DRACULAS HEXENJAGD - John Hough

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doobee
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DRACULAS HEXENJAGD - John Hough

Beitrag von doobee »

Draculas Hexenjagd
Twins of Evil
Grossbritannien 1971
Regie: John Hugh
Peter Cushing, Madeleine Collinson, Mary Collinson, Kathleen Byron, Damien Thomas

draculas hexenjagd.jpg

Die verwaisten Zwillingsschwestern Frieda und Maria (Madeleine und Mary Collinson) kommen nach Karnstein in die Obhut ihres Onkels Gustav Weil (Peter Cushing) und seiner Frau Katy (Kathleen Byron). In Karnstein hat es viele ungeklärte Todes- und Vermisstenfälle gegeben. Und im über dem Dorf thronenden Schloss Karnstein sollen teuflische Orgien gefeiert werden. Gustav ist ein religiöser Fanatiker und Vorsitzender einer puritanischen Bruderschaft. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht das Böse auszurotten. Aber anstelle auf Schloss Karnstein die wahren Uebeltäter unschädlich zu machen verbrennen sie unschuldige Bauernmädchen als vermeintliche Hexen auf dem Scheiterhaufen. Nicht zuletzt deswegen, weil Graf Karnstein (Damien Thomas) den Schutz des Kaisers geniesst. Frieda hat die Frömmelei schon bald satt und gerät in den Bann des charismatischen Grafen. Dieser macht sie zum Vampir. Als Gustav auf dramatische Art und Weise davon erfährt wird ihm endlich klar, dass er die ganze Zeit Unschuldige geopfert hat. Zusammen mit der Dorfbevölkerung macht er sich auf nach Schloss Karnstein, um dem Grafen endgültig den Garaus zu machen…..

Der vorliegende Film ist der dritte Beitrag zur Karnstein-Trilogie von Hammer, nach „Gruft der Vampire“ und „Nur Vampire küssen blutig“. Doch er hat nicht mehr viel mit der Roman-Vorlage „Carmilla“ von Joseph Sheridan Le Fanu zu tun. Nur in einer Szene, wo die Gräfin Mircalla (Katya Wyeth) durch das Blut einer Jungfrau zum Leben erweckt wird und den Grafen zum Vampir macht, wird auf Le Fanus Schauermär Bezug genommen. Vielmehr wurde die Geschichte den beiden Playboy-Playmates Madeleine und Mary Collison auf den Leib geschrieben. Die Zwillinge, die sich wie ein Ei dem anderen gleichen und nicht mit ihren Reizen geizen bieten Gelegenheit, ein paar sehr interessante Twists und auch reichlich nackte Haut ins Skript einzubauen. Auf der einen Seite die Unschuld vom Lande, die brave Maria, auf der anderen Seite die verführerische, verruchte Frieda, die eine dunkle Seite hat und sich zum Bösen hingezogen fühlt. Der englische Titel „Twins of Evil“ passt denn auch viel besser zum Gezeigten als der ziemlich dämliche deutsche Titel „Draculas Hexenjagd“, welcher aus der Popularität Draculas und der damals hoch im Kurs stehenden Witchploitation-Filme Kapital schlagen wollte. Regisseur John Hough liefert uns hier einen der stärksten Filme aus den Hammer-Studios. Ihm gelingt die Verschmelzung von Vampir- und Hexenjäger-Elementen problemlos. Er schafft eine Atmosphäre von permanenter Angst, welche auf dem Dorf lastet. Er zeigt uns den Kampf eines gottesfürchtigen Eiferers gegen die Dekadenz der Aristokratie in überwältigenden Bildern. Die Geschichte hat den einen oder anderen Durchhänger, aber immer ist man darin gefangen, sodass es nie langweilig wird. Die Ausstattung und Kostüme sind wie erwartet einmal mehr fantastisch, vor allem die Innenaufnahmen auf Schloss Karnstein müssen als sehr gelungen bezeichnet werden. Auch einige ziemlich harte und gut gemachte Splatter-Effekte gibt’s zu bewundern. Die Musik von Harry Robinson ist bärenstark und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Sie erinnert sehr an den Italowestern-Sound. Für mich als Fan dieses Genres natürlich ein weiteres Zückerchen. Man kann von diesem Film also ohne Uebertreibung von einem Gesamtkunstwerk sprechen.

Dazu tragen auch die Schauspieler bei. Sämtliche Parts wurden bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzt. Die Collinson-Zwillinge bestechen in erster Linie durch ihre Schönheit und üppigen Kurven, beweisen aber durchaus auch schauspielerisches Talent. Damien Thomas als Graf Karnstein hat eine diabolisch-erotische Ausstrahlung, welche dem grossen Christopher Lee zur Ehre gereichen würde. Ueber allen thront aber einmal mehr der grandiose Peter Cushing. Zwei Monate vor Drehbeginn war seine geliebte Frau Helen verstorben. Ein Verlust, der ihn in kürzester Zeit um Jahre altern liess und von welchem er sich nie mehr ganz erholt hat. Diese Verbitterung, diesen Schmerz sieht man ihm, ob gewollt oder ungewollt, in jeder Szene an. Sein Minenspiel sagt mehr als tausend Worte. Seine Zerissenheit zwischen dem gutem Menschen, der seine Familie beschützen will und dem blindwütigen Hexenjäger spürt man beinahe körperlich. Eine wirklich überragende Vorstellung, die uns Cushing hier bietet. Ich kenne praktisch alle seine Filme, und ich habe ihn selten besser gesehen.

Fazit: Gothic-Grusel vom Feinsten mit einem entfesselt aufspielenden Peter Cushing. Hammer-Herz, was willst Du mehr? 9/10

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