KAMPF UM ROM - Robert Siodmak

Von Herkules bis zu den drei Musketieren: Italienische Geschichtsstunden der abenteuerlichen Art
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Prisma
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KAMPF UM ROM - Robert Siodmak

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Laurence Harvey   Orson Welles   Sylva Koscina   Harriet Andersson   Honor Blackman

KAMPF UM ROM


● KAMPF UM ROM / KAMPF UM ROM - DER VERRAT / LUPTA PENTRU ROMA / LA CALATI DEI BARBARI (D|RUM|I|1968/69)
mit Robert Hoffmann, Ingrid Boulting, Ewa Strömberg, Lang Jeffries, Emanoil Petruț, Friedrich von Ledebur,
Dieter Eppler, Mircea Anghelescu, Ion Dichiseanu, Adela Marculescu sowie Florin Piersic und Michael Dunn
eine Produktion der cCc Filmkunst | Studioul Cinematografic Bucuresti | Documenta Film | im Constantin Filmverleih
ein Film von Robert Siodmak

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»Die Stunde der Rache wird kommen!«


Um 500 nach Christus bricht das einst so mächtige Römische Reich auseinander und wird machtpolitisch aufgeteilt. Herrscher über den Osten ist Kaiser Justinian (Orson Welles) in Byzanz, im Westen hat der Gotenkönig Theoderich Italien in die Knie gezwungen. Nach dessen plötzlichem Tod entfacht sich zwischen seinen Töchtern Mathaswintha (Honor Blackman) und Amalaswintha (Harriet Andersson) ein unerbittlicher Machtkampf um den Thron. Der Kronrat macht Mathaswintha zur Königin und ihre Schwester schwört Rache aus der Verbannung. Unter diesen unruhigen Bedingungen sieht der römische Adelige Cethegus (Laurence Harvey) seine Zeit gekommen und versucht, sich mit List und Intrigen Macht zu verschaffen, indem er nicht nur die neue Königin der Goten zu beeinflussen, sondern auch den byzantinischen Kaiser zu einem Krieg gegen die Goten zu bewegen versucht. Bei Hofe hat mit der schönen Kaiserin Theodora (Sylva Koscina) eine hilfreiche Verbündete gefunden...

Robert Siodmaks Geschichtsepos "Kampf um Rom" besteht aus zwei Teilen in Spielfilmlänge und mit einem Produktionsbudget von rund 15 Millionen D-Mark handelte es sich um die bis zum damaligen Zeitpunkt kostspieligste deutsche Kino-Produktion. In den Bereichen Aufwand und Ausstattung lässt sich durchaus erkennen, dass man insgesamt nicht besonders kleinlich war, obwohl aus Kostengründen in Rumänien gedreht wurde. Das Star-Aufgebot und die Komparserie sind überwältigend, sodass man es schon einmal mit günstigen Voraussetzungen zu tun bekommt. Der geschichtliche Kontext wurde durch die Dramaturgie stark verändert, was ganz konkret heißt, dass Schicksale frisiert, Personen hinzu erfunden, und Gegebenheiten komplett anders dargestellt wurden. Außerdem konnten viele Inhalte trotz der doppelten Spielfilmlänge nur angerissen werden, was ein Kritikpunkt, aber auch gleichermaßen ein Vorteil sein kann, je nachdem was das Publikum erwartet. Falls es möglich ist, die Geschichte mit all ihren reißerischen bis romantischen Auswüchsen anzunehmen, bleibt unterm Strich Unterhaltungskino der unterhaltsamen Sorte. Sucht man eher nach dem geschichtlichen Konsens, wird die Nadel im Heuhaufen möglicherweise Enttäuschung heißen. Fakt ist, dass Siodmak sein Epos so weit wie möglich zuschauerfreundlich gestaltet hat, da beispielsweise in den Bereichen Spektakel, Darstellkunst oder Dramatik etliche Hingucker geboten werden, die für einen soliden, hin und wieder sogar überdurchschnittlichen Eindruck sorgen. Lediglich die Spannungskurve geht im zweiten Teil deutlich nach unten, zumal es im Verlauf effektiv immer weniger Personen geben wird, die zuvor mitreißen konnten. Die Bildgestaltung und die Kulissen sind größtenteils beachtlich und in diesem Zusammenhang kommt zu einem empfundenermaßen authentischen Transfer.

Riz Ortolanis bombastische Klänge verhelfen diesem Spektakel in den richtigen Momenten dazu, in Verbindung mit rasanten Einstellungen auch als solches wahrgenommen zu werden, und die internationale Star-Riege weiß zu begeistern, obwohl viele Parts sehr kurz, wenngleich auch hoch präzise ausgefallen sind. Der gebürtige Litauer Laurence Harvey spielt die Rolle des machthungrigen Präfekten Cethegus überaus glaubwürdig, auch wenn es sich um keine historisch belegbare Figur handelt. Sein Schachspiel und das Konspirieren gegen so gut wie alle Lager macht ihn gefährlich, ebenso wie seine Intelligenz, die von Gegnern zwar gefürchtet, aber womöglich unterschätzt wird. Lediglich die Figur des General Narses, gespielt von einem wie immer bemerkenswerten Michael Dunn, scheint ihm und allen anderen Personen überlegen zu sein. Narses setzt auf ein indirektes Schach dem König, doch der Weg dorthin führt über ein perfides Gardez la dame, allerdings ohne vorige Ankündigung. Zuvor wartet er jedoch geduldig ab und sieht mit Vergnügen dabei zu, wie seine Pläne aufgehen. Er sitzt Gefahren einfach aus, und lässt die Beteiligten schließlich gegeneinander antreten, um später ihre Reste aufsammeln zu können. In diesem Zusammenhang kommen die großartigen Leistungen von Sylva Koscina als Kaiserin Theodora und Orson Welles als Justinian zum Tragen, die sich in ihren wenigen Sequenzen Präzisionsauftritte zur vornehmsten Aufgabe machen und die Macht in Byzanz eindrucksvoll repräsentieren. Im gotischen Lager weiß der erbitterte Kampf um den Thron zu gefallen, den sich Honor Blackman und Harriet Andersson liefern. Es wird eine große Bühne für Theatralik und Fantasie geschaffen; beide Interpretinnen zeigen Leistungen der Spitzenklasse mit Feuer und Temperament. Die romantische oder verklärte Seite bedienen vor allem Robert Hoffmann und Ingrid Boulting, hier als Ingrid Brett, sowie Florin Piersic und Ewa Strömberg in einer ihrer wenigen Charakterrollen als Rauthgundis. So trägt das Drehbuch im Kampf um Emotionen und gewissen Rührseligkeiten manchmal recht dick auf, um sicher im Unterhaltungssektor punkten zu können.

Die größte Unterstützung hierbei stellt Riz Ortolanis melancholisch und minutiös angepasste Musik dar, wenn es weniger um geschichtliche Fakten, als um Spektakel gehen soll. Im cineastischen Sinn gipfelt "Kampf um Rom" in einem Kampf um die Gunst des Zuschauers. Die genannten Vorteile lassen den doppelten Verlauf oft spannend und sehr mitreißend erscheinen. Leider geht dieser ambitionierten Großproduktion die Luft im zweiten Teil "Der Verrat" an vielen wichtigen Stellen aus, und es kommt zu immensen Zeit- und Gedankensprüngen sowie unzureichenden Erklärungen, sodass lange Strecken bis zum Finale eher eilig abgearbeitet wirken, bis sich empfindliche Längen einschleichen. Es kommen gestreckte Phasen und dramaturgische Aussetzer auf, die dem Gesamtbild leider schaden, und wenn sich die Ereignisse schließlich überschlagen, merkt man eben nicht mehr sehr viel von der ziemlich bedachten Strategie und dem recht intelligent konstruierten Aufbau des ersten Teils, der ja schließlich den Weg für den Nachfolger geebnet hat, daher ein möglicherweise fulminantes Finale suggerierte. Die große Stärke dieser Angelegenheit ist die hochwertige Dialogarbeit, die alles zwischen großen Worten und zynischen Peitschenhieben offeriert. Hier entstehen mitunter sehr starke Momente. In dieser Richtung sind einige Wölfe im Szenario aufzuspüren, die buchstäblich Kreide gefressen haben, außerdem ist die deutsche Synchronisation mehr als gelungen. Eine große Schwachstelle präsentiert sich allerdings im Bereich der Montage, denn harte, oder eher ungenaue Schnitte durchziehen den Verlauf wie ein roter Faden, was zu einem handwerklich unrunden Ergebnis führt. Über allem steht glücklicherweise der hohe Unterhaltungswert und es lässt sich schließlich wesentlich mehr Ambition herausfiltern, welche von gewissen Ungereimtheiten nicht bedeutend gestört werden kann. "Kampf um Rom" erweist sich mit seinen zwei Teilen insgesamt als gelungenes Unterhaltungspaket, und es ist selbst beim mehrmaligen Anschauen leicht möglich, Robert Siodmaks Film nachhaltig faszinierend zu finden. Sehenswert!

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Sid Vicious
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Re: KAMPF UM ROM - Robert Siodmak

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Allein die Besetzung (Robert Hoffmann, Ewa Strömberg, Lang Jeffries) ist ein Gedicht. Zudem bin ich mittlerweile eine großer Freund von Robert Siodmaks tollen Karl May-Verfilmungen, die ich den Rialtos vorziehe, sodass ich die DVD demnächst definitiv ordern werde.
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Prisma
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Re: KAMPF UM ROM - Robert Siodmak

Beitrag von Prisma »

Sid Vicious hat geschrieben:
Do., 31.12.2020 00:15
Allein die Besetzung (Robert Hoffmann, Ewa Strömberg, Lang Jeffries) ist ein Gedicht.

Wobei die oben genannten Interpreten hier tatsächlich nur gut sind. Hervorragend sind Laurence Harvey als Cethegus, Orson Welles als Kaiser Justinian, insbesondere Harriet Andersson und Honor Blackman als Schwestern Amalaswintha und Mathaswintha, sowie Michael Dunn als Narses und Sylva Koscina als Kaiserin Theodora. Ewa Strömbergs Rolle ist insofern interessant, als dass es sich tatsächlich um einen der wenigen Auftritte handelt, der aus ihrem üblichen Einsatzgebiet fällt. Aber alleine die Besetzung ist hier für eine Produktion dieser Art schon als außergewöhnlich dicht zu bezeichnen und einer der größten Anreize. Ich mag Robert Siodmak als Regisseur auch sehr gern, und seine Karl May-Verfilmungen sind für mich auch die besten Beiträge, da sie eine eher prosaische, weniger verklärende Handschrift tragen, die bei der Rialto hauptsächlich zum obligatorisch-guten Ton gehört hat. Auf die Pidax-Scheibe bin ich auch schon sehr gespannt, denn vielleicht tut sich da ja was in Sachen Bildformat und Qualität.

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Sid Vicious
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Re: KAMPF UM ROM - Robert Siodmak

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Die Pidax DVD ist im letzten November veröffentlicht worden, ob sich da wirklich qualitativ was verbessert hat, ist natürlich eine gute Frage. Der Preisunterschied ist ja im Vergleich zur Universum-DVD nicht gerade gering.
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Prisma
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Re: KAMPF UM ROM - Robert Siodmak

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● SYLVA KOSCINA als KAISERIN THEODORA in
KAMPF UM ROM (D|RUM|I|1968)



»Justinian ist zu beneiden. Er nahm die Göttin der Liebe zur Frau!« Cethegus richtet diese eindeutigen, absolut treffenden, vor allem aber berechnenden Worte an Theodora, die gefährliche Dame in seinem Schachspiel um Macht und Verrat. Die Kaiserin hingegen kämpft mit den klassischen Mitteln einer Frau und sie wendet ihre entwaffnenden Verführungskünste an. Sylva Koscina gibt Justinians Gemahlin Gestalt und ein beeindruckendes Profil, denn bereits ihre erste Szene gibt dem Auge der Kamera diskrete Einblicke auf ihre Makellosigkeit. Die Mischung Sylva Koscina und Theodora geht schon in den ersten prickelnden Momenten vollkommen auf und es handelt sich um einen absoluten Glücksgriff für diese ambitionierte Großproduktion. Sie steht im herben Kontrast zu ihren Kolleginnen, beziehungsweise Kontrahentinnen. Die Gemeinsamkeiten finden sich allerdings in den Bereichen Hochmut und Berechnung. Theodora besitzt allerdings den entscheidenden Vorteil ihrer alles durchdringenden Schönheit und der vorhandenen Macht im Rücken. Betrachtet man die historische Figur der Kaiserin, so ist recht schnell zu bemerken, dass sie zuschauerfreundliche Veränderungen durch die Dramaturgie bekam, jedoch bleibt auch zu betonen, dass ihre Figur in Robert Siodmaks Geschichtsepos vergleichsweise mehrere übereinstimmende Parallelen mit auf den Weg bekam. »Du wusstest, was für eine Frau du dir nimmst. Es hat dir sogar gefallen! Justinian kapituliert in dieser Situation, so wie er insgesamt vor dieser Frau kapituliert hat. Dieser Satz von Sylva Koscina bahnt unter anderem schließlich einen vagen geschichtlichen Zusammenhang an, der mit den umstrittenen Überlieferungen zu Kaiserin Theodora konform geht. Auch hier symbolisiert sie Verführung und Leidenschaft, Hinweise auf ihre anrüchige Vergangenheit werden geschürt, vor allem aber scheint eines im Rahmen des historischen Mythos Theodora und der Filmfigur übereinzustimmen, denn wie aus jeder Quelle hervorgeht, gibt es übereinstimmende Überlieferungen ihrer außergewöhnlichen Schönheit.

»Ich habe lange und schwer gekämpft um das zu werden, was ich jetzt bin« Diese Aussage ist nur eine von vielen großen Worten, mit denen sich die halbe Macht in Byzanz gerne inszeniert. In Verbindung mit dem Hauptaugenmerk Attraktivität, kommt es hierbei zu beachtlichen Momenten, die nicht nur die Frau, sondern häufig auch die Gebieterin in den Vordergrund stellen. Sylva Koscinas Spiellaune fällt insbesondere aufgrund der eher kurz bemessenen Auftrittsdauer in diesem langen Zweiteiler auf, bei ihren großen Worten und majestätischen Gesten hört man als Obolus noch Ursula Heyer als ihre Synchronsprecherin. Insgesamt wird eine sehr glaubhafte und verführerische Figur kreiert, die stets ihre Ziele vor Augen behält. »Weil ich gewusst habe, wie man mit Männern umgeht. Mit dummen, klugen, schwachen, starken, mit allen. Und immer hatten sie mehr Angst vor mir, als ich vor ihnen« Ein Blick auf Sylva Koscina genügt, um derartige Aussagen für bare Münze zu nehmen. Der Zuschauer wird mit vielen unterschiedlichen Gesichtern der Interpretin konfrontiert, die ihre Gegner wahlweise mit List und Kalkül, oder aber mit Verführung und Hingabe zur Strecke bringt. Koscina transportiert hoheitsvolle Gesten, überhebliche Anwandlungen, nachdenkliche Tendenzen und platziert hochmütige Blicke im Geschehen sehr präzise, ihre grundeigene Wandlungsfähigkeit wird durch einen offensichtlichen Rundumschlag aus dem Kostüm-Fundus der Produktion verstärkt, denn sie wirkt nicht nur schön und begehrenswert, sondern auch stolz, elegant aber vor allem gefährlich. Wenn sich die Ereignisse im Film überstürzen, wird sie eines von vielen der im Film angebahnten Finals beeindruckend prägen können, sodass sie in lebhafter Erinnerung bleiben wird, auch wenn der Film schon lange vorbei ist. Man darf sagen, dass die begrenzten Voraussetzungen dieser Rolle mit einem Optimum darstellerischer Finesse ausgestattet wurden. Wie Theodora einst selbst, kann auch Sylva Koscina die Proskynese für diese besondere schauspielerische Leistung verlangen. Groß!



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