders bilden letztlich eine beflügelnde Einheit, die bei Edgar Wallace nicht mehr alle Tage reproduziert werden konnte.


DIE BANDE DES SCHRECKENS

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Re: L'amour toujours bei Edgar Wallace

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In Jürgen Rolands "Der grüne Bogenschütze" schaut man auf eine potentiell verlässliche Bank, hat man es in der noch so jungen Reihe doch mit zwei Interpreten zu tun, die bereits Wallace-Erfahrung als Referenz vorzeigen konnten. Klausjürgen Wussow und Karin Dor hatten es zuvor mit anderen Partnern zu tun, auch waren die Anlegungen der Rollen verschieden, außerdem transportierten die Konstellationen untereinander gegensätzliche Strategien. Falls man das Spektrum der Zuneigung unter die Lupe nimmt, wird es sehr deutlich, dass es sich um einen Bereich handelt, der den Zuschauern nicht einfach lieblos zum Fraß vorgeworfen, sondern in vielen Facetten durchdacht wurde. In bislang fünf Filmen gab es eigentlich genauso viele unterschiedliche Herangehensweisen, was diese gerne unterschätzte Zutat als zumindest in Gedanken der Verantwortlichen wichtigen Bereich unterstreicht. Betrachtet man Karin Dor und Klausjürgen Wussow im gemeinsamen, aber auch im separaten Schauspiel, so geht die Strategie eines klassischen Wallace-Paares weitgehend auf. Es wurde offensichtlich Wert darauf gelegt, beide in ein noch nicht dagewesenes Licht zu rücken, genau wie es augenscheinlich die Absicht beim kompletten Film gewesen ist. Inspektor Featherstones kriminalistische Fähigkeiten scheinen ebenso gut ausgeprägt zu sein, wie seine amourösen Kapriolen. In seinem Wesen findet sich kaum Sachliches oder Ernsthaftes, sodass Valerie Howetts Interesse insgeheim geweckt wird. Sie allerdings lässt sich mit vollstem Vergnügen auf dieses Spiel ein, treibt es auch immer wieder selbst an, bremst es aus, und man möchte sagen, dass es sich eher um einen für beide Seiten erfrischenden Flirt handelt.

Bislang entstand noch in keinem Film der Eindruck, dass bei den Hauptpersonen mit derartiger Koketterie jongliert wurde. Es ist so offensichtlich, dass jedem der beiden dieses Spielchen gefällt, wenn nicht sogar insgeheim imponiert, aber dennoch wirkt es schließlich so, als sei es das Hauptinteresse beider Protagonisten, diesen Zustand so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, da die Gefahr besteht, dass bei diesem unkonventionellen Weg die Luft spätestens beim konventionellen Ziel heraus wäre. So beschäftigt sich der komplette Verlauf lieber mit teilweise erotisch aufgeladenen Andeutungen und Plänkeleien, für die meistens Klausjürgen Wussow verantwortlich ist, und der dieses Umwerben auch nicht uninteressant gestaltet. So vergibt man ihm seine teilweise überhebliche Ader gerne, da im Zusammenspiel mit Karin Dor manchmal eine aufgeheizte Atmosphäre entsteht, und er definitiv ernste Absichten mit seiner verführerischen Gegenspielerin hat. Karin Dor beweist im Rahmen des Themas ihre Wandlungsfähigkeit und kreiert einen erstaunlichen Kontrast zu ihrer ersten Rolle bei Wallace, ohne dabei die Grundsätze zu vergessen. Plötzlich verkörpert sie dezente Erotik und gestaltet eine permanente Aufforderung in ihrem Wesen, die sie allerdings durch gespielte Abweisung übermittelt. Dieses amouröse Hin und Her sorgt angenehmerweise für viel Charme und eine beliebig wirkende Grundspannung, denn es ist eigentlich klar, dass der Pfeil des Amor noch treffsicherer gewesen ist, als der des grünen Bogenschützen. Da dieser Bereich nicht nur aus Neckereien bestehen kann, wurden einige bedrohlich wirkende Personen mit einbezogen, die das mögliche Glück des Paares unterwandern.

Karin Dor spielt hier mit einer Waffe namens Sex-Appeal, die sie aber zu dieser Zeit noch nicht richtig unter Kontrolle hatte, und so geht der Schuss in bestimmten Situationen nach hinten los, insbesondere wenn Stanislav Ledinek ihr nachsteigt. Ledinek hat keine Antennen für gewisse Nuancen und zarte sowie deutliche Hinweise bei der Fahrt auf dem Liebeskarussell. Er scheint es gewöhnt zu sein, dass eine Frau entweder ja oder nein sagt, wobei es ihn nicht sonderlich interessieren dürfte, denn er interpretiert immer nur eine Zusage: Angestachelt von der prinzipiell auffordernden Howett'schen Art, wittert er seine Chance bei dem attraktiven Objekt der Begierde und wirkt sogar gekränkt, wenn Valerie ihm demonstriert, wie abstoßend sie ihn findet. Schließlich lässt er sich volllaufen, denn erfahrungsgemäß wird der Whisky schon gefügig machen. Diese Szenen zwischen Karin Dor und Stanislav Ledinek wirken weniger gefährlich als amüsant, und obwohl der Beschützer-Instinkt von Featherstone um ein Vielfaches gesteigert wird, geht letztlich keine latente Bedrohung von ihnen aus. Wenn der Täter am Ende schließlich zur Strecke gebracht ist und man gemeinsam jede noch so gefährliche Situation gemeistert hat, bleibt das Publikum etwas unschlüssig zurück, verlor die Interaktion doch deutlich an Intensität. Also bleibt unterm Strich ein Ergebnis, das nicht das gehalten hat, was einem über weite Strecken versprochen oder zumindest suggeriert wurde, denn ein konventionelles Zusammenfinden mag letztlich nicht so recht schmecken. In diesem Zusammenhang hätte ein zündender Regie-Einfall Wunder gewirkt, doch wenn man den Film als Einheit betrachtet, musste auch dieses kleine Fragment der Geschichte zwangsläufig Unentschlossenheit transportieren. Es bleibt ein Rückschritt im Fortschritt.


DER GRÜNE BOGENSCHÜTZE

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